Keine Angst, es folgt keine Aufklärung, wie Babys entstehen, könnte man fast meinen, bei der Überschrift. Eine der häufigsten Fragen, die ich gestellt bekomme, ist, ob wir immer schon drei Kinder haben wollten und woher wir wussten, dass es so perfekt ist. Also mal ganz ehrlich: Wir hatten keine Ahnung oder Vorstellung. Und damit könnte ich den Beitrag über unsere Familienplanung auch beenden.

Ich wollte immer maximal ein Kind, oder gleich Zwillinge und dann ist gut. Nun ja. Der Mann wollte Kinder. Anzahl unbestimmt. Steht er ja mit seiner Lebensplanung besser da als ich. Eine Entscheidung für ein oder sogar mehrere Kinder ist natürlich von größter Tragweite und wahrscheinlich gibt es mehrere gute Argumente dagegen. Der Wohnraum, das Finanzielle, die Sorge, ob man das schafft, der Job, der eventuell auf der Strecke bleibt und die Beziehung, die leiden könnte. Bei jedem unserer Kinder haben wir uns diese Fragen auch gestellt und die ersten beiden Kinder kamen unter ungünstigen finanziellen Voraussetzungen zur Welt. Erst mit unserer dritten Tochter waren wir finanziell stabil. Allerdings ist auch dies nie zu 100% sicher.

Die Frage, woher wir wussten, dass noch ein Kind in unser Leben passt, stellen mir oft Frauen, die gerade überlegen, ob ein weiteres Kind noch realisierbar wäre. Diese Frage kann ich natürlich unmöglich beantworten. Einerseits wissen wir alle nicht, was in 5 Jahren ist. Sind wir mit dem Partner noch zusammen, haben wir unseren Job, können wir uns die Miete leisten, überfordern uns unsere Kinder nicht…. Es gehört eben eine ordentliche Portion Mut dazu, sich für ein (weiteres) Kind zu entscheiden. Vielleicht auch etwas Wahnsinn und Abenteuerlust. Schokolade hilft in jedem Fall.

Die eigenen Grenzen bestimmen die Familienplanung

Wir wussten nicht, wieviele Kinder in unser Leben passen, bis wir sie hatten. Wir wussten nur, dass wir noch eins wollten. Und dass es gehen wird. Ich lese von glücklichen Familien mit 5 oder mehr Kindern, die es auch schaffen. Natürlich mit Entbehrungen. Die Frage ist ja immer, inwieweit ist man bereit, Abstriche am persönlichen materiellen Glück zu machen. Ist es wichtig, im Hotel zu urlauben, oder ist auch die Ferienwohnung cool? Verzichtet man auf ausgiebige Shopping Touren und auch auf selbstbestimmte Freizeit? Wann ist es Selbstaufgabe, nur für die Familie da zu sein? Ich zum Beispiel möchte auch etwas Zeit für mich haben. Termine in anderen Städten wahr nehmen, mit meinen Freunden abends weg gehen, vielleicht auch mit dem Mann öfters etwas unternehmen. Das muss organisiert werden, oder man verzichtet darauf. Dann aber gern und ohne Groll. Und diese Grenze kennt jeder Mensch ganz allein. Einige brauchen diese Auszeiten nicht, erholen sich mit den Kindern, sind glücklich im Gewusel. Andere, so wie ich, freuen sich auf drei Tage Städtetrip ohne schlechtes Gewissen und ohne auffressendes Vermissen.

Ich sag nicht, dass alles immer perfekt und plüschpuffig friedlich ist. Ich bin genervt. Ich bin überfordert und ich will meine Ruhe. Manchmal. Aber das ist total normal. Schön, wenn es in anderen Familien anders läuft. Hier jedenfalls nicht. Aber deswegen bereue ich nie unsere Entscheidung für unsere drei Kinder. Auch wenn ich nie dachte, dass ich mal Mutter von mehreren Kindern werde und Leute oft überrascht sind, wenn ich sage, dass ich drei Kinder habe. Ich glaube, das liegt nicht immer an der Anzahl, sondern auch an meiner Erscheinung.

Wann die Familienplanung abgeschlossen ist und wie sie nun perfekt ist, kann nur jeder allein beantworten. Ich kann zwar aus unserem Leben berichten und dass es irgendwie ganz gut läuft zwischen Staubflusen, Tiefkühlpizza, Nervenzusammenbrüchen und gemeinsamen Fernsehabenden. Und ihr könnt das für euch annehmen und denken, also wenn die det schafft, dann wir erst recht. Oder ihr lest Artikel, die beschreiben, wie anstrengend alles ist. Dass ein Kind weniger wohl besser gewesen wäre. Am Ende liest oder hört man eh das raus, was man gern hören möchte.

Also kann ich nur sagen, Familie fetzt. Realistisch betrachtet ist es anstrengend und viel Arbeit. Aber es fetzt auch. Egal mit wievielen Kindern. Und wenn euer Herz sagt, da ist noch Platz, dann helfen manchmal vielleicht die besten Argumente nichts, sondern nur der Sprung ins kalte Wasser. Und wahrscheinlich wird das genau das Richtige sein.

 

Autor

Seit 2011 bin ich in die Welt der Mütter aufgenommen. Mittlerweile habe ich 3 Töchter. Hier schreibt keine "typische" Mutter, die Haushalt und Familie mit links schmeißt, Modelmaße hat und nebenbei locker eine Karriere wuppt. Ich finde es okay, auch mal zu sagen "Ich bin müde! Der Mann nervt! Wir streiten öfter! Nein, ich backe, bastel und singe nicht 24 Stunden am Tag! Ja, ich mag Fast Food und ein Schnäpschen zwischendurch!" Aber auch die schönen Dinge kommen nicht zu kurz. Süße Sachen die ich im Netz finde, hilfreiche Tipps, anderes Lesenswerte und ganz viel ♥

20 Comments

  1. Hallo, wir haben 6 Kinder und geplant waren 3. Nach dem 3. sagte ich nur zu meinem Mann, ach, noch eins wär nicht schlecht. Nr. 4 war ein Unfall, den ich aber noch bemerkt habe. Nr. 6 ein Totalunfall mit dem ich mich sehr sehr schwer getan hab. Mittlerweile könnte ich mir die Familie ohne nich vorstellen. LG Micha

  2. Danke für den schönen Beitrag! Familie fetzt wirklich, und das mit der Planung… Naja, ich habe mir immer mindestens zwei Kinder gewünscht, konnte mir auch ein drittes vorstellen. Mein Mann, selbst Einzelkind, wäre auch mit einem zufrieden gewesen. Bekommen haben wir – erstmal keins, es klappte einfach nicht. Nach einem Jahr dann Wunder Nr 1, zeitgleich die Diagnose, dass das ein Sechser im Lotto und wohl unser letztes Kind war. Was soll ich sagen, dieses Jahr kam plötzlich noch ein Doppelpack dazu! 😂 Jetzt ist das Auto voll, unsere „Planung“ beendet und unser Fazit: Es kommt wie es kommt, und am Ende zeigt sich, dass es genau so und nicht anders kommen sollte. Also allen, die (Ver-)Zweifeln nur Mut und ab ins kalte Wasser, der Rest findest sicher!

  3. Hallo Jette, ach ja, die Familien“planung“… dieser Begriff ist für mich derzeit ein etwas problematischer, weil ich erlebe, dass es gerade in diesem Bereich nicht immer so läuft, wie man es gern hätte. Ein Kind planen kann man ja – aber ob dieses Kind dann auch kommt? Seit zwei Jahren hätten mein Mann und ich gern ein drittes Kind (sehr, trotz aller Bedenken und Überlegungen) – aber es passiert nicht. Klar, wir haben ja „schon“ zwei Kinder und manche sind der Meinung, wir sollten damit zufrieden sein – bei aller Dankbarkeit ist da aber trotzdem auch Sehnsucht und Schmerz. Du hast es wirklich gut und weißt dein Glück zu schätzen – das merkt man in deinen Texten! Ich habe in den letzten zwei Jahren gemerkt, dass wir das mit der Familienplanung nicht in der Hand haben – ein Kind ist ein Geschenk und ein Wunder. Vielleicht wünsche ich mir gerade deshalb noch eins…

    • Ja du hast recht. Diese „sorge“ habe ich in meinem Beitrag völlig außer acht gelassen, weil die Planung ja das eine ist, die Natur das andere. Ich wünsche euch, dass es noch klappt. Und diese Sprüche sind immer blöd. Heißt ja nicht, dass man nicht dankbar und glücklich ist mit zwei gesunden Kindern. Wenn eins noch Platz hat im Herzen, dann ist das so. Von Herzen das beste

  4. noch ne kleine frage. wie wäre es gewesen, wenn du mehrere kinder haben wolltest, der mann jedoch nur eins? was hättest du dann getan?

    • Das weiß ich nicht. Käme wohl drauf an wie stark der Wunsch gewesen wäre. Sonst hätte ich mich wohl getrennt.

  5. hallo! was ich bedenklich finde ,sind zb kommentare auf youtube von jungen mädchen die schreiben, dass sie nie kinder wollten und jetzt auch kinder wollen bzw sich vorstellen können, weil ihnen der youtube kanal von der dame mit kindern so gut gefällt. weil die kinder so wohlerzogen artig und brav vor der kamera sind. die wirklichkeit mit babies und kleinkindern ist jedoch eine andere, die man nicht auf youtube sieht. es ist eine menge verantwortung, nervensache und arbeit. kein hund den man sich anschafft, weil alle einen haben und ihn dann ins tierheim bringen, sollte er zu anstrengend sein oder nicht den erwartungen entsprechen.

    ansonsten vielen dank für die ehrlichen worte. so klar ausgesprochen liest man es selten. Und man darf als mama auch sagen, dass mna zeit für sich möchte ohne schlechtes gewissen. jawohll! nur ne ausgeglichene mama ist eine gute mama. super jette! und danke für deine unkonventionellen ansichten und das du sie auch aufschreibst! 😉

    liebe grüsse

  6. Huhu Jette!
    Bei uns gab es auch nie „den“ Plan bezüglich der Familienplanung. Ursprünglich konnten wir uns ein Kind gut vorstellen. Dann wollte ich so gerne mehr. Weil mich dieses Mamasein so geflasht hat, nachdem wir uns eingegroovt hatten. Der Mann dagegen hatte die Familienplanung abgeschlossen… Nun haben wir 3 Raketenkinder. Es ist großartig. Anstrengend, fordernd und auch kompliziert. In jeder Hinsicht. Würde ich mich rückblickend anders entscheiden? Nein! Sind wir nun komplett. Hmmm… Ein kleiner Wunsch ist da. Lediglich die Ration steht dem entgegen. Schade eigentlich, aber nicht zu ändern. Denn hin und wieder muss man auch mal vernünftig sein. Auch wenn es schwer ist…
    LG, Mel

  7. „… Städtetrip ohne schlechtes Gewissen und ohne auffressendes Vermissen“ – Jaaa!! so ein Typ Mama bin ich auch ;)
    toller Beitrag … Daumen hoch :)

  8. Danke, wir haben auch Drei und bei uns hat immer das Herz entschieden. Irgendwie gehts immer…. Schokolade löst keine Probleme, aber das tut ein Apfel auch nicht 🍫☺

  9. toll geschrieben! und „Familie fetzt“ ist eines meiner Lieblingszitate von Dir!

  10. Margarete Audrey Reply

    Hallo Jette, ein wunderbarer Artikel. Ich habe noch sehr sehr viel Platz im Herz, der Mann aber eher nicht. Mal sehen, wie wir da zusammenfinden. Wir haben auch 3 Kinder.

  11. Meine Mama sagt immer: „wenn wir damals angefangen hätten zu rechnen, gäbe es euch alle drei nicht.“
    Und ich glaube sie hat recht. Bei so einer Entscheidung KANN man gar nicht alle Faktoren berücksichtigen. Also sollte man Hirn aus und Herz anschalten. Und der Rest ergibt sich dann und passt schon irgendwie. Ob das Herz dann nun für Null, oder zwei oder fünfzehn Kinder entscheidet ist egal – am Ende wirds funktionieren. Glaube ich zumindest.
    …dann muss man nur noch hoffen, dass das Herz des Partners genau so schlägt…

  12. Danke für deinen Arikel, so positiv über Mehrkindfamilien liest man selten. Ich wusste nur… ich möchte kein Einzelkind. Das dritte sollte unser letztes leibliches werden. Dann nahmen wir unser Pflegekind auf, das bei uns bleiben wird. Und dann kam die Überraschung. Ich würde völlig ungeplant und eigentlich, menschlich gesehen, unmöglich schwanger. Der Schock war groß. Und nun… wir könnten uns das Leben ohne diesem Wirbelwind nicht vorstellen. Aber es fordert. Tagtäglich. Manchmal überwältigt mich der Gedanke, warum uns so viele Kinder anvertraut wurden. Manche Blicke sind unschön. Völlig fremde Menschen sprechen uns an weil wir so viele Kinder haben. Nicht nur positiv. Nicht nur einmal wurden wir als asozial bezeichnet, ohne dass man unsere Lebensumstände kennt. Aber eben… es fetzt schon auch. Die Kinder lieben es, viele Geschwister zu haben. Ob ich es anders haben würde wollen? Manchmal… aber wer ist denn immer 100%ig mit seinem Leben zufrieden?

  13. Hallo Jette!
    Was für ein kluger Text, so kurz und knapp…ich grübel gerade sehr intensiv über Nummer 2 nach – die Welt geht ja davon aus, dass man NATÜRLICH zwei Kinder möchte, Einzelkinder werden ja zu Psychopathen etc. – und mein eigener Egoismus ist mir da schon im Weg…es ist so schön wie es jetzt ist, es wird sicher auch schön mit zwei Kindern. Man gucken…stay tuned ;-)

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