Neulich war ich bei einer Buchpremiere und sah fast ausschließlich Schwangere. Ich denke gern an die Schwangerschaften zurück. Klar ist nicht immer alles wunderschön und es gab auch unangenehme Begleiterscheinungen wie das Herzstolpern, aber ich war gern schwanger. Dass wir mal vier Kinder haben, war so nie geplant. Wir hatten eben eins, dann zwei, beim dritten dachte ich eher daran und beim vierten meinte der Mann zuerst, das ein Kind mehr doch schön sei.

Mal abgesehen von der Zahl, ist es eine enorme Verantwortung jedem Kind gegenüber. Wir haben recht schnell die Kinder bekommen, denn wir sind nicht blutjung. Das ist okay, aber limitiert auch etwas was den Abstand betrifft aber auch die Anzahl. Denn ein Nachzügler Baby wird es nicht geben.

Während der Mann total fein mit den vier Kindern ist und nicht eine Sekunde mehr über ein fünftes Baby nachdenkt, weiß ich rational auch, dass es richtig so ist: Finanziell, nervlich, aber auch vom Platz und den wieder gewonnenen Freiheiten. Natürlich gibt es für alles ein gutes Gegenargument und Platz ist in der kleinsten Hütte, wir fahren dann eben nicht so oft in den Urlaub und die Freiheiten kommen wieder, die anderen werden schließlich älter. Alles richtig.

Wann spürt auch mein Herz keine Sehnsucht mehr?

supermom_mamablog_neugeboren_BabyzeitErstens kann und will ich den Partner nicht überreden. Er sagt nein, mein Verstand sagt es auch. Und zweitens ich weiß, dass es richtig und vernünftig ist. Aber mein Herz verspürt einen kurzen Stich, wenn ich Schwangere sehe, wenn ich Menschen sehe, die sich für ein fünftes Kind entscheiden, die vielleicht andere Prioritäten im Leben setzen, als wir und es sich dadurch leisten können und wollen. Ich wünschte ich könnte aus voller Überzeugung und reinen Herzens sagen: Wir sind komplett, wenn wir gefragt werden. Und wir werden immer wieder gefragt. Manchmal mit einem dummen: „Na nun ist es ja auch egal“ hinten dran.

Ist es das Endgültige, was die Entscheidung so schwer macht?

Theoretisch kann der Mann noch im hohen Alter ein Kind zeugen und Vater werden. Bei Frauen ist dies endlich auf natürlichem Wege. Ist das der Grund, warum es mir so schwer fällt, loszulassen? Weil es eben eine endgültige Entscheidung ist? Weil ich nie wieder den positiven Test in der Hand halte, die ersten Tritte spüre und wir über Namen grübeln? Weil ich denke, ach hätte ich es mal mehr genossen, das letzte Mal?

Es ist auch nicht leicht, mit jedem darüber zu reden. Bei vier Kindern haben wenige Verständnis und manchmal denke ich auch, man unterstellt uns etwas Blödheit. Ist uns durchaus bewusst, dass Kinder wachsen, mehr kosten, mehr oder anders fordern usw. Und natürlich sind fünf Kinder eine Ansage. Sind vier auch schon. Man ist direkt limitierter was Urlaube angeht in Hotels zB, selbst Familienhotels kommen an ihre Grenzen oder verlangen Monatsgehälter für drei Tage Urlaub.

Nicht zu unterschätzen ist auch die Freiheit die man mit größeren Kindern wieder hat. Klar so ein Baby haben wir immer überall mit hin genommen, aber mal essen gehen, kurz die Kids allein lassen all das geht mit Baby erstmal nicht mehr so gut und dauert dann wieder ein bisschen. Und diese Freiheit mit größeren Kindern ist auch schön, keine Frage.

Am Ende ist die Entscheidung eh höchst individuell. Ich brauche keine Argumente für oder gegen ein weiteres Baby, egal ob das Fünfte oder Zweite oder das wievielte auch immer. Es liegt an so vielen Faktoren: Hab ich ein gutes Umfeld, welches mich unterstützt? Können wir uns ein Kind leisten? Müssen wir uns eventuell in unserem Lebensstandard etwas zurück nehmen und sind wir dazu bereit? Können wir es nervlich stemmen? Hält unsere Beziehung ein Kind (mehr) aus? Können wir uns eventuell etwas einschränken, Urlaube anders erleben oder vielleicht gar nicht und wäre es uns das wert? Was sagen Herz und Bauch?

Ich bin nicht undankbar und der Wunsch ist nicht dominant in meinem Denken. Es ist eher ein: Boah dieses Nein zu einem weiteren Kind fühlt sich schrecklich endgültig an. Und ich warte irgendwie auf die völlige innere Überzeugung kein weiteres Kind zu wollen. Andere haben das und können aus tiefstem Herzen sagen: Danke reicht! So wie der Mann. Hätte ich auch gern. Ich zweifle nicht und ich sehne mich nicht nach einem weiteren Kind.

Ich nehme Abschied von einem nicht wieder kehrenden Lebensabschnitt

Es ist wohl der Prozess des Abschied Nehmens von einem Lebensabschnitt, der nun für immer vorbei ist. Eine entscheidende Phase im Leben werde ich so nie wieder erleben. So wie ich manchmal meiner Studentenzeit hinterher trauere und das Weggehen vermisse, die Unbeschwertheit, das frisch verliebt sein, so trauere ich auch ein wenig dieser Zeit hinterher und nehme langsam Abschied, auch wenn ich wünschte ich müsste es nicht. Aber ich würde auch gern öfters feiern gehen und es geht eben nicht, denn dafür erleben wir nun andere Abenteuer.

Ich glaube, es ist okay, wenn man hadert, auch wenn man weiß, es ist richtig so. Nicht jede Entscheidung fällt leicht, aber irgendwann muss sie getroffen werden oder das Leben läuft einfach weiter und zeigt uns neue Wege, weg vom Studentenleben, hin zu einer Familie. Und dazu gehört wohl auch, dass man sich umdreht und zurück blickt, mal mehr mal weniger sehnsüchtig. So ist es wohl, das Leben.

Teile diesen Beitrag:
Autor

Seit 2011 bin ich in die Welt der Mütter aufgenommen. Mittlerweile habe ich 3 Töchter und einen Sohn. Hier schreibt keine "typische" Mutter, die Haushalt und Familie mit links schmeißt, Modelmaße hat und nebenbei locker eine Karriere wuppt. Ich finde es okay, auch mal zu sagen "Ich bin müde! Der Mann nervt! Wir streiten öfter! Nein, ich backe, bastel und singe nicht 24 Stunden am Tag! Ja, ich mag Fast Food und ein Schnäpschen zwischendurch!" Aber auch die schönen Dinge kommen nicht zu kurz. Süße Sachen die ich im Netz finde, hilfreiche Tipps, anderes Lesenswerte und ganz viel ♥

14 Comments

  1. Dein Artikel hat mich bewegt. Toll geschrieben. Du sprichst Dinge an, über die sonst niemand spricht. Danke für diesen Beitrag.

  2. Wir haben 3 Kinder und ich fühle ganz tief drin, dass da vielleicht noch mal jemand kommt. Vielleicht auch nicht, ich bin 40 und jetzt schon eine der Älteren in der Kita. Herz und Verstand wissen gerade auch nicht weiter. Und der Mann hat schon bei Nr. 3 die Nase gerümpft…

  3. Danke für diesen wunderschönen Text. Für deine schönen Worte.

  4. Du triffst es auf den Punkt☺️
    Wir haben 3 und so ganz kann ich es auch immernoch nicht aussprechen dass wir komplett sind!

  5. Ich hab immer gesagt, ein drittes Kind ist noch in mir. In meinem Herzen ist es auch da, aus rein egoistischen Gründen denn ich habe mir immer eine problemlose Schwangerschaft gewünscht.
    Beim ersten Mal gabs Stress bei der Arbeit, beim zweiten Mal ging der Mann fremd. Die Schwangerschaften waren dennoch schön aber mit Negativen behaftet. Deswegen war Nr3 lange Zeit in meinem Herzen. Der Mann war dann ja ausrangiert, unser Leben zu Dritt auch wunderbar und ein neuer Partner nicht vorstellbar. Immer noch nicht. Mittlerweile bin ich sowas wie fein damit. Ich mag meine großen Kinder. Dennoch denke ich manchmal noch an meine Nr3, denn in meinem Herzen ist Platz geblieben. ❤

  6. Steffi P.

    Ohja dieser Text trifft meine Gedanken/Gefühle/Zweifel zu diesem Thema wirklich gut …
    Wir waren mit 3 Kindern eigentlich fertig … aber diese letzte Baby Zeit war leider sehr überschattet vom Krebs des Mannes und war da gegen alle Wahrscheinlichkeiten der zweite Strich und es war einfach ein wundervolles Geschenk, gerade auch nachdem der Tod immer mal wieder viel zu nah gekommen war.
    Das Geschenk ist nun 10 Monate alt und schon vermisse ich diese Babyzeit …
    Kopf sagt fertig, Herz sagt: ‚ich bin voll …. Aber ich bin noch immer gewachsen wenn es dran war‘
    Ich vermisse auch meine Hebamme sehr, muss ich sagen …

    Und: Ohja … bin 4 Kindern ist es schwer Verständnis zu finden für diese Sehnsucht …

  7. Liebe Jette, du triffst den Nagel auf den Kopf 😥 Mein Mann und ich haben ein Zwillingspärchen 💙❤ Wir haben einen langen beschwerlichen und kostspieligen Weg hinter uns (Eizellspende im Ausland) und sind mehr als froh diese beiden Wunder bei uns zu haben. Mein Mann kann, ähnlich wie deiner, ganz klar und direkt NEIN zu einem weiteren Kind sagen. Mein Verstand und mein Körper sehen das auch total ein. Aber mein Herz hätte noch soviel Platz und Liebe zu vergeben und tut sich sooooooo schwer mit dieser Endgültigkeit und der Entscheidung: Soll es das wirklich gewesen sein? EINE Schwangerschaft? EINE Baby-Bubble? EINE Elternzeit? Ich hoffe einfach dass es irgendwann nicht mehr so sticht und mein Herz vom Kopf und Verstan überzeugt wird. Und dabei ist es ganz egal ob man ein Kind, zwei oder fünf hat…
    Fühl dich mal ganz doll gedrückt 😍

  8. Ich habe immer gesagt ich bekomme niemals mehr als zwei Kinder. Dann waren die zwei Jungs da und plötzlich wuchs da so eine Sehnsucht in meinem Herzen. Ach komm, eins geht doch noch. Anfangs hab ich mich garnicht getraut meinem Mann davon zu erzählen, weil ich doch eigentlich so sehr überzeugt davon war, dass zwei Kinder reichen. Als ich ihm von meinem Wunsch erzählte, war er sofort Feuer und Flamme. Zwei Monate später war ich schwanger mit unserer Tochter. Mittlerweile wissen wir, wir sind komplett. Und es fühlt sich jetzt auch gut an. Aber nach den zweien hätte ich trotz vorheriger Überzeugung meinem Herzen nicht erklären können, dass der Verstand (vielleicht) recht hat…

  9. Vor ungefähr 4 Jahren habe ich einen ähnlichen Artikel auf einem anderen Blog gelesen. Daraufhin habe ich lange und gründlich überlegt, wie viele Kinder ich denn haben möchte (Kind 3 war frisch geschlüpft). Eigentlich wollte ich mit Kind 3 abschließen aber es ging einfach nicht. Mein Kopf sagte „es reicht“ aber mein Herz meinte „nein, da fehlt noch was“. Ich habe dann lange mit mir gerungen und schlussendlich letztes Jahr meinen Mann zu Kind 4 überredet. Mit diesem Wissen im Hintergrund, fiel es mir sehr viel leichter, die Schwangerschaft als endgültig letzte anzuerkennen. Die Beschwerden in der Schwangerschaft haben mich in diesem Denken bekräftigt. Ich bin eben auch nicht mehr Mitte 20 wie beim ersten Kind. Auch die Geburt war sagen wir mal „unschön“. Eben alles so, dass es gut ist, wenn es das letzte Mal ist. Das hilft mir ungemein dabei, mit dem Thema abzuschließen. Vor allem aber auch dieses Bewusstsein von der Zeugung an: Das ist das letzte Mal. Ohne das, könnte ich für nichts garantieren ;-)

  10. drealu_life

    Liebe Jette, dieses Abschiednehmen steht mir noch bevor, aber momentan schwebe ich noch in meiner Babyblase. Nach 2 Kindern in 2 Jahren kam lange nichts und ich habe bis zuletzt die wiedergewonnene Freiheit geliebt. Zum Sport gehen ohne Babysitter zu brauchen war toll. Aber innerlich waren wir nie komplett. Schlussendlich hat uns das Schicksal nach 11 Jahren mit einem Nachzügler beglückt und jetzt fühlt es sich so an, als ob wir komplett sind. Keine Sehnsucht mehr. Kann natürlich auch an den schlafarmen Nächten liegen, wer weiß das schon…

  11. Danke für diesen Text! Ich hatte/habe immer wieder mal den Gedanken an an 2. Kind. Ein Geschwisterchen für den Sohn wäre doch sicher prima, ich bin mit einer Schwester aufgewachsen und fand es meistens toll, und ganz objektiv gesehen würde das alles gehen. Vor allem als nun meine kleine Nichte geboren wurde, habe ich diese Sehnsucht nach diesem Zauber des Anfangs. Der Mann hat dafür ein klares Nein, mein Kopf und vor mein Nervenkostüm wohl auch – aber eben das Herz noch nicht so ganz.

  12. Kathrin Lemke

    Danke für diesen Text! Ich hatte/habe immer wieder mal den Gedanken an an 2. Kind. Ein Geschwisterchen für den Sohn wäre doch sicher prima, ich bin mit einer Schwester aufgewachsen und fand es meistens toll, und ganz objektiv gesehen würde das alles gehen. Vor allem als nun meine kleine Nichte geboren wurde, habe ich diese Sehnsucht nach diesem Zauber des Anfangs. Der Mann hat dafür ein klares Nein, mein Kopf und vor mein Nervenkostüm wohl auch – aber eben das Herz noch nicht so ganz.

  13. Ach Jette, ich kenne das so gut! Same hier mit drei Kindern.
    Ich glaube auch, dass es dieses Realisieren ist, dass nun ein Lebensabschnitt vorbei ist, denn ich sehr geliebt habe, der besonders war, der sich so Mitten im Leben anfühlte. Und nun geht die Lebensreise weiter und es ist eben einfach vorbei und ist limitiert. Wie du sagst. Hachz.

Deine Meinung. Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert