Menschen werden nicht müde, sich darüber Gedanken zu machen, was eine „gute Mutter“ ausmacht, bzw. was man als Mutter doch zu tun oder zu lassen hat, um „gut“ zu sein. Immer wieder gern diskutiert in diesem Zusammenhang: Wieviel Zeit verbringt Frau mit den Kindern. Warum grundsätzlich nie über Väter gesprochen wird, entzieht sich meiner Kenntnis.

Grob gesagt gibt es die Mütter, die 3 Jahre oder länger bei den Kindern bleiben und die, die meist nach der Elterngeldzeit, also nach einem Jahr, wieder arbeiten gehen. Letztere sind meist die „Bösen“. DIe Anderen, so laß ich erst gestern, sind „Vollzeitmütter“. Ich weiß jetzt gar nicht, wo genau ich anfangen soll. „Vollzeitmutter“ zu benutzen um Mütter zu beschreiben, die mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen, als Jene, die arbeiten gehen, halte ich für total bescheuert. Ja mein Blog, ich darf das hier sagen. Wir sind alle Vollzeitmütter. Ich habe jedenfalls keine Stempelkarte, die ich einlöse, wenn ich meine Kinder abgebe. Teilzeitmutter sozusagen. Denn in den Stunden, die ich ohne meine Kinder verbringe, bin ich natürlich keine Mutter mehr. Ich denke nicht an sie, ich erledige nichts familiäres, ich arbeite dann. Um Gottes Willen. Statt Prioritäten anders zu setzen und die eigenen Ansprüche runter zu schrauben (Immer gern als Argument genommen, dass wir doch alle viel länger bei unseren Kindern bleiben könnten, wenn wir doch nur wollen würden, wenn wir doch nur weniger egoistisch wären), verdiene ich also Geld. Gebe meine Kinder ab. Fremdbetreut. Auch so ein schönes Wort.

Mal abgesehen davon, dass doch jede Frau die Mutter für ihre Kinder sein darf, die sie sein möchte und kann, nervt es mich so unglaublich, dass immer dieser Vorwurf mitschwingt, dass man seine Kinder aus egoistischen Gründen abgäbe. Und meine Lieblingsfrage: Wozu bekommen die überhaupt Kinder, wenn sie dann keine Zeit für sie haben?! Unerhört sei das. Die armen Kinder. Kommt doch diese Zeit nie wieder. Sind doch wir Mütter die wichtigste Bezugsperson. Wo ist noch mal der Vater? Na lassen wir das.

Wie in der Arbeitswelt, verstehe ich diese „Anwesenheitspflicht“ nicht. Nur wer mindestens 9 Stunden im Büro anwesend ist, scheint gut und viel zu arbeiten. Menschen in Teilzeit oder im Home Office können ja gar nichts schaffen. So muss das auch mit Eltern sein. Nur wer anwesend ist, kann seinem Kind alles geben, was es benötigt. Arbeiten gehen, weil auch der Job Spaß und Erfüllung bringt? Aber bitte. Egoismus! Arbeiten gehen, weil man das Geld braucht? Quatsch! Einfach mal die Ansprüche runter schrauben und ans Kind denken. Wozu hat man das schließlich? 

Jede Mutter, die drei oder mehr Jahre zu Hause sein möchte, sich wohl fühlt und das Gefühl hat, das sei das Beste fürs Kind, ist genau so eine gute „Vollzeitmutter“, wie Eine, die einem Beruf nachgeht, die Kinder aus der Kita abholt und den Nachmittag mit ihnen verbringt. Die nicht 24h anwesend ist, aber in der „Abwesenheit“ immer ihre Kinder im Herzen trägt. Weil auch sie eine Vollzeitmutter ist. Mal abgesehen davon verstehe ich nicht, warum nach 3 Jahren auch Vollzeitmütter wieder arbeiten gehen dürfen und trotzdem „gut“ sind.

In der Sekunde als ich meine erste Tochter in den Armen hielt, wahrscheinlich schon beim Blick auf den positiven Schwangerschaftstest, war ich durch und durch eine Mutter. Für mein Kind. Auch als ich nach 3 Wochen zum Friseur ging und mich über zwei Stunden Auszeit freute. Auch als ich meinen 30. Geburstag feierte und meine Tochter, 6 Monate alt, liebevoll von meiner Mama versorgt wurde. Wenn ich über meiner Arbeit sitze, überkommt mich ganz unerwartet ein Gefühl von Liebe. Einfach so. Weil meine Kinder immer in meinem Herzen sind. Weil ich nicht von 9-16 Uhr arbeitende Frau bin und meinen „Mama-Kittel“ ablege in der Zeit. Nur weil sie nicht anwesend sind in dem Moment, heißt es nicht, dass sie nicht da sind. Bei mir.

Wenn ich also Texte lese, in denen zwar ganz am Ende steht, dass natürlich jede Mama selbst wissen muss, wie sie es macht, aber eigentlich sei der eigene Weg, der der „Vollzeitmutter, die zu Hause bleibt 3 Jahre“, der einzig Richtige, dann will ich mal kurz das Internet löschen. Oder einfach mit Edding drüber kritzeln bei jeder Mama die das liest und ihr Kind betreuen lässt: „Nein! Hab kein schlechtes Gewissen, nur weil du arbeitest. Egal ob du willst. Oder musst. Du machst das super! Weil es für euch passt. Nicht für die Mutter, die den Text schrieb!“ Können wir uns nicht angewöhnen, von unserem Leben, unseren Erfahrungen zu berichten, ohne den Zeigefinger zu erheben? Ohne anderen ein schlechtes Gewissen zu machen? Ohne Vorwürfe? Dann wäre uns allen doch ein großes Stück geholfen, in diesem verrückten Ding namens „Mutterschaft“. Denn Ahnung haben wir doch alle nicht. Nur Vertrauen und viel Liebe. In unsere Kinder. 24 Stunden am Tag. 

(Das Interview findet ihr bei Hauptstadtmutti „Isabelle von A mummys life“)