Ich könnte jeden Artikel über meine Kinder damit anfangen mich zu wundern, wo nur die Zeit geblieben ist. Meine Große ist nun SECHS Jahre alt und wird dieses Jahr eingeschult. Also Entschuldigung, sie kam doch gestern erst zur Welt?!

Meine erste Tochter. Seit 6 Jahren bin ich also Mama. Und da ich direkt nach der Geburt sagte, dass ich nie wieder Kinder bekommen möchte, konnte ich auch nicht ahnen, dass ich in 6 Jahren drei Kinder haben werde. Marlene war ein unkompliziertes Baby. Ja was heißt das schon. Ich war jedenfalls ein hysterisches Stresshuhn, lag verzweifelt in meinen Leo Klamotten auf dem Sofa, feuerte 1000 Fragen in unter 10 Sekunden an meine Hebamme und hatte wirklich üüüüüüüüberhaupt gar keine Ahnung von diesem Elternsein. Dementsprechend leicht ließ ich mich anfangs auch von anderen Meinungen verunsichern. Dieses Kind nahm all das mit stoischer Gelassenheit hin. Sie schlief nachts vier Stunden am Stück. Am besten auf mir oder dem Mann. Sie fand stillen anstrengend, aber getreu dem Motto: Was muss das muss. Ab 4 Monate Breieinführung? Geht klar. Sie zog es brav durch. Ich wusste es nicht besser, also futterte sie sich genügsam durch den Breiplan.

Mein großes Mädchen hat ein riesen großes Herz. Jeden Abend drückt sie mich ganz fest und möchte noch mit mir kuscheln. Ist sie tagsüber schon frei unterwegs und braucht mich nur selten, sucht sie abends meine Nähe und möchte auch jeden Morgen noch mit uns im Bett kuscheln. Sie beschützt ihre kleine Schwester, auch wenn sie sich super streiten können. Andere dürfen sie aber nicht stänkern, dann stellt sie sich schützend vor ihre Schwester. Versprechen und Verabredungen müssen eingehalten werden. Sie mag es gar nicht, wenn man etwas verspricht oder sich jemand mit ihr verabredet und das klappt nicht. Sie hat einen sehr großen Gerechtigkeitssinn. Manchmal artet es in Petzen aus, aber oft stört es sie einfach, wenn sich alle an Regeln halten und nur einige Wenige nicht.

Sie kann super Blödsinn mitmachen und ist sehr gut darin, die Schuld auf Andere zu lenken. Eben ein richtiges Kind. Manchmal ist sie mir etwas zu gutmütig. Ich finde das eine schöne Eigenschaft, aber leider gibt es auch Menschen die dies gern ausnutzen. Andere Kinder gewiss unterbewusst, aber sie lässt schon sehr viel mit sich machen, wird zurück gewiesen „Nein heute spiel ich nicht mit dir, geh weg!“ und ist sofort zur Stelle, wenn das andere Kind sich entscheidet, nun passt es doch. Ich mische mich nicht ein, auch wenn ich sehe, dass sie das verletzt. Aber so ist sie. Sie will Harmonie, sie will mit ihren Freunden spielen und wartet dann eben traurig und geduldig.

Harmonie ist ihr sehr wichtig. Sie mag es gar nicht, wenn der Mann und ich uns streiten oder wenn ihre Schwester Ärger bekommt. Sie versucht sofort die Situation zu entschärfen, lenkt ab oder macht schnell das, worum ich ihre Schwester bitte, nur damit wieder Frieden herrscht. Ihre Schwester weiß das ganz genau und nutzt das auch gern mal aus. Im Gegensatz zu ihrer Schwester ist sie schüchterner. Die Mittlere hängt am Gartenzaun und sagt allen Hallo die vorbei kommen, meine Große braucht eine Weile bis sie auftaut und schickt gern ihre kontaktfreudige Schwester vor.

Marlene ist wahnsinnig geduldig und kreativ. Wenn sie niemand stört, mit Vorliebe ihre Schwestern, malt und bastelt sie stundenlang. Ich kann mich zum Mittagsschlaf mit dem Baby hinlegen und weiß, sie macht keine Dummheiten. Sie hört ein Hörbuch und bastelt sich Freundesbücher, Computer, Pferdeställe und malt und malt. Ich bin immer wieder beeindruckt wie toll und ausdauernd, wie genau und detailliert sie malt.

Meine perfekte erste Tochter. Mein Testhäschen. Ja das war sie, denn so vieles wusste ich einfach nicht. Ich wünschte, ich wäre auch bei ihr schon gelassener und selbstsicherer gewesen, aber sie war das perfekte erste Kind für uns. Schon immer geduldig, schon immer voller Lebenslust und Liebe für uns. Schon immer ganz nah und kuschelbedürftig. Ich schaue so gern in ihre Augen „so blau wie der Ozean“, höre ihren Geschichten zu, beobachte sie beim Spiel und bewundere erstaunt ihre Kunstwerke. Ich bin so unglaublich stolz auf mein Mädchen und freue mich für sie, dass sie endlich ein Schulkind sein darf. Sie ist schon ganz ungeduldig und ich glaube, sie wird dort einen Platz zwischen vielen neuen Freunden finden, sich gut einleben und ein schönes erstes Schuljahr erleben. Ich freue mich, sie auf ihrem Weg zu begleiten, sie zu umarmen wenn sie es braucht, sie durchzukitzeln wenn sie nicht damit rechnet. Ich freue mich auf die vielen leisen Momente mit ihr, wenn sie ihren Schwestern Geschichten erzählt, wenn sie versucht das Baby zu beruhigen. Sie ist so ein Sonnenschein. Ja, das beschreibt sie am Besten. Ein herzensguter Sonnenschein und ich wünsche ihr viele gute Menschen in ihrem Leben, die das erkennen und sie zu schätzen wissen.

Sechs Jahre sind so lang und irgendwie nicht. Sechs Jahre Familie. Sechs Jahre Elternsein. Aus meinem kleinen Baby was so stürmisch auf die Welt kam ist ein richtiges Kind geworden, was mir freche Antworten gibt. Meine Tochter. Unsere perfekte Marlene.

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Seit 2011 bin ich in die Welt der Mütter aufgenommen. Mittlerweile habe ich 3 Töchter. Hier schreibt keine "typische" Mutter, die Haushalt und Familie mit links schmeißt, Modelmaße hat und nebenbei locker eine Karriere wuppt. Ich finde es okay, auch mal zu sagen "Ich bin müde! Der Mann nervt! Wir streiten öfter! Nein, ich backe, bastel und singe nicht 24 Stunden am Tag! Ja, ich mag Fast Food und ein Schnäpschen zwischendurch!" Aber auch die schönen Dinge kommen nicht zu kurz. Süße Sachen die ich im Netz finde, hilfreiche Tipps, anderes Lesenswerte und ganz viel ♥

6 Comments

  1. Antje aus Ostfriesland Reply

    Hach… So schön geschrieben Jette. Und vom Wesen ganz viel Ähnlichkeit mit meiner Großen.

  2. Ach wie gern schau ich täglich auf Deinen ( darf doch Du sagen?) Blog und immer geht mir das Herz auf. Du schreibst so realistisch, unverblümt, witzig und herzlich. Und diese Liebeserklärung an EureMödels, wunderbar.
    Als ich über Deinen Blog gestolpert bin, habe ich alle Artikel nacheinander am Stück verschlungen. Und manchmal würde ich gern mit an Eurem tollen Frühstückstisch sitzen.
    Unser Luis ist auch 6 und kommt dieses Jahr zur Schule, und ob Junge oder Mädchen, egal, Mama ist und bleibt Mama. Macht weiter so, alles Liebe für Euch und ich freue mich auf Eure Geschichten. LG aus München, Katrin

    • Och liebe Katrin,
      Das ist ja ein toller Kommentar. Vielen lieben Dank! Ich freu mich, dass es dir hier gefällt ????
      Liebe Grüße und ein schönes Wochenende für euch!

  3. Ich liebe ja solche Liebeserklärungen an Kinder! Als Kind und auch noch als Jugendliche nimmt man ein „ich hab dich lieb“ Immer so als selbstverständlich hin. Mir ging’s zumindest immer so. Umso schöner finde ich die Vorstellung, dass Marlene das hier in ein paar (oder auch ein paar mehr) Jahren liest. Dann wenn sie alle genug ist zu wissen und zu verstehen, was du gerade fühlst. Total schön geschrieben! Ohne rosa-rote Brille, einfach von Herzen. Toll!

  4. Liebe Jette,
    so wunderschön geschrieben!!! Mir kamen sogar ein paar Tränchen!
    Ich bin jetzt seit fast 8 Monaten Mama und auch ich bin oftmals sehr unsicher und teste mich durch. Der Begriff Testhäschen passt hier also auch wunderbar 🙂
    Deine Große ist ein ganz tolles Mädchen und sie kann stolz sein das du ihre Mama bist. Bleib so wie du bist.
    Liebe Grüße
    Ana

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