Auf diesem Blog werde ich selten politisch. Auch wenn zur Bundestagswahl einige Blogger forderten, wir sollen unsere Reichweite nutzen, um Leser zu motivieren, wählen zu gehen, um ihnen Parteien vorzustellen. Das habe ich nicht getan. Auch habe ich meinen hübschen roten Briefumschlag nicht bei Instagram gefilmt, wie er im Briefkasten landet. Gewählt haben wir. Und mit Lesern habe ich auf Instagram diskutiert. Auf meinem Blog muss nicht alles einen Platz finden, nicht jedes Thema braucht auch noch meine persönliche Haltung, auch wenn es wichtig ist. Nun sehen wir die Ergebnisse und sind wohl alle etwas sprachlos. Ich halte es so, dass knapp 87% NICHT die AfD gewählt haben.

Seien wir so blind wie unsere Kinder

Warum fast jeder 8. Bundesbürger eine rechtspopulistische Partei wählt, erschließt sich mir nicht. Die Parolen funktionieren offensichtlich und nun sind wir es, die diesen Wählern zeigen müssen, dass es anders geht. In unserem täglichen Handeln. Wir müssen ihnen vorleben, was wir unter Demokratie verstehen, dass wir Konflikte verbal austragen und Lösungen finden, statt „Menschen zu jagen.“ Wir leben hier in Deutschland miteinander, Tür an Tür mit Nachbarn die schon seit Jahrzehnten bei uns sind, die am engagiertesten beim Kitafest helfen. Unsere Nachbarn mögen schwul, lesbisch, behindert sein. Die Hautfarbe ist gelb, braun, weiß, orange. Aber sie sind unsere Nachbarn. Wir sollten es halten wie unsere Kinder, die das nicht sehen. Die nur die Freundin zum Spielen raus klingeln. Dass sie aus einem entfernten Land kommt, wo Krieg war, das interessiert die Kinder nicht. Ob jemand Prothesen an den Händen trägt oder anders geht, fällt vielleicht in den ersten Sekunden auf, danach zählt Sympathie.

Kinder in diese Welt setzen? Jetzt erst recht!

Irgendwo fragte jemand, ob es sinnvoll ist, jetzt Kinder zu bekommen. Ob man möchte, dass sie „in so einer Welt“ aufwachsen. Und ich sage: Na aber sowas von! Denn wessen Kinder wären sonst in der Überzahl, wenn wir jetzt Angst vor der Zukunft haben? Wer würde in 20 Jahren für ein Amt kandidieren und mit welchen Ansichten? Es ist immer gefährlich in dieser Welt. Es scheint immer verrückt, aussichtslos, waghalsig. Menschen haben auch im Krieg Kinder bekommen. So unvorstellbar es für uns sein mag. Nein, ich möchte nicht, dass meine Kinder „in so einer Welt“ aufwachsen. Also ändern wir sie. Leben wir unseren Kindern vor, wie es besser geht. Machen wir die 87% zu 99%. Unsere Kinder kommen nicht auf die Welt mit rassistischem und diskriminierendem Gedankengut. Unsere Kinder sind frei von Sorgen, von Ängsten und sie verstehen nicht, was los ist. Wir sollten dafür sorgen, dass sie so unbeschwert und unvoreingenommen bleiben. In dem wir ihnen erklären, wo unsere Nachbarn her kommen, warum das Kind im Rollstuhl sitzt und warum die beste Freundin eine andere Hautfarbe hat. Wir sollten nicht werten, denn das tun unsere Kinder auch nicht.

Ja das klingt einfach oder? Wir fragen uns, warum wir aus der Geschichte nicht lernen. 87% haben es immerhin getan. Ich glaube nicht, und nennt mich naiv, dass die 13% sich eine Diktatur wie 1940 herbei wünschen. Ich glaube nicht, dass sie wollen, dass Menschen gejagt werden, dass Deutschland „gesäubert“ wird. Ich glaube, sie fühlen sich hilflos, missverstanden und sie wollen, dass es ihnen besser geht. Parolen, dass die Flüchtlinge am Elend Schuld sein, klingen verständlich, sie machen „Sinn“. Also haben wir und vor allem die neue Regierung 4 Jahre Zeit, ihnen zu zeigen, dass die hetzerischen Parolen Phrasen voller Hass sind, die nichts bewirken, außer mehr Hass und Unzufriedenheit. Und wir haben unsere Kinder, denen wir Demokratie vorleben, die dies unterbewusst weiter tragen. Klingt naiv? Klingt realitätsfern? Mag sein. Aber ich überblicke Politik auch nicht in ihrer Gänze. Ich habe noch keine Meinung zu einer Jamaika Koalition, halte sie aber für besser, als eine AfD als stärkste Oppositionspartei. Und ich weiß, dass die Lösung nicht sein kann, sich zu fragen, ob man in diese Welt Kinder setzen sollte.

Man darf auch stolz auf Deutschland sein

Und ich weiß, dass ich in einem sicheren Land lebe. Und ich lebe immer noch gern in Deutschland. Weil es den Meisten hier sehr gut geht. Weil ich ein Jahr Elterngeld bekomme und drei Jahre der Staat meine Rentenversicherung bezahlt, wenn ich ein Kind habe. Weil ich aufgefangen werde, wenn ich arbeitslos bin und weil ich überhaupt zu einem Arzt gehen kann. Egal ob ich lange warten muss und egal, wie verschwurbelt und nervig das Gesundheitssystem manchmal ist. Ich bekomme medizinische Versorgung ohne mich zu verschulden. Ich war in vielen Ländern und es gibt sicher immer etwas, was auch hier besser laufen könnte. Statt zu twittern, dass es noch nie so peinlich war, DeutscheR zu sein, sollten wir sagen, jetzt erst recht. Statt zu sagen, ich wandere aus, sollten wir die Stirn bieten und sagen, „nein es ist schön hier. Ich räume das Feld nicht freiwillig.“ Denn wir müssen uns nicht verstecken. Wir gehen demonstrieren und werden dafür nicht jahrelang ins Gefängnis gesteckt. Niemand wird auf der Straße von Polizisten erschossen, auf Grund seiner Hautfarbe. Unsere Regierung droht niemandem mit einem atomaren Gegenangriff.

Für unsere Kinder und unsere Zukunft sollten wir wieder mehr schätzen, in welchem Land wir leben. Sollten wir positiv gestimmt sein. Nicht mit Parolen, mit Taten müssen wir überzeugen. Im Bundestag sitze ich nicht, was schlussendlich in den nächsten 4 Jahren passiert, liegt kaum in meinen Händen. Aber im Kleinen, in meinem Umkreis, mit meinen Kindern, können wir weiter für ein demokratisches und friedliches Miteinander sorgen. Und wer immer noch nicht sicher ist, wie es um unsere Kinder steht, der schaue sich mal die Wahlergebnisse der Jugend an. Nicht perfekt, aber um einiges besser.

Author

Seit 2011 bin ich in die Welt der Mütter aufgenommen. Mittlerweile habe ich 3 Töchter. Hier schreibt keine "typische" Mutter, die Haushalt und Familie mit links schmeißt, Modelmaße hat und nebenbei locker eine Karriere wuppt. Ich finde es okay, auch mal zu sagen "Ich bin müde! Der Mann nervt! Wir streiten öfter! Nein, ich backe, bastel und singe nicht 24 Stunden am Tag! Ja, ich mag Fast Food und ein Schnäpschen zwischendurch!" Aber auch die schönen Dinge kommen nicht zu kurz. Süße Sachen die ich im Netz finde, hilfreiche Tipps, anderes Lesenswerte und ganz viel ♥

14 Comments

  1. Pingback: Monatsrückblick September - Wheelymum

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  4. Brigitta Gaisser Reply

    Liebe Jette, danke für Dein Statement. Dein Text hat mir gut gefallen.LG

  5. Ich denke, wir sind ja alle froh, dass wir in einer Demokratie leben und wählen dürfen, was wir möchten. Da müssen wir halt auch leider damit leben, dass Menschen Parteien wie die AfD wählen möchten und das auch tun.
    Ich denke, man macht es sich ein bisschen zu leicht, wenn man einfach sagt „Die sollen einfach mal sehen, wie gut es ihnen geht“ (das hast du nicht gesagt, aber ich habe es an anderer Stelle oft gesehen). Offensichtlich steckt da ja irgendetwas hinter und gibt es Bedarf, etwas zu ändern. Ob jetzt mehr Bildung nötig ist oder mehr soziale Gerechtigkeit oder ob wir ganz andere Baustellen haben, liegt nicht an mir zu entscheiden (Bildung & Gerechtigkeit spielen meiner Meinung nach aber definitiv eine große Rolle).
    Meiner Meinung nach ist es gerade jetzt aber auch nötig, dass wir alle miteinander reden und die Gräben nicht noch vertiefen! Es bringt nichts, wenn wir uns über die AfD-Wähler nur lustig machen oder sie beschimpfen… Dann hätte ich an deren Stelle auch keinen Bock, irgendwas anders zu machen und würde mich in meinen Ansichten bestätigt fühlen.

  6. Pingback: Unsere Werte sind nicht verhandelbar ::: Ein Gespräch mit den Kleinen

  7. Hallo, du hast so recht, mit dem was du schreibst. Ich befürchte sogar, dass diese 13% Afd-Wähler gar nicht wissen bzw wahrnehmen, wie gut es jedem in diesem Land hier geht. Selbst den ärmsten in Deutschland geht es noch 1000 mal besser als Menschen in ähnlichen Situationen in anderen Ländern der Erde.
    Ich würde nicht woanders leben wollen und möchte für meine Kinder an einem demokratischen, modernen und freien Land mitwirken. Nicht durch Hetzparolen gegen Hetzparolen. Sondern, indem ich mein Wahlrecht nutze. Mit anderen diskutiere. Und ihnen vorlebe, dass alle Menschen gleich viel wert sind.

  8. Ich habe sehr lange überlegt hierzu was zu schreiBen.
    Vorab ich habe NICHT die AfD gewählt, kenne aber viele die es getan haben. Ich wohne mit meiner Familie in einem sozialen Brennpunkt, war er schon lange auch vor den Flüchtlingen. Wir haben hier einen grossen Anteil an Familien mit Migrationshintergrund, viele Türken, Rumänen etc. Wir haben in einem Stadtteil zwei Moscheen. Wir sind es gewohnt mit „Ausländern“ zu leben , im miteinander.

    Aber wir haben hier viele Flüchtlinge aufgenommen und jetut trauen wir uns nicht mehr unsere Kinder raus zu lassen Selbst ich als Erwachsene Frau sehe zu das ich wenn es dunkel ist drinn bin. In den Läden wird geklaut ohne Ende die Polizei wird gerufen und die netten Herrschaften werden noch nach Hause gefahren, keine Strafe nix! Man hört nur nix verstehen.
    Die Kinder rennen hier bis nach 22 Uhr auf den Straßen rum, ohne Eltern höchstens mit der minderjährigen Schwester. Rempeln und Pöbeln. Selbst unsere Türkischen Mitmenschen äußern ihre Angst das viele Flüchtlinge sich gar nicht einleben wollen. Ich glaube niemand möchte zurück zu Nazi Deutschland, aber wir hier haben Angst, weil wir hier auch nicht mehr gesehen oder gehört werden. Da müsste vielleicht auch mehr von der Politik kommen, ich denke viele Menschen sind enttäuscht und fühlen sich im Stich gelassen. Ich wünsche mir für mich, meine Familie und allen anderen ein miteinander, zusammen gleichberechtigt. Und ja ich habe auch Angst vor der Zukunft, da hier so viele Straftaten waren wie noch nie!

    • Danke für deinen Kommentar! Finde ich gut, dass du dich geäußert hast, denn das war ja was ich schrieb. Ich glaube, dass es auch AfD Wähler gibt, die Angst haben. Die aber nicht zurück ins Nazi-Deutschland wollen. Und ich glaube, in sozialen Brennpunkten zu leben, begünstigt solch eine Wahl.
      Ich hoffe für uns alle, dass dein Wunsch in Erfüllung geht und ein friedliches Miteinander wieder besser möglich ist.

  9. Gut geschrieben, ich sehe das ganz ähnlich.

    Ich versuchte auch täglich die Welt in meinem kleinen Umfeld zu gut wie möglich zu gestalten und bin fest davon überzeugt, dass es Kreise ziehen wird :o)
    Also hoffnungsloser Optimist glaube ich auch immer noch an das ‚Glücksprinzip‘ (auch wenn ich das Filmende furchtbar finde)!

    Alles Liebe,
    Nadine

  10. Ich bin inzwischen 3 Mal ausgwandert und habe in 4 Ländern gelebt (es war aber immer Zufall). Und was sehe ich in jedem dieser Länder? Die gleiche Angst vor Fremden, vor Fremdem und vor Veränderung. Also möchte man zurück zum angeblich Altebekanntem, der eine möchte die Lire wiederhaben und seine Regionen wieder in kleinere Länder aufspalten, der andere möchte aus der europäischen Union austreten und die Religion und ihre (veralteten und bereits vom Papst abgeschafften) Dogmen in die Regierung einführen, der nächste die Grenze dichtmachen und alle Ausländer rauswerfen. Ich kann alle verstehen, die jetzt ganz aufgebracht auswandern wollen, aber wohin? Und sind sie sich sicher, dass es dort unbedingt besser ist? Und mit welchem Gefühl würden sie auswandern? Genau, mit Angst vor dem Neuen, Unbekannten. Genau wie all die Flüchtlinge, die aus ihren Ländern flüchten. Die meisten haben Angst, wissen nicht wie man sich verhalten soll, wollen einfach nur in Sicherheit leben und ihre Kinder nicht der Gefahr aussetzen, die sie in ihrem Heimatland erleben.
    Ein Heim und eine Heimat zu haben ist etwas wirklich wunderbares, aber nicht selbstverständlich.
    Leider lassen sich viele Menschen allzu leicht von Meinungsmachern überzeugen, egal ob sie ihnen sagen, was sie wählen solle oder welchen extremistischen Gruppen sie beitreten wollen.
    Ich bin der Meinung, dass man immer noch in Deutschland sehr gut lebt (so gut, wie in kaum einem anderen Land der Welt), und das kann ich behaupten, da ich drei Gegenvergleiche habe. Anstatt immer nur das negative zu sehen, sollten sich die Deutschen doch auch öfter mal loben, für das was sie schaffen.
    Alles liebe
    Joevlin

  11. Oh man. Ich DANKE dir so so sehr für deinen Text! Ich finde es auch scheiße, dass es 13 % wurden, aber ich sehe es wie du! 87 % haben anders gewählt.
    Und dass jetzt jeder Hinz und Kunz jetzt auf den Schäm- dich- Deutschland- Zug aufspringt find ich einfach billig. Ich bin trotzdem stolz auf dieses Land. Und ich denke auch dass wir weder ein Drittes Reich befürchten müssen noch dass alle AFD Wähler wirklich aus rechtsradikaler Gesinnung so gewählt haben. Wir alle und Leute die das Sagen haben müssen diesen Menschen zeugen, dass es auch anders geht.
    Ich bin froh dass es Blogs wie deinen gibt!

  12. Recht haste! Den Mund aufmachen und für das Richtige einstehen! Helfen statt hetzen. Ein offenes Herz zeigen und die Vielfalt feiern. Wenn was kacke läuft, anpacken! Nicht jammern und die Schuld bei anderen suchen. Kann doch nicht so schwer sein…

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