Kälter auf jeden Fall. Nasser. Weniger freundlich. Weniger motivierend. Und mit viel weniger Energie. Okay, konnte ja keiner wissen im März 2020, was uns noch alles bevorsteht und so eine Pandemie macht man auch nicht alle Tage mit.

Nun nach über einem Jahr will ich kein Resümee ziehen, denn vorbei ist es ja nicht, auch wenn der Sommer naht und dank der Impfungen und vermehrten Testerei eine Art Vorfreude und leichte Euphorie durchs Land zieht, hoffentlich nicht gepaart mit Sorglosigkeit. Aber nach einem Jahr habe ich festgestellt, was es bedeutet, wirklich erschöpft zu sein. So erschöpft, dass ich mich selbst nicht mag, mein Umfeld nicht und die ganze Welt nicht. Dramatisch gesprochen.

Die Nerven sind nicht mehr nur dünn, sie sind nicht da. Ich reagiere unbeherrscht und sicher auch unfair. Vieles ist schnell zu viel, der Alltag wirkt wie ein Gipfel-Anstieg. Unüberwindbar. Wochenenden unterscheiden sich kaum von der Woche, denn es ist nicht viel möglich. Außer dass wir alle da sind und gereizt. Nicht nur wir Eltern. Auch die Kinder sind anders. Und das finde ich schrecklich. Sie könnend den Frust nicht genau artikulieren, also lassen sie ihn oft ungefiltert raus. Sie streiten anders, öfters, sind empfindlicher, schnell gereizt, fühlen sich ungerecht behandelt. Ich weiß das. Und trotzdem kann ich nicht immer angemessen reagieren.

Wir haben eigentlich alles durchgespielt: Kurzarbeit, Kündigung, Wegfall von Aufträgen und Einnahmen, Quarantäne. Irgendwie ging es immer, meist auf Kosten unserer Energie. Doch mit dem neuen Job des Mannes kam die Erkenntnis, nun geht einfach nichts mehr. Durch das notwendige Einarbeiten per Video, fiel von jetzt auf gleich eine wichtige Stütze weg in dem ganzen „Kannste mal eben?“ Zwei Möglichkeiten: Völlig ausfallen oder Auszeit nehmen, um die Kinder wenigstens halbwegs adäquat betreuen zu können. Also nahm ich Kindkranktage. Und die für mich erschreckendste Erkenntnis aus den letzten Wochen: Wahnsinn wie fertig ich wirklich bin. Ist ja nicht so, dass nur weil ich mich bei meinem Arbeitgeber ausklinke, nichts zu tun sei. Es ist wirklich immer jemand hier. Ich fühle mich nicht erholt. Ich fühle mich auch nicht besser oder ausgeruhter und ich frage mich, wie lange wir wohl brauchen, um uns wirklich zu regenerieren? Also ich meine nicht zwei Wochen Sommerurlaub. Ich meine dieses „vorher“.

Der Akku lädt nicht mehr auf

Ich schlafe schlecht und viel zu kurz. Ich beiße so fest nachts zu, dass alles am nächsten Tag weh tut. Meine Schultern sind verspannt, ich wache mit geballten Fäusten auf. Ich bin eine einzige Verspannung. Auch nervlich. „Nein“ rutscht schneller raus, als „Komm, das machen wir jetzt“. Kleine Dinge sind ein Aufraffen, kein ich mach das gern. Wochenenden bieten kaum Erholung von der Woche. Sind wir alle 2020 mit der Energie gestartet, die man als Eltern so hat mit mehr oder weniger Schlaf, so fühle ich mich nun wie ein Akku, der gar nicht mehr richtig auflädt. Es geht schon noch, ein bisschen Energie wird gespeichert, aber längst nicht 100 Prozent. Und wir hatten noch das Glück, uns nicht mit Corona anzustecken.

Es fällt mir nicht leicht, hier schwach zu sein. Zu sagen, tja es geht nicht mehr. Ich hatte so starke Herzschmerzen und Herzrasen, dass ich wirklich dachte, bald fällste tot um. Ich musste wenigstens diese kleine Reißleine ziehen und Kindkranktage in Anspruch nehmen. In dem Wissen, dass meine Arbeit andere erledigen müssen und ich trotzdem fast jeden Tag in mein Postfach schaue. Ich stelle mich hier hin und sage: Ich bin wirklich leer und erschöpft. Ich bin eine schreckliche Version meiner selbst und unfair gegenüber den Kindern und dem Mann. Ich wäre gern anders, aber ich habe nicht immer die Energie. Immerhin versuche ich es. Heute geht es auch nicht darum aufzuzeigen, wie wir da alle raus kommen und was wir ändern sollten. Es geht auch nicht um große Mecker-Posts in der ich meinen Unmut über politische Entscheidungen ausdrücke. Denn und das mag polemisch sein: Die Pandemie hat vielen Familien gezeigt, dass sie nicht an erster Stelle stehen. Dass es nicht wert ist, Schulen wieder zu öffnen, dass man das eben hinkriegen muss, wenn Kinder nur 2x in der Woche zur Schule gehen und ansonsten zu Hause sind. Dass Luftfilter echt unnötig sind und man so ein Familienministerium auch neben seinem eigentlichen Ministeramt nebenbei führen kann. Nicht so wichtig alles.

Ein ehrlicher Blick auf den Ist-Zustand

Nein heute zeige ich  einfach einen ehrlichen Ist-Zustand. Einen von dem ich hoffe, dass er der Tiefpunkt ist und es langsam bergauf geht. Ich will zeigen, dass man nicht einfach ewig funktioniert, dass wir so viel wuppen was so selbstverständlich ist und mir erst auffiel, als es nicht mehr ging. Und ich schreibe hier nur von mir, weil ich für den Mann nicht sprechen kann. Das bedeutet nicht, dass es ihm nicht ähnlich geht. Die Kirsche auf der Sahnetorte für uns war sein neuer Job. Sowohl positiv als auch negativ, denn zum ersten Mal hatte ich keinen Partner an meiner Seite. Er ist einfach 9h nicht da. Das mag für andere schon längst Alltag sein, aber ich rede von unserem Leben. Von einem Leben in der Pandemie, was wir irgendwie gut organisieren konnten mit der Betreuung von vier Kindern und was plötzlich doch zusammen fiel. Von vielen Krisen, beruflich wie auch privat, die auch noch mitlaufen und gestemmt werden wollen. Es geht nicht darum, wem es noch schlechter geht oder wer hier auf welchem Niveau jammert. Es geht nur um uns und ich will ehrlich zeigen: Ja unser Frühstückstisch ist oft schön gedeckt, ja wir grillen gern und nehmen uns Zeit, es schön zu machen, aber trotzdem ist der Alltag unglaublich fordernd und ich bin nicht die Super Mom die ich gern wäre.

Und wenn nur einer Person diese Last von den Schultern genommen wird und das schlechte Gewissen, dass es nicht besser läuft, dann ist schon viel „gewonnen“. Zu wissen, ok, andere leisten auch nicht mehr, oder machen es besser. Andere sind genauso im Arsch. Motivationsposts kommen auch wieder, versprochen, oder lustige Beiträge. Aber ein: Hey so isses hier grad, gehört für mich auch zum Online Leben.

Passt auf euch auf und seid gnädig zu euch!

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Autor

Seit 2011 bin ich in die Welt der Mütter aufgenommen. Mittlerweile habe ich 3 Töchter und einen Sohn. Hier schreibt keine "typische" Mutter, die Haushalt und Familie mit links schmeißt, Modelmaße hat und nebenbei locker eine Karriere wuppt. Ich finde es okay, auch mal zu sagen "Ich bin müde! Der Mann nervt! Wir streiten öfter! Nein, ich backe, bastel und singe nicht 24 Stunden am Tag! Ja, ich mag Fast Food und ein Schnäpschen zwischendurch!" Aber auch die schönen Dinge kommen nicht zu kurz. Süße Sachen die ich im Netz finde, hilfreiche Tipps, anderes Lesenswerte und ganz viel ♥

23 Comments

  1. „Es ist wirklich immer jemand hier.“ Es ist gut, das zu lesen. Nicht, weil es Dir so scheiße geht. Sondern, weil Du es schreibst. Und nicht dieses „Wir sind alle so glücklich und tun alles für unsere Familie und haben uns so irre lieb und und und“. Das macht mich wirklich mittlerweile superaggressiv. Ich glaub das keinem. Ich glaube einfach nicht, dass nach fast 15 Monaten Pandemie eine Familie, die dauernd aufeinander hockt, immer noch so überquillt vor LIebe und Harmonie und Freude am Zusammensein.
    Ich zähle mittlerweile die Stunden, die ich mal alleine zu Hause bin. Diese Woche waren es zwei. Wenn der Teenie nach Hause kommt, sagt er als erstes „Ihr seid ja schon wieder da!“. Er würde gerne mal jemand anderen sehen zu Hause als immer nur uns. Ich würde mich auch freuen, mal Besuch zu haben. Es nervt massiv, jeden Tag dieser Streiterei um „hast du die schulsachen von der lernplattform…“ „äh nee, mach ich morgen“. Der Stress durch die zahlreichen klassenarbeiten, die hier den Mai dominiert haben und die natürlich alle – Überraschung – versetzungsrelevant waren. Wenn es ein bisschen wärmer wäre, könnte man ja wenigstens mal irgendwo draußen schlafen. Aber nee, guckste raus, regnets schon wieder. es wird nicht besser. Dabei bin ich sogar schon einmal geimpft.

  2. Liebe Jette,
    same here, danke für deinen tollen Text!
    Hab überlegt ob ne Mutter-Kind-Kur nicht angebracht wäre. kenne mich nicht aus, aber soll ja zum Akku laden sein, auch für die Kinder.
    Ich lese dich immernoch sehr gerne, aber vor allem die genervten Texte!
    Ich wünsche dir und euch alles Liebe!
    Julia

  3. Sabrina

    Ich bin auch dabei. Total ko und nicht die geringste Lust auf irgendwas. Und das Schlimme: Bei den Kindern ist es das gleiche. Gut, machen wollen sie noch so einiges aber morgens aus den Federn kommt keiner. Leider ist das nur schlecht mit meinem morgendlichen Stress (schnell, schnell, Mama muss arbeiten und wir müssen im Kindi noch das Testergebnis abwarten) kombinierbar. Die Folge: Tränen und ein riesengroßes, schlechtes Gewissen meinerseits.
    Ich mag nicht mehr und ich kann nicht mehr. Gebt mir doch wenigstens nen Impftermin damit ich der zeitraubenden Testerei entkommen kann.

  4. Annabel

    Liebe Jette, ich habe Tränen in den Augen, weil ich soooo sehr fühle, was du beschreibst. Und ja, man fühlt sich gleich ein klitzekleines bisschen besser, wenn man weiß, man ist nicht allein damit. Danke für diesen wunderbar ehrlichen und offenen Text!

  5. Ach liebe Jette, ich drück Dich aus der Ferne und mir geht es so wie Dir! Heute morgen habe ich die Kinder wieder so von der Seite genervt angeraunzt, dass ich dachte: Sorry – das bin doch eigentlich nicht ich! Es ist krass was uns so abverlangt wurde. Ich komm abends nach dem Büro nach hause und will nur noch TK Pizza für alle reinschieben und mir keine Gedanken mehr machen. KÖNNEN DIE SICH BITTE SELBST INS BETT BRINGEN?!
    Ich hoffe auf BALD.. wann auch immer dieses BALD ist.. und irgendwann BALD heben wir auch mal wieder einen und sind die selben lachenden Menschen wie 2012, als wir uns zum ersten mal trafen – Ok – vielleicht nicht mehr ganz so knackig, aber immernoch voller Lebensfreude. Drücker aus Hamburg
    Claretti

  6. Liebe Jette,
    an genau dem Punkt war ich gestern auch. Habe mich von der Arbeit frei gemacht und festgestellt, dass keine Kraft mehr übrig ist. Schlafen klappt seit Monaten nicht mehr, obwohl die Kinder friedlich schlummern. Momentan reicht die Kraft nichtmals mehr fürs Gereizt sein.
    Halte durch – irgendwann laden die Akkus wieder auf…hoffentlich!

  7. Schwäche zu zeigen, denken wir immer, macht verletzlich, aber es ist Stärke. Es ist authentisch, wir dürfen zeigen was wir fühlen und wer wir in so einer Krise auch sind, welche Seiten wir haben, durch welche Scheisse wir gehen, weil keine Me time mehr oder paar time mehr da ist. Da sind wir eben manchmal laut und manchmal unfair. Aber menschlich! Wir sind ja keine perfekten Muttis mit perfekten Frühstückstischen. Keiner ist das und hat das. Nur sieht man das selten auf all den polierten Bildern (genau deswegen mag ich deinen ehrlichen Blog). Aber.

    So viel zur Theorie.

    Es ist auch für mich schwer, zu sagen, dass nix mehr geht, wo ich doch immer die Starke bin. In der Familie, beim Job, bei den Eltern und Freunden. Immer Vollgas gebe.
    Ich habe meinen Job verloren. Vor einem Jahr und ganz viel Vertrauen in die Menschheit und mich.
    Mir einen neuen Job gesucht, nach Absagen (yeah das tut gut) einen tollen Job gefunden aber statt sonst Teilzeit in Vollzeit gegangen (Teilzeit war grad ausverkauft) mit 2 Kindern zu Hause, home schooling, Einarbeitung und dem Druck der Probezeit und des Umfelds. Ich Rabenmutter. Mein Mann ging In Teilzeit. Alles war anders und anstrengend, die Welt war voller Einschränkungen für uns Großen und unsere Kleinen und unsere kleine FamilienWelt auch noch voll Veränderung. Dazu mein schlechtes Gewissen. Mach ich das richtig? Werde ich übernommen? Zwischen 7 und 22 Uhr gearbeitet und dazwischen für die Kinder da sein. Immer im Wechsel. Plus Haushalt. Plus Garten und Haus mit vielen Baustellen. Plus Allem. Minus Freunde. Minus Reisen. Minus Auftanken. Von Paar kann aktuell keine Rede sein. Wir funktionieren nur noch. Aber irgendwie haben wir die Zeit doch gemeinsam gemeistert und stehen auf. Ein wenig stolz. Manchmal mit nem Glas Wein in der Hand 😋 oder mit Blumenerde oder Pinseln und Farbe oder nem Hund auf dem Schoß. Für den Ausgleich und die Auszeit. In kleinen Schritten. Dann Hüpfen wir mit Gummistiefeln mit den Kindern durch Pfützen, und für einen kurzen Moment fühlt sich das Leben leicht an.

    Meine Philosophie. Aufstehen macht uns stärker. Nicht heute oder morgen. Aber irgendwann. Denn wenn wir den Moment in der Pfütze jetzt ein wenig genießen können, wie wird’s dann erst wieder im Meer sein?

  8. Irgendwie war das gerade genau der Text, den ich gebraucht habe. Danke dafür! Ich habe keine aufmunternden Worte, hier ist es ähnlich. Vielleicht einfach nur der Verweis darauf, dass du nicht alleine bist. Wir sind viele. Sehr viele.

  9. Danke für deine ehrlichen Worte!! Es tut gut zu hören, dass man nicht alleine ist.. Ich hatte schon vor Corona einen Burnout und war gerade zu vielleicht 70% wieder hergestellt, als der erste Lockdown kam. Durch den bin ich noch einigermaßen unbeschadet gekommen, aber Lockdown #2 und #3 und dann auch noch Corona Erkrankung, jetzt geht wieder nischt mehr! Ich hoffe, es geht bald bergauf für dich und deine Lieben!

  10. Kerstin

    Ich kann da so sehr mitfühlen! Im Februar war bei mir die Grenze erreicht. Ich konnte einfach nicht mehr. Ab da habe ich wegen der drei Kinder (2 Schulkinder, 1 Kitakind) ebenfalls die Corona-Kindertage gekommen. Zwischendurch war ich sogar wegen Erschöpfung krank geschrieben. Weil ich mich nicht besser gefühlt hatte, ging ich zum Arzt. Das erste mal so richtig in meinem Leben. Das schlechte Gewissen gegenüber Arbeit ist schwer auszuhalten, aber es bringt nicht. Ich war nicht mehr ich selbst. Und jetzt merke ich, wo ich meine Prioritäten setzen muss, dass ich entspannter mit den Kindern bin. Die ganzen Entscheidungen hinterfrage ich nicht mehr. Es ist eh alles unlogisch und wir versuchen für uns den besten Weg daraus zu machen. Aufblies Politik darf man da nicht hoffen. Traurig aber wahr. Und so drücken wir die Daumen, dass es nach den Ferien wieder etwas normaler im Alltag wird!
    Lass dich nicht Stressen, konzentriere dich aufs wesentliche. Alles andere ist im Moment unwichtig.

  11. Jana Becker

    Ach Jette, gelesen und wie ein Wackeldackel vor mich hin genickt. Alles doof, alles zu viel. Mag nicht mehr, kann nicht mehr. Die ganze Pandemiezeit in der Kanzlei durchgezogen (gestritten wird ja immer), mit Kind im homeschooling neben mir. Der Unterhaltszahler hat sich überhaupt nicht eingebracht, denn “ wofür zahl ich denn Unterhalt? Ist deine Aufgabe“. Ich kann mir aber nicht Mal vorstellen, Kindkranktage zu nehmen, weil dann würde ich ja quasi nur noch zuhause sehen und keine Ablenkung haben (ich hasse meinen Job, aber es ist Ablenkung und Alltag). Wird Zeit, dass es vorbei ist – ja ja, dauert noch ewig, ich weiß. Aber Akku, was ist das?

    Ich drück dich mal über den Park hinweg.

    An alle: Durchhalten, von heldenhaft hat keiner was gesagt.

  12. Liebe Jette,
    es geht nicht um ein Ranking, wer müder, erschöpfte etc ist und das liest man bei dir auch! Danke dafür! Jede Familie hat da andere Grenzen und jeder sollte das auch ohne Wertung äußern dürfen. Das finde ich aber so generell, nicht nur in so extra bescheuerten Zeiten wie jetzt. Ich wünsche dir viel Kraft, viel Erholung zeitnah und ausreichend Alkohol;)
    Liebe Grüße

  13. Das gleiche, fast überall…Nerven schon längst aufgebraucht, Tränen im Überfluss, großes Kind völlig fertig, kleines Kind lauter, wütender, wilder als jemals zuvor…Mann ungeduldig und gereizt, ich mag nicht mehr. Auch wenn ich wegen der Zahlen hier noch skeptisch bin, hoffe ich, dass nach den Pfingstferien die Schule mehr als 2x 4h in der Woche stattfindet und auch der Kindergarten sicher öffnet. Und dann nehme ich eine Woche Urlaub und räume einen Tag lang das Haus auf und nehme mir dann auch ein bisschen Zeit für mich. Wann hatte ich das letzte Mal Zeit alleine? Außer im Büro? Wann habe ich das letzte Mal etwas für mich getan? Ich weiß es schon nichtmehr.

    Haltet durch! Was anderes bleibt uns ja gar nicht übrig…

  14. Forster Jeannette

    Liebe Jette
    Das tut mir so leid für euch und so schön, dass du das schreibst. Nicht umsonst folge ich dir bald 6 Jahre auf dem Blog. Du herrliche, ehrliche Braut.
    Zu gern würd ich dir sagen, pack das Auto, fahr Richtung Süden um den Bodensee zu uns in die Schweiz. Strand kann ich nicht bieten, aber Feuerschale, Spirituosen und fast normalen Alltag.
    Wünsche dir Kraft, Gin und Leckereien und falls du wirklich kommst, melde dich kurz vorher an, dann machen wir die Betten klar 🤩

  15. Elisabeth

    Liebe Jette, so wie Du das beschreibst, könntest Du auch eigene Krankentage nehmen, finde ich. Ich halte wenig von Ferndiagnosen, aber da ich sozusagen vom Fach bin, wurde ich hellhörig. Vielleicht hast Du ja einen Arzt/eine Ärztin dem/der Du vertraust? Elisabeth

  16. Ich bin so bei Dir. Mann und ich sind seit März 20 in Kurzarbeit, finanziell geht es weil die Fahrtkosten etc wegfallen. Das hat uns auch den Arsch gerettet bei der Kindbetreuung. Zwerg ist in der 1. Klasse aber brauch eine 1 zu 1 Betreuung weil er keinen Bock mehr hat. Die Schule ist Gott sei Dank so lame unterwegs das nur Mathe, Deutsch und HSU beschult wird, alles andere ist Freiwillig, lass ich alles links liegen. Der Zwerg ist grad das erste Mal seit Beginn der Pandemie für 3 Tage alleine bei der Oma. Wir waren am Montag bei Freunden und emotional am Abend so überfordert und durch ob der sozialen Interaktion. Mag nicht mehr.

  17. Same here!!
    … für einen ausführlicheren Kommentar fehlt mir die Kraft 😭

  18. Julia Schneider

    Vielen Dank für deine ehrlichen Worte. Mir geht es mit nur einem Kind und Mann ähnlich. Jeder hat seinen Sack zu tragen, mal ist er groß mal ist er klein.

  19. Liebe Jette,
    Du triffst es auf den Punkt. Ich rege mich aktuell auch über alles sofort auf und denke doch gleichzeitig „bringt doch alles nix, kannste nicht ändern“. Grad gestern war ich mit meinen Nerven so richtig am Ende, weil ich jetzt trotz Priogruppe seit 6 Wochen auf einen Impftermin warte…Sommerurlaub ungeimpft wird auch kein Spass werden… ich kann und will einfach nicht mehr…

  20. Kann das alles so gut nachvollziehen. ….jetzt muss ich noch meine durchgebissene Zahnkrone erneuern lassen und hoffe Stück für Stück auf Lichtblicke (immerhin sind jetzt bei uns die Kinder nach 5 Monaten wieder im Wechselunterricht -das ist schon mal soo erleichternd)….
    sende liebe Grüße!

  21. Danke, hier geht’s genau so. Vor 4 Wochen hatte ich einen Zusammenbruch, den ich nicht habe kommen sehen, aber rückblickend nicht verstehen kann, warum das nicht schon eher passiert ist.
    Und dabei sind wir schon in einer so glücklichen Lage, eigentlich, ich arbeite eh nur teilzeit, nachdem bis Dezember jeder Tag home Office ein Kampf war, ist bei der Arbeit aufgefallen das man mein einzelbüro ja eigentlich dringend braucht, klar, wenn nach 10 Monaten Pandemie in Doppelbüros mal überdacht werden, seit dem kann ich immerhin von zuhause arbeiten, das nimmt schon mal betreuungsstress, mein mann wird von seinem Arbeitgeber ca. Den halben Monat bei voller Bezahlung freigestellt, er arbeitet in Schichten, und man denkt wie nett, gilt aber nur für die Führung, nichz für die Arbeiter, klar ne. Wir haben keine finanziellen Einbußen. Und für so viele ist das Thema damit durch, wir sind so privilegiert, da kann man sich doch nicht beschweren. Aber ich bin so einsam. Ich bin niemals allein. Aber so einsam. Ich sehe niemanden. Niemanden. Ab nächste Woche meine Eltern wieder, die sind dann vollständig geimpft. Die Kinder fahren fast 4 Monate komplett zu Hause. Vom Kindergarten nichts, kein Wort, nicht zu Nikolaus, oder Weihnachten, nicht zu ihrem Geburtstag. Nichts. Der große ist in der 1. Klassen. Und wir müssen im.home schooling 7 Fächer beschulen. Riesige bastel Projekte, die dann doch einfach direkt weggeschmissen werden können. Das Material wird erst spät oder zu spät oder unvollständig zu Verfügung gestellt. Es ist so ein Kampf, mit allem. Und ich bin müde. Und traurig.

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