Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen. Und natürlich birgt der 1.1. nicht plötzlich unendlich viele neue Möglichkeiten. Man könnte jederzeit anfangen, etwas zu ändern. Und trotzdem hat man all die Hoffnung eben Anfang des Jahres. Und so lastet auch das ganze Jahr schwer auf den Schultern.

Ich bin ehrlich, dieses Jahr fühlt sich noch schwerer an, als das Letzte. Im ersten Corona Jahr lief ich noch oft rum und dachte: Das kann doch nicht wahr sein, bin ich im falschen Film?! Ich hatte noch Energie, wir groovten uns zwischen Home Office und Home alles irgendwie ein und machten es uns so schön es eben geht. Immer mit der Hoffnung verbunden, dass wir alle das schon hinbekommen.

2021 hat uns gezeigt, dass wir es eben nicht alle hinbekommen. Dass „Eigenverantwortung“ nicht so gut funktioniert, wie man in der Politik naiverweise hoffte. Und so wich die Hoffnung dem Frust und der Ungeduld. Doch der Sommer brachte wieder etwas Leichtigkeit, fast eine kleine Euphorie, auch ob des Impfangebotes. Und naja es ist eben Sommer. Der konnte meine Akkus nicht auffüllen, aber endlich kam das Energielevel aus dem Minusbereich. Bis der Herbst und Winter kam und mit ihm diese unverständliche Stimmung im Land, gepaart mit dem sorgenvollen Blick auf die Corona Zahlen. Und das ist nur das globale Problem, was dieses Jahr einfach viel mehr Energie raubt als letztes Jahr.

Wie soll ich meine Akkus je wieder richtig aufladen?

Ich frage mich, wie wir uns je wieder richtig erholen wollen. Ja es gibt auch Menschen, denen macht die Pandemie nichts, weder beruflich, noch privat. Alles läuft fluffig wie eh und je. Mich hat sie erschöpft. Ich bin nicht nur müde, ich bin komplett erschöpft. Und ich frage mich sorgenvoll, wie ich je wieder volle Akkus haben soll? Wann soll ich die denn aufladen, so richtig? Das geht nicht mit 3 Wochen Urlaub und ein absehbares Ende dieser Pandemie haben wir ja nun auch nicht vor Augen. Werden wir unsere Akkus überhaupt wieder komplett aufladen können? Oder ist es eben so, dass die Akkus noch laden, aber eben nicht mehr die volle Power erhalten und speichern. Ist das jetzt eben so? Puuuuuuuuh.

Es ist okay, erschöpft zu sein

Unabhängig davon, wie für jeden einzelnen dieses Jahr lief, wie sehr die Pandemie das Leben veränderte, ich will, dass ihr wisst, ihr seid nicht allein. Viele Eltern sind erschöpft oder gereizt. Viel zu gereizt. Die Geduld geht flöten und die Tränen kullern schneller. Das ist nicht normal. Man muss das nicht ausstehen, weil es eben so ist. Weil man sich ja für Kinder entschieden hat. Ja haben wir alle, aber dass eine Pandemie uns so aus den Latschen haut, wusste wohl niemand vorher. Es IST schwer momentan. Hinzu kommt die lange Dunkelheit, die Kälte und wenig soziale Kontakte. Ich sag es noch mal: Das ist nicht normal, sich so erschöpft zu fühlen. Weder muss man sich dafür schämen, noch sich schwach fühlen oder gar an den eigenen Kompetenzen zweifeln.

Ja wir fangen auch den Frust der Kinder auf. Hier ging die Zeit nicht spurlos an allen vorbei. Hinzu kommt die Sorge einer möglichen Infektion und der Angst vor einer möglichen Quarantäne und wie diese neben der Arbeit dann zu stemmen wäre. Vielleicht stresst die Arbeit gerade sehr oder der Job ist bedroht. Vielleicht streikt auch schon der Körper langsam. All das tragen unsere Schultern. Nur das zu lesen wiegt schon so schwer. So viel Verantwortung, so viel Sorge, so viel (Care) Arbeit. Das Schlimme ist, die kommenden Monate werden uns kein Durchatmen schenken. Und nun steht auch Weihnachten vor der Tür.

Niemand braucht einen Wichtel daheim. Unserer hat bis heute keinen Brief an die Kinder geschrieben, aber er ist da und die Kinder freuen sich. Und es wäre auch okay, wenn er bei euch niemals einzieht. Der tolle Paw Patrol Kalender wird vom Jüngsten verschmäht und die anderen freuen sich über die Gekauften mit Chips und Popcorn. Weihnachtskarten gibt es dieses Jahr nicht. Ich schreibe immer welche. Dieses Jahr schaffe ich es nicht. Das ärgert mich, denn auch wenn ich fast nie selbst welche bekomme, so freue ich mich über die kleine Freude die so ein roter Umschlag ins Gesicht der anderen zaubert. Aber ich schaffe es eben nicht. Und das ist okay.

Ich habe jetzt wiederholt fertigen Plätzchenteig gekauft. Viele Plätzchen mache ich komplett selbst, aber die klassischen Mürbeteig Plätzchen die die Kinder ausstechen sind eben in der Handhabung einfacher, wenn der der Teig schon daliegt und wir keine Mehlschlacht provozieren. Und sie schmecken genauso gut. Es macht den Kindern genauso viel Spaß. Hauptsache es sind immer genug Plätzchen da. Dazwischen haben sich übrigens gekaufte Vanille Kipferl geschummelt. Köstlich.

Ihr müsst gar nichts

Es ist total schnurz, ob bei euch schon die Vögel nisten, weil ihr zig tausend Lichterketten aufgehangen habt oder ob da nur ein Räuchermännchen steht. Wir haben erst Anfang Dezember. Niemand muss schon in Weihnachtsstimmung sein. Auch nicht für die Kinder. Die sind mit Plätzchen und nem Weihnachtsfilm glücklich. Es ist okay nicht in Stimmung zu sein. Für so ziemlich gar nichts. Man muss hier nämlich auch nichts. Außer halbwegs gut durch den Tag kommen.

Und gut reicht völlig. Wenn ihr mich weihnachtlich eskalieren seht, dann stresst euch damit nicht, oder schaut weg. Total ok. Wenn andere die perfekt saubere Bude haben und der Weihnachtsbaum steht schon seit Tagen, dann nehmt euch das nicht zu Herzen und setzt euch nicht unter Druck. Das ist deren Leben und wer weiß, an welchen Stellen es dort brennt. Fühlt euch nicht schlecht, dafür hat doch jetzt niemand Energie. Also ich jedenfalls nicht. Ich wär gern weniger gereizt, etwas geduldiger und gnädiger mit den Kindern und dem Mann. Ich würde gern etwas Gewicht auf meinen Schultern verlieren und etwas tiefer durchatmen.

Ihr fragt euch wie? Tja ich habe leider kein Allheilmittel. Vitamin D checken lassen, extra Vitamine zu sich nehmen, spazieren gehen auch wenn man wirklich keinen Bock hat. Zwei Weihnachtsfilme schauen und die bestellte Pizza essen. Die Staubmäuse unters Sofa schubsen. Mit der besten Freundin treffen und die Mama auf nen Glas Sekt einladen. Oder sich selbst. Einfach viel kuscheln mit den Kindern, die fordern das hier grad so doll ein. Streit überhören. Auf den Sommer freuen. Alles machen was gut tut, egal ob es zu viele Kalorien hat. Einfach mal auf dem Sofa liegen bleiben.

„Gut“ reicht völlig

Sagt euch das wenn ihr erschöpft im Bett liegt: Ihr seid nicht allein. Es geht sehr vielen Menschen gerade so. Nein es ist nicht normal sich dauerhaft so zu fühlen. Eventuell gibt es momentan keine Lösung und vielleicht laden die Akkus nie wieder so auf wie früher. Und vielleicht sind die tausend Lichterketten gerade genau das was ihr braucht und für andere ist das nicht so. Egal wie, es reicht völlig, „gut“ zu sein. Was das überhaupt bedeutet: gut sein. Jedenfalls bedeutet es nicht, sich aufzuopfern bis zur totalen Erschöpfung. Es bedeutet auch nicht, den Adventskalender selbst zu basteln oder hübsche Papiersterne selbst zu falten. Es ist auch okay, wenn das Geschenkpapier gekauft ist und nicht aus Tüchern oder selbst bemaltem Packpapier besteht.

Na ihr versteht was ich sagen will. Vielleicht ist das neue Jahr doch ein Anfang. Ein Startschuss wieder mehr auf uns zu achten und schneller Stop zu sagen. Die Ansprüche gar nicht erst hochzufahren mit tollen Vorhaben, die eh nicht umgesetzt werden. Und vielleicht erlaubt uns 2022, endlich mal tief durchzuatmen und Ruhe zu spüren. Ein bisschen Hoffnung muss doch bleiben, oder?

Teile diesen Beitrag:
Autor

Seit 2011 bin ich in die Welt der Mütter aufgenommen. Mittlerweile habe ich 3 Töchter und einen Sohn. Hier schreibt keine "typische" Mutter, die Haushalt und Familie mit links schmeißt, Modelmaße hat und nebenbei locker eine Karriere wuppt. Ich finde es okay, auch mal zu sagen "Ich bin müde! Der Mann nervt! Wir streiten öfter! Nein, ich backe, bastel und singe nicht 24 Stunden am Tag! Ja, ich mag Fast Food und ein Schnäpschen zwischendurch!" Aber auch die schönen Dinge kommen nicht zu kurz. Süße Sachen die ich im Netz finde, hilfreiche Tipps, anderes Lesenswerte und ganz viel ♥

17 Comments

  1. Lieben Dank dafür, dass du diese Gefühle so gut auf den Punkt gebracht hast. Ich konnte mich in vielem wiederfinden und es tut gut zu wissen, dass ich nicht allein damit bin.
    Herzliche Grüße!

  2. Danke – Spricht mir aus der Seele in vielen Zeilen 🧡.

  3. Man kann Plätzchenteig kaufen?!? Mega….das MUSS ich machen – ich hasse Mehlschlachten!!!
    Ansonsten: Word!!

  4. Vielen lieben Dank für diesen Text und das Gefühl nicht damit alleine zu sein. 💋

  5. Liebe Jette,
    Danke für deine Worte!
    Fühl dich fest gedrückt!

  6. Du sprichst uns denk ich allen aus der Seele. Und es ist wirklich gut mal fünfe gerade sein zu lassen. Keiner erwartet irgend etwas von uns. Oft sind es die eigenen Erwartungen die zu hoch gesteckt sind. Eine schöne Weihnachtszeit! LG Julia

  7. Liebe Jette, vielen Dank für diesen tollen Text! Der bringt es auf den Punkt!
    Komm gut durch die Weihnachtszeit und pass auf Dich auf.
    Liebe Grüße 💕

  8. Liebe Jette,
    ich lese immer, kommentiere aber selten/nie – heute muss ich einfach schreiben, wie sehr Du mir und wahrscheinlich so vielen aus der Seele sprichst! Danke, dass Du in Worte fassen kannst, was so viele fühlen! Ich bin am liebsten positiv und optimistisch, merke aber, wie diese 1 1/2 Jahre viel stärker ihre Spuren hinterlassen haben, als ich mir das eingestehen will. „Pandemüde“ oder „Mütend“ trifft es nicht mal mehr annähernd! Und ja, wir sollten einfach nur gut zu uns und zueinander sein, damit wir gemeinsam doch noch bestmöglich durch diese Zeit kommen. Ansprüche runter, Selbstfürsorge hoch, anders wird es nicht gehen. Danke für die vielen ehrlichen Einblicke in Euer Leben und die Zeit, die Du in Deinen Blog/Instagram investierst! Habt die bestmögliche und schönste Restadventszeit in diesem ganz besonderen Jahr! Liebe Grüße, Susanne

  9. Jette, Du bringst es wie immer auf den Punkt! Ich fühle mich auch oft so erschöpft bzw. werfen mich die kleinsten Abweichungen aus der Bahn.
    Heute fühle ich mich damit weniger allein. 😉

  10. Ich kann mich nur anschließen: ein wirklich toller und ehrlicher Text ❤. Danke!

  11. Danke, Danke, Danke dafür ❣️ erschöpfte Grüße zurück. Dein Text tut unheimlich gut. Ich wünsche Dir und mir, uns allen, etwas weniger Last auf den Schultern

  12. Kristina Hannemann

    Vielen Dank für diesen tollen Text, liebe Jette. Ich hatte echt schon Angst, ob es nur mir so geht.
    Ich bin einfach nur müde und frustriert und traurig. Keine Ahnung, warum. aber dein Text trifft es auf den Punkt .
    Ich schau mir einfach weiter deine Reels an. Da muss ich immer herzlich lachen.
    Sei lieb gegrüßt
    Kristina

  13. 👏
    … für mehr hab ich keine Kraft mehr 😔
    Aber tausend Dank, liebe Jette – du sprichst mir aus der Seele!

  14. Ein toller Text der genau das beschreibt was ich gerade auch fühle ❤️Danke dafür!

Deine Meinung. Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert