Der Punkt dient dem Innehalten. Na eigentlich muss ich es noch sacken lassen. Ein Jahr ist unsere jüngste Tochter geworden. Wann ist das denn passiert? Ja ich frag das ständig, aber ich verstehe es auch nicht. Unsere dritte Tochter. Wie verrückt. 

Ich schaue sie an und frage mich wem sie ähnlich sieht. Ich denke, ihrer mittleren Schwester. Nicht nur vom Äußeren. Ich glaube, sie wird ein Wirbelwind. Ein kleiner Kamikaze. Eine, die gern hoch klettert. Die das sehr schnell kann. Die mutig und unerschrocken ist. Manchmal etwas zu mutig. Eine, die keine Ruhe hat ein Bild zu malen oder zu basteln, die lieber tobt und sich bewegt. So viel Energie strahlt jedenfalls gerade aus ihr heraus. So sehr freut es sie, wenn der Mann im Wasser mit ihr tobt, wenn er sie hoch in die Luft wirft und die Schaukel noch ein bisschen doller anschubst.

Und dann sind da die Momente, in denen sie einfach auf meinem Schoß sitzt. Ganz ruhig. Fast eine halbe Stunde lang. Und einfach guckt. Meine Hand hält und ich heimlich ihren Geruch konserviere. Momente, in denen es ganz leise ist. Nur wir zwei und sie ihren Kopf auf meine Schulter legt oder sich an meinen Bauch lehnt. Wo ich denke, na wirst du doch wie die Älteste? Kannst dich lange mit dir selbst beschäftigen? In deiner Welt versinken und ewig malen, mit Pferden spielen oder dir selbst Geschichten erzählen?

In jedem Fall ist sie sie, Ein bisschen von uns allen vermutlich. Und doch schon jetzt so eigen. In den ersten Monaten hat sie nicht geweint. Mal gemeckert, aber das wars. Sie hat von allen dreien direkt lange und ruhig geschlafen. Sie kann von allen dreien am besten grimmig schauen. Das macht sie besonders bei Fremden. Während meine Große jeden anstrahlte, sind ihr Fremde suspekt. Dann krallt sie sich so sehr an mir fest, dass ich los lassen könnte und sie würde nicht runter fallen. Dann will sie sich manchmal in mir verstecken. Unkompliziert ist sie wie ihre Schwestern. Schläft im Kinderwagen einfach ein. Wir können sie auch abends überall mitnehmen. Sie ist glücklich, wenn sie umher schauen kann und wir in der Nähe sind. Dann krabbelt sie auch mal weiter weg. Sie lacht einfach so drauf los und lacht dann noch mehr, weil wir lachen. Sie gibt mir seit neustem Küsschen und wenn sie ihre Hände nach mir ausstreckt, ach dann tut es fast weh im Herz. Oha, schnulzig klingt das. Ist aber so. 

Sie ist so perfekt. Sie ist großartig. Sie hat uns ein tolles erstes Jahr zu Fünft geschenkt. Sie hat es uns so leicht gemacht. Ihre Schwestern lieben sie und waren nie neidisch, wenn das Baby mal mehr Aufmerksamkeit brauchte. Sie streiten sich auch nach einem Jahr noch, wer neben dem Baby sitzen darf, wer länger mit ihr gespielt hat. Ach sie ist so wunderbar. Es macht so viel Spaß sie zu beobachten, sie einfach anzuschauen und das Leben zu sehen. Ja, sie strengt mich auch an. Aber nie lange. Das tun sie alle drei nicht. 

Bald steht sie allein. Bald macht sie ihre ersten Schritte, plappert ihre ersten Worte. Bald werden wir noch mehr von ihr sehen und vielleicht noch mehr von einer Schwester in ihr. Vielleicht wird sie aber auch ganz anders. Ich habe keine Ahnung wie das aussehen wird und warte gespannt ab. Ich bin überglücklich, dass wir so mutig waren uns für sie zu entscheiden. Ja sie hat noch gefehlt. Sie hat uns gezeigt, wie das erste Jahr sein kann. Ohne Unsicherheit, ohne große gesundheitliche Sorgen. Sie hat unsere Familie perfekt gemacht, weil sie es ist. Mit ihrem wahnsinnig breitem Grinsen und ihren großen Augen. Man was lieb ich dieses Kind. Was lieb ich meine Familie. Ha und wer hätte es je gedacht, dass ich drei Kinder bekomme.

Mein perfektes Knopfäuglein, von Herzen alles Liebe zu deinem ersten Geburtstag. Wie schön, dass du uns gesehen hast, als du ein Stern warst und in meinen Bauch geflogen bist. Denn so denkt die Große, muss es wohl gewesen sein. Wie schön, dass du dir diese zwei Schwestern ausgesucht hast. Die Besten. Ich wünsche mir für uns, dass wir uns noch lange lieben und streiten können. Bis wir wieder Sterne werden. 

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Seit 2011 bin ich in die Welt der Mütter aufgenommen. Mittlerweile habe ich 3 Töchter. Hier schreibt keine "typische" Mutter, die Haushalt und Familie mit links schmeißt, Modelmaße hat und nebenbei locker eine Karriere wuppt. Ich finde es okay, auch mal zu sagen "Ich bin müde! Der Mann nervt! Wir streiten öfter! Nein, ich backe, bastel und singe nicht 24 Stunden am Tag! Ja, ich mag Fast Food und ein Schnäpschen zwischendurch!" Aber auch die schönen Dinge kommen nicht zu kurz. Süße Sachen die ich im Netz finde, hilfreiche Tipps, anderes Lesenswerte und ganz viel ♥

2 Comments

  1. Und zack – Pipi in den Augen! So, so wundervoll und zauberschön, da hat sogar die Bauchbewohnerin frohlockt, als ich den Text las.

    Liebe Grüße
    Denise

  2. Da hab ich aber jetzt ein bisschen Pipi in den Augen.
    Das hast du wirklich total schön geschrieben! Und ich kann so gut verstehen, was du meinst! Aber vor allem stelle ich mir vor, wie Elise das mal liest. In Zehn, Zwanzig oder auch Dreißig Jahren. …da muss ich dann gleich nochmal heulen…

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