Heute vor 6 Jahren lag ich im Familienzimmer des Krankenhauses und starrte in große schwarze Augen. Das ganze Leben lag noch vor uns und liegt es ja immer noch. Aber es sind schon 6 Jahre vergangen und ein bisschen besser kennen wir unsere mittlere Tochter nun. Haltet mich für verrückt, aber Sonntagskinder und dann noch Sternen guckend, sind besondere Kinder. Nicht, dass eh jedes Kind auf seine Weise einzigartig und toll ist, aber dieses Kind, unsere Tochter ist noch mal eine Prise mehr „besonders“.

Die Lebensfreude die in ihr steckt, kann ich kaum in Worte fassen, denn sie ist mehr als nur fröhlich. Sie ist energiegeladen, sie ist aus tiefstem Herzen glücklich, sie ist wild und herzensgut. Sie hat als Baby fast nur gelacht, selten geweint. Sie war immer zufrieden. Und das obwohl ihr erstes Jahr nicht leicht war und leider viel zu spät entdeckt wurde, dass sie ernsthaft krank war. Einen Tag nach dem ersten Geburtstag sollte kein Kind ins Krankenhaus zu einer knapp 5 Stündigen OP müssen und immer wenn sich ihr Geburtstag nähert, denke ich leider auch an die vielen schweren Momente zurück, voller Sorge und auch Schmerzen ihrerseits.  Aber das meine ich mit besonders: Sie hat das alles weggelächelt und kann sich heute sowieso nicht mehr an diese Zeit erinnern.

Sie hat eine unglaublich gute Körperbeherrschung. Wo die Große ihr Talent im Malen hat, ist die Mittlere körperlich wahnsinnig weit vorn. Schon als kleine Zweijährige zog sie sich wie ein Äffchen an Spielgeräten hoch, erklomm selbst die Höchsten und war immer sicher, nie selbst überschätzend. Stellt man sie auf Schlittschuhe, fährt sie 10 Minuten später an einem vorbei, als hätte sie nichts anderes gemacht. Ähnlich ist es mit ihrem Skateboard. Auf dem Fahrrad sitzen ist was für Anfänger. Lieber mal üben, was man während der Fahrt alles anstellen kann. Furchtlos ist sie, aber nicht waghalsig, denn sie weiß was sie kann.

Manchmal ist sie ein wenig zu stürmisch, ein wenig zu laut oder zu aufgeregt. Das mag für Außenstehende anstrengend wirken, aber man muss sie nur einen Tag erleben, um ihre Warmherzigkeit und ihr Glück zu erkennen. Denn sie gibt von dieser Freude einfach so viel ab und wir alle sollten uns viel öfter anstecken lassen. Sie weiß genau wo sie steht im Leben und wird ein tolles Schulkind werden dieses Jahr. Obwohl sie sich gern ablenken lässt. Aber sie findet immer wieder zurück und beendet was sie begonnen hat. Während die Große die Hausaufgaben gleich am Montag erledigt, wird sie es wohl erst Donnerstag Nachmittag tun, kurz vor knapp. So wie ich als Kind. So ist sie eben.

Überhaupt erkenne ich mich oft in ihr wieder. Manchmal ist sie mir auch ein kleines Rätsel. Die Große räumt alles auf, ihre Seite des Zimmers ist immer ordentlich, unser kleiner Wirbelwind bekommt Dinge hingegen schnell kaputt, lässt alles liegen wo es ihr vom Körper fällt und verschusselt Vieles. So konträr sind sie in der Beziehung und ja, mich macht es manchmal wahnsinnig, diesem Kind wirklich alles hinterher zu räumen. Es ist ihr eben einfach nicht wichtig.

6 Jahre. Ich schaue in ihre großen braunen Augen und ich bin so verliebt in dieses Kind. Sie hat mich um ein paar Jahre altern lassen, aber das gleichen die vielen leisen Momente mit ihr aus. Wenn sie lieber bei uns schlafen will. Wenn sie jeden Abend auf mir drauf liegt, um so eng wie möglich mit mir zu kuscheln. Wenn sie aufmerksam schaut, ob es ihren Schwestern und uns gut geht. Wenn sie mit ihrer Lebensfreude einfach präsent ist und uns anstrahlt, weil „Heute bin ich fröhlich Mama!“

Drei Kinder. Alle so unterschiedlich und so wunderbar. Unsere Mittlere passt einfach perfekt zu uns und ich bin gespannt, wohin der Weg sie mal führen wird. Stuntfrau würde mich später nicht wundern, ein Büro Job dagegen sehr. Aber was es auch wird, ich hoffe, ihre wunderbar positive Art behält sie für immer in ihrem Herzen und findet die richtigen Menschen, die dieses große Herz erkennen und zu schätzen wissen. So wie wir. Familie fetzt.

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Autor

Seit 2011 bin ich in die Welt der Mütter aufgenommen. Mittlerweile habe ich 3 Töchter. Hier schreibt keine "typische" Mutter, die Haushalt und Familie mit links schmeißt, Modelmaße hat und nebenbei locker eine Karriere wuppt. Ich finde es okay, auch mal zu sagen "Ich bin müde! Der Mann nervt! Wir streiten öfter! Nein, ich backe, bastel und singe nicht 24 Stunden am Tag! Ja, ich mag Fast Food und ein Schnäpschen zwischendurch!" Aber auch die schönen Dinge kommen nicht zu kurz. Süße Sachen die ich im Netz finde, hilfreiche Tipps, anderes Lesenswerte und ganz viel ♥

4 Comments

  1. Hach, ich war ja schon immer ein kleiner Flori-Fan.
    Der Text ist dir sowas von gelungen! Wirklich zum heulen schön
    und von vorne bis hinten voller Liebe!

  2. Hach, ich war ja schon immer ein kleiner Flori-Fan.
    Der Text ist dir sowas von gelungen! Wirklich zum heulen schön und von vorne bis hinten voller Liebe!

  3. Das ist ja wirklich wieder wundervoll geschrieben! Die Geschichten rund um Deine nun Sechsjährige berühren mich immer besonders, da unser drittes Mädchen, unsere Jüngste ja nur knapp einen Monat jünger ist. Ich stelle gerade fest, das ich ja nun schon sechs Jahre bei Dir mitlese! Wie die Zeit vergeht! LG Nicole

  4. Karin (glifada 12) Reply

    ZACK… Pischi in den Augen…du schaffst es immer wieder!
    Mit jedem Wort spürt man deine unendlich große Liebe zum Rehauge! Die Liebeserklärung ist gelungen und wird deine Tochter später mal seeeeehr rühren. Da bin ich mir sicher. 👍
    Und JAAAA, Familie fetzt so was von doll. Auch, wenn wir „nur“ zu dritt sind plus Mietzekatze. 😊

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