Eins muss ich dieser Pandemie lassen, immer wenn ich denke, okeeeeeeeee schlimmer kann es nicht kommen, oder: Ja jetzt wurde wirklich alles gesagt und genug gemeckert, kommt der nächste Knaller umme Ecke. Die Zahlen sinken endlich, es wird über Lockerungen gesprochen und ganz naiverweise ging ich davon aus, dass man dies auch in den Berliner Schulen umsetzen würde, immerhin kannste das Schuljahr quasi vergessen. Was aber wird beschlossen? Dass die Schulen im Wechselmodell bleiben mit verkürztem Unterricht, der Aufwand lohne nun auch nicht mehr.

Es bleiben noch 4 Wochen. Bildung lohnt also nicht. Nach mehreren Monaten, die die Kinder entweder ganz zu Hause bleiben und lernen mussten, oder die Schule mal ein paar Stunden von innen gesehen haben, viel Stoff verpassen oder sich mühevoll selbst beibringen müssen, in all den Monaten des Streits, des „Ich will Schule mit dir nicht machen!“, des Dramas, resignieren, hoffen, weiter lernen, ist das Fazit: Nä das lohnt jetzt auch nicht mehr. Aber nach den Sommerferien, da kieken wa mal was sich so ergibt. Erstmal die Lage und die Zahlen beobachten. Heißt im Klartext wie letztes Jahr: Alles kommt ganz schön überraschend, gemacht haben wa nüschts, aber verständnisvolle Briefe an Eltern können wa schreiben.

Ich bin schmütend.

Schmütend. Was bitte?! Eigentlich bin ich recht lange nur noch mütend gewesen. Eine Mischung aus müde und wütend. Jetzt kommt noch sprachlos dazu. Jaaaaaa, schreibt man nicht mit „sch“, aber spmütend kann ja nun niemand aussprechen und das Wort „mütend“ wird seit einer Weile schon in den sozialen Medien benutzt. Ich ergänze nun um sprachlos.

Sprachlos, wie man einmal mehr zeigen kann, wie wenig Menschen interessieren, die nicht wählen gehen. Ja, ich glaube sehr sehr viele Entscheidungen werden wahlbedingt getroffen. Ich kann nur hoffen, dass all die schmütenden Eltern im September die „richtige“ Wahl treffen. Vielleicht ist bis dahin das Familienministerium wieder besetzt. Da ist Frau Giffey just zurück getreten, wohl auch, um ihre Kandidatur als Berliner Bürgermeisterin nicht zu gefährden. Ein Familienministerium ohne Chefin. Nicht, dass das groß auffallen würde. Es soll übrigens in den paar Monaten auch nicht mehr besetzt werden. *Hysterisch lachend ab.

Ist das unfair und populistisch? Bestimmt. Vielleicht auch unreflektiert. Immerhin haben sie doch vor kurzem noch dieses superduper 2 Mrd Paket beschlossen, damit Schüler den Lehrstoff aufholen. Wo kämen wir hin, wenn wir dieses dröge verstaubte Ding namens „Bildung“ mal der Zeit und den Kindern anpassen würden? Nein, wir pressen die Kinder ins veraltete System und die können ja in den Ferien ein bisschen lernen. Und von den 150€ macht ihr schön Urlaub in Mecklenburg Vorpommern.

Ja mich macht das sprachlos. Man meint ja ständig, ui das war jetzt aber ein heftiger Schlag in die familiäre Magengrube, jetzt müssen sie’s doch checken, jetzt werden Eltern doch laut, so gehts doch nun echt nicht! Und dann kommen solche Entscheidungen daher und man denkt nur: Wow, einigen Politikern sind Familien echt pupsegal. Wie kann man beschließen, dass das bisschen Unterricht bis zu den Sommerferien reicht? Weil man nicht riskieren will, dass es zu  Ansteckungen kommt bei voller Klassenstärke? Das wäre schon doof, wo doch der Sommer und die EM anstehen und hoffentlich gut Kohle einspielen. Weil in den letzten Tagen (oder Wochen) vor den Ferien eh nur noch Filme geschaut werden? Man kennt das ja von früher… Ich verstehe es nicht. Auch ein Anheben der Stunden wäre doch ein Zeichen gewesen. Aber Gott sei dank ist dieses leidige Thema erstmal in den Sommerferien verschwunden. 6 Wochen nicht kümmern um diese lästigen Schüler. Um Bildung. Um Digitalisierung. Um Attraktivität des Berufs und und und. Sonne scheint, ab ans Meer, da meckert auch keiner.

Schmütend. Sag ich doch. Und ja, ja wo soll so schnell eine neue Familienministerin her? Ist ja jetzt auch nicht mehr lang bis September. Das ist wirklich auch zu viel verlangt, sich da zu kümmern, weil sind ja eh Sommerferien und schwupp is der September da. Ach zum Glück. Vielleicht noch schnell ne extra Runde Kindergeld auf den Weg bringen? Nur so zum still halten der schmütenden Eltern? Frag ja bloß. Schließlich haben Eltern und Kinder das echt super gemacht die letzten 14 Monate. Arbeiten, Schulersatz, Alltag gewippt ohne Murren und diese Kinder, man ey. Schule auf, Schule zu. Keine Hobbys, kein Sport, aber ey, ab morgen dürft ihr euch in Berlin im Biergarten treffen. Karten spielen oder so. Lockerungen scheinen für Familien nicht zu gelten. Denn auch beim Thema impfen stehen sie weit hinten in der Schlange. Dabei sind Eltern auch Wähler/innen. Wie können sie so egal sein? Und sind Kinder nicht unsere Zukunft und hieß es nicht, bei sinkenden Zahlen machen Schulen als erstes wieder auf? Na gut, gab ja keine genaue Zeit- oder Inzidenzangabe. Das kann also alles bedeuten.

Ich müßte in das Wort schmütend eigentlich noch ein extra e quetschen für egal. Ist mir nämlich fast schon egal alles mittlerweile, denn ganz ehrlich? Was soll jetzt noch kommen??? (Und irgendwo im Bildungs- und Familienministerium ein ganz schlauer: Oh, hold my beer!)

 

Teile diesen Beitrag:
Autor

Seit 2011 bin ich in die Welt der Mütter aufgenommen. Mittlerweile habe ich 3 Töchter und einen Sohn. Hier schreibt keine "typische" Mutter, die Haushalt und Familie mit links schmeißt, Modelmaße hat und nebenbei locker eine Karriere wuppt. Ich finde es okay, auch mal zu sagen "Ich bin müde! Der Mann nervt! Wir streiten öfter! Nein, ich backe, bastel und singe nicht 24 Stunden am Tag! Ja, ich mag Fast Food und ein Schnäpschen zwischendurch!" Aber auch die schönen Dinge kommen nicht zu kurz. Süße Sachen die ich im Netz finde, hilfreiche Tipps, anderes Lesenswerte und ganz viel ♥

7 Comments

  1. Ich kann das gut verstehen. Obwohl meine Kinder zum Glück groß sind und mit dem selbstständig lernen / studieren gut klarkommen, kann es Schule nicht ersetzen. In vielen Fächern kann der Lehrplan nicht gehalten werden und es bleibt Stoff übrig. Wie das gelöst wird, weiß keiner und auch nicht, wie es nach den Sommerferien weitergeht. Es wird wahrscheinlich wie bisher einfach abgewartet und ausgesessen und im Herbst sind alle überrascht, wenn die nächste Welle mit Schulschliessungen kommt. Die Pandemie wäre eine gute Gelegenheit, Politik endlich kinder- und familienfreundlicher zu gestalten, aber genau das passiert nicht. Dafür erkennt man gerade sehr gut, welche Interessen von der Politik wirklich vertreten werden. Hauptsache, die Wirtschaft läuft.

  2. Ich finde das mit diesem Präsenzunterricht im Wechsel noch gar nicht so krass. Aber ich bespaße auch nur einen Teenager, und nicht drei Kids im Grundschulalter. Viel krasser finde ich, dass jetzt auf den letzten Drücker eine Klassenarbeit nach der anderen geschrieben wird, von dem Stoff, den sie sich seit Dezember alleine zu Hause… Dass diese Klassenarbeiten (eine pro Fach) jetzt 50% der Gesamtnote ausmachen.
    Dass so getan wird, als sei das ganz normal.
    Dass ein fucking Familienministerium so tut, als bräuchten Kinder jetzt vor allem Nachhilfe. Dass sich nichts, nichts, nichts an diesem Drecks-Schulsystem ändert und vielmehr so getan wird, als könnten Kinder es kaum abwarten, endlich wieder in die Schule zu dürfen. Quasi als Pendant zur Außengastronomie. Finde den Fehler.

    Es macht mich dauerwütend, dass die blöde Giffey, nachdem seit Monaten, Jahren klar ist, dass sie einfach ganz dreist getrickst und gelogen hat (als Ministerin, die sich um Kinder kümmert, die natürlich bei keiner Klassenarbeit spicken dürften) und erst unter massivem Druck zurück tritt. Und bislang auch nur als MInisterin.

    Ich verstehe, dass Grundschüler wieder in die Schule wollen. Teenager sind sehr glücklich mit Wechselmodell – jedenfalls die, die ich kenne. Und möchten das auch gerne weiter so haben. „Ey Mama, die sagen, wir hätten dieses Jahr mehr Stoff durchgenommen als sonst. Obwohl wir nie da waren. Da stimmt doch vorne und hinten was nicht“, sagte sinngemäß mein 15-Jähriger. Nee, da stimmt gar nichts mit diesem Schulsystem. Und mit diesem Land, das sich einen Scheiß für Kinder interessiert. Ich bin nicht schmütend – ich könnte Bomben werfen.

  3. Ja, ich fühle ehrlich mit euch Familien mit kleinen Kindern und bin in dieser Situation aus tiefstem Herzen froh, dass ich eine selbstständige, mittlerweile 15jährige habe.
    Meine Perspektive stellt sich im Moment anders da:
    Ich selbst bin Lehrerin in NRW an einer weiterführenden Schule – kein Gymnasium.
    Seit gestern steht fest, dass wir ab nächstem Mittwoch in unserem Landkreis überhaupt wieder in den Wechselunterricht gehen, weil sie Inzidenz nun endlich unter 165 liegt. Seit Weihnachten 2020 hatten wir eine geschlagene Woche Präsenzunterricht.
    Gestern hat unser Landesvater verkündet, dass ab einem stabilen Inzidenzwert von unter 100 wieder voller Präsenzunterricht ist. Das ist realistisch gesehen übernächste Woche der Fall.

    Mich überrollt es gerade, dass unsere Teenager-Schüler dann wieder in vollgestopften Bussen hier im ländlichen Raum zur Schule kommen, nicht an kleinen Gruppen in Ruhe an die Schüler-Selbsttests herangeführt werden können (die finden bei uns zu Beginn des Unterrichts in den Klassenräumen dann zu 30igst statt!), nach der sechsten Stunde Arm in Arm und ohne Masken das Schulgelände verlassen etc.

    Ja, ich will, dass unsere Schüler wieder zur Schule gehen!
    Ich will, dass alle die Situation ernst nehmen!
    Ein halb volles Schulgebäude vermittelt den Schülern in meinen Augen diese Situation. Ich habe ein absolut schlechtes Gefühl, wenn unseren Schülern ein zu großes Stück Normalität vorgegaukelt wird.

    Dass wir Lehrkräfte alle nur „halb“ geimpft sind, dass hier in der Gegend auch Geimpfte in Einrichtungen schon wieder infiziert waren und andere infiziert haben, dass dennoch diese Öffnungsschritte erfolgen (Die Läden öffnen morgen, die Schulen erst Mittwoch) und dass man mit seinen Mitmenschen diskutieren muss, warum man eine private Einladung ausschlägt, weil man sich selbst jede Woche dienstlich mit in Summe 160 Personen
    in geschlossenen Räumen aufhält, das strengt mich alles unfassbar an.
    Ich will eine langfristige Perspektive und kein halbgares Verhalten und im Sommer sitzen wir da und sind wieder so weit, wie wir Ostern oder Weihnachten waren.

    Zum Thema Lehrpläne: Verabschiedet euch bitte von dem Laiengedanken, dass die mal in einem halben Jahr umgeschrieben sind. Dafür tagen Menschen, die länger keine Schule von innen gesehen haben, Jahrzehnte in irgendwelchen Hinterzimmern. DA hängt auch immer eine Menge Juristisches dran. Deshalb haben sie Läner jetzt auch erstmal gesehen, dass sie die Schulabschlüsse in trockene Tücher kriegen, ohne dass eine Unterlassung nachgewiesen werden kann. Das wäre ja auch wirklich fatal: Ein Abschluss, der faktisch keiner ist.

    All ihr Mamas: Haltet durch! Ich ziehe meinen Hut vor euch! Denkt auch bitte weiterhin an die Sicherheit eurer Kinder und an eure eigene. Bleibt gesund!

    Schmütende Grüße aus NRW!

  4. Liebe Jette, genau das dachte ich auch und suchte verzweifelt die Niedersächsische Corona Verordnung nach Lockerungen bzgl der Schulen ab. Und siehe da… nix tut dich da.
    Meine Tochter ist seit letztem Jahr in der Schule, und außer Mathe und Deutsch gibt es keine Fächer. Kein Sachunterricht, kein Sport, kein Musik nix.
    Dafür aber als Hausaufgabe YouTube oder Videos von der Maus gucken. Super…
    Und was sollen die Kinder später mal von einem Land halten dass sich so rein gar nicht für sie interessiert?!
    Ich bin auch sehr gespannt was im September passiert, wobei mir auch vor einem Weiter so graut.
    Liebe Grüße aus Hannover, Tanja

  5. Poah, ich fühle das so so so sehr!!!!!!
    Ich war wirklich mal überzeugte SPD Wählerin, würde schon fast Anhängerin sagen, aber was da in den letzten Monaten kommt ist wirklich einfach unfassbar… Sie wollen offenbar ganz unbedingt NICHT gewählt werden. Und ich finde es mit den anderen Parteien ebenso schwierig. Frau Baerbock verspricht die große Familienpolitik… wenn ich mir jedoch anschaue wie Frau Fegebank (grün, 2. Bürgermeisterin) die familienfeindliche Politik der SPD hier in Hamburg nun 1 1/2 Jahre nur abgenickt hat, kann ich da auch kein Vertrauen fassen. Über all die anderen Deppen brauchen wir gar nicht reden… Was soll das werden bei der Wahl im September. Ich bin ratlos und ja, unfassbar SCHMÜTEND!! 😡

  6. sallygap

    Man, Jette, wie Recht du hast! Es mutet fast wie eine Satire Sendung an, was hier politisch mit Familien passiert. Wie wenig Familien gesehen werden. Dabei sind wir doch so viele! Warum werden wir trotzdem übersehen? Ich werde daraus meine Konsequenzen bei der Wahl ziehen.

  7. Ach Jette, wie alt bist Du, dass dich das sprachlos macht? Was hast du denn erwartet? Das dieses Kleinstaaterei-Bildungssystem von 1850 renoviert, überarbeitet, durchgepzstez wird? Das nach neuen Wegen im Sinne von Kindern und Eltern geschaut wird. In diesem Land in dem jedes Bundesland bildungstechnisch machen kann was die Landesfürsten für notwendig erachten, das im Bildunsränking in der Welt irgendwo im Nirgendwo rumdümpelt ändert sich nicht, solange Politiker eher an Lobbyarbeit (und deren Bezahlung) interessiert sind, ind Bildung der Kinder eine Frage des Einkommens der Eltern ist. In Hamburg wurde gestern beschlossen, dass die Kinder ab 31.5. wieder normal in die Schule gehen, obwohl wir dann nur noch 21/2 Wochen bis zu den Ferien haben. Aber an dem grundsätzlichen Problem ändert sich nichts und ich bin mal (negativ) gespannt, was uns nächsten Herbst erwartet. Denn es wurde weder was in ernünftige Luftfilter zusätzliches Lehrpersonal oder entrümpelte Lehrpläne investiert.

Deine Meinung. Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert