Ich komme mir ja selbst doof vor, immer mit dem gleichen Satz zu beginnen, aber: Wo bitte ist die Zeit geblieben?! SCHON zwei Monate mit der Rakete. Die Geburt scheint so weit weg und irreal. Liegt vielleicht an der Schnelligkeit, ich weiß es nicht. Auf jeden Fall ist es, als erzähle ich einen Film, wenn ich nach der Geburt gefragt werde. Und nun ist er schon zwei Monate bei uns.

Nicht jedes Kind ist gleich und doch gibt es einige schöne Parallelen. Das Kerlchen ist herrlich entspannt, genau wie die Jüngste als Baby. Na und die anderen eigentlich auch. Er schläft unglaublich viel, immer noch. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ihm schon klar ist, dass er auf der Welt ist. Er scheint noch etwas dazwischen zu hängen. Nichts bringt ihn aus der Ruhe, kein lauter Knall, kein schwesterliches Gekreische, keine Musik oder ähnliches. Neulich hat er sich im Schlaf aber tatsächlich das erste Mal erschrocken, als es kurz laut wurde. Vielleicht landet er ja grad endgültig auf der Welt.

Er ist so wunderbar unkompliziert und einfach da. Wenn er nicht  gerade schläft, grinst und erzählt er. Es ist so herrlich anzuschauen. Er guckt noch etwas verstrahlt ins Nichts und lacht und grinst dabei die ganze Zeit. Ganz aufgeregt zappeln die Arme und Beine und er erzählt fleißig. Wer weiß was er an der weißen Decke sieht. Sicher etwas, für das wir blind geworden sind. Ob der Opa über ihn wacht? Ja ein komischer, aber auch schöner Gedanke. Es heißt ja nicht umsonst Engelslächeln und wenn ihr sehen könntet, wie er auf dem Sofa liegt, an die Decke schaut und strahlt, dann glaubt ihr auch für einen kurzen Moment an einen kleinen Zauber.

Ja es ist wirklich schön und wenig anstrengend bisher. Als ich zwei Tage allein war, klappte auch das wirklich gut. Alle waren pünktlich fertig, gewaschen, angezogen, gekämmt und ohne Stress in der Schule und Kita. Natürlich spielt die Selbstständigkeit der beiden Großen mit rein. Sie ziehen sich allein an, helfen der jüngsten Schwester und stehen ohne murren auf, frühstücken und waschen sich. Die letzten Meter zur Schule gehen sie zu zweit und ich bringe die Jüngste in die Kita. Das Baby natürlich immer dabei. Das Meiste verschläft er.

Sicher wird es auch anders werden und auch das friedlichste kleine Kerlchen hatte schon unruhige Phasen, in denen er nur an mir klebte und nachts auf mir schlief. Aber das ist eben so und völlig okay. Er ist so herrlich genügsam, so selig, so gar nicht geplagt von Bauchweh oder einem Schub. Die Unruhe, die ihn manchmal überkommt oder das abendliche Mini Bauchweh zaubern wir mit Tragen und Bauchmassage weg. Tagsüber schläft er in der Wiege oder im Stubenwagen, auf meinem Schoß oder im Kinderwagen.

Nö es ist nicht anders mit einem Jungen bisher. Würde ich ihm rosa Rüschen Kram anziehen, ginge er auch als Mädchen Nummer 4 durch. Lediglich die Sprüche haben sich geändert. Von „Ach je drei Mädchen?! Der arme Mann!“ hin zu: „Ach endlich der lang ersehnte Junge. Der Mann freut sich sicher sehr!“ Mittlerweile antworte ich nur noch, dass wir ein viertes Kind wollten, nicht explizit ein bestimmtes Geschlecht, wir stolz auf unsere drei coolen Mädels sind und auch ein viertes Mädchen mehr als willkommen gewesen wäre. Ein Schniedel macht das Familienleben nicht glücklicher, das Kind an sich aber schon. Manchmal frage ich auch einfach, ob die Mädels den Eindruck machen so fürchterlich anstrengend zu sein, dass jetzt der Junge als Erlösung angesehen wird. Ja, es soll dem Gegenüber ruhig doof sein. Besonders wenn eins der Mädels daneben steht und der Mann mal wieder beglückwünscht wird „Ach ENDLICH der ersehnte Junge!“ An anderen Tagen lächle ich es einfach weg, denke mir meinen Teil und schaue meine Kinder verliebt an. Die dreier Gang mit ihren Tüll Röcken und den kleinen Kerl, der so herrlich knurrt und strahlt.

Welch großes Glück, dass auch unser viertes Kind gesund bei uns ist. Welch Geschenk, dass er so wunderbar zu uns passt, sich nicht aus der Ruhe bringen lässt, einfach da ist. Wir bekommen genug Schlaf. Wir hören ihn fast nie schreien, außer der Hunger setzt völlig unvermittelt ein, aber das lässt sich ja problemlos lösen. Ich weiß, es geht auch anders. Ich weiß, Babys können auch fordernd sein, viel weinen, schreien, wenig schlafen. Und wenn ich das Rezept wüsste, für viel schlafende, genügsame Babys, ich würde es verraten. Aber so ist eben jedes Baby anders und ich kann einfach nur unser Glück genießen.

Und so starre ich das kleine Kerlchen verliebt an, freue mich, wenn die Schwestern ihm das Fläschchen geben und sich um ihn kümmern. Bin stolz, wenn die 6 Jährige sagt, sie dreht eine Runde mit dem Kinderwagen, weil das Baby etwas unruhig ist. Ich bin noch ein bisschen mehr verliebt, wenn der Mann den Kleinen hat und beide auf dem Sofa liegen. Im Moment klappt alles wunderbar. Wir haben uns eingegroovt, die Mädels sind stolze Schwestern, null eifersüchtig und lieben ihren kleinen Bruder. Ja, jetzt ist es einfach schön und wenig anstrengend. Familie fetzt.

Passend dazu empfehle ich euch meinen Artikel den ich nach er Geburt der Jüngsten schrieb: „Ehrlich, euch gehts gut?!“

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Autor

Seit 2011 bin ich in die Welt der Mütter aufgenommen. Mittlerweile habe ich 3 Töchter und einen Sohn. Hier schreibt keine "typische" Mutter, die Haushalt und Familie mit links schmeißt, Modelmaße hat und nebenbei locker eine Karriere wuppt. Ich finde es okay, auch mal zu sagen "Ich bin müde! Der Mann nervt! Wir streiten öfter! Nein, ich backe, bastel und singe nicht 24 Stunden am Tag! Ja, ich mag Fast Food und ein Schnäpschen zwischendurch!" Aber auch die schönen Dinge kommen nicht zu kurz. Süße Sachen die ich im Netz finde, hilfreiche Tipps, anderes Lesenswerte und ganz viel ♥

4 Comments

  1. Ich liebe deine Texte, danke! Wir haben ein Mädchen(6), einen Jungen(4) und ein Baby und bei uns haben ganz viele gesagt, ihr habt doch schon von jedem Geschlecht eins, warum braucht ihr denn noch ein Drittes. Ich glaube, manche neigen einfach dazu, alles kommentieren zu wollen, dabei kommt dann halt auch jede Menge unbedachter Quatsch raus, der eigentlich gar nicht bös gemeint ist;-) LG

  2. Stephie Richter Reply

    Liebe Jette, was ein schöner Text! Er klingt nach Freude und Glück und Genießen. Ich würde ihn gern ausdrucken und meinen Ersti-Eltern zum Lesen geben. Weil ihr Raum gebt zum Ankommen und Kennenlernen, weil es klingt, als würdet ihr euch wenig Druck machen, irgendwelche „Erwartungen“ zu erfüllen. Das fehlt heute leider so oft! Da wird ab dem zweiten Tag optimiert und verglichen und weder Kind noch Familie dürfen einfach sein.
    Geniesst weiter, Familie rockt!
    Liebste Grüße aus FFM
    Stephie

  3. Hallo Jette.

    2 Monate?!?! Unglaublich.

    Das mit „ein Schniedel macht die Familie nicht glücklicher“ muss ich mir merken, in unserem Fall nur andersrum. Selbst heim zweiten Jungen wurden schon Kommentare laut nach dem Motto „wieder ein Junge?! Dann muss es eben nochmals versucht werden“. Aber natürlich, ich Versuch es sooo lange bis endlich ein Mädchen da ist 😣
    Bei einer Freundin würde beim dritten Jungen wirklich ganz deutlich Mitleid bekundet und ich stand nur fassungslos da. Selbst von Menschen, die ich eigentlich mag und so etwas nicht erwartet habe.

    Euch weiterhin eine entspannte Zeit.

  4. Liebe Jette

    Geniess jeden tag mit deinen 4 süssen und lass dir bloss nichts madig machen. Oder um es mit den Ärzten zu sagen: „lass die leute reden und hör ihnen nicht zu, die meistens haben ja nichts besseres zu tun“ :)
    Liebe grüsse

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