Wenn du wüsstest, wie unbeschwert und sorgenfrei mein Leben vor dir war, sagst du viellicht „Na das ist aber nicht nett!“ und wirst es in der Sekunde verstehen, wenn du schwanger bist. Wenn dein Herz höher schlägt vor der ersten Untersuchung. Wenn die Ärztin sagt: „Herzlichen Glückwunsch, Sie sind schwanger, es ist alles ok.“ Du wirst dir so viele Sorgen machen in der Schwangerschaft, auf Tritte achten, in dich hinein hören. Und wenn es erst auf der Welt ist, dein Kind, dann ist da diese Liebe, die du nicht kanntest vorher. Die dich überwältigt und dich ganz und gar einnimmt, nie mehr los lässt. Doch mit dieser Liebe kommt die Sorge. Mal ist sie ganz klein und leise, mal so laut, dass es weh tut. Dass dein Körper schmerzt vor Sorge. Dass du schreien möchtest, dass du es kaum aushältst. Eine Sorge, die du vor deinem Kind nicht kanntest. Ängste, die du nie hattest. „Was wäre wenn“ Sätze, die dir den Schlaf rauben, die dich wahnsinnig machen können. Und dann ist da diese Liebe.

Wenn du wüsstest, wie sehr du mich eines Tages verstehen wirst. „Oh nein Mama, ich werde es anders machen!“ sagst du vielleicht in ein paar Jahren, ohne Kinder, wenn das Leben unbeschwert, schnell und stürmisch ist, so voller Ungewissheit und Vorfreude. Und vielleicht erkennst du mich später in deinen Worten, verstehst meine Entscheidungen, machst vielleicht Dinge anders, und Vieles eben doch gleich. Du wirst noch viele Jahre mit dem Kopf schütteln. Wir werden uns streiten und ich werde denken: „Mensch Mama, jetzt weiß ich erst, was du mit mir ausgehalten hast, verstehe deine Angst, deine Entscheidungen.“ Ich weiß erst seit ich dich habe, meine Mama noch mehr zu schätzen, verstehe sie mehr, kann im Nachhinein nachsichtiger sein, hätte mir vielleicht gewünscht nicht so gegen sie zu kämpfen. So ist wohl der Lauf der Dinge, wenn du das nur manchmal schon wüsstest, in Situationen, die du als unfair empfindest.

Mein Kind, das Leben vor dir, ja es war sorgenfreier. Oder lass es mich so sagen, es gab andere Sorgen und Ängste. Aber sie waren nicht existenziell. In dem Moment für mich bestimmt schon, aber oh wie wenig wusste ich damals, was ich in der Lage bin zu fühlen. Wie sehr ich kämpfen kann. Wie sehr mein Kopf tatsächlich verrückt spielen kann, aus Liebe zu dir. Aus Angst. Ja zum verrückt werden ist es manchmal. Kaum in Worte zu fassen. Es ist irre schön. Wahnsinnig anstrengend. Voller Liebe, Leben, Lachen, Tränen, Berge dreckiger Wäsche, Yakari in Endlosschleife, es ist voller Bürokratie und Entscheidungen. Richtigen und Falschen. Auseinandersetzungen. Mit dir. Dem Mann. Es ist das Leben. Unseres. So bunt, so laut. Ach wenn du wüsstest. Aber vielleicht fühlst du es. Es ist schön. Am Ende aller Sorgen, aller durchwachten Nächte. Aller Streitereien, ins-Bett-bring-Dramen, aller Krankheiten, Fieberattacken und unermüdlichen Hinterherräumens und mancher Entbehrungen. Da bist dann nur du und ich. Deine Geschwister und der Mann. Am Ende ist da nur Liebe.