Manche Tage sind schwer, laut und schrill. Sie fangen morgens schon mit überdrehten Kindern an, die Nacht hängt noch in den Augen. Beim Frühstück landet der Kakao auf dem sauberen Kleid statt im Mund und ich frage mich, warum ich überhaupt wasche. Nach dem Zähne putzen erstrahlt das Waschbecken in einem Mix aus Wasser, Zahnpasta und Seifenreste. Die Münder der Kinder sind noch voll mit Schokolade und ich frage mich, wann sie sich wohl endlich einfach mal die Zähne putzen oder die Münder waschen können, ohne Drama, ohne Streit, ohne Überschwemmung. Ich schaue auf die Uhr, es ist schon wieder kurz vor knapp, die Kita möchte, dass wir pünktlich sind und ich möchte mich hinlegen.

Einen kurzen Moment genieße ich meinen Kaffee, während ich die Frühstücksschlacht beseitige, bevor das Baby wach ist. Sie strahlt mich an. Ich weiß, das wird sich gleich ändern und sauge müde ihre Liebe auf. Windel wechseln, anziehen, stillen. Ich würde gern ein wenig arbeiten. Das Baby lässt mich nicht. Draußen ist es grau, soll ich da wirklich raus jetzt? Das Baby wird unleidig. Auf meinem Arm geht es. Stille. So sitze ich gedankenverloren auf dem Stuhl, schaue durch die Wohnung, das Baby schimpft leise, reibt sich die Augen. „Sei doch bitte mal leise. Hör doch endlich auf zu weinen“ denke ich. „Ich will doch nur meine Ruhe. Warum können wir nicht zusammen auf der Spieldecke sitzen und du erkundest deine Umgebung? Warum bist du so unzufrieden?“ Es ist noch nicht mal Mittag und ich bin so müde. Und antriebslos. Ich müsste doch eigentlich Wäsche waschen. Das Baby lässt mich nicht. Ich will sie nicht schreien lassen, nur wegen der Wäsche. Also gehen wir doch raus. „Schlaf doch ein“ denke ich. „Nö“ sagt sie mir aus ihren großen Augen.

Ich habe Hunger, das Baby will nur mich. Und ist so müde. Also liege ich hier im dunkeln Zimmer mit ihr. „Schlaf doch endlich ein. Lass mir doch bitte nur 30 Minuten.“ Schwer tut sie sich. Sie ist so müde und findet nicht zur Ruhe. Ich bin ungeduldig. Traurig und wütend. Ich würde auch gern schlafen. Oder was essen. Oder aufräumen. Sie schläft. Ich schleiche mich hinaus und höre sie nur 15 Minuten später. Das Essen brennt an, ich sitze im dunklen Zimmer. Streichle sie, kuschel mit ihr und sie findet wieder in den Schlaf. Wenn ich Glück habe, ein bis zwei Stunden. Manchmal auch nur weitere 15 Minuten.

Ich hole die Kinder ab, die Gedanken kreisen um die Kita. Um einen Wechsel. Oder lieber nicht? Was sind sie laut. Und überdreht. Und so voller Energie. Sie plappern ohne Unterbrechung. Zeitgleich. „Seid doch mal kurz still“ denke ich. Einkaufen müssen wir noch. Etwas was immer gut klappt mit ihnen. Nur heute nicht. Ich habe keine Energie, ihnen zu erklären, dass man nicht jedes Obststück antatschen und darauf rumdrücken kann. Ich zische sie halb leise an, dies zu lassen.

Zu Hause. Das Baby schimpft. Die Schwestern haben keine Lust sie zu bespaßen, sie wollen malen und sind kaum oben und streiten „SEID DOCH ENDLICH MAL KURZ LEISE“ denke ich. Ich bin gereizt. So schlecht gelaunt und fühle mich schlecht, dass ich so genervt bin. Ich bin sauer auf den Mann, der ja „nur“ im Büro sitzt. Ich setze mich zum Baby und schaue sie an. Sie weiß noch nicht so recht, ob sie lieber meckert, oder doch etwas umher robbt. Sie meckert lieber und ist nur auf meinem Schoß zufrieden.

Zum Abendbrot gibt es Brot. Was die Kinder blöd finden. Sie wollten doch Pizza! Sie sind noch ein bisschen lauter und überdrehter, denn ihr Papa ist da. Sie spielen mit dem Essen, das Baby lässt alles auf den Boden fallen und schmiert die Avocado an Papa´s Arm ab. Ich hab auch keinen Hunger auf Brot. Ich würde so gern ganz in Ruhe ein Stück Pizza essen. Dafür hat die Energie heut nicht gereicht.

Die Kinder gehen ins Bett. Das verläuft meist ganz gesittet, manchmal nicht. Manchmal sucht die Schwester das falsche Buch aus, sieht das Zimmer noch recht chaotisch aus, will der Mann, dass sie aufräumen. Das Drama nimmt seinen Lauf. Ich sitze auf dem Sofa und will doch nur kurz die Nachrichten verstehen. Und einfach mal liegen.

Müde gehe ich ins Bett, werde kurz nach dem Einschlafen das Baby stillen, in der Nacht wieder und werde morgen wieder müde sein. Dann wache ich auf und meine große Tochter stellt mir einen Kaffee ans Bett, den der Mann zur Versöhnung gemacht hat. Klar haben wir uns gestern noch gestritten.

Das Baby schläft noch tief und fest, der Kaffee schmeckt heiß richtig gut. Die Mädels frühstücken ganz ohne Kleckern, sie erzählen vom Wochenende, eine nach der Anderen, so dass mir nicht die Ohren klingeln.

Manchmal da wünsche ich mir Ruhe. Einen Moment der Stille. Dass sie doch mal machen, was man will. Das muss doch auch für die Kinder schöner sein, wenn man nicht meckert? Und dann denke ich, es ist ihnen einfach nicht wichtig die Zähne zu putzen. Wer ist schon dieser Karies. Die Maschine wäscht doch das Lieblingskleid. Es war wohl einfach nicht mein Tag. Ein Tag, an dem ich mir zu oft Ruhe wünschte, wo meine Geduld morgens schon verbraucht war. Wo das Weinen des Babys fast körperlich schmerzt. Ein Tag an dem ich kurze Sätze sage. Vielleicht nicht oft genug gekuschelt habe. Weil mir die Energie fehlte. Ein Tag, der auch zu uns gehört und zu unserer Familie. Ein Tag der normal ist. Ich bin nicht immer fit, gut gelaunt, tief entspannt und die Mädels lieben sich nicht den ganzen Tag, streiten gern wegen Nichts, werden bockig. Ja auch das entspannteste Baby hat mal schlechte Tage, schimpft und weint nur, ist unzufrieden. Und nichts hilft, außer Körperkontakt. Ich kann nur viel atmen, miesmuschlig gucken und versuchen, nicht zu viel zu schimpfen. Früh ins Bett gehen und die Wäsche ein anderes Mal waschen.

Auch das sind Tage bei uns. Auch diese Gedanken habe ich. Auch das ist Liebe. Denn am nächsten Tag drücke ich sie ein wenig mehr, hole sie eher aus der Kita ab und wir backen eine Pizza, genieße ich den engen Kontakt zum Baby den ganzen Tag und vielleicht scheint während des Spaziergangs noch die Sonne.

Auch das ist Liebe.

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Seit 2011 bin ich in die Welt der Mütter aufgenommen. Mittlerweile habe ich 3 Töchter. Hier schreibt keine "typische" Mutter, die Haushalt und Familie mit links schmeißt, Modelmaße hat und nebenbei locker eine Karriere wuppt. Ich finde es okay, auch mal zu sagen "Ich bin müde! Der Mann nervt! Wir streiten öfter! Nein, ich backe, bastel und singe nicht 24 Stunden am Tag! Ja, ich mag Fast Food und ein Schnäpschen zwischendurch!" Aber auch die schönen Dinge kommen nicht zu kurz. Süße Sachen die ich im Netz finde, hilfreiche Tipps, anderes Lesenswerte und ganz viel ♥

19 Comments

  1. Pingback: Meine #Freitagslieblinge – fünf Bilder für fünf Tage – 3. Februar 2017 – bilder.grossekoepfe.com

  2. So schön geschrieben liebe Jette! Liebevoll beschrieben wie ein Tag auch mal sein kann. Ohne beschweren, ohne zu beschuldigen….wie das Leben ist. Nicht nur berichten was glatt läuft, oder die mühseligen Sachen einfach nicht erzählen. Bei manchen hat man dadurch den Eindruck, dass die nie Probleme mit Kindern haben, wenn man da nur „gutes“, harmloses liest. Man muss ja nicht alles breit treten. Aber isses ehrlich und authentisch , wenn man nur die Sachen schreibt, die glatt laufen? So wie du berichtest finde ich das wirklich schön. Man bekommt beide Seiten mit. Das ist das tolle an dir, die Ehrlichkeit. Da will man ja glatt zu dir kommen und dich ein bisschen entlasten. Da kann man mitfühlen und sich auch selbst wiederfinden und dann denkt man sich „na hey, bei mir lief es ja so ähnlich. Super, meine Kinder sind gar nicht schwierig. Das is normal.“ ???? Du hast meinen grössten Respekt für die Entscheidung für drei Kinder. Und du machst das toll! Du machst dir so viele Gedanken, aber man kann nicht immer nett sein. Auch ich denk mir manchmal nicht so tolle Sachen über unseren Nachwuchs. Das gehört dazu und ist nix schlimmes. Eltern werden viel gefordert und manchmal gibts halt auch keine Nerven für nix mehr.Viel Kraft wünsch ich dir weiterhin!! Und ja, soooo sauer kann man sein, wenn das männliche Geschlecht einfach in die Arbeit abdampft und uns zu Hause unserem Schicksal überlässt. Ich denke, da hat schon fast jeder seinem Liebsten mit der imaginären Pfanne eins übergebraten beim heimkommen ???? liebe Grüsse

  3. Dieser Lärm den drei Kinder machen können…
    Oh ja, I feel you.
    Bin gespannt, wie lange es noch dauern wird, bis sie sich wie „normale Menschen“ unterhalten können.
    Aber es wird irgendwie besser.

    Ganz herzliche Grüße
    Suse

  4. Vielen Dank, du hast ja schon gemerkt dass du vielen aus der Seele sprichst ????
    Und ging es gestern ähnlich. Und auch von mir Danke für die Ehrlichkeit!
    Aber was ist mit eurer Kita?

    Alles Gute!!!

  5. Pingback: 5 Freitagslieblinge – 03.02.2017 – Phinabelle – Der Mama-Blog über Kinder, Chaos und ganz viel Glück

  6. Ein wunderschöner Text… Vielen Dank dafür. Zeigt er doch so unverstellt, dass alles sein darf, … Dauerglück ist Käse – es braucht auch die doofen Tage, um zu spüren, was Leben ist 😉 Finde ich…

    Alles Liebe für Euch.
    Von Herzen
    Anja

  7. DANKE. Danke danke danke.
    Es war hier heute exakt so. Inkl pizza-wunsch abends.
    Und ich war weit entfernt das ganze mit Liebe in Verbindung zu bringen. Jetzt kann ichs wieder!

  8. OOoooh Jette, jetzt haste mich kalt erwischt…und die Tränen kullern. Danke für diesen Text ❤️

  9. Wir leben exakt das gleiche Leben! Viel Kraft wünsche ich dir. Es tut gut zu lesen das es anderswo genauso ist wie hier in meinem Minikosmos

  10. Mir klingelt seit langem die Satz in den Ohren: „Unser Alltag ist ihre Kindheit!“
    Ja und wie gerne denke ich an meine zurück. Bei Oma und Opa auf dem Bauernhof, Oma kocht mein Lieblingsessen und die kleinen Kaninchen darf ich endlich einmal auf den Arm nehmen. Ich erinnere mich nur weit entfernt an Streitereien und Aufregung.
    Und heute sitze ich in diesem Gestaltungsschlamassel. Würde gerne soviel machen und so viele Nerven haben. Aber wie du es gesagt hast, manchmal reichen die Nerven vom Aufstehen bis zum ersten Kakao. Dann sind sie alle. Und anstatt, dass die sich mal am Riemen reissen und mir helfen quartiert sich das schlechte Gewissen ein. Und manchmal auch ein bisschen Selbstmitleid.
    Und manchmal, wenn ich dann Wäscheberge gesichtet, den Staubsauger nur kurz begrüsst habe, ergreifen wir die Flucht und machen etwas Schönes. Schwimmbad lieben wir alle.
    Aber oft ist es eben der Alltag, man will es doch sauber haben und gebügelt und aufgeräumt und gepflegt. Und was soll die Leute sagen, die unangemeldet vor der Tür stehen? …Das ewige Hamsterrad. Und in 8 Sommern hat mein Sohn seinen Führerschein in der Tasche. Nicht viel Zeit. Das Waschbecken wird dann sicher immer sauber sein, ich muss kaum noch kochen aber die schönste Zeit mit meinen Kindern ist dann auch vorbei.

    Das sage ich mir an Tagen wie den deinen dort im Post. Manchmal hilft es.

  11. Liebe Jette,

    nach drei Tagen mit krankem Kind daheim (Hand-Mund-Fuß-Krankheit, die Ausgeburt der HÖLLE) und dem Mann in Krankenhaus sprichst du mir exakt aus der Seele. Ein kurzer Moment auf die Pause-Taste zu drücken wäre manchmal so nötig. Zu wissen, dass es auch anderen so geht und die Energie schon morgens kurz nach dem Aufstehen aufgebraucht ist, tut gut! Danke dafür!

    Liebe Grüße, Julia

  12. Liebe Jette,
    danke für die tollen Zeilen, die wieder einmal den ganz normalen Alltag mit seinen Höhen und Tiefen wiederspiegeln.
    Genauso sieht es bei uns aus. Mal läuft alles wie geschmiert und man läuft mit einem Lächeln durch den Tag. Keine 24h später hat sich die gute Laune ganz unten im Keller versteckt und man zählt nur noch die Stunden, bis die Zwerge endlich im Bett sind.

  13. Ein wunderbarer ehrlicher und menschlicher Text. Ich lasse ein Herz da <3 für dich.

  14. Toller Text. Könnte hier genauso gewesen sein. Letzte Woche war hier noch der Mann krank, das hieß One-Woman-Show mit 3 Wochen altem Baby. Und auch wenn ich eine Nacht zitternd und heulend vor Erschöpfung im Bett lag, ging es irgendwie vorbei. Ist sowieso mein Mantra für schlechte Tage: „Auch das geht vorbei“. LG und einen schönen Tag für euch.

    • Genau sie gehen vorbei u eigentlich muss man auch gar niemandem etwas beweisen. Wäscht man die Wäsche eben morgen.
      Alles gute für euch.

  15. Liebe Jette, danke für den tollen Text! Das spricht mir so aus der Seele.

    Heute hoffentlich einen schönen, geduldigen und ruhigen Tag dir und deinen Lieben!

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