Eigentlich ist es nur ein Datum. Ein bestimmter Tag im Jahr, an dem ein Mensch Geburtstag feiert. Ich liebe Geburtstage. Ich finde es zwar doof, älter zu werden, aber ich feier gern, hab meine Freunde und Familie um mich und bin ein wenig schmollig, wenn irgendwer nicht an mich denkt.

Geburtstage meiner Kinder sind noch mal etwas anderes. Tage vorher schon denke ich an die Zeit um die Geburt zurück, sehe und fühle diese Tage. Ich bin meist wehmütig, kann nicht begreifen, dass schon wieder ein Jahr rum ist und bestaune die Entwicklung des Kindes. Was alles passiert ist in einem Jahr. Was wir alles erlebt haben. Und obwohl jeder Geburtstag besonders ist, weil gerade in den ersten Jahren auch so viel passiert, so ist der erste Geburtstag noch einmal ganz besonders.

Dieser Tag markiert das Ende der Babyzeit. Dieses magische erste Jahr. Ja ich mag diese 12 Monate. Mochte ich bei allen Kindern. Wie sie sich täglich verändern, sie wachsen, wacher werden, mobiler. Diese Zeit ist wirklich magisch. Natürlich hatten wir auch Glück und empfanden diese Zeit nicht als die Anstrengendste. Wir hatten kein Baby, was in Kategorien wie "High Need" oder "Schreibaby" oder "besonders anspruchsvoll" passt. Unsere Babys waren einfach da und wir haben uns drauf eingelassen. Das klappte beim ersten Kind echt schlecht, oft war ich verunsichert, übermüdet und ratlos. Und trotzdem war es eine wunderschöne Zeit. Ich finde keine anderen Worte, denn so richtig beschreiben lässt es sich nicht. Dieser Mix aus neuer, grenzenloser Liebe, süßem Babyduft, Spaziergängen in der Sonne, durchweinten Stunden, aussortieren der zu kleinen Klamöttchen, alle Gegenstände ein Regal höher stellen, großer Müdigkeit, Stolz und dieser ganz besonderen Liebe.

Ganz nüchtern betrachtet ist es nur ein Tag. Denn die meisten Babys werden nicht am ersten Geburtstag plötzlich laufen oder sprechen. Sie werden trotzdem weinen, wenn wir das Zimmer verlassen, werden sich an unseren Beinen hochziehen und die Arme nach uns ausstrecken, plappern munter Mama / Papa in Endlosschleife und sehen im Schlaf wie das Neugeborene aus, was wir vor einem Jahr kennen lernten. Es wird alles noch ein wenig dauern, bis sie sich von uns entfernen, größer und selbstständiger werden. Und trotzdem ist es ein Abschied. Ein neues Jahr fängt an. Das kleine winzige Baby, was so süße Geräusche gemacht hat, was im Schlaf lächelte, was plötzlich auf dem Bauch lag und den Kopf hob, was die winzig kleinen Finger zum ersten Mal nach einem Spielzeug ausstreckte, das lebt weiter in unserem Herzen. Das bestaunen wir auf Fotos und denken: Echt, so klein war das Baby mal? SO winzig?!

Es ist nur ein Tag. Ein Tag an dem ich wie bei allen Kindern weine. Weil. Ja weil eben. Ich schaue nicht wehmütig zurück, ich freue mich auf ihre ersten Schritte, auf ihre ersten Worte, auf intensivere Zeit mit ihren Geschwistern. Ich werde ihr stolz sehr viele Küsse geben an diesem Tag, an die Geburt zurück denken und an unsere erste gemeinsame Zeit. Und dann esse ich Kuchen und freue mich auf ihr zweites Lebensjahr. Denn egal wie unbegreiflich schnell die Zeit vergeht, es ist nicht aufzuhalten. Also Tschüß du verrückte, schöne, intensive erste Zeit und Hallo du buntes, lautes, mobiles Chaos.

Ich sag es gern: Familie fetzt.