Ohne meine Kinder würde ich vielleicht sogar weg fliegen und in einem überteuerten Hotel auf Ibiza meinen Urlaub genießen. Auf jeden Fall hätte ich weniger Gepäck dabei. Na oder der Koffer wäre einfach noch voller mit Klamotten die man eh nicht anzieht.

Ohne meine Kinder säße ich mit dem Mann sehr lange beim Frühstück, würde mich gemütlich durch das Angebot schlemmen und mich danach satt und zufrieden noch mal ins Bett legen.

Ein Urlaub ohne Kinder würde uns sicher mehr Ruhe im Restaurant bescheren, in dem wir sehr lange sitzen, dem Sonnenuntergang zuschauen und viel Wein trinken würden.

Ohne Kinder könnten wir uns den Urlaubsort entspannter ansehen, weil niemand quengelt wie langweilig das alles sei.

Am Strand könnte ich einfach einschlafen, denn ich muss nicht ständig nach einem Kind schauen. Überhaupt würde ich viel länger schlafen und das einzige was mich stressen würde, wäre die Schließzeit des Frühstücksbuffets.

Wahrscheinlich wäre das Hotelzimmer nicht ganz so chaotisch und wir würden mit einer Tonne weniger Sand heim fahren. Und die Schatzsteine und Muscheln, die wir ohne Kinder nicht sammeln würden.

Mein Urlaubsgeld stecke ich nicht in komisches Strandspielzeug, die fünfte überteuerte Zeitung und die vielen Kugeln Eis könnte ich ganz allein essen.

Ja so ein Urlaub ohne Kinder, der ist ganz anders.

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Unser Sommerurlaub mit den Kindern fand in einer Ferienwohnung statt. In der faszinierenderweise 5 Minuten nach Ankunft überall Spielzeug lag. Die nach einem Tag den halben Ostseesand beherbergte. Und Schatzsteine. Und Muscheln.

Im Restaurant laufe ich der Kleinsten hinterher während ich hoffe, die Großen beschäftigen sich irgendwie leise und essen mal was Anderes außer Nudeln oder Fischstäbchen. Ich trinke nur ein Glas Wein. Das Zweite trinkt sich entspannter auf der eigenen Terrasse.

Im Urlaub mit Kindern verdient der Eismann sehr gut an uns. Und der Zeitungsverkäufer. Und der Spielzeugladen.

Am Strand baue ich eine Meerjungfrau aus Sand und professionalisiere den Sekundenschlaf. Ich rette die Kinder vor aggressiven Möwen und singe ein Kleinkind in den Schlaf. Im Wasser sehe ich nicht aus wie eine Babywatch Schönheit, sondern plansche mit zwei überdrehten Kindern durchs Wasser.

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Statt am Frühstücksbuffet sitze ich am eigenen gedeckten Tisch und schmiere erst mehrere Schokibrötchen Hälften, bevor ich auch mal frühstücken kann und den Kaffee leicht kalt trinke.

Ich lege mich abends in ein Bett aus Sand, aus dem ich erstmal braungebrannte Kinderbeine weg schieben muss. Das weiße schöne Kleid, was am Strand von Ibiza im hippen weißen Restaurant sicher total toll ausgesehen hätte muss zu Hause nach einmal tragen in die Wäsche. Es sieht hier an der Ostsee eh etwas albern aus.

Manchmal weiß ich nicht recht, ob ich nach einem Urlaub mit meinen Kindern komplett erholt bin, oder doch nur froh, dass alle drei abends in ihren Betten liegen, nicht ihre Namen am Strand ausgerufen wurden, sie nicht zu viel Hitze abbekommen haben und auch das dritte Eis im Bauch blieb. In der Kombination mit zu viel geschlucktem Ostseewasser weiß man ja nie.

Wenn ich zwei Minuten durch meine Zeitschrift blättere, bevor die Kleinste mir die Seiten raus reißt und ich schon um 10 Uhr morgens drölfzigtausend Mal „Maaaaaammmmaaaaa“ gehört habe, dann fühle ich mich wirklich nicht recht erholt. Dann träume ich mich heimlich nach Ibiza. Wo ich noch nie war. Ist sicher schön da. Ohne Kinder. Aber dann müsste ich fliegen. Mach ich nicht.

Also kann ich auch mit meinen Kindern im Sonnenuntergang in der Ostsee baden gehen. Was ich ohne Kinder bestimmt nicht gemacht hätte. Viel zu kalt. Außerdem wäre ich ja mit dekorativ im hippen Restaurant rumsitzen, beschäftigt gewesen. Hätte keine Muscheln auf dem Sand-Meerungfrauenschwanz platziert. Hätte nicht auf das tausendste „Guck doch mal Mama, wie toll ich tauchen kann!“ reagiert. Halb genervt aber auch stolz. Dann hätte ich ja die glücklichen Gesichter verpasst, wie sie durch die Wellen springen und so herrlich nach Meer duften. Wie die Haare immer blonder werden und die Haut brauner.

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Ja so ein Urlaub ohne Kinder ist ganz anders. Und ich würde lügen, würde ich behaupten, der wäre nicht schön oder gar langweilig. Vielleicht wäre er teurer, denn wir hätten ja Zeit für den Wein und das viele gute Essen. Vielleicht wäre mir nach 7 Tagen am Strand aber auch ganz schön langweilig. Wer weiß.

Ein Urlaub mit Kindern ist nicht ausschließlich erholsam. Jedenfalls nicht am Strand wenn sie noch recht klein sind und die Eine gern mit Spielzeug fremder Kinder spielt und mit Vorliebe auf fremden Handtüchern zu finden ist und die zwei Größeren denken, sie könnten super schwimmen. Die eine nur unter Wasser, aber das macht ja nichts, findet sie. Mit Kindern schlichtet man auch im Urlaub Streit, sucht nach Kompromissen und geht früh in ein Restaurant, weil bis zum Sonnenuntergang halten sie nicht durch. Den schaut man dann lieber bei einem Abend Spaziergang an. Ein Urlaub mit Kindern steckt nicht nur voller Sand, sondern auch voller wunderschöner Momente, voller Kinderlachen, Eisschnuten, klebrigen Händen. Ein Urlaub mit Kindern ist laut, anders erholsam, etwas chaotisch. Und für uns die schönste Zeit des Jahres.

Author

Seit 2011 bin ich in die Welt der Mütter aufgenommen. Mittlerweile habe ich 3 Töchter. Hier schreibt keine "typische" Mutter, die Haushalt und Familie mit links schmeißt, Modelmaße hat und nebenbei locker eine Karriere wuppt. Ich finde es okay, auch mal zu sagen "Ich bin müde! Der Mann nervt! Wir streiten öfter! Nein, ich backe, bastel und singe nicht 24 Stunden am Tag! Ja, ich mag Fast Food und ein Schnäpschen zwischendurch!" Aber auch die schönen Dinge kommen nicht zu kurz. Süße Sachen die ich im Netz finde, hilfreiche Tipps, anderes Lesenswerte und ganz viel ♥

6 Comments

  1. Ein sehr schöner und gut durchdachter Beitrag! Finde deinen Schreibstil sehr angenehm zu lesen 🙂
    Habe im letzten Urlaub mit den Kleinen ähnliche Erfahrungen gemacht und trotz Höhen und Tiefen jede Minute genossen. Und zieht es immer mal wieder nach Südtirol in die Dolce Vita Hotels – da kann man einfach so viele verschiedene Dinge ausprobieren und die Kids sind immer gut bespaßt!

  2. Ja, genau!!!! Mit Kind benehmen wenigstens nicht nur wir Erwachsenen uns verrückt ;))

  3. Kann ich so nur unterschreiben – und hinzufügen, dass man nach dem Urlaub noch mal Urlaub braucht. Oder wenigstens ein Großelternwochenende 😀

  4. So so schön geschrieben. Wahr und trifft doch mitten ins Herz.
    Recht haste.
    Danke! 🙂

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