Ich gebe es gern zu, ich bin irre. Manchmal. Positiv gesehen. Denn ein wenig Irrsinn gehört schon dazu, an einem Montag ein Zelt zu bestellen um am Freitag ins Zeltabenteuer zu starten. Das Ganze noch geheim und völlig ohne Vorbereitung oder Ausstattung. Ein bisschen Nervenkitzel muss wohl sein und so pokerte ich hoch, sammelte Isomatten, Schlafsäcke und faltbare Stühle von Familie und Nachbarn ein und hoffte das Beste. Das Zelt kam und mit ihm meine Erkenntnis, dass ich manchmal die Maße genauer studieren sollte, statt einfach zu lesen und zu denken: Passt schon. Und so beginnt unser Abenteuer mit Rückenschmerzen meinerseits beim Herausheben des Zeltes aus dessen Verpackung. Spätestens jetzt konnte ich das Projekt auch nicht mehr geheim halten, mein Geburtstagsgeschenk für den Mann lag gut sichtbar im Flur. Naja, er freute sich auch vor seinem Geburtstag sehr und war etwas beeindruckt (Meine Eltern übrigens auch, die ich so überfiel)

Ich sage mal so, völlig naiv und wenig vorbereitet sitzen wir also am Freitag bei 36 Grad vorfreudig und romantisch verklärt im bis oben hin vollgepackten Auto gen Osten zum Helenesee. Kein Probeschlafen, kein Probeaufbau, kein Gaskocher oder sonstwas. Nur wir, das Notwendigste und die Abenteuerlust.

Supermom_Mamablog_Camping_Zelten_Tipps_5Kurz vor 15 Uhr kommen wir an, die Fläche ist noch für Autos geschlossen, also erkunden wir nach der Anmeldung erstmal das Gelände und suchen uns einen Platz im Schatten unter Kieferbäumen. Spulen wir eine Stunde vor: Das Zelt steht und es ist riesig. Also wirklich riesig. Ich muss ein bisschen lachen, die Kinder sind mehr als beeindruckt und feiern eine erste kleine Party im Wohnbereich. Darin können wir stehen und sogar Tisch und Stühle rein räumen, sollte es regnen. Nun finden erstmal unsere zig Taschen darin Platz und wir verbringen den Tag am Wasser.

Zelten bedeutet: Freiheit, Glück und Abenteuer

Freiheit und Glück. So lassen sich die Gefühle beschreiben, die wir hier fühlen. Die Kinder erkunden das Gelände, wir bereiten das Abendbrot vor: Kartoffelsalat, Brötchen, Wiener und selbstgemachte Buletten stehen auf dem Tisch und schmecken besser als zu Hause. Den Mücken scheint es auch zu heiß, sie nerven nicht und so bricht langsam die Dunkelheit über uns herein. Wir pusten die Luftbetten auf, verteilen die Schlafsäcke und stellen fest: Handfeger und Schippe sind mehr als sinnvoll, das Zelt ist schon ziemlich dreckig, dank des staubtrockenen Untergrundes. Egal. Die Kinder unternehmen eine Taschenlampenwanderung, wir gehen noch mal baden im Helenesee und aus der Ferne erklingen interessante Technoklänge gemischt mit Gegröle der Radfahrer Typen ein paar Meter weiter. Mir schwant Übles.

Supermom_Mamablog_Camping_Zelten_Tipps_5Die Kinder schlafen tief und fest zu dritt auf einem Luftbett, für Schlafsäcke ist es eindeutig zu heiß. Mein Luftbett ist steinhart, dass Luft rauslassen die Lösung ist, stelle ich erst am nächsten Tag fest. Da regnet es nämlich. Gemütlich, denken wir und hoffen, dass das Zelt hält. Denn plötzlich bilden sich einige sehr große Pfützen um uns herum und ein paar Igluzelte treten bereits die Flucht an. Oha. Und hier merke ich erneut, warum Zelten für Viele so wunderbar ist: Sofort kommen ein paar Leute herbei, helfen den Iglu Bewohnern und graben kleine Kanäle, damit auch wir wieder etwas trockener stehen. Ein nasses Abenteuer, ein Gemeinschaftsgefühl und Abenteuer Feeling pur. Die Kinder stehen in Badeanzügen im Regen und haben den Spaß ihres Lebens. So muss das sein, denke ich und hole uns mal einen Kaffee.

Supermom_Mamablog_Camping_Zelten_Tipps_5Dass nicht alles glatt läuft, merken wir eine Woche später, als wir beim Aufbau feststellen, dass der Koffer mit allen Klamotten noch zu Hause steht, dass das Zelt irgendwie schief steht und somit die Schlafkabine nicht eingehangen werden kann und dass im Ganzen der Wurm drin ist bei den Kindern und unserer Stimmung. Immerhin eins bleibt gleich: Die erste Nacht schlafe ich eher schlecht, die Zweite bin ich zu müde und schlafe wie ein Stein. Was auch gleich bleibt: Wir beeindrucken den Platz und werden nach allerlei Dingen gefragt: Hammer, Gas, Strom….. Einer meint, wer mit vier Kindern zeltet und so ein großes Zelt hat, der muss doch Profi sein! Nö, sind wir nicht, ihr seht es geht irgendwie, auf die Größe kommt es an ;-)

Supermom_Mamablog_Camping_Zelten_TippsImmerhin haben wir am zweiten Wochenende einen Gaskocher dabei und der Kaffee blubbert jeden Morgen frisch vor unserer Nase vor sich hin. Wir werden also schon etwas routinierter und freuen uns auf kommende Wochenendabenteuer. Ob wir Hardcore-Zelt-Urlauber werden? Wenn es nach den Kindern geht, ja. Aber ich sehe mich nicht irgendwo 14 Tage im Zelt schlafen. Diese Hellhörigkeit und dass es mit Sonnenaufgang hell und laut auf dem Platz ist, strengt mich an. Außerdem möchte ich schönes Wetter haben. Mal ein Regenguss ist okay, aber letzten Samstag dauerte es schon recht lange, bis es halbwegs warm war, um gemütlich die ganze Zeit draußen zu sein, denn auch das Zelt bietet kaum Wärme und den ganzen Tag im Schlafsack möchte ich auch nicht verbringen. Aber diese andere Art der Unbeschwertheit und Freiheit ist was ganz Besonderes und wirklich mit nichts zu vergleichen. Die Kinder sind unterwegs, finden schnell Anschluss, sie helfen ganz selbstverständlich beim Abwasch und Auf-und Abbau. Mit der richtigen Ausstattung und Vorbereitung bietet Zelten wirklich ein Familienabenteuer der besonderen Art und ich bin froh, dass ich es einfach gemacht habe und wir ahnungslos im Auto saßen. Auf den nächsten Sommer freue ich mich, wenn wir an heißen Wochenenden nicht aus der Stadt fliehen und abends wieder rein müssen, sondern einfach ein Wochenende am See bleiben können.

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Meine Tipps fürs Zelten

  • In ein gutes Zelt investieren. Klar am Ende kann man nur nach Bewertungen gehen, aber Moskitonetz an den Türen ist wichtig, haben nicht alle. Eine hohe Wassersäule ist auch gut und lieber etwas größer, als zu klein.
  • Wer keine Lust hat, die halbe Küche einzupacken, sucht sich am Besten einen Zeltplatz mit Mietkühlfächern und Gemeinschaftsküche.
  • Abgepacktes wie Waffeln, Kekse, Chips (Brotchips, Tortilla Chips) helfen, den kleinen Hunger zu besiegen, bedürfen keiner Vorbereitung und sind einfach weggepackt. Außerdem schmelzen sie nicht vor sch hin.
  • Verschiedene Sirups einpacken, das spart unnötiges Brause Geschleppe, einfach Selters mitnehmen.
  • Auf schattige Plätze achten, das Zelt wird wirklich unglaublich heiß bei hohen Temperaturen.
  • „Familienfreundlich“ schützt nicht vor lauten Abenden.
  • Ohrstöpsel nicht vergessen.
  • Minimarkt rettet Leben und man kann getrost auf dem Zeltplatz bleiben für ein Wochenende.
  • Auf die Ausstattung beim Zeltplatz achten und auf die Bewertungen. Viele schöne Plätze gibt es ganz in der Nähe, man muss nicht weit reisen. Gut, wenn man den Koffer vergessen hat. Was uns wichtig ist: Minimarkt, Spielplatz, gute Sanitäranlagen, Mietkühlfächer, Gemeinschaftsküche, Seenähe und Bistro / Restaurant auf dem Platz
  • Unperfekt ist cool. Schminken wird überbewertet, die Stylo Klamotten sowieso.
  • In dicke Luftbetten, Luftpumpe und Schlafsäcke investieren. Das soll alles möglichst lang halten, wer billig kauft, kauft zweimal.
  • Kinder einspannen und tiiiieeeeeef ein- und ausatmen. Wirklich, die Kinder können auch abwaschen oder den Tisch decken und ansonsten sollen sie einfach ihre Freiheit genießen, während man mit einer Weinschorle den Hintern krumm sitzt in diesen Klappstühlen.
  • Weniger ist mehr. Man braucht kaum Klamotten oder Ausstattung, es sei denn man will Profi Camper werden und 14 Tage überstehen. Lieber in Sitzmöglichkeiten für alle investieren und nen Gaskocher. Dann kann man sich mit einem Espressokocher seinen Kaffee zubereiten oder mal Wasser für Tee kochen.
  • Wir haben eine Kühltasche mit Akkus, denn das Auto bleibt stehen, aufladen ist im Zigarettenanzünder nicht möglich, es sei denn man will sich am nächsten Tag Starthilfe holen.
  • Hammer, Schippe & Handfeger, Solarlichter und Batterie betriebene Lampen, Mückenspray sind überlebenswichtig. Na vielleicht noch eine Schaufel für Regenrinnen im Boden.
  • Auf Packmaße achten. Das muss ja alles transportiert werden und die schönste Liege nützt nichts, wenn ihr es nicht in den Kofferraum bekommt.

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Wo man fürs Zelten einkauft

Decathlon: Hier gibts nur super, oder nicht super. Aber sie haben alles. Am besten die Bewertungen durchlesen. Dieses Campingbett wurde mir des Öfteren empfohlen, aber ich muss sagen, auf nicht ganz aufgepusteten Luftbetten schläft es sich ausgezeichnet. Hauptsache sie sind etwas dick.
Thomas Philipps: Ja ich schrieb, nicht billig kaufen. Aber hier bekommt man so Kleinkram, wie Waschschüsseln, Faltstühle, Luftbetten etc.
Ikea: Kisten sind immer gut. Am besten durchsichtig. Dann kommt Ordnung ins Zelt und für den Herbst und Winter ist der ganze Camping Kram gleich gut verstaut.
Obelink: Wer hier nicht fündig wird, ist selbst Schuld. Es gibt einfach alles fürs campen
Baumärkte wie Obi und Toom: Gaskocher, Sitzmöbel, Klapptische, Luftbetten, Geschirr, hier gibst tatsächlich alles
Amazon: Ja böse und so, aber naja auf der Suche nach einem Zelt bei spontanem Anflug von Abenteuerurlaub, ist der Versandriese einfach super. Ausserdem kann man sehen, was es alles gibt, Preise vergleichen, Bewertungen lesen und dann vor Ort schauen. Das Zelt habe ich hier gekauft. Bisher sind wir sehr zufrieden.
Freunde und Familie fragen: Viele haben Campingstühle oä daheim, weil sie es fürs Festival mal gekauft haben und nun stehts rum. Mit etwas Vorlauf und wenn man nur mal zelten gehen will, ist ausleihen immer eine gute Idee

Zeltplätze im Umkreis von Berlin

Das erste Mal waren wir am Helenesee. Nett aber würde ich nicht noch mal machen wahrscheinlich. Das Gelände ist sehr groß, mir war es abends zu laut, da zeltet eben jeder und im Sommer sind öfters Festivals. Es gibt zwei Strandbars und Bistros, das ist super, denn wir hatten nichts dabei um am zweiten Abend zu kochen. Die Sanitäranlagen werden auch von den Tagesgästen benutzt, ein zweites Haus steht etwas weiter weg, das war recht sauber. Duschen ist kostenlos. Keine Mietkühlfächer, keine Kochmöglichkeit, Stromanschluss am Arsch der Heide, hätten wir ihn gebraucht. Faire Preise. Leider leider ein sehr Kippen verseuchter Strand.

Semlin, in der Nähe des Zeltplatzes Buntspecht

Supermom_Mamablog_Camping_Zelten_TippsDer Campingpark Buntspecht im Westen Berlins bietet viel Komfort: Feste Zelt- und Campingplätze, einen Spielplatz am Restaurant, Minimarkt, Fahrradverleih, super sauber, übersichtlich und damit super geeignet für Kinder, Gemeinsachftsküche mit mietbaren Kühlfächern und Familienbad, Babybad, kostenlose Duschen. Fester Trinkwasser- und Stromanschluss an jedem Platz. Faire Preise. Familienfreundlich, sehr ruhig und in wunderschöner Umgebung gelegen. Von hier aus lohnen sich Ausflüge in die Umgebung.

Zeltplätze die wir nicht getestet haben, aber von euch empfohlen wurden:

Zeltplatz in den Ostsee Dünen in Prerow
Ferienpark Havelberge bei Mirow
Biber Ferienhof
Freihafen Mildenberg
Campingplatz Krossinsee
Campingplatz Senftenberger See
Campingplatz Schwielochsee
Familiencamping Ruhlsdorf
Südseecamp Lüneburger Heide (Hier haben wir in einem Mobilheim  geschlafen, der Platz hat aber auch fürs Zelten einen super Eindruck gemacht)

Was ich sagen will, man kann durchaus ein paar Tage zelten gehen, ohne eine Komplettausstattung mitzuschleppen. Dann sucht man sich einfach einen Campingplatz mit allerlei Annehmlichkeiten. Luxus sieht anders aus, mit Hotel Urlaub ist es natürlich nicht vergleichbar, aber es ist ein Urlaub der besonderen Urlaub. Etwas zerknautscht und müde, etwas zu laut und zu kalt manchmal, etwas unbequem und unperfekt. Aber Abenteuer und Freiheit pur. Zusammenhalt und Freundschaft. Glück, Ruhe und innerer Frieden unterm Sternenhimmel. Es ist von allem etwas und vielleicht nicht für jeden etwas. Aber es ist unkompliziert, leicht und frei und ganz sicher werden hier wunderschöne Kindheitserinnerungen geschaffen, die hoffentlich im Herzen eine einzigartige Unbeschwertheit einbrennen, eine abenteuerliche Fahrt auf schnellen Gefährten, Baden am Abend im See, Toilettengänge im Stockdunkeln und dem leckersten improvisierten Frühstück und wahrscheinlich mit jeder Menge Eis, Chips und Waffeln.

Was ist mit euch? Geht ihr ab und zu campen oder wart ihr als Kind oft auf Zeltplätzen? 

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Autor

Seit 2011 bin ich in die Welt der Mütter aufgenommen. Mittlerweile habe ich 3 Töchter und einen Sohn. Hier schreibt keine "typische" Mutter, die Haushalt und Familie mit links schmeißt, Modelmaße hat und nebenbei locker eine Karriere wuppt. Ich finde es okay, auch mal zu sagen "Ich bin müde! Der Mann nervt! Wir streiten öfter! Nein, ich backe, bastel und singe nicht 24 Stunden am Tag! Ja, ich mag Fast Food und ein Schnäpschen zwischendurch!" Aber auch die schönen Dinge kommen nicht zu kurz. Süße Sachen die ich im Netz finde, hilfreiche Tipps, anderes Lesenswerte und ganz viel ♥

2 Comments

  1. Oah wie lieb ist dieser Kommentar. Danke schön!! Das freut mich so sehr, dass meine Mühe auch gesehen wird. Danke dir.

  2. Kathrin Tabellion

    Liebe Jette, du gibst dir immer unheimlich viel Mühe mit deinen Blogbeiträgen.

    Auch wenn ich nicht immer kommentiere ich lese sie alle und sehr gerne . Sie sind aus tiefstem Herzen so toll geschrieben.
    Danke dass es deinen Blog gibt. 😍

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