Dass Schlafentzug als Foltermethode gilt, brauche ich wohl kaum einem Elternteil sagen. Zu wenig Schlaf über Tage oder Wochen macht mürbe. Man ist unkonzentriert, schlecht gelaunt, dazu kommt der wattige Kopfschmerz und dieser Nebel im Kopf. Meist liest man ausgerechnet dann noch etwas über ein Baby was schon locker 6 Stunden oder länger schläft und dass man sein Baby doch nur liebevoll in den Schlaf begleiten solle und überhaupt, alles nur eine Phase.

Ich sag mal so: Am Arsch! Wenn ich hundemüde bin, ist mir irgend eine Phase herzlich schnurz. Wenn ich die Nähe oder das Einschlafstillen nicht mehr ertrage, dass stundenlange rumliegen im dunklen Zimmer, dann sind mir Lobhudeleien über Einschlafstillen, Begleiten des Schlafes, Selbst bestimmtes ins Bett gehen echt egal. Schnurzpiepegal. Und das sollte es euch auch sein. Egal ob ein Neugeborenes neben euch liegt, ein Kleinkind sich nachts wie ein betrunkener Seestern ausbreitet und rumrudert, egal ob euer Kind im eigenen Zimmer schläft und ihr froh darüber seid. Es ist euer Schlaf.

Ich habe drei Kinder. Und nur das Erste hat sich daran gehalten, das zu tun, was Babys machen. Alle 3-4 Stunden wach werden und trinken. Flasche oder Brust war ihr zum Glück egal. Also wechselten der Mann und ich uns ab. Denn wenn sie sich nachts nach 3 Stunden meldete, hatte ich, wenn es hoch kam, 2 Stunden Schlaf am Stück. Dann stillte ich und während das Baby langsam einschlief, fand ich nur schwer zurück ins Traumland. Bis ich dann endlich erschöpft einschlief, bevor das Baby wieder unruhig wurde und schließlich Hunger hatte oder irgend ein anderes Bedürfnis. Ich war sehr matschig im Kopf. Ich war so müde, dass ich nicht Auto fahren konnte, dass ich sofort los heulte und wahrscheinlich leicht hysterisch auf alles reagierte. Daher war ich sehr dankbar, dass wir jede Nacht wechselten und so beide wenigstens alle zwei Nächte mal ein paar Stunden am Stück schliefen. Schon immer wollte meine Älteste viel Körperkontakt, vor allem beim Einschlafen. Bis zu 2 Stunden im dunklen Zimmer sitzen und ihre Hand halten, machen einen irgendwann wahnsinnig. Denn sie war müde. Es war schon nach 20 Uhr eh wir sie überhaupt hin legten. So lag sie müde im Bett und fand nicht in den Schlaf. Mich machte das sogar aggressiv. „Schlaf endlich! Ich will doch auch noch etwas Zeit mit dem Mann. Was essen mit ihm. Schlaf. Jetzt. Endlich. Ein!“ Ist dem Kind natürlich schnurz. Raus gehen und sie schreien lassen? Keine Option. Auch nicht eine Minute. Und dann zwei. Und später drei Minuten. Auch wenn wir doch nebenan sind. Das weiß sie doch! Da steht doch, dass dieses Einschlaftraining klappt. Ob wir es doch mal….? NEIN!

Wir legen unsere Kinder ins Bett wenn sie müde sind. Nicht weil es 19 Uhr ist. Trotzdem brauchen sie manchmal sehr lange, bis sie einschlafen. Seit die Zweite da ist, fällt es der Großen leichter, auch ohne uns an ihrem Bett in den Schlaf zu finden. Auch als die Zweite noch ein Baby war, klappte das Einschlafen endlich besser, denn meine Große wusste mit ihren knapp 2 Jahren, dass ich wieder zum Baby muss, dass es mich auch braucht aber noch gar nicht müde genug fürs Bett war.

Überhaupt war unsere zweite Tochter ein ganz anderer Schläfer. Während die Große gern im Arm einschlief und später wenigstens eine Hand zum Festhalten brauchte, wollte die Mittlere nur hingelegt werden. Auch mit drei Monaten schon. Bauch voll mit Milch, alles schön warm, das Mobile spielt die bekannte Melodie, Mama steht und guckt, schwupp eingeschlafen. Bloß nicht im Arm liegen und einschlafen. Sie wollte lieber im Bett hin und her kullern, erzählen, fast für sich sein. Sie schaffte recht bald tatsächlich die 6 oder 7 Stunden Schlaf am Stück und zog mit knapp 1,5 Jahren zu ihrer Schwester ins Zimmer. Die übrigens fast jede Nacht zu uns ins Bett krabbelte. Was total okay ist. Auch bei unserer zweiten Tochter übernahm der Mann wieder Nachtschichten damit ich mal ohne Unterbrechung schlafen konnte.

Beim dritten Kind ließ ich mich überraschen was da auf uns zu kommt. Die erste Zeit verbrachte sie vor allem tagsüber viel auf mir oder dem Mann und schlief und schlief. Sie schlief überhaupt unglaublich viel, auch wenn es laut war um sie herum. Einen Rhythmus hat sie ungefähr seit sie 7 Monate alt ist. Sie möchte im Arm einschlafen, ich kann sie dann problemlos ins Bett legen und hier ist es nun, das Baby was keine Mutter mit Schlafmangel mag: Sie schläft durch. So richtig. Von abends 20/21 Uhr bis morgens um 7/8. Mit ihren 10 Monaten. Sie braucht keine Hand, die sie hält, sie muss nicht auf unserer Brust liegen. Sie weiß, dass wir da sind, denn sie schaut nach uns. Und schläft beruhigt weiter. Nur ganz selten liegt sie in meinem Arm, weil sie immer wieder aufwacht. Oft reicht auch des Mannes Hand auf ihrem Bauch, wenn sie doch mal unruhiger wird. 

Wir haben nichts anders gemacht als bei den Kindern davor. Alle schliefen, bzw. schlafen an der Seite vom Mann. Sie sind eben verschieden. Auch beim schlafen. Die Kleinste schläft in dem Bett, in dem schon ihre Schwestern schliefen. Die übrigens beide ab und zu nachts noch zu uns kommen. Was immer noch für uns okay ist. Manchmal liegen wir alle 4 zusammen gequetscht da, das Baby im Bett neben unserem, mit der Hand der Schwester auf ihrem Bauch. Ja das klingt total süß und es ist wirklich ein schönes Bild, wie der Mann seine Tochter im Arm hat, die das Baby im Arm hat während sich die Große von der anderen Seite an den Mann kuschelt, der trotzdem schlafen kann. Ich kann es nicht. Ich brauche Platz. Aber gut, mein Problem.

Warum ich das erzähle? Weil, was auch immer man so liest wie es Andere machen, wie es gut fürs Baby ist, wie es bedürfnisorientiert ist oder was auch immer, so interessiert es das Baby ein feuchtes Bäuerchen. Meine Mittlere lag wach in ihrem Bett und fand das völlig ok. Ich brauchte nicht neben ihr zu liegen und zu warten, bis sie einschläft. Meine Große raubte uns sehr viel Schlaf, schlief die ersten Monate Tag und Nacht am Liebsten auf mir oder dem Mann und wir hatten Rückenschmerzen. Sie brauchte lange, bis sie in den Schlaf fand und wir mussten bei ihr bleiben. Stundenlang manchmal. Egal wie müde sie war. Und nein, ich habe das nicht gern gemacht, es genossen und mir gedacht: „Ach super, hab ich mal ein zwei Stunden Zeit, den Gedanken freien Lauf zu geben, während ich im dunklen Kinderzimmer sitze und mir das Kind die Fingernägel umbiegt.“ Und die Dritte nun möchte zwar im Arm einschlafen, aber dann hingelegt werden. Denn sie dreht sich gern hin und her. Was im Arm nicht geht. Und dann schläft sie im Schlafzimmer, allein. Bis wir uns dazu legen.

Das Geheimnis mit Baby´s Schlaf oder Blogbeiträgen, die das thematisieren: es sind individuelle Erlebnisse. Persönliche Entscheidungen wie wir unsere Kinder ins Bett bringen, weil sie für uns funktionieren. Nicht für das Baby meiner Freundin, nicht für euch LeserInnen. Habe ich den ultimativen Tipp, wie Babys schlafen und alle glücklich sind? Leider nein. Vielleicht hilft ja ein Geschwisterkind. Vielleicht wird alles schlimmer. Liegt ihr gern im Zimmer und genießt die stundenlange Einschlafbegleitung? Na dann perfekt. Wenn es euch zermürbt und ihr merkt, dass es für euch so nicht mehr geht, findet ihr einen anderen Weg. Vielleicht ist das Kind noch nicht müde? Vielleicht ist es zu warm, oder zu hell, zu dunkel. Nur eins weiß ich, schreien lassen oder Schlaftraining ist keine Option. Für niemanden. Das Baby lernt nur, dass es nichts bringt zu schreien, es kommt niemand, also resigniert es und schläft irgendwann erschöpft ein.

Wenn ihr eure Kinder gern mit euch im Schlafzimmer habt, dann lasst euch nicht von irgendwem erzählen, ihr verzieht das Kind. Die Steinzeitmenschen lachen grad im Grab, denn das Mammut hätte sich riesig gefreut, wenn alle Babys allein eine Höhle weiter liegen. Wenn ihr nachts das Bett für euch braucht, eure Kinder in ihren Zimmern friedlich schlafen und sich sicher fühlen, dann ist das für euch genau richtig so. Egal was Familienbett Fans sagen. Ihr müsst schlafen. Entspannt und sicher. Auch eure Kinder. Nur darum geht es. Und wenn der Kinderarzt (oder die Ärztin) vorwurfsvoll anmerken, dass Einschlafstillen nicht gut für die Zähne sei oder die Oma meint, ihr verweichlicht das Kind, dann lächelt milde und macht einfach weiter so. Und wenn der Schnuller das Glück bringt, na dann habt am Besten immer einen auf Vorrat.

Und wenn mal wieder ein Artikel, ein Blogbeitrag, ein gut gemeinter Ratschlag oder das durchschlafende Baby der Freundin euch aus dem Konzept bringen, dann hört nicht hin, klickt die Seite weg, freut euch für die Freundin und denkt immer dran: Mit 18 nach einer durchfeierten Nacht schlafen auch die schlimmsten Schläfer lange und wollen in ihrem Bett in Ruhe gelassen werden. Also haltet durch, bekommt so viel Schlaf, wie ihr nur könnt und macht es vor allem genau so, wie es zu euch passt. Und immer schön dran denken: Es ist alles nur eine Phase. Die dauert eben nur manchmal 18 Jahre.