Gestern war der Tag der Sternenkinder und viele gedachten online ihrer verlorenen Kinder, Fehlgeburten und viel zu früh von uns gegangenen Babys. Gleichzeitig ploppen sie nun langsam auf, die ganzen Schwangerschaftsverkündungen, die im April mit einer Geburt enden. So wie es bei uns auch hätte sein sollen. Denn die kritischen 12 Wochen seien nun um, man könne es endlich allen sagen.

Und wieder frage ich mich, ob es die Trauer erträglicher machen würde, wenn es weniger Leute wüssten, sollte man eine Fehlgeburt erleiden. 12 Wochen sind eine lange Zeit. In der Schwangerschaft mit die Aufregendste finde ich und nach wie vor ist sie geprägt von Angst und Heimlichkeit. Und wie fühlen sich all diejenigen, die eine Fehlgeburt erlitten haben?

Es geht mir mittlerweile die meiste Zeit gut. Ich bin eher sauer oder enttäuscht, aber es ist kein Verlust eines Kindes für mich. Die wachsenden Bäuche zu sehen, diese Präsenz der theoretisch zeitgleichen Schwangerschaften, fällt mir trotzdem sehr schwer, denn ich wüsste ja, dass es bei mir ähnlich wäre. Auch etwas unbedarfte Äußerungen im Bekanntenkreis sind nicht immer leicht zu verkraften, gerade wenn sie einen etwas unvermittelt treffen. Und ich frage mich, ob man nicht etwas rücksichtsvoller sein könnte.

Aber die Welt dreht sich für alle anderen weiter. Die Schwangerschaften schreiten voran, sie werden zelebriert ab 12+0. Zurück bleibt ein Tag im Jahr, in dem wir kurz laut trauern dürfen. Danach aber bitte wieder Alltag und Mitfreuen für andere Schwangere. Nein, niemand muss seine Freude verheimlichen. Es geht immer irgendwem schlechter, jemand hat Traurigeres erlebt und man kann sich deswegen ja nicht weniger für das eigene Glück freuen, weil andere einen Verlust erlitten haben. Schon gar nicht im Internet.

Ich möchte mit diesen wenigen Zeilen heute all diejenigen virtuell umarmen, die gerade leise oder laut trauern. Die sich schlecht fühlen, weil das Glück der Anderen ihnen ein Stich ins Herz versetzt. Das muss man nicht. Es ist doch nur menschlich und ich glaube, niemand erwartet sofort uneingeschränkte Freude für das Glück anderer. Ich wünsche mir, dass die ersten 12 Wochen zu einer Schwangerschaft dazu gehören, dass sie nicht so tabuisiert werden. Denn auch ich fühlte mich tatsächlich schlecht, fast als Versagerin. Wie albern. Man verhindert eine Fehlgeburt nicht, weil man nicht darüber redet. Vielleicht wäre die Zeit auch weniger von Angst geprägt, wenn sie selbstverständlich dazu gehören würde. Vielleicht würde man sich weniger allein fühlen.

Am 09.12.2018 findet dieses Jahr übrigens der Welt Sternenkinder Gedenktag statt. Seit 1996 sind alle Menschen eingeladen, in jedem Jahr am 2. Sonntag im Dezember um 19 Uhr eine Kerze anzuzünden und sie ins Fenster zu stellen, um der verstorbenen Kinder zu gedenken. Nach einer Stunde erlischt diese Kerze und wird in einer anderen Zeitzone neu entzündet. So entsteht ein Lichterband rund um die Welt. Eine schöne Idee und wir werden sicher dieses Jahr auch eine Kerze anzünden und mit Hoffnung und Dankbarkeit ins neue Jahr blicken.

Passt auf euch auf und versteckt euch nicht, wenn ihr reden wollt. Fühlt euch nicht schlecht, weil ihr euch für andere momentan nicht freuen könnt. Sucht das Gespräch mit Freunden oder eurer Hebamme und wer weiß, was die Zukunft wunderbares für uns alle bereit hält.

Autor

Seit 2011 bin ich in die Welt der Mütter aufgenommen. Mittlerweile habe ich 3 Töchter. Hier schreibt keine "typische" Mutter, die Haushalt und Familie mit links schmeißt, Modelmaße hat und nebenbei locker eine Karriere wuppt. Ich finde es okay, auch mal zu sagen "Ich bin müde! Der Mann nervt! Wir streiten öfter! Nein, ich backe, bastel und singe nicht 24 Stunden am Tag! Ja, ich mag Fast Food und ein Schnäpschen zwischendurch!" Aber auch die schönen Dinge kommen nicht zu kurz. Süße Sachen die ich im Netz finde, hilfreiche Tipps, anderes Lesenswerte und ganz viel ♥

4 Comments

  1. Es ist so wahr und nach 2 Fehlgeburten und einer Eileiterschwangerschaft haben wir es endlich geschafft und dürfen hoffentlich in vier Wochen unser erstes Kind in den Armen halten. Das letzte Jahr war der Horror und in der Woche, wo unser erstes Kind hätte geboren werden sollen, bekam mein Bruder Zwillinge.. Und man freut sich sehr für die anderen und möchte sich gleichzeitig wegschließen und einfach nur im Kummer versinken. Das Schlimme ist, dass man sich mit seinem Elend so allein fühlt, weil man sich schämt, solche Trauer zu fühlen, wenn man das Gefühl hat, dass erwartet wird, sich für die anderen zu freuen.. Mein Mann wird erst darüber hinweg sein, wenn der Kleine wirklich da ist. Und es ist so schade, dass diese Erlebnisse eine spätere Schwangerschaft immer überschatten. Man kann nur versuchen auf den Körper zu vertrauen und positiv zu denken, dass diesmal alles gut wird.
    Wir werden auch eine Kerze anzünden. Danke für diesen Beitrag!

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