An manchen Tagen schaue ich morgens auf die Uhr und zähle die Stunden bis zum „Gute Nacht“-Sagen. An vielen Tagen läuft es wirklich harmonisch zwischen den Kindern und uns. Und da ist er wirklich, dieser Geschwisterplüsch, wie ich ihn in den Instagram Stories zeige oder auf Fotos. Und in der Summe fetzen Geschwister, denn sie haben immer jemanden zum Spielen.

Doch so wie auch ich manchmal schlechte Laune habe und nicht recht weiß warum, scheint auch im Kopf der Kinder eine Sicherung durchzugehen, um es mal salopp zu formulieren.

Da sind sie noch gar nicht recht wach und maulen schon rum, warum das Lieblingsbrot nicht eingekauft wurde, warum zum Müsli nicht ein warmer Kakao da steht oder dass man eigentlich gar kein Müsli wollte. Und den warmen Kakao. Zum Glück bin ich selbst noch nicht wach genug, um richtig hinzuhören.

Der Tag zieht sich und die Laune kennt nur eine Richtung: Abwärts

Der Vormittag zieht sich und drei Kinder streiten. Die beiden Großen streiten, kneifen, hauen. Machen Spielzeug der Anderen absichtlich kaputt, nehmen der Kleinsten etwas weg und schreien, dass mir der Kopf weh tut. Ich möchte zurück brüllen, aber das wäre wohl albern ihnen entgegen zu schreien, dass sie nicht so laut sein sollen. Also bitte ich sie nett. Und schlage Spiele vor. Keine Lust. Okay, gehen wir einkaufen. Das klappt immer super.

Heute klappt das Einkaufen gar nicht. Eigentlich diskutieren und heulen meine Kinder nicht im Supermarkt. Wir haben ein paar Abmachungen, die funktionieren super. Eigentlich. Denn auch das Einkaufen ist heute anstrengend. Alles wird angefasst, um Süßigkeiten verhandelt und noch eine Zeitschrift und bitte das Käsebrötchen. Wobei das „bitte“ hab ich jetzt eingefügt. Es wird verlangt, gemeckert, irgendwann geheult. Ich bekomme Kopfschmerzen und manometer würde ich sie jetzt gern anschreien. Oder einfach gehen. Mache ich nicht. Ich frage, ob der Joghurt gegen das Käsebrötchen eingetauscht werden soll und ernte ein genervtes „NEIN!“

Die Kleinste schläft. Endlich. Wir backen einen Kuchen für den Nachmittag und ich bitte die Kinder, etwas leise zu sein. Klar klappt das heute nicht und die Kleinste wacht immer wieder auf. Ich weiß, wie ihre Laune später sein wird. Auch das Kuchen backen bürgt viel Streitpotential und ich würde den Kuchen gern demonstrativ und theatralisch in den Müll werfen.

Irgendwann explodiere ich. Erst innerlich, dann hören es die Kinder

Es ist noch nicht mal 15 Uhr. Mein Kopf explodiert während ich sehe, wie die Eine die Andere an den Haaren zieht und im Gegenzug von der Bank geschubst wird. Und ich eskaliere. Erst innerlich, dann ist schon mal die große Wut weg und dann hören es doch die Nachbarn. Die Eine geht ins Zimmer, die Andere bleibt draußen und der Kuchen ist für heute gestrichen. Mir reicht es. Vielleicht sage ich auch, dass ich die Schnauze voll habe. Während die Kleinste an meinem Bein klebt und hoch genommen werden will.

Ich denke mir, wir wollen doch heute Abend ein Picknick machen und das ist doch schön. Am Liebsten würde ich gar nichts machen und eine Gemüsesuppe kochen. Zur Strafe. Essen sie nämlich nicht gern. Ich aber auch nicht. Also werde ich doch das Picknick vorbereiten. Mit ihnen zusammen und dabei mit ihnen reden, dass ich nicht weiß, was bei ihnen grad los ist, aber dass ich dieses Schreien und Streiten nicht aushalte. Dass es mich so anstrengt, dass ich Kopfschmerzen bekomme. Dass ich auch nicht weiter wusste, außer selbst sehr laut zu werden.

Ich werde immer wieder gefragt, ob es wirklich so friedlich und harmonisch bei uns ist. Und ich beschrieb schon einmal, wie ich das mache, damit es meist so ist. Aber an manchen Tagen habe ich keine Nerven für diese überdrehten Kinder. Ich frage mich dann nicht, was wohl ihr eigentliches Bedürfnis ist, sondern sage, dass wir den Kuchen eben heute nicht mehr essen. Ob das sinnvoll ist und sie was lernen? Keine Ahnung, denn ich habe nicht die Energie vorher noch weiter darüber nachzudenken. Es entschärft die Situation auch nicht, wenn wir den Kuchen doch essen. Oder auf den Spielplatz gehen und ich sie ablenke. Der Tag ist dann einfach so. Ich könnte mich auch auf den Kopf stellen oder eine Polka tanzen.

Ich finde solche Tage nicht schlimm. Also in dem Moment schon, aber es ist ok, dass ich es nicht durchanalysiere und mich frage, in welche Erziehungsrichtung das geht und ob wir alle traumatisiert sind nach dem Tag. Sind wir nicht. Ich glaube, manchmal ist es einfach wie es ist. Total irre. Und ich glaube, nicht immer gibt es einen Grund für das Verhalten, ich brauche auch keinen. Denn auch mein Verständnis ist endlich. Wir gehen ins Bett und sagen uns wie sehr wir uns lieb haben und schlafen ein. Ohne Groll. In der Hoffnung, der nächste Tag wird ein kleines bisschen friedlicher. Und ganz oft ist es so. Die negative Energie ist raus, sie haben sich ausgestritten und wir starten in einen neuen Tag. Mit Kuchen. Und einem Schwimmbadbesuch.

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Seit 2011 bin ich in die Welt der Mütter aufgenommen. Mittlerweile habe ich 3 Töchter. Hier schreibt keine "typische" Mutter, die Haushalt und Familie mit links schmeißt, Modelmaße hat und nebenbei locker eine Karriere wuppt. Ich finde es okay, auch mal zu sagen "Ich bin müde! Der Mann nervt! Wir streiten öfter! Nein, ich backe, bastel und singe nicht 24 Stunden am Tag! Ja, ich mag Fast Food und ein Schnäpschen zwischendurch!" Aber auch die schönen Dinge kommen nicht zu kurz. Süße Sachen die ich im Netz finde, hilfreiche Tipps, anderes Lesenswerte und ganz viel ♥

6 Comments

  1. Ich mag deine Ehrlichkeit so sehr. Ich finde es zwar auch traurig wenn ich in manchen Situationen eskaliere und denke abends auf dem Sofa mit schlechtem Gewissen drüber nach, aber ich kann und möchte meinen Kindern auch nichts vorspielen. Es ist nun mal nicht immer alles einfach zu wuppen und auch Eltern sind nur Menschen!

  2. Ach das hast du wieder so toll geschrieben! Ich habe ja Erzieherin gelernt und schon während meiner Ausbildung vieles als „für die Prüfung gelernt und dann schnell wieder vergessen“ markiert! Bin in meinem Beruf 16 Jahre gut damit gefahren und werde auch jetzt mit meinen Kindern nicht analysieren!
    Ich finde es sogar wichtig, dass Kinder sehen, dass einem als Erwachsener mal alles zu viel wird und man die Geduld verliert. Einfach weil wir eben Menschen sind und keine Roboter, die endlos Verständnis und eine bessere Alternative haben. Darübe zu reden, dass es manchmal so ist, ist In meinen Augen das wichtige 🙂 Ich mag deinen Text, deine Ehrlichkeit und vor allem deinen kleinen Chaostrupp mit all dem Plüsch und Co 🙂

  3. MissesHeffernan Reply

    Ach Jette, kennen wir diese Tage nicht alle ?! Wir haben auch einen ganz schlimmen Lagerkoller. Wir waren 2 Wochen im Urlaub, direkt im Anschluss hat der Kindergarten 3 Wochen Schliesszeit. Ich liebe meine Kinder , aber so 5 Wochen am Stück, 24 Stunden…. puhhh ????

  4. Ha, hier auch so nach sechs Wochen alle daheim. Unsere 3 Mädels sind ziemlich gleich alt mit euren, aber morgen ist endlich Einschulung und die Kitas für die zwei Kleinen haben auch diese Woche begonnen.

  5. Annika Sander Reply

    Mensch, Jette! Vielen Dank für deine Ehrlichkeit! Finde ich ziemlich mutig und total klasse! Ich glaube, nicht nur mir geht es oft ganz genau so. Ich warte oft schon vor dem ersten Kaffee auf den Sandmann und genau das sind auch die Tage, in deren Verlauf ich viel zu oft echt unfair werde. Oft so unfair, dass ich abends auf der Couch beim drüber nachdenken heulen könnte und am liebsten sofort die Jungs wecken und ganz feste drücken will. Ich glaube, solche Tage haben wir alle mal und die gehören auch dazu. Und trotzdem: Schön ist anders und ich könnte auch liebend gerne drauf verzichten!

    • Oh ja ich könnte auf solche Tage auch verzichten. Aber wir haben nun mal alle auch schlechte Laune. Einfach so. Oder sind gelangweilt, alle nerven. So war es jedenfalls bei den Mädels u nix hilft. Manchmal bin ich selbst einfach zu ko da milde lächelnd drüber zu stehen.
      Und es ist auch ok dass die Kinder sehen, dass man auch ein Mensch ist.
      Wird sicher wieder besser ☺

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