Manchmal läuft ein Tag ganz anders, als man es sich vorgestellt hat. Man plant schöne Dinge mit den Kindern, aber irgendwie sind sie nur am schimpfen, wollen immer mehr oder stänkern rum. Dann freut man sich auf einen anstehenden Termin am Abend, den der Partner total verbaselt hat und die Vorfreude ist dahin. So erging es mir kürzlich. Beim Abendbrot platzte mir dann der Kragen und ich stand auf und ging.

Auf meinem Wutspaziergang brabbelte ich immer wieder vor mich hin, dass die Familie undankbar sei und überhaupt nicht wertschätzt, was ich alles immer mache, was nur als selbstverständlich angesehen wird. Na ihr kennt das vielleicht.

Nein, von kleinen Kindern kann ich keine Dankbarkeit erwarten, kein „Mama, das war so eine tolle Überraschung, vielen Dank.“ Und ich überrasche sie auch nicht, um ein „Danke“ zu hören. Ich mache das ganz freiwillig, weil ich mich auf ihre strahlenden Gesichter freue. Ja das ist der Dank, die großen Augen, die sprachlosen Kinder.

Aber es gibt eben Tage, da meckern sie nur rum. Trotz der Überraschung und schönen Dinge. Streiten sich, sind maulig, ständig höre ich „Nein, mache ich nicht!“. Dann denke ich mir: „Na Mensch, hätte ich auch arbeiten können und sie wären in die Kita gegangen, ich kann es eh nicht recht machen.“ Dann platzt vielleicht noch ein schöner Termin, weil die Absprachen nicht klappen zwischen dem Mann und mir und schon ist das Elend komplett. Dann passt eben alles. Dass ich immer zurück stecken muss, dass seine Termine immer Vorrang haben. Dass ich so viel nebenbei mache, Blog, Familie, Haushalt, Bürokratiekram, an Geburtstagsgeschenke denken und kaufen, etc. Dass das so selbstverständlich für die Familie ist.

„Aber das ist doch dein Job als Mutter“ Na mag sein, will man in seinem Job nicht gelobt werden? Genügt es tatsächlich, jeden Tag seinen Pflichten nachzukommen, hin und wieder etwas mehr zu machen, aber Kollegen oder Chef sehen das nicht, sondern man macht es völlig aus eigener Motivation heraus? Nö mir genügt das nicht. Ich will wertgeschätzt werden und nicht immer nur hören, wie toll der Mann das macht, dass ich meine Kosmetiktermine am Wochenende wahrnehmen kann. Klar ist das toll, aber nun ja, sind auch seine Kinder.

Mir geht es gar nicht darum, dass Männer gefühlt für viele Kleinigkeiten im Familienalltag gelobt werden, die bei Frauen als selbstverständlich hin genommen werden. Dass ich Glück mit meinem Mann habe, weil er ja schon mehr macht als Andere. Dann denke ich, ist es an der Zeit mal davon abzukommen mit dem Familienbild der 70er zu vergleichen und Partner in der Familie gleichwertig anzusehen in ihren Rechten und Pflichten. Mir geht’s aber eigentlich um meinen Wutspaziergang. Darum, dass es mir manchmal reicht, ich die Schnauze voll hab. Ja genau so. Dass ich dann gehen muss, weil ich sonst beleidige und rum schreie. Nützt ja niemandem was. Dass ich das völlig ok finde, mal auszubrechen. Dass ich mich jetzt schon freue, wenn ich mir dieses Jahr mal ein Wochenende gönne, ganz für mich allein. Ohne Kinder und ohne Mann. Dass ich es manchmal unfair finde, dieses Muttersein, diese täglichen, selbstverständlichen Pflichten. Dass ich genervt bin. Dass ich es albern finde, dass man das scheinbar nicht laut sagen darf. Dass ich da ganz schön mutig sei und ehrlich. Aber verdammt noch mal, ich habe nicht den Masterplan fürs Familienleben, ich bin emotional und habe Erwartungen, möchte Anerkennung und Wertschätzung. Bereue nicht grundsätzlich meine Entscheidung für eine Familie, will aber trotzdem manchmal meine Ruhe und Zeit nur für mich, ohne sie. Das widerspricht in keinster Weise meinem tiefen Gefühl der Liebe zu meinen Kindern und meinem Mann. Aber es ist nicht alles immer nur fluffig.

Ja, so ist es. Manchmal nervt es mich, wenn nur gemeckert wird, wenn scheinbar kein „Danke“ kommt, wenn ich meine Termine absagen muss. Wenn mir das alles zu viel wird und ich gern mal hören würde: „Toll machst du das und das mit deinem Termin bekommen wir geregelt.“ Übrigens klappt das ganz oft mit meinen Terminen, aber an diesen Wutspaziergangstagen, da eben nicht.

Nein es läuft nicht alles immer nur perfekt, bei wem ist das schon so? Ich finde es auch nicht schlimm zu sagen, dass ich genervt bin. Ja die Kinder können nichts dafür, ja es ist meine eigene Erwartungshaltung usw, aber ganz ehrlich: Hilft mir manchmal auch nix. Manchmal hilft nur, ne große Runde durch den Kiez und soll ich euch noch was verraten? Einen Jägermeister habe ich mir auch gekauft. Und Allen zugeprostet, die es manchmal auch „satt haben“.

So ein Wutspaziergang ist was Feines. Ich sag euch das. Man kann wunderbar vor sich hin schimpfen, Streitgespräche ausfechten und tief durchatmen. Dann lässt man es nicht an der Familie aus. Dann hat man die Wut ganz für sich raus gelassen und kann den Kindern hinterher erklären, warum man enttäuscht war, was man gehofft hatte vom Tag und warum das irgendwie alles komisch lief. Dann kann man sich mit dem Partner hinsetzen und ohne Wut besprechen, was man sich wünscht. Denn riechen kann der das meist nicht und drauf hoffen sollte man auch nicht. Reden hilft. Aber erst wenn die Wut raus ist.

Und dann geht man früh ins Bett, freut sich auf den nächsten Tag, der wieder besser ist. Kocht abends nicht, wo die Kinder eh rummäkeln, sondern schiebt eine Pizza in den Ofen und schaut dabei die Eiskönigin zum hundertsten Mal. Denn so anstrengend es ist und so genervt ich manchmal bin, so wütend und auch traurig, es lohnt sich jeden Tag. Familie fetzt. Erst recht nach einem Spaziergang.

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Seit 2011 bin ich in die Welt der Mütter aufgenommen. Mittlerweile habe ich 3 Töchter. Hier schreibt keine "typische" Mutter, die Haushalt und Familie mit links schmeißt, Modelmaße hat und nebenbei locker eine Karriere wuppt. Ich finde es okay, auch mal zu sagen "Ich bin müde! Der Mann nervt! Wir streiten öfter! Nein, ich backe, bastel und singe nicht 24 Stunden am Tag! Ja, ich mag Fast Food und ein Schnäpschen zwischendurch!" Aber auch die schönen Dinge kommen nicht zu kurz. Süße Sachen die ich im Netz finde, hilfreiche Tipps, anderes Lesenswerte und ganz viel ♥

7 Comments

  1. Hey Jette,

    ich kann dich sooo gut verstehen. Wie oft fluche ich über die Undankbarkeit der Kinder und habe das Gefühl hier die Einzige zu sein, die alles beisammen hält, auch wenn der Mann viel hilft. Und dann motze ich blöd rum oder raste wahlweise total aus. Und hinterher tut es mir leid, dass ich meine Wut und Enttäuschung nicht „besser kommuniziert“ habe.
    Aber weißte was, das ist doch okay, seine Wut auch mal auszuleben, es ist sogar eminent wichtig, wenn du Jesper Juul fragst 😉
    Deine Idee mit dem Wutspaziergang finde ich aber auch super. Das werde ich das nächste Mal ausprobieren wenn mein Wutmonster wieder da ist. Dann gehe ich Gassi mit dem Ding, so dass es sich an der frischen Lust entleeren kann und nehme mir einen kleinen Piccolo (wie schreibt man das? und nein, ich habe heute noch keinen getrunken) mit. Jägermeister mag ich nämlich nicht.

    Halt die Ohren steif, du bist nicht allein!

    HAMMAmama Barbara

  2. Danke! Ich liebe deine ehrlichen Beiträge. und ich muss ehrlich zugeben, dass ich mir manchmal selbst bei dir, die wirklich ehrlich auch über die nicht so schönen Momente schreibt, denke „boar, hat die es gut, dass ihr Mann sie so unterstützt und so viel Freiräume ermöglicht“. Aber ist Quatsch, weiß ich. Und ja, mir fällt es auch auf, dass ich manchmal sag „ja im Vergleich zu anderen Männern macht meiner schon mehr im Haushalt und mit den Kindern“. Aber du hast Recht. Sind ja auch seine. Er hat die Entscheidung für Familie ja auch mit getroffen. Trotzdem werden Männer da eher gelobt.
    Ach, was soll ich sagen, ich habe grad öfters mal ein Tief, aber dass es z.B. auch bei dir Tiefs gibt und du nicht den scheinbar perfekten Familienalltag zeigst (wie andere Blogs), hilft so ungemein! Danke dafür nochmal!

    • Ach gerne doch.
      Ich glaube das geht wirklich jedem Elternteil mal so, dass man genug hat und wirklich genervt ist. Ich finde es so blöd, dass das gleich mit dieser regretting motherhood Diskussion gleichgesetzt wird. Als ginge es darum, grundsätzlich die Familie zu bereuen. Quatsch ist das.
      Und ja es stimmt, er hilft schon viel. Mehr, als andere. Ich erkenne das auch an. Meistens. Nur an manchen Tagen eben nicht ????
      Liebe Grüße und alles gute!

  3. Was ich noch vergessn hab zu schreiben: wie gehts den Männern? Gehts denen auch so? Verstehen die diese „Wutspaziergänge“? Machen sie selber welche? Und warum halten Besserungsgelobnisse nicht mal ne Woche? Manchmal frag ich mich ehrlich, ob die wirklich so sind oder nur so tun (die Männer – nich die Kinder ) ????. Bitte nicht als Männerverunglimpfung verstehen. Es steckt ehrliches verstehenwollen Interesse dahinter.

  4. Wie wahr, wie wahr!!! Ehrliche Worte. Und ja, es platz ab und zu der Kragen und das darf so sein. Nur bitte nicht darüber reden und so tun, als sei alles immer rosafluffig. Und du hast recht, es widerspricht sich nicht. Wo Licht, da Schatten. Ganz normal. Da sollte man sich nicht verunsichern lassen vor den Schönfassadenmenschen. Wundervolle, gefühlvolle Worte hast du dafür gefunden. Gefällt mir sehr gut! Liebe Grüsse

  5. Dem ist gar nichts hinzuzufügen!
    Ein Hoch auf Wutspaziergänge und Flachmänner 🙂

    Mach bitte weiter so!
    Liebe Grüße
    Anne

  6. Jede Familie ist anders, aber in diesem Punkt sind wahrscheinlich alle gleich! Vor allem merkt man das an verschiedenen Blogs… da schreiben andere Blogerinnen ähnliche Artikel! Scheint als geht es vielen Frauen so… und dann lesen wir Frauen diese emotionalen Worte und hoffen, Hallo MANN lies das doch auch mal *lach*!
    Schöner Artikel… man ist eben nicht allein und heute ist ein neuer Tag, mit Sonnenschein und Freitag. Danke
    Liebe Grüße

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