Früher wollte ich maximal ein Kind.
Mitte dreißig klang doch erst gestern noch „ganz schön alt“.
Das Glück darin spüren, am Samstag Abend mit den Kindern zu kuscheln, statt im Club zu tanzen, war früher unvorstellbar.
Dass ich einen Mann treffe und ganz schön schnell weiß, mit ihm möchte ich Kinder, hätte ich zu Single Zeiten nicht für möglich gehalten.
In meiner schönen 23 qm Studentenwohnung mitten im Szenekiez hätte ich niemals gedacht, mal in einem Reihenhaus glücklich zu sein.
Vor den Kindern hätte ich nicht für möglich gehalten, wieviel Angst ich haben kann. Fliegen oder ein Zahnarztbesuch waren schon „Das Schlimmste“.
Nichts und niemand hätte meine Freundinnen und mich auseinander gebracht. Wir weinten Affären hinterher, planten unsere nächsten Partys. Wer hätte gedacht, dass Kinder auch Freundschaften durcheinander wirbeln.

Jetzt habe ich einen Mann.
Und drei Kinder.
Drei Mädchen, die ich geboren habe. Auf die ich acht gebe, die ich liebe, auf die ich stolz bin.
Wir wohnen in einem Reihenhaus, reden über Kita- oder Schlafprobleme.
Statt im Club, tanze ich mit den Mädels durchs Zimmer.
Den Aperol Spritz trinke ich auf der Terrasse, nicht in einer hippen Bar.
Ich schaffe es mit meinen Freundinnen noch auf einen gemütlichen Kaffee und Kuchen Treff. Steppt der Bär im Club, schlafe ich tief und fest.

Es ist verrückt. Das Leben. Wie es so endlos, wild und wunderbar war. So unbeschwert.
Und jetzt ganz anders.
Auch wild und wunderbar. Manchmal etwas beschwerter.
Manchmal sind die Nächte lang, weil das Kind nicht schlafen kann und nicht, weil der DJ meine Lieblingslieder spielt.

Ja es ist verrückt. Und schön.

Familie fetzt.

Author

Seit 2011 bin ich in die Welt der Mütter aufgenommen. Mittlerweile habe ich 3 Töchter. Hier schreibt keine "typische" Mutter, die Haushalt und Familie mit links schmeißt, Modelmaße hat und nebenbei locker eine Karriere wuppt. Ich finde es okay, auch mal zu sagen "Ich bin müde! Der Mann nervt! Wir streiten öfter! Nein, ich backe, bastel und singe nicht 24 Stunden am Tag! Ja, ich mag Fast Food und ein Schnäpschen zwischendurch!" Aber auch die schönen Dinge kommen nicht zu kurz. Süße Sachen die ich im Netz finde, hilfreiche Tipps, anderes Lesenswerte und ganz viel ♥

4 Comments

  1. Hach Jette….sooooo schön geschrieben. Ein bisschen bittersüß. Und du hast recht. Familie fetzt. SeIhr.

  2. Annika Sander Reply

    Ich wollte schon immer ganz spießig Haus, Mann, Kinder (am liebsten vier ????). Aber das ich das jetzt tatsächlich habe – verrückt! Dass ich mich zwar ab und an gerne mal noch fühle wie früher – mit überteuertem Bier in Plastikbechern auf nem Konzert, oder Jacky-Cola an der Club-Theke – aber in der Regel trotzdem meine Abende lieber mit Mann, Babyphon und Netflix auf der Couch verbringe – verrückt!
    Ja, du hast total recht! Es ist verrückt, dieses Leben

  3. Schön und sehr treffend. Aber du siehst dabei immerhin noch nach Szenekiez aus! Bei mir ist es optisch irgendwie auch Reihenhaus geworden…

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