Kaum zu glauben, dass das erste Jahr schon vorbei ist. Mein Schulkind kann lesen, schreiben und rechnen. Jeden Tag nach der Schule frage ich sie, ob sie ein bisschen schlauer ist als morgens und dann erzählt sie mir, was sie Neues gelernt hat. Ist übrigens eine gute Alternative zur typischen Frage: „Wie war´s in der Schule?“ Unsere Tochter wächst und lernt und lernt. Klar ist es nicht jeden Tag toll. Sie findet das frühe aufstehen blöd und wenn sie mit ihren Freundinnen streitet, ist Schule grundsätzlich doof, aber zusammengefasst nach einem Jahr kann ich sagen: Sie geht gern in die Schule und ich platze vor Stolz.

Dem Schulkind beim Wachsen zusehen

Es ist schon verrückt, wie man seinem Grundschulkind beim Größer werden zusehen kann. Nicht nur körperlich. Sie werden immer eigenständiger. Sie möchte allein nach Hause gehen und sich von uns ein par Meter vor der Schule verabschieden. Sie ist selbstbewusst und weiß, was sie kann. Na meistens. Denn leider macht ihr Mathe nicht so großen Spaß und sie sperrt sich dagegen, wenn wir Hausaufgaben machen. Das blockiert sie etwas und diese kleinen Kämpfe sind anstrengend, denn wir Beide wissen, dass sie schlau ist und mit Leichtigkeit die Aufgaben bewältigt. Wenn sie denn will. Oha, das kommt mir sehr bekannt vor. Sie kann sich in der Schule entfalten und kreativ sein. Sie weiß, wie der Schulalltag funktioniert und bringt bisher alle wichtigen Zettel mit nach Hause. Wooohhhoooo. Wie haben es nur einmal vertrullert, bei einem Ausflug pünktlich zu sein, weil sie an diesem Tag die erste Stunde frei hatte. Und selbst das haben wir noch rechtzeitig geschafft, dank eines Anrufs der Lehrerin. Seitdem ist unsere Tochter allerdings etwas skeptisch und fragt bei Ausflügen des Öfteren nach, ob wir wirklich pünktlich sind.

Schulkind: Nicht mehr ganz klein, aber irgendwie noch nicht groß genug

Das neue Selbstbewusstsein spüren wir auch zu Hause. Öfters provoziert sie einen Streit oder diskutiert bis ins Unendliche. Sie merkt eben, dass sie Vieles kann und weiß und möchte dementsprechend wie eine Erwachsene behandelt werden. Ein bisschen merkt man ihr diesen inneren Kampf an, zwischen noch klein und kindlich und irgendwie doch schon groß und selbstständig. Sie fordert uns mehr und wir müssen uns daran gewöhnen. Auch wir wachsen mit unserem Grundschulkind. Aber man fetzt das. Diese Entwicklung mitanzusehen. Ich bin so stolz auf sie. Wir sind es. Jeden Tag. Wie sie mit ihrem Ranzen um die Ecke biegt, wie sie selbstbewusst das Schulgebäude betritt. Mittlerweile. Anfangs war sie verunsichert und leise. Jetzt macht sie sich groß und lässt sich nicht beiseite schubsen. Sie ist in diesem Jahr so gewaschen. Wie wunderbar. Wie sie Auftritte vor allen Eltern meistert und sich vorher so sehr sorgt, dass jemand sie auslacht. Aber niemand lacht. Ich könnte eher weinen. Vor Stolz und drücke die Tränen weg. Dieses wunderbare Kind. Immer noch so zart und sensibel, nimmt sich vieles zu Herzen und macht sich so oft unnötige Gedanken, die Energie rauben. Sie ist manchmal so unsicher und hat das gar nicht nötig. Sie hat Freunde bis in die dritte Klasse und ist bei allen beliebt. In Gruppenarbeiten wird sie als eine der ersten gewählt. Sie ist nicht die Größte in ihrer Klasse, eher zart, aber wenn sie da steht und ihren Text aufsagt, dann wächst sie über sich hinaus und ich ahne schon, was aus ihr noch wird.

Ja das erste Schuljahr ist aufregend. Für die ganze Familie. Es ist eine Umstellung und nicht immer nur toll. Am Anfang mussten Freundschaften neu gefunden werden und die Sorge war groß, dass niemand sie mag. Sie wollte schnell sehr viel lernen und wirft zu schnell das Handtuch, wenn es nicht direkt klappt. Aber das lernt sie noch. Sie ist ja erst ein Erstie. Nächstes Jahr ist sie in der goldenen Mitte ihrer jahrgangsübergreifenden Klasse. Mal sehen was dieses Jahr mit sich bringt. Aber erstmal warten die Sommerferien auf uns und die genießen wir in vollen Zügen. Es ist schon eine Umstellung, so abhängig von Ferien zu sein, aber so ist das eben mit einem Schulkind. Die Entwicklung, die unsere Tochter mitgemacht hat in diesem Jahr ist enorm. Nicht nur, dass sie lesen oder schreiben kann, nein sie ist charakterlich gewachsen, hat neue Freunde gefunden und geht gern zur Schule. Ich wünsche ihr, dass dies noch lange so bleibt. Wir tun unser Möglichstes und begleiten sie gern auf diesem Weg, so weit sie das zulässt.

Wie habt ihr das erste Jahr erlebt? Lief alles glatt oder hatte euer Kind Startschwierigkeiten? Und wie ist es jetzt nach einem Jahr?

Hier lest ihr meine Gedanken, bevor unser Kind eingeschult wurde.

 

Autor

Seit 2011 bin ich in die Welt der Mütter aufgenommen. Mittlerweile habe ich 3 Töchter. Hier schreibt keine "typische" Mutter, die Haushalt und Familie mit links schmeißt, Modelmaße hat und nebenbei locker eine Karriere wuppt. Ich finde es okay, auch mal zu sagen "Ich bin müde! Der Mann nervt! Wir streiten öfter! Nein, ich backe, bastel und singe nicht 24 Stunden am Tag! Ja, ich mag Fast Food und ein Schnäpschen zwischendurch!" Aber auch die schönen Dinge kommen nicht zu kurz. Süße Sachen die ich im Netz finde, hilfreiche Tipps, anderes Lesenswerte und ganz viel ♥

5 Comments

  1. Ah, bei dem Artikel könnte ich anfangen zu heulen… So schön geschrieben und so wahr… Ich kann fast alles 1:1 für unsere Grosse bestätigen…. Das erste Jahr in der Schule: aufregend, spannend, anstrengend, lustig, lehrreich und immer wieder toll….
    Und zu deiner Facebook Frage…. Hier, in Niedersachsen ist heute der letzte Schultag… Und ja!!! Ich hole sie nach der 3 Stunde ab und dann wird ein Eis gegessen… Nur wir 2… Bevor danach die kleine Schwester aus dem.Kindergarten geholt wird….
    Euch schöne und erholsame Ferien

  2. Meine Grosse kommt nach den Ferien in die 6. Klasse und gefühlt hänge ich noch in der 2./3. Klasse fest. Sobald die Kinder in der Schule sind entwickeln sie sich so rasend schnell das einem ganz schwindelig wird.
    Aber mit jedem Schuljahr wird es spannender und aufregender. Die Vorlieben, Schwächen und Talente werden immer deutlicher und auch chatakterlich passiert da so viel. Ich möchte diese Zeit auf keinen Fall missen.
    Lg Anni

  3. Mamaeulenkind Reply

    Wünsche euch noch viele schöne Schuljahre. Bei uns beginnt bald das letzte 🤤🙅‍♀️

  4. Oh was für ein treffender Artikel, vieles kann ich genauso unterschreiben. Die Selbstständigkeit, für mich ein täglicher Kracher. Im Viertel bewegt sie sich seitdem es heller ist so eigenständig, reflektiert aber auch wie sehr wie ihr wohl vertrauen müssen wenn sie Sachen darf die vor einem Jahr unfassbar weit weg waren. Überall wird gelesen und geschrieben sowieso, rechnen muss man wenn man Geld ausgeben möchte auch. Hausaufgaben haben wir nicht, dafür sehr sehr lange Schultage die oft bis 16h gehen. Hier ebenso in der Lerngruppe mit Kindern aus Stufe 1 – 4 wurden Freundschaften geschlossen und nachdem der Start unsicher war, ist sie so angekommen dass es die pure Freude ist dem zuzusehen. Ich freue mich auf das was im nächsten Jahr passieren wird :)

  5. Sehr schön geschrieben. Und passt in so vielen Bereichen auch zu unserem Schulkind.
    Sie geht sehr gerne in die Schule, auch wenn sie zuhause immer das Gegenteil behauptet. Denn sie ist sehr gewissenhaft und sorgt sich jeden Morgen, dass wir zu spät kommen könnten.
    Mathe liegt ihr auch nicht so und die gemeinsamen Hausaufgaben sind eine Qual für beide Seiten- Eltern und Kind. Daher sind wir froh, dass sie diese meist schon in der Schule erledigt. Wir wissen, dass sie dort gewissenhafter arbeitet und auch nicht so schlimme Tobsuchtsanfälle bekommt wie bei uns daheim.
    Auch wenn unsere kleine Chefin ebenfalls eher zart und klein ist, so habe ich schon das Gefühl, dass sie in ihrer Klasse sehr gut integriert ist und ihren Platz gefunden hat.
    Mich erstaunt immer wieder, wie selbständig sie in diesem einen Jahr geworden ist. Und wie selbstsicher. Unglaublich, wie so ein Jahr Schule aus einem kleinen Kind einen anderen, deutlich fertigeren Menschen formt. Und unglaublich, wie unglaublich schnell dieses Jahr verflogen ist.
    Ich freue mich auf die weiteren Jahre und die weitere Entwicklung!

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