„Zieh dir bitte eine Jacke an!“
„Warum?!“
„Weil ich es sage!“

Und schwupp, da ist er, einer der Sätze, die man nie sagen wollte als man noch kinderlos war. Besser wäre ja nur noch gewesen „Darum!!“ zu antworten. Ach vor den Kindern da wusste man noch, wie Kindererziehung funktioniert. Da las und hörte man so viel.

Respektvoll soll man mit dem Nachwuchs umgehen, Wünsche und Bedüfnisse achten und sich daran orientieren, auf einer Höhe mit dem Kind reden, zum Erklärbär mutieren, aber nicht zu lange, sonst hört das Kind nicht zu. Pädagogisch sinnvolle Antworten geben und sich fragen: „Möchte ich auch so behandelt werden?“ Oder: „Was will mein Kind jetzt eigentlich wirklich von mir?“, sich aus der Situation rausnehmen, sein Verhalten hinterfragen und klug handeln.

Klingt doch ganz wunderbar. Und dann hat man dem Kind schon dreimal gesagt, dass es doch bitte die Jacke anziehen solle, schließlich sei es kalt und die Hände sind auch schon kurz vor Eiszapfen-Stadium. Das Kind will aber nicht, friert natürlich nicht und hat eh besseres zu tun, als eine Jacke anzuziehen, die beim Spielen stört und ausgerechnet heute sowieso die falsche Farbe hat. Tja, da steht man nun als gebildeter Mensch, der theoretisch alles weiß über Erziehung und einfach nur nicht mehr diskutieren, reden, erklären will.

In meiner argumentativen Brillanz habe ich dem Kind sämtlichen Wind aus den Segeln genommen. Was willste darauf antworten. Fast autoritär verhalte ich mich und nehme dem Kind die Chance, eigene Erfahrungen mit Kälte zu sammeln, und der daraus wahrscheinlich resultierenden Erkältung. Nur weil ICH jetzt meinen Willen durchsetzen will! Ja was denn nun? Soll ich die Wünsche des Kindes respektieren oder ist es manchmal einfach schlauer sich durchzusetzen, man weiß es eben in dem Moment einfach besser, als der dreijährige Eisklotz.

All das ging mir aber nicht durch den Kopf. Der Satz war da und ausgesprochen. Seelischer Schaden wahrscheinlich nicht ausgeschlossen. Und das Kind? Zuckte mit den Schultern, zog die Jacke an und rannte fröhlich davon. Mit gebrochenem Willen. Oder Resignation. Innerlicher Aufgabe ob der übermächtigen, strengen Mutter.

Und die Moral von der Geschicht? Nichts ist wie im Lehrbuch, oder von Pädagogen und Erziehungsratgebern empfohlen. Die hatten nämlich auch Ruhe und Zeit hinter ihrem Schreibtisch, diese klugen Gedanken auszuformulieren. Wir befinden uns als Eltern dann im Praxistest und gucken mal was bei rum kommt. Finde ich meine Antwort schlimm? Nö. Hätte man es besser machen können? Vermutlich. Aber die Welt geht nicht unter, wir werden es Beide überstehen und am Ende war der kleine Konflikt schneller gelöst, als hätte ich mich noch zum vierten Mal auf die Ebene des Kindes begeben und mit Engelszungen erklärt, gewünscht und geredet. Manchmal ist es eben so und ich bestimme. Da mag dem Pädagogen das Ohr bluten, aber dann solle er/sie sich freuen, dass es in den eigenen vier Wänden immer besser klappt. Tut es wahrscheinlich nicht. Und das will ich mal wieder damit sagen: Manchmal können einen die ganzen Theorien, Tipps, Erziehungsstrategien in den Wahnsinn treiben und wenn man mal einfach nicht nachdenkt, sondern macht wie der Schnabel gewachsen ist, dann klappt es auch. Ohne Wutanfall und Drama. Wahrscheinlich auch ohne gebrochenenen Willen und seelischen Schaden.

Warum? Darum!
So läuft Familienleben eben.

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Autor

Seit 2011 bin ich in die Welt der Mütter aufgenommen. Mittlerweile habe ich 3 Töchter und einen Sohn. Hier schreibt keine "typische" Mutter, die Haushalt und Familie mit links schmeißt, Modelmaße hat und nebenbei locker eine Karriere wuppt. Ich finde es okay, auch mal zu sagen "Ich bin müde! Der Mann nervt! Wir streiten öfter! Nein, ich backe, bastel und singe nicht 24 Stunden am Tag! Ja, ich mag Fast Food und ein Schnäpschen zwischendurch!" Aber auch die schönen Dinge kommen nicht zu kurz. Süße Sachen die ich im Netz finde, hilfreiche Tipps, anderes Lesenswerte und ganz viel ♥

12 Comments

  1. Hihi. Es liegt sogar eins in den Untiefen meines PCs. Also angefangen u nie weiter geschrieben. Vllt sollte ich mal wieder weiter machen.

  2. lottetotte

    Ich liebe deine Artikel!!!
    Ich würde gerne ein Buch von dir lesen. Irgendwann…? ;-)
    Ich denke mir noch einen Titel aus!

  3. haha…..wie ich dir mal wieder recht geben muss!!!
    Gebrochener Willen und seelischer Schaden, ich schmeiß mich weg!
    Man kann wirklich auch alles zu Tode diskutieren, ich muss über solche Eltern eher schmunzeln:)

    Wünsche euch ein schönes Wochenende
    Simone

  4. Toller Artikel. Ja, manchmal wird einfach zu viel diskutiert und erklärt. Manchmal ist es einfach so. :-)

  5. Mir sagte mal eine Erzieherin: Es gibt die ‚Das ist so‘-Regeln und das, was du so schön beschreibst, gehört dazu ; )

  6. Zu diesem Artikel gibt es nur zwei Wörter zu schreiben: Großartig beschrieben!

  7. Ich sage auch gerne mal: „Weil ich die Mama bin und du das Kind. Und manche Sachen bestimmt die Mama hier.“

    :-) Wahrscheinlich auch nicht gerade pädagogisch wertvoll….

  8. Binchenkaninchen

    Super! Weil es eben stimmt. Praxis und Theorie sind oft meilenweit entfernt. Trotz aller klugen Erziehungsratschläge einfach mal ausn Bauch raus handeln. Seelischen Schaden werden sie dadurch kaum nehmen. Alles im Rahmen und mit gesundem Menschenverstand. Ich finde, dass man durch diese Ratgeber, die alles besser wissen und einem ein schlechtes Gewissen machen, dass unsere Kinder dann den und den Schaden haben. Wie wollen die das wissen? Wenn das Umfeld und die Eltern „passen“, darf man auch mal genervt oder sonstwie reagieren. Eltern sind keine Roboter, auch nur Menschen mit Gefühlen und Bedürfnissen. Kinder verstehn unser Verhalten vielleicht manchmal, auch wenn sie noch klein sind. Danke Jette für deine ehrlichen Worte. ?

    Liebe Grüsse

  9. Christine

    Ich habe für mich selber die maximale Zahl von 4-5 „Warum“ gesetzt. Danach heisst es „Darum“ oder „Weil das schon die Antwort war“. Fertig. Mein Dreijähriger akzeptiert das dann glücklicherweise und überlegt sich schon bei was er wieder „Warum“ fragen kann ;-)
    Aber klar, der seelische Schaden ist angerichtet, haha. Na ja, ich denke mir, bevor ich durchdrehe weil die ständige Fragerei dann doch irgendwann so ganz leicht nervt, eben so.
    Dir ein schönes Wochenende!

  10. Oh, das kenne ich auch :-)
    Bei uns ist es „Ich bin der Bestimmer!“ – „Nein, ich bin jetzt der Bestimmer!“

    Letztlich geht’s doch um eine gute Balance zwischen Führen und Folgen, und ich folge meinem Kind gerne im Spiel (also echt viel Zeit am Tag bei einem fast Dreijährigen), was es ihm sicherlich leichter macht, im Alltag eben auch mal mir zu folgen. Und das sehe ich dann auch als meine Aufgabe, dass ich in bestimmten Situationen die Führung übernehme – was, auch wenn es so mechanisch oder kühl klingen mag, durchaus von Respekt voreinander begleitet wird. Ich erkläre meinem Kind gerne und oft etwas, und dann gibt es auch wieder Situationen, in denen ewige Diskussionen nur Verwirrung stiften würden.
    Tja, und manchmal, ja, da klappt’s dann auch tatsächlich so… :-)

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!

  11. Oh ja stimmt, Buch schreiben.
    Ich freu mich schon, wenn ich im Schaukelstuhl sitze und mir die ganzen Blogbeiträge der Blogger-Kinder durchlese, die ihre traumatische Kindheit verarbeiten müssen ;-)

    Dir auch ein schönes Wochenende!
    Liebe Grüße!

  12. Hallihallo, Jette,
    Dein Kind wird ein Buch über Dich schreiben und /oder Amok laufen, das ist Dir schon klar, oder? ;-))))))))
    Herrlicher Post und ich stell mir die blutenden Ohren sämtlicher Pädagogen und ach so schlauer Autoren von Erziehungsratgebern vor!!! :-D
    Ich sag auch gern: weil es so ist und fertig!
    Hab einen schönen Tag und komm gut ins Wochenende,
    liebe Grüße,
    Barbara

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