Dass dieses Wochenbett etwas anders werden könnte, als gewünscht, war mir spätestens klar, als sich das ganze Thema „Wasserschaden“ und dessen Beseitigung immer mehr verzögerte. Die Baustelle und die damit verbundenen Besprechungen mit den Firmen, blieb fast komplett an mir hängen. Hochschwanger räumte ich Dinge hin und her, entschied über irgendwelche Farben, Böden, etc, weil der Mann, ja keine Ahnung, das irgendwie nicht so schlimm einschätzte alles und zudem im Büro saß. Die Trocknergeräte brummten munter vor sich hin, in jedem Fall auch in der Woche des Geburtstermins. Nebenbei organisierte ich alles für die Einschulung, unseren Hochzeitstag, den Alltag und versuchte, das Haus trotz Baustelle im gesamten Erdgeschoss nicht komplett im Chaos versinken zu lassen. Also räumte ich allen auch noch ihren Kram hinterher. Selbst Schuld, was?

Aber das Wochenbett stand ja bevor und ich nahm mir vor, dieses in vollen Zügen zu genießen. Nach der Geburt unserer dritten Tochter ging es mir körperlich nicht gut, ich konnte kaum laufen, bekam schnell Kreislaufprobleme. Ich erwartete also wieder ähnliches und freute mich richtig, auf die Zeit im Bett und auf dem Sofa. Tja und dann kam es irgendwie anders und jetzt genau einen Monat nach der Geburt, schaue ich auf die Zeit zurück und weiß nicht ob ich lachen oder weinen soll über meine Vorstellung des Wochenbetts.

Auf Grund der ungeplanten Hausgeburt, der hysterischen Arztschwester und der Baustelle, war an Ruhe nicht zu denken. Ständig mussten wir irgendwo hin, hatten Termine, Baubesprechungen. Es war laut im Haus, aber eigentlich wollte ich gar nicht von zu Hause weg. „Aber kommt doch zu uns, hier hält man die Hitze besser aus.“ Na klar doch. „Könnten Sie mal die Schwangerschaft nachweisen?“ Aber sicher doch. „Kommen Sie bitte jede Woche zur Kontrolle beim Augenarzt“. Sicher sicher. Dazu ein Baby was kaum zunimmt und aufgeregte Geschwister. Die Mädels sind am Ende tatsächlich der geringste Stressfaktor, auch wenn selbst die Einschulung, das Besorgen sämtlicher Materialien und die Feier an mir kleben bleibt. Wie immer.

Warum mache ich auch alles selbst? Warum übernimmt Frau ganz selbstverständlich die alltäglichen Aufgaben? Selbst im Wochenbett? Ich bin ja selbst Schuld, wenn die Erholung flöten geht.

Die Baustelle kann ich langsam nicht mehr sehen. Zum Glück ist das Wetter gut und wir können alle Mahlzeiten draussen einnehmen. Auf kochen habe ich allerdings null Lust und irgendwie meckern die Kinder grad eh ständig am Essen rum. Das Baby wird zuverlässig wach wenn das Essen auf dem Tisch steht und so versuche ich zu stillen, oder gebe ein Fläschchen. Letzteres kann natürlich auch der Mann machen, macht er auch. Zum Teil sind es also die Umstände, die ein Wochenbett einfach nicht entspannt machen, zum Teil bin ich es selbst. Weil ich eben alles selbst mache, hat sich hier glaube ich schnell eingeschlichen, dass ich ja wieder zu 100% da bin. Und klar ist es für den Mann auch ein stückweit bequem. Ich kümmere mich immer um Schulmaterialen, um die Feste, um den Bürokratiekram. Klar könnte ich ihm die Liste geben und sagen: Geh einkaufen, aber es geht schneller und ist mir weniger genervt sein verbunden, wenn ich es selbst mache. Und ich will eine Einschulung ja auch schön haben für meine Tochter.

Tja und so bin ich am Wochenende explodiert. Mir war einfach alles zu viel. Überall liegt feiner Baustaub, das Haus wurde quasi aufgegeben, jeder lässt alles liegen wo es fallen gelassen wird, für ein aufgeräumtes Kinderzimmer fühle wenn, nur ich mich verantwortlich. Der Rest der Familie hat es mal wieder nicht gesehen, oder macht es später, oder oder. Und so räumte ich mal wieder das Kinderzimmer auf, schmiss kaputte Sachen weg  und stand 30 Minuten später auf klebrigem Boden, da das Trinken umgekippt war, es aber niemand weg wischte und die Spielsachen kreuz und quer rum lagen. Dazu drei Geschwister, die zur Zeit einfach frei drehen und sich sehr oft streiten. Keine Ahnung was da los ist, aber es ist anstrengend.

Und nun? Habe ich mich am Sonntag einfach mal im Schlafzimmer verschanzt und dem Mann das Feld überlassen. Der ging eh ganz selbstverständlich abends zum Fußball, warum nehme ich mir nicht viel selbstverständlicher solche Freiheiten? Warum lasse ich das Chaos nicht einfach komplett ausbrechen und kümmere mich nicht (Weil ich es einfach nicht ertrage, leider). Aber eins mache ich, ich werde mir nicht die Elternversammlung mit 4 Kindern antun. Die fängt nämlich 17 Uhr an, da ist er noch auf Arbeit und ganz selbstverständlich wollte ich natürlich hin gehen. Aber warum eigentlich? Gibt ein Protokoll, oder ein Telefon. Mit der Lehrerin bin ich in Kontakt. Der Mann geht einfach nach Arbeit hin und was nicht ist, ist nicht.

Die Arbeit anerkennen. Gesehen werden. Das würde schon entlasten.

Nein, ich will nicht gegen Männer und explizit meinen hetzen. Ich bin zum Teil selbst Schuld. Mache einfach alles und er nimmt es selbstverständlich an. Dass ich am Limit laufe, sieht er nicht. Vielleicht sind auch meine Erwartungen zu hoch? Aber wenn ich die runterschraube und einfach immer alles selbst mache, ist das die Lösung? Es bleibt nur, Aufgaben neu verteilen, ja auch sich streiten, einfach mal etwas nicht tun und wieder schauen, dass man sich selbst nicht verliert. Anerkennen was der andere leistet. Das zum Beispiel fänd ich schon sehr sehr hilfreich. Statt nur ein halb genervtes „Ja du machst das toll“ oder „Aber der Mann geht ja arbeiten, der macht doch schon so viel“. Gesehen werden wäre schon viel wert, oder?

Und weil der Mann noch mal einen Monat Elternzeit hat, habe ich mir fest vorgenommen, mein verkorkstes Wochenbett nachzuholen. Dann ist die Baustelle weg, das Chaos und der Dreck beseitigt und ich werde mich einfach mal nur um mich kümmern. Klar ist es mit Massagen, Maniküre, Mittagessen mit Freunden nicht getan. Aber ich tue etwas für mich und dann habe ich auch die Energie, die täglichen Bälle die ich so selbstverständlich jongliere, neu zu verteilen und an den Mann abzugeben. Dauerhaft und nicht nur, weil ich mal gerade ausraste. Es ist ein stetiger Prozess und dieses letzte Wochenbett hat mir gezeigt, dass wenn ich einfach funktioniere, meine Umwelt das als selbstverständlich hin nimmt und ich mich dann eigentlich nicht aufregen darf, sondern sich etwas ändern muss. Und ja, Familie fetzt trotzdem, nur manchmal ist es etwas schwerer als an anderen Tagen.

Teile diesen Beitrag:
Autor

Seit 2011 bin ich in die Welt der Mütter aufgenommen. Mittlerweile habe ich 3 Töchter und einen Sohn. Hier schreibt keine "typische" Mutter, die Haushalt und Familie mit links schmeißt, Modelmaße hat und nebenbei locker eine Karriere wuppt. Ich finde es okay, auch mal zu sagen "Ich bin müde! Der Mann nervt! Wir streiten öfter! Nein, ich backe, bastel und singe nicht 24 Stunden am Tag! Ja, ich mag Fast Food und ein Schnäpschen zwischendurch!" Aber auch die schönen Dinge kommen nicht zu kurz. Süße Sachen die ich im Netz finde, hilfreiche Tipps, anderes Lesenswerte und ganz viel ♥

18 Comments

  1. I feel you. Diesen feinen alles durchdringenden Baustaub nebst aktiver Baustelle hatten wir zur Geburt von Kind3. Mann ab der 3. Lebenswoche beruflich im Ausland…Drei Kinder unter 6 zuhause, Kindergartenferien…. Daher auch kein Mut zu Kind4.

    Ich drück dich! Wir Frauen sind ganz schön stark

  2. Ich kann dich so gut verstehen. Mir geht es oft ähnlich und dieses „nicht gesehen“ werden treibt mich in den Wahnsinn. Die mangelnde Annerkennung der erbrachten Leistung. Bei mir ist es nicht mal der Mann. Der hilft (zumindest momentan ;-)) wo er kann. Es sind so Leute wie meine Schwiegereltern. Wer nicht arbeitet (Teilzeit reicht nicht), ist nichts wert. Mütter sitzen ja den ganzen Tag nur rum und treffen sich zum Kaffeetrinken. etc.pp

  3. Meine Uroma hat wohl immer gesagt „Wer viel kann, muss viel tun“- Schlaue Frau.

      • Liebe Jette,

        ach manchmal muss einfach alles raus!!!
        Musste beim lesen an mein Wochenbett vor 11 Jahren denken…
        …,ein Teenager von 14 Jahren daheim
        ein eifersüchtiges Möpsle,und der Mann ging 5 Tage nach der Geburt wieder arbeiten 🙈

        Ich lese sehr gern hier mit,und sowas unterhaltsames wie ihren Geburtsbericht habe ich lange nicht gelesen.
        Großes Kino!!!!
        Alles liebe für Sie und ihre Familie

  4. Also das kann ich wirklich total unterschreiben! Und dann ärgert man sich, dass man es nicht schafft zu delegieren, aber genau das wäre ja wieder einer Aufgabe mehr (man delegiert ja nicht nur, sondern muss auch die ordnungsgemäße Ausführung überwachen etc) 😉. Ich denke dann immer sieht er dieses und jenes nicht oder ist das ganz selbstverständlich meine Aufgabe. Und dann hab ich noch ein schlechtes Gewissen, wenn ich Dinge an ihn delegieren… Schließlich geht er ja 40h arbeiten und ich „nur“ 30. Blöd!

    Und das, wo ich nur zwei Kinder hab und das letzte Wochenbett fast 4 Jahre her ist 😄

    LG

  5. Hallo Jette, in deinem Text finden sich bestimmt fast alle Mütter wieder. Wir sind ja wirklich selbstverständlich für alles verantwortlich. Das ist einfach bequem für Kinder und Väter. Solange wir organisieren und managen wird keiner auf den Gedanken kommen, aus der bequemen Spirale auszusteigen.
    Wir in Bayern haben noch Ferien und die letzten zwei Wochen hatten mein Mann und ich gemeinsam Urlaub. Während er nur ausspannen wollte, habe ich eben nebenbei auch noch die Wäsche bearbeitet, gekocht und die Kinder bespaßt oder von A nach B zu Freundinnen gefahren. Und ganz nebenbei dann auch wieder im Chaos versunken weil alles irgendwo geparkt wurde. Auch ich habe beschlossen, dass ich das nicht mehr gut sein lasse und mein lieben einfach darin erinnere Sachen wegzuräumen oder es gleich sage wenn mir etwas nicht passt, bevor dann wieder die große Explosion kommt :-)
    Liebe Grüße

  6. Ach Jette, du sprichst mir mal wieder aus der Seele! Ich hab zwar „nur“ 3 Kinder und den Wochenbett–und Baustellenpart kann ich ausklammern, aber ansonsten trifft es zu 100% auf mich und meine Situation zu. Warum nur können wir Frauen/Mütter so schlecht Dinge abgeben? Ich glaube, es ist der Drang nach vermeintlichem Perfektionismus. Wir haben eine gewisse Vorstellung, wie etwas auszusehen oder zu laufen hat und wir wissen (?), dass es niemand genau so hinbekommt wie wir. Also machen wir es gleich selbst. Beschweren uns aber auch, das wir alles selbst machen müssen (?). Wir drehen uns im Kreis, wie der Hund, der seinen Schwanz jagt. Die Frage ist nur, WAS muss passieren, damit wir unseren vermeintlichen Perfektionismus endlich mal ablegen und darauf vertrauen können, das es andere (der Mann) auch hinbekommen. Nur eben nicht so wie wir. Und genau DAS ist unser Problem. Wir Mütter sitzen doch alle im gleichen Boot 🤷🏼‍♀️

    • Ich glaube die Lösung ist, es auszuhalten, dass der andere es anders macht. U dann nicht meckern. Wenn schulkram fehlt, stehen Kind und Mann gerade dafür. Denn wie du ja schreibst, selbst machen und meckern bringt nix.

      • Das Problem ist nicht speziell auf Frauen festgesetzt. Männer haben das auch, aber meist ist das im Rahmen der Arbeit zu beobachten wenn es um delegieren geht.
        Die meisten verstehen den eigentlich Sinn leider nicht. Man delegiert nicht nur die Aufgabe sondern auch damit die komplette Verantwortung dafür und damit auch allen Konsequenzen.
        Wenn ich die Aufgabe nur delegiere und dann unter Kontrollzwang leide und alles nochmal nach kontrolliere ist es doppelte Arbeit und delegieren bringt nichts. Der eine fühlt sich zu Recht kontrolliert und bevormundet der andere meint das er es doch besser alles selbst macht.
        Akzeptieren das andere Leute, Aufgaben anders lösen und aushalten das alle Menschen sind und damit auch Fehler zulassen ist die Lösung. Wenn aus einem Fehler etwas passiert. In Bezug auf Kinder muss derjenige dafür dann auch selbst Sorgen den Fehler zu bereinigen.

  7. Ein ganz toller u ehrlicher Beitrag. Ich stehe am genau dem gleichen punkt wie du, wenn auch noch hochschwanger mit dem 4. Kind. Ich hab mich so wiedergefunden in deinem Text u wünsche dir sehr, dass du dein Wochenbett noch ein wenig nachholen kannst. Alles Gute

  8. Ich unterschreibe das zu 100%!!! Ich befinde mich zwar nicht im Wochenbett und habe auch „nur“ 🤣🤪 drei Kinder. Aber das Dilemma ist das selbe. Man macht ganz selbstverständlich vor sich hin und wenn es zu viel wird und man einfach mal nicht funktionieren will, sind alle total überrascht 🙄 Ich versuche immer wieder daran zu arbeiten. Denn das Dumme ist, es wird sich nur ändern, wenn ICH es angehe. Der Rest der Familie hat es ja bequem und wird von alleine nichts verändern. Aber auch das braucht Energie. Und wenn es akut ist, habe ich genau diese nicht. Und so dreht es sich im Kreis… Aber ich hoffe, auf Energie und Motivation bei allen, wenn wir (hoffentlich) erholt aus dem Urlaub kommen und die Dinge, die ich hier in der Ferienwohnung einführe, daheim einfach weiterlaufen. Utopisch? Wahrscheinlich. Aber ich gebe nicht auf 💪🏻

    • Ich glaube das ist auch langfristig besser. Also nicht aufgeben. Immer wieder erinnern. Ist jetzt anstrengend aber wenn wir es immer selbst machen, wird sich nix ändern bis wir einfach umfallen. Das kann es ja auch nicht sein.

      • schöner text und extrem wahr!!! weisst du was mich interessieren würde. die männliche ehrliche sicht der dinge. wenn man sich das alles so ansieht, was zu hause passiert und wie die sich selbstverständlich ausklammern und sich vertschüssen etc… stellt sich manchmal die frage, sind sie teilweise beschränkt, was ich nicht glaube. denn wenn sie die arbeit im büro/arbeit genauso erledigen würden wie zu hause, würde man sie feuern. haben sie ein anderes denken? sind sie nur faul oder im 17. jhdt stecken geblieben? wenn ja, bitte um erklärung wie die ticken. das wär mal was.

        wundervoller text!

        liebe grüsse

        • Hmmmm ich glaube zum einen, sehen sie es einfach nicht. Zum anderen ist es bequem. Der Mann meinte mal, er wisse ja, dass ich das alles immer so gut organisiere, deshalb verlässt er sich einfach auf mich u das Thema ist abgehakt. Einerseits ein Kompliment und andererseits glaube ich wirklich, so simpel sind sie dann gestrickt in dem Moment. Alles klar, läuft, warum kümmern. Daher glaube ich muss man viel mehr wirklich abgeben u immer wieder was sagen, sonst wird das nix

        • Würde mich auch interessieren. Dabei ist mein Mann echt aktiv im Haushalt. Wir haben eine Arbeitsteilung, Ich putze z.B. immer das Bad und wische Staub, er macht immer den wöchentlichen Großeinkauf. Der große Sohn räumt immer den Geschirrspüler aus. Jeder hat so feste Aufgaben, andere Sachen werden abgestimmt.
          Aber in Sachen Mental Load ist es ganz erstaunlich. Er merkt sich nie etwas. Wann das Praktikum des großen im nächsten Sommer ist, hat er schon 4mal gefragt. Wir haben einen gemeinsamen Google-Kalender, wo alle Termin drin stehen. Sowas merke ich mir einmal und trage es immer in meinem Kopf mit mir rum ob ich will oder nicht. Es ist einfach da, dieser ganze Kalender ist in meinem Kopf. Er hat die erstaunliche Fähigkeit, um die ich ihn beneide, sowas einfach auszublenden. Ich glaube Männer haben andere Prioritäten. Das ist nicht akut, also ist es nicht wichtig. Irgendwie so. Und immer dieses „Dann musst Du mir sagen, was ich machen soll.“ Sie sehen gewisse Sachen einfach nicht, nicht mal bösartig.

          Jette, vielleicht könntet ihr Blogger-Frauen ja mal so eine anonyme Interview-Reihe mit den Männern machen. Das ganz dann unter mummymag veröffentlichen oder so. :)

Deine Meinung. Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Ich akzeptiere