Na wer hat jetzt schon einen Ohrwurm von der lieben Elsa? Oder ist es Anna? Ich komm immer durcheinander. Jedenfalls schmettert sie dieses Lied und fühlt sich frei. Tja und in letzter Zeit kann ich dieses Lied gedanklich singen, wenn ich meine große Tochter anschaue. Ich finde es ja schon unglaublich, dass sie 6 Jahre alt ist, aber noch unglaublicher ist, dass unser schönes Lotterleben ab September vorbei ist. 

Ich sag es mal frei heraus, um 8 Uhr in der Schule sein ist kacke. Viel zu früh. Fern unserer bisherigen Realität. Aber gut, wir werden das Schulsystem wohl nicht revolutionieren. Jedenfalls suchte ich neulich Kleider für die Einschulung für sie aus und sie darf sich ihr Lieblingskleid aussuchen. Meine große Tochter wird noch größer. Geht in die Schule. Wird noch selbstständiger und mir bleibt nichts übrig, als ihr dabei zuzuschauen. Stolz und ein wenig wehmütig.

Loslassen müssen wir wohl von Anfang an. Erst beschützen wir unsere Kinder nicht mehr in unserem Bauch, irgendwann geben wir sie in liebevolle Betreuung. Sie lernen laufen, entfernen sich von uns, ziehen immer größere Kreise. Meine Beiden sehe ich am Wochenende manchmal nur zum Mittagessen. Einerseits erinnert es mich total an meine Kindheit und es fühlt sich so herrlich frei und unbeschwert an. Andererseits denke ich, wo ist das kleine Kind, was am Liebsten auf mir einschlief. Was so oft meine Nähe suchte.

Nun sucht sie Reibung. Ich kann das verstehen, sie will sich abgrenzen. Möchte sich durchsetzen, will ihre Grenzen ausloten. Manchmal gibt sie so freche, trotzige Antworten, dass es mich einfach überrascht. Ich muss mich tatsächlich erst dran gewöhnen, dass sie schlecht gelaunt ist, das an uns auslässt. Dass sie Streit mit mir sucht. Gehört alles dazu. Und ich merke, dass auch sie sich erstmal daran gewöhnen muss, kein kleines Kind mehr zu sein. Andererseits, sie ist doch erst 6! Man man man.

Sie freut sich wahnsinnig auf die Schule und es wird auch langsam Zeit. Sie will endlich lesen können um ihren Schwestern abends eine Geschichte vorzulesen. Um selbst die CDs auszusuchen, die sie hören mag, ohne dass ich ihr vorlese, welche das ist. Sie will selbst zur Schule gehen mit ihrem schicken Ranzen. Weil sie dann auch endlich länger aufbleiben darf. Sagt sie. 

Für uns alle als Familie ist es Zeit, loszulassen. Von unserem bisherigen Familienleben. Was eben erst kurz vor 8 Uhr beginnt. Was nicht von zu frühem Aufstehen und Hektik geprägt ist. Wir werden uns alle umstellen müssen und uns neu nach dem Schulsystem orientieren. Nicht einfach frei weg fahren wann wir wollen. Wir als Eltern werden unserem großen, stolzen Kind ihre Zuckertüte überreichen und sie wird uns stolz ihre Klasse zeigen. Ich werde versuchen nicht zu weinen. Ich werde mich sehr oft fragen, wo bloß die letzten 6 Jahre geblieben sind. Wann mein kleines Mädchen so groß und selbstständig geworden ist und ich werde immer mehr erkennen, warum sie schon jetzt ein toller Mensch ist mit so wunderbaren Eigenschaften. Ich werde ihre Hand los lassen um sie abends an ihrem Bett umso fester zu halten. Denn wenn der Tag vorüber ist, dann braucht sie mich und ihren Papa. Dann will sie kuscheln. Ist müde vom Tag. Möchte umarmt und beschützt werden. Will sich ausruhen und ich halte sie ein kleines bisschen fester. Küsse sie einmal mehr, während sie mir ins Ohr flüstert, dass sie mich so doll liebt, wie alle Einhörner.

Ein neuer Abschnitt kommt in großen Schritten auf uns zu. Ich freue mich nicht uneingeschränkt darauf, aber ich freue mich für sie und wir werden ihr beiseite stehen, im Hintergrund, wenn sie meint, mich nicht zu brauchen, wenn sie ihre Flügel ausstreckt. So wie man als Eltern eben immer da ist. Vielleicht nicht mehr körperlich nah, aber immer in Sichtweite. So ganz los lassen kann und will ich eben nie. Das wird unser Leben lang so bleiben. Familie eben.