Wenn das Gewitter aufzieht im Kopf und sich alles entlädt, nach einem schönen Tag, vielen schönen Tagen und es wirkt, als sei daheim alles nur noch doof und man müsse dagegen revoltieren, nur weg, zu den Freunden, einfach raus oder eben explodieren, dann ist es unsere Aufgabe als Eltern es auszuhalten. Aber wir dürfen uns dabei ganz furchtbar fühlen. Oder unverstanden. Unfair behandelt. Wir dürfen wütend sein und irgendwann nicht mehr nur halten wollen oder können. Und dann laut werden.

Ja zu Hause lassen Kinder alle Emotionen raus, weil sie sich unserer sicher sind. Weil wir der sichere Hafen sind und weil all der Frust, all die Energie und all die Gefühle raus müssen. In ruhigen Momenten wissen wir das. Dass es eben so ist. Dass es gut tut, den Kopf frei zu schreien. Dass der Streit mit den Geschwistern oder den Eltern nicht aus lauter Boshaftigkeit entsteht.

Doch in der Situation gefangen kann ich nicht immer nur das sein und meinen Halt anbieten. Bin auch ich im Alltag gefangen, müde und meine Aufmerksamkeit teilt sich zwischen den anderen Kindern. Da versuche ich, da zu sein und zu verstehen, was den Sturm auslöst, versuche, ihn vorbei ziehen zu lassen und kann es doch nicht immer. Weil auch ich mich unfair behandelt fühle, mich nicht gesehen fühle, mein tägliches Handeln, die vielen Selbstverständlichkeiten nicht gesehen werden. Müssten sie das nicht, auch von einem Kind?

Wahrscheinlich nicht. Und so sitzen wir erschöpft da. Du auf deinem Kinderbett, ich auf dem Sofa und wir fühlen uns beide leer und unverstanden. Ich konnte wohl nicht signalisieren, dass ich Verständnis habe und einfach da bin und du kannst dir nicht erklären, was gerade los war. Warum du schreist und weinst und noch lauter schreist wegen einer Seite Hausaufgaben. wegen Zimmer aufräumen. Wegen jetzt nicht raus gehen.

Ja unsere Aufgabe ist es, diese Emotionen aufzufangen, gesprächsbereit zu sein und auszuhalten. Aber es ist wahnsinnig Kräfte zehrend. Es ist selten ein einfach nur aushalten der Gefühle. Es ist auch für uns Erwachsene emotional und vielleicht verletzten und das ist total legitim. Wir sind die Eltern und geben ein sicheres zu Hause. Aber auch ich sitze nach einem Sturm da und bin erschöpft und ratlos. Weiß nicht, wo der Schuh wirklich drückt und was ich tun soll. Fernsehverbot? Freunde Treff Verbot? Ab ins Zimmer Schreie? Nur aushalten und Gespräche anbieten? Verständnis zeigen? Und was ist mit den Geschwistern?

Eine Antwort habe ich nicht, eher Ratlosigkeit. Ich fühle, dass ich den Kampf gegen den Schulfrust nicht gewinne. Dass ich nicht überzeugen kann, dass das Kind nicht überzeugt werden will. Dass nur die Wut wichtig ist und die raus muss. Und was ist danach? Viele Tränen und Entschuldigungen. Bis der nächste Tag kommt und ich wieder aushalten muss und da sein soll. Wo ich noch frustrierter und wütender bin, weil es wieder los geht. Wo ich all das Verständnis zusammen suchen muss, weil ich ja die Mutter bin und das verstehen MUSS, aushalten MUSS. Und ich tue das mehr schlecht als recht und bin am Ende des Tages so erschöpft.

Wut der Kinder auszuhalten, egal was der Grund ist, ist unglaublich schwer für uns Erwachsene, weil der vermeidliche Grund so lächerlich erscheint. Weil es doch nur die eine Seite im Mathebuch ist, das bisschen aufräumen und die 5 Minuten im Haushalt helfen. Und sie lösen diesen Gefühlssturm aus. Aber wenn der vorbei ist und wir etwas Abstand gewonnen haben, dann lohnt sich oft das Gespräch. Dann ist die Wut raus gebrüllt und es ist Platz für Worte. Und hoffentlich haben wir dann die Kraft zuzuhören und sehen das eigentliche Problem. Und vielleicht findet sich eine Lösung. Vielleicht nicht.. Dann kommt die Zeit des Haltens und des Energie auftankens. Die Ruhe nach dem Sturm nutzen, das ist wichtig. Und wenn wir nur da liegen und kuscheln und über Belangloses reden. Das brennt sich hoffentlich ein und schafft die nötige Sicherheit für den nächsten Wutausbruch.

Elternsein ist gar nicht leicht. Gefühle zu ertragen ohne sich angegriffen zu fühlen, erst recht nicht. Auch aushalten und da sein kostet Energie und verlangt uns viel ab. Aber es lohnt sich für die Ruhe nach dem Sturm. Für diese ganz verletzlichen Momente wo wir hinter all diese Gefühle schauen, die Kinder selbst nicht verstehen. Und wenn der Abend such über das sichere zu Hause legt, dann ist es Zeit auch unsere Speicher wieder zu füllen, an uns zu denken und hoffentlich für den nächsten Sturm gewappnet zu sein. Und wenn das aushalten nicht mehr machbar ist und wir doch verletzt zurück schreien, dann ist das nicht pädagogisch wertvoll oder erwachsen. Aber menschlich. Hauptsache wir reden hinterher darüber und erklären, dass auch wir den Sturm im Kopf loswerden mussten und einfach nicht wussten wie es anders gehen kann. Wir müssen nicht einfach ruhig aushalten, wir müssen nur auf jeden Fall hinterher das Gespräch suchen und alle Speicher wieder auffüllen, mit Geborgenheit und Liebe. Dann wird es schon werden mit diesem Elternsein. Familie fetzt. Auch im Sturm.

Teile diesen Beitrag:
Autor

Seit 2011 bin ich in die Welt der Mütter aufgenommen. Mittlerweile habe ich 3 Töchter und einen Sohn. Hier schreibt keine "typische" Mutter, die Haushalt und Familie mit links schmeißt, Modelmaße hat und nebenbei locker eine Karriere wuppt. Ich finde es okay, auch mal zu sagen "Ich bin müde! Der Mann nervt! Wir streiten öfter! Nein, ich backe, bastel und singe nicht 24 Stunden am Tag! Ja, ich mag Fast Food und ein Schnäpschen zwischendurch!" Aber auch die schönen Dinge kommen nicht zu kurz. Süße Sachen die ich im Netz finde, hilfreiche Tipps, anderes Lesenswerte und ganz viel ♥

4 Comments

  1. Eins von Vieren ist hier auch oft voller Wut ( ich vermute, in der Reihwnfolge auch das gleiche Kind wie bei euch). Es kostet soviel Energie…und der Jüngste im Bunde kopiert die Wutausbrüche samt Kraftausdrücken in Perfektion! Beim Versöhnen dann die große Reue….aber es scheint, im Moment können die Gefühle noch nicht anders verarbeitet werden. Strafen helfen auch wenig bis gar nicht. Ich weiß auch nicht…

  2. 😢 Hier ähnlich und das nur mit einem Kind. Die 3-jährige ist wütend! Wütend weil die Kita ständig zu hat, wütend, weil es keine Nudeln gibt, weil geduscht statt gebadet werden soll, der Hund auf der falschen Seite des Sofas liegt, die Sonne scheint, weils regnet oder eben weils nicht schneit. Wir nicht zu Oma und Opa fahren oder weil wir genau das tun. Weil wir mit dem Laufrad rauswollen oder eben nicht….. und so weiter und so weiter.
    Und ich, ich halte eben nicht immer aus. Ich bin eben selber am Limit.
    Eben weil man nie weiß ob die Kita auf hat oder nicht, weil ich dieses ständige Zusammengeglucke nicht mehr ertragen kann, weil mein Business 2020 gerade zu getötet worden ist, weil ich Angst um die Welt habe und auf die Entscheidungen der Politiker gerne 🤮 würde. Weil mir das Berliner Nachtleben fehlt und ein kurzer Plausch in einem Kaffee.
    Wie sollte man da einfach alles aushalten?
    Du sagst, Familie fetzt, ich hätte mit dem heutigen Wissen gar keine gegründet. Selbstverständlich liebe ich mein Kind, selbstverständlich haben wir wundervolle Zeiten miteinander aber hätte ich gewusst, was auf uns zu kommt….
    Ich schaffe es nicht, immer auszuhalten, abzunehmen, auszugleichen. Schreie auch mal dagegen an mit dem Wissen wie bekloppt das ist und wie sehr es nach Hinten losgeht. Mir ballt es manchmal die Faust in der Tasche und ich würde am Liebsten laut auf den Tisch schlagen.
    Können wir nicht alle stolz sein das eben nicht zu tun. Am Ende sind wir doch auch alle nur irgendwers Kind.

  3. Hallo Jette,

    Danke für diesen Beitrag. Genau das Thema treibt mich auch grad um. Und ich habe wirklich das Gefühl, dass es nicht nur die normale Entwicklung mit diversen Phasen ist, sondern eben das „Kackorona“.

    Viele Grüße
    Claudia

  4. Liebe Jette, du sprichst mir so, so aus der Seele. Genau so sieht es bei uns im Moment auch aus. Ich hinterfragen mich dauernd und versuche das Ganze irgendwie in den Griff zu bekommen, gleichzeitig kann ich mehr als gut verstehen, dass die Gesamtsituation frustriert. Das eine Kind geht total gut damit um, das andere eben nicht. Und vielleicht ist aushalten da einfach ein guter Weg. Wie so oft erledigen sich solche Phasen ja manchmal zum Glück, bevor man die ultimative Lösung gefunden hat ( die es wahrscheinlich gar nicht gibt). Aber anstrengend ist es im Moment allemal. Manchmal hilft es aber schon, dass man damit nicht alleine da steht.

Deine Meinung. Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert