Ich mag das erste Jahr mit Baby. Auch wenn Einige sagen, dass sie es eher langweilig finden, weil man mit dem Baby noch nicht so viel machen kann und die Spiele eher etwas anspruchslos sind, finde ich dieses erste Jahr zusammenfassend schon besonders. Ich mein, es ist doch irre, wie sich ein Baby entwickelt, was es alles lernt. Klar auch ich würde jetzt „spazieren gehen“ nicht auf Platz 1 meiner liebsten Freizeit Aktivitäten setzen, aber gerade die erste Zeit empfinde ich als besonders kuschlig und gemütlich.

Aber irgendwann setzt sie ein, diese Langeweile, gepaart mit Unterforderung und Fremdbestimmung. Bei allen drei Kindern hatte ich das. Circa um den 7. Monat rum bekomme ich einen Lagerkoller und bin von der Situation „Haushalt und Baby“ total genervt. Ich maule den Mann an, der es ja viel besser hat. Schließlich geht er arbeiten und abends steht das Essen auf dem Tisch. Er hat Stress und Verantwortung auf Arbeit, klar, aber er kann die 9 Stunden schalten und walten wie er will. Mit Baby geht das nicht. Ich will sie nicht die ganze Zeit tragen, nur um mal kochen, abwaschen oder putzen zu können. Ich mag nicht die ganze Zeit auf dem Boden sitzen und mit ihr spielen. Sie findet es auch öde nach einer Weile und will raus und gucken. Ich will dann gerade Mails beantworten, einen Text schreiben, mich hin setzen eine Zeitschrift lesen, irgendwo was essen gehen, schlafen, jedenfalls nicht spazieren gehen.

Dass unsere Wünsche nicht immer vereinbar sind, ist klar. Dass sich das Baby nicht ne Stunde allein beschäftigt, auch klar. Dass ich nicht höchst motiviert bin in den zwei Stunden in denen sie schläft, ich genau dann putze, esse, arbeite und schlafe, erst recht klar. Diese Fremdbestimmung durch das Baby nervt mich manchmal so sehr, dass ich wirklich schlecht gelaunt bin und mir ein Wochenende Ruhe wünsche. Nur ich allein. Baden, Fernsehen, essen, schlafen, lesen, wann ICH will. Nicht wann es mit dem Baby passt.

Ja das erste Jahr ist wirklich schön. Ja mit Kindern kann man nicht leben wie vorher. Und vieles können wir auch mit Kindern machen. Im Sommer lange abends im Biergarten mit Freunden sitzen zB. Weil unsere Kinder überall schlafen oder einfach lange wach bleiben. Meine beiden Großen haben auch Verständnis wenn ich sage, ich möchte jetzt einfach mal kurz im Bett liegen und die Augen schließen. Das Baby hat das Verständnis nicht. Kein Vorwurf. Ist einfach so. Und ja, es wird alles irgendwann besser. Weiß ich ja, sonst hätten wir nicht drei Kinder.

Sich auf den Rhythmus des Babys einlassen muss ich immer wieder neu lernen. Manchmal, wenn sie nur auf meinem Arm schlafen will, bin ich innerlich so gehetzt und genervt. Denn ich würde so gern etwas anderes machen und nicht auf dem Sofa oder Bett gefesselt sein. Aber gestern zB, als sie sich wirklich fest an mich klammerte und nur auf mir schlief und ich wusste, das geht jetzt die nächsten zwei Stunden so, arbeiten klappt einfach nicht. Da nahm ich mein Tablet und schaute ganz entspannt eine Serie. Und genoss es einfach. Die schmutzige Küche läuft nicht weg. Der Familie schmeckt auch die Tiefkühlpizza abends. Überhaupt erwartet der Mann sowieso nicht, dass ich irgendwas tolles kredenze oder alles sauber ist. Das ist oft auch mein Anspruch. Weil mich die dreckige Küche nervt. Weil ich sie genau JETZT sauber machen will und das Baby sich denkt: Nönö Fräulein, jetzt kümmer dich mal um mich!

Mit Kindern ist das Leben immer ein stückweit fremd bestimmt. Von ihnen bestimmt. Von ihren Bedürfnissen. Und damit meine ich nicht, dass ich mich verbiege und meine Bedürfnisse immer hinten anstelle. Das ist nicht gut auf Dauer, aber einem Baby oder Kleinkindern kann ich meine momentanen Wünsche auch nicht uneingeschränkt aufdrängen oder so machen, wie ich es genau jetzt will. Mal können wir alles gut zusammen bringen, mal klappt es weniger gut. Dann nervt mich diese Fremdbestimmtheit im ersten Jahr. Denn da fand ich sie am Intensivsten. In den Jahren danach können die Kinder sich mit sich beschäftigen, verstehen, dass auch ich etwas machen will und sind weniger von mir oder dem Mann abhängig. Es ist nur eine kurze Zeit, aber zumindest bei mir gibt es sie. Ich glaube, diese Fremdbestimmung zu akzeptieren, die Langeweile, gehören ebenso dazu, wie die kuschligen Momente, die schönen Spaziergänge, eben diese intensive erste Zeit.

Wie erging es euch im ersten Jahr mit Baby? Kennt ihr diese Gefühle?