Immer wieder kommen mir Artikel unter, die sich mit dem Zusammenleben mit Kindern beschäftigen. Die hinterfragen, ob Erziehung das Unwort in der Elternschaft sein sollte und Unerzogen die richtige Herangehensweise ist. Artikel in denen steht, dass man gar keinen Spielebogen fürs Baby braucht, oder laute Rasseln, dass man doch nur achtsam sein muss, respektvoll miteinander umgeht und lieber Kinder mit Zeug spielen lässt, statt Spielzeug. Dass man ganz glücklich leben kann vollkommen ohne Zucker, ohne Produkte einiger großer Ketten und dass man sich ruhig öfters mal fragen sollte, ob der Kindergarten wirklich so sinnvoll ist fürs eigene Kind.

Da sitze ich dann an meinem Laptop, während Elise den Rainforest Spielebogen erkundet und lese all das. Und denke mir, wie schön, dass es solche Spielebögen und Wippen gibt, denn manchmal bescheren sie mir die ersten ruhigen Minuten des Tages, in dem ich einen Kaffee trinken kann und beide Arme benutzen kann. Wo das Baby offensichtlich glücklich ist für ein paar Minuten umgeben von Spielzeug.

Da denke ich über gesprochene Sätze nach, die auch mal lauten „Wenn du das eine Spiel nicht weg räumst, dann können wir das neue Spiel nicht spielen.“ Da wird mir klar, dass ich meine Kinder wohl doch ein Stückweit erziehe, weil ich glaube, dass es gänzlich in Freiheit und ohne Regeln nicht gehen wird ein ganzes Leben. Weil ich sehr wohl die Schuhe weg räumen könnte, weil sie ja mich stören und nicht das Kind und ich also meinen Ordnungswunsch dem Kind aufzwänge. Aber wir leben hier nunmal alle zusammen, in einer Gemeinschaft in der auch meine Bedürfnisse zählen, nicht nur die des Kindes. Und manchmal versteht ein Kind vielleicht noch nicht das große Ganze und ich frage mich, ob Kinder später von sich aus in der eigenen Wohnung erkennen, dass sie jetzt eben die Schuhe doch allein wegräumen sollten, weil ich es nicht mehr tue. Vielleicht bremse ich ihre Motivation manchmal durch solche Sätze, vielleicht tun sie manchmal Sachen eben nicht, weil sie es ganz allein von sich aus gern tun möchten, sondern weil sie wissen, ich mag es wenn die Schuhe im Hauswirtschaftsraum stehen. Vielleicht erleichtert ihnen das später mal das Leben in der Gesellschaft, wenn andere Menschen, Institutionen, Ämter was von ihnen wollen. Vielleicht sollte ich warten, bis sie eben durch diese Institutionen von allein erzogen werden, ohne dass ich dies tue und vielleicht würde ich dann noch zehntausendmal ihre Schuhe weg räumen und innerlich schnauben vor Wut, wenn ich diese Art des Miteinanders, dieses Unerzogen, praktizieren würde.

Dann schaue ich in unsere Küche und sehe die Schale mit den Süßigkeiten. Denke an die Kuchen die ich backe mit Zucker. Denke an das Essen was meine Kinder auch schon mit ein oder zwei Jahren bekamen und was bestimmt nicht dem entspricht, was ich jetzt oft lese. Weil ich so nicht backe und koche. Weil für mich Zucker in gewissen Maßen okay ist. Weil ich denke, wenn ich kein Verbot oder Geheimnis um Süßes mache, meine Kinder nicht alles bunkern müssen oder in sich hinein stopfen, wenn sie es woanders bekommen, sondern ein Gefühl dafür haben, dass ein Schoki Riegel ausreicht und danach der Apfel zum Nachtisch genauso lecker ist.

Dann erinner ich mich wieder warum ich diesen Blog mal anfing. Weil ich damals schon diese Texte las, über unerzogen, über Geborgenheit, über Zuckerfrei, über Zeug zum Spielen, statt Spielzeug, über die Diskussionen um Kita, Langzeitstillen, Tragen oder Kinderwagen, über das Miteinander, über den Umgang mit meinen Kindern. Und wie nach all den Meinungen und Texten mein Bauchgefühl immer kleiner wurde und leise sagte: Oha, Kind erzogen, Wenn-Dann-Satz benutzt, Schoki Muffin zum ersten Geburtstag gereicht, nicht immer gerecht und auf Augenhöhe mit dem Kind gewesen, das Kind nicht als gleichwertigen Partner angesehen. Und dann wurde das Bauchgefühl lauter, richtete sich wieder auf, schüttelte das schlechte Gewissen ab und sagte: Okay, das ist deren Weg, nicht unserer. Manche Texte mögen Richtungen vorschlagen, Andere klingen vorwurfsvoll, dogmatisch, rechthaberisch. Aber den Schuh muss ich mir nicht anziehen. Denkanstöße ja, eigenes Verhalten reflektieren und wenn es zu uns passt, korrigieren, auch ja. Aber erziehen wo es nötig ist, unter den Spielebogen legen, weil die Schulter sonst noch mehr schmerzt und ich verrückt werde, wenn ich nicht wenigstens mal 10 Minuten beide Arme für mich habe, den warmen Kaffee trinke und dem zufrieden glucksenden Baby zuschaue, Wenn-Dann-Sätze benutzen, dann ist das unser Zusammenleben, was prima funktioniert. Was auch aus unseren Kindern Erwachsene hervorbringen wird, die im Leben zurecht finden werden. So wie die Kinder der anderen Eltern auch.

Und dann wünschte ich mir unter all diesen Texten würde viel öfter stehen, dass es der Bauch und das Herz ganz oft weiß. Dass wir alle gute Eltern sind und nach bestem Gewissen versuchen zu handeln. Dass wir Fehler machen. Dass unser Weg nicht der einzige und schon gar nicht der einzig Richtige ist. Dass wir bei Allem unsere eigenen Bedürfnisse nicht vergessen sollten. Dass das zu viel Energie kostet und uns unglücklich macht. Und wenn es eben die in die Ecke geschmissenen Schuhe sind, die eine persönliche Grenze überschreiten, dann sollte dieses Bedürfnis umgesetzt und eingefordert werden, auch wenn es Erziehung bedeutet. Dass man manchmal vielleicht gar keinen Rat hören will, sondern ein verständnisvolles Nicken. Oder ein aus tiefstem Herzen: „Ja, ich weiß wie du dich fühlst, es ist jetzt grade doof. Mehr gibts da nicht zu sagen.“ Dass Elternsein manchmal einfach schwer ist, ach manchmal der Tag sogar richtig scheiße läuft. Ja scheiße. Dass man zu viel geschimpft hat, dass das Kind irgendwie zu viel Energie frei setzen musste, dass man sich als Versager fühlt, als die schlechteste Mama, der schlechteste Papa. Dass es bei den Anderen doch immer viel besser läuft, das andere Baby sowieso viel entspannter ist und dass der genau andere Weg als der Eigene vielleicht doch viel besser ist. Aber es läuft bei den Anderen nicht immer besser. Und vielleicht stößt man auch mit Nicht-Erziehung an seine Grenzen oder der Plan geht nicht ein Leben lang auf, vielleicht stopft sich das zuckerfreie Kind heimlich auf der nächsten Geburtstagsfeier den Bauch voll mit Schokolade. Und vielleicht sitzt auch die angeblich perfekteste Mama mit der geborgensten Lebensweise mal abends auf dem Sofa und denkt nur: Meine Güte ist das alles schwer.

Dann legt mal diese ganzen Texte beiseite, diese Ratgeber, Tipps und Meinungen. Dann atmet mal tief durch, hört auf euren Bauch, schaut mal welche Richtung euch als Familie glücklich macht und ihr werdet den perfekten Weg für euch finden. Denn nur der ist auf euch zugeschnitten und perfekt. Für eure Kinder. Nicht für die der anderen. Und das muss er auch gar nicht. Wir sind alle Super Mütter, Super Väter, wir machen alle was falsch, wir haben alle keine Bedienungsanleitung oder den Masterplan fürs Leben. Ob nun erzogen oder unerzogen. Mit oder ohne Zucker. Mit Zeug oder Spielzeug.

Wir machen es alle toll. Jede Familie auf ihre Weise. Ohne immer alles deuten zu müssen, für alles eine Richtung, ein Wort oder eine Schublade finden zu müssen.
Und das ist auch gut so!

Author

Seit 2011 bin ich in die Welt der Mütter aufgenommen. Mittlerweile habe ich 3 Töchter. Hier schreibt keine "typische" Mutter, die Haushalt und Familie mit links schmeißt, Modelmaße hat und nebenbei locker eine Karriere wuppt. Ich finde es okay, auch mal zu sagen "Ich bin müde! Der Mann nervt! Wir streiten öfter! Nein, ich backe, bastel und singe nicht 24 Stunden am Tag! Ja, ich mag Fast Food und ein Schnäpschen zwischendurch!" Aber auch die schönen Dinge kommen nicht zu kurz. Süße Sachen die ich im Netz finde, hilfreiche Tipps, anderes Lesenswerte und ganz viel ♥

34 Comments

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  4. Liebe Jette,

    …. ein sehr schöner Text !
    Ich bin schon lange davon abgekommen, mir solche „Weisheiten“, die gefühlt stets Vorwürfe für alle enthalten, die „anders“ leben, zu Gemüte zu führen. Mir fehlt es da grundsätzlich an Respekt und Toleranz – jeder lebt sein eigenes Leben in der ganz persönlichen Lebenssituation und mit individuellen Maßstäben, Regeln und moralischen Grundsätzen. Wem steht denn das Recht zu, sein Lebenskonzept als das einzig wahre und richtige zu propagieren ? Jeder nach seiner Facon.
    Zudem im Web ja alles möglich ist – man sieht doch immer nur Teile, nie das Ganze. Die ganzen ordentlich-sauberen Wohnungen bei Instagram. Oder die hübschen Bilder von glücklichen und strahlenden Kindern, die mit Mama und Papa nach einem langen Spaziergang seit Stunden hingebungsvoll mit den gesammelten Fundstücken aus der Natur basteln. Ein Leben ganz ohne TV. Der leckere Kuchen ohne Weizenmehl und ohne Zucker. Mittlerweile stelle ich so einiges in Frage. Das mag alles sein – aber jeden Tag ? Wirklich ? Ich kann es mir nicht vorstellen. Ein Leben nur in Harmonie ? Für immer ? Wie langweilig. Für mich 😉 Ja – mein Kind ißt durchaus auch zuckerhaltige Lebensmittel, An manchen Tagen sogar zuviel davon. Ja – mein Kind schaut auch gerne mal TV. Ja – mein Kind muss auch mal Langeweile ertragen, wenn ich keine Zeit habe, mit ihm zu spielen, weil ich wichtige Dinge erledigen muss. Ja – wir streiten auch mal, wenn Sohnemann wieder mal alle Klamotten auf dem Boden liegen lässt statt sie in den Wäschekorb zu packen. Ja – ich bin ab und an auch schlecht drauf und habe miese Laune, wenn ich Stress habe. Ich bin nicht perfekt. Das Leben ist nicht perfekt. Es gibt Momente, die sind grandios und super. Und andere, die sind einfach öde, anstrengend und doof. Das Leben ist bunt gemischt – das ist das, was ich meinem Kind mitgeben möchte. Ich. Meinem. Kind. Das ist unser Ding. Muss nicht jeder toll finden. Nur wir 😉 Insofern – jeder soll so leben, wie er glücklich ist. Ob mit Zucker oder ohne, Mit Spiel und ohne Zeug. Jeder darf und soll für SICH entscheiden. Und sollte anderen zugestehen, das ebenso zu tun. Auch wenn man selbst anderes lebt und andere Maßstäbe setzt, heißt es doch noch lange nicht, dass das Leben der anderen falsch oder verwerflich wäre.
    Mir gibt es viel zu viel erhobene Zeigefinger und zuviel Kopfschütteln. Sich anlächlen, auf die Schulterklopfen und auch mal mit dem Kopf zu nicken wäre um einiges freundlicher.
    Liebe Grüße

  5. Hallo zusammen! Unerzogen heißt NICHT, dass Kinder alles dürfen und es keine Grenzen gibt! Das muss Mai ganz klar gesagt werden! Es heißt, dass der Erwachsene nicht seine Macht missbraucht, und das Kind zwingt durch Gewalt oder Strafe oder Schimpfen, dass es die Schuhe wegräumen soll. Es bedeutet, dass die Mutter kommuniziert, dass sie die Schuhe aufgeräumt haben möchte, damit es ordentlich ist und sie sich wertgeschätzt fühlt, indem sie nicht alles alleine aufräumen will. Nur wenn das Kind daraufhin nein sagt, wendet man trotzdem keine Gewalt an. Sondern man überlegt, warum das Kind jetzt gerade nicht kooperieren kann. Das wollen Kinder nämlich eigentlich. Es geht bei unerzogen ganz arg um Bedürfnisse und zwar die von Vater, Mutter! und Kind (und Hund und Katze) und wie man die unter einen Hut bringt. Manchmal ist das Bedürfnis der Mutter größer, loszugehen, weil sie einen Termin hat, dann muss das Kind mitmachen, aber der Weg bis zum Losgehen kann vielleicht ohne Schimpfen funktionieren, vielleicht in dieser einen Situation nicht. Es geht darum Bedürfnisse zu erklären, und beim Kind zu sehen. Den unterschied zwischen Bedürfnissen und Wünschen. Diese zu formulieren und abzuwägen, welches gerade größer ist, das Kind aber dennoch zu sehen. Und man versucht, das alle respektvoll zu machen. Stellt euch einfach man die gleiche Situation mit den Kind einer Freundin vor. Redet ihr mit dem genauso wie mit eurem? Bauchgefühl ja, schön und gut, aber meines sagt mir sehr oft, dass ich wütend bin und schimpfen will. Auf das mag ich dann aber eigentlich nicht hören. Wenn ihr euren Partner anschreit, er soll jetzt endlich die Socken in den Wäschekorb schmeißen, sonst darf er heute abend nicht Fußball schauen, zeugt das doch weder von einer guten Beziehung, noch macht er das dann gern, noch tut er euch einen Gefallen, wenn ihr das nächste Mal etwas möchtet. Es geht um Beziehung und Grenzen, aber eure eigenen und nicht die von „man“. Und die kann man manchmal eben hinterfragen. Und authentisch sein. Und wissen, wann ein Kind etwas können kann! Und was normal ist. Und das Gefühle nichts schlechtes sind, wenn wir den Kindern beibringen damit umzugehen. So.

    • So 😉

      Schön dass du das aufgeschrieben hast. Es gab viele Beiträge die eben aus persönlichen Erfahrungen herrühren die ich las. Die so wie du es beschreibst eben nicht klangen. Die dem Kind alles erlauben und sich selbst sehr weit hinten anstellen. Und das wäre nicht meins.
      Danke für deinen Kommentar dazu.

  6. Eigene Bedürfnisse zu erkennen und die Verntwortung dafür zu übernehmen, gehört eindeutig auch zur „nicht-Erziehung“. Der Text klingt für mich eher danach, dass du erschöpft bist und dir Verständnis wünschst? Gut, wenn du dir das geben kannst oder darum bittest. Dass mit zu strenger Bedürfnosorientierung der Kinder in Verbindung zu bringen, finde ich solchen Konzepten gegenüber unpassend.

    • Oh ich bin keineswegs erschöpft und in den Artikeln die ich las über nicht-Erziehung stand von eigenen Bedürfnissen gar nichts. Dafür aber sehr viel von denen der Kinder. Quasi über allem steht das Kind u seine Bedürfnisse und das sehe ich eben anders.

  7. Oh danke! So etwas liest man viel zu selten im Netz.
    Eigentlich schreiben doch heute gefühlt alle von tollen Erziehungskonzepten, von Achtsamkeit, Breifrei, Windelfrei, Zuckerfrei, von wunderbaren Basteleien mit den Kindern, von entspannten Wochenenden in der Natur, gesundem Essen (das natürlich alle auch essen und nicht lieber zum x-ten Mal Bratwürste oder Nudeln wollen), zeigen dazu Bilder von Wohnzimmern oder Küchen, die so sauber und aufgeräumt sind, dass man sich als „normale“ Mutter an einem schlechten Tag gleich mal wieder in Frage stellt. Manchmal möchte man fragen oder schreien: Wie macht ihr das? Schreit ihr nie? Woher wissen Eure Kinder, dass man aufräumen muss oder andere Menschen auch Grenzen haben, die man achten sollte? Wie passen diese Kinder ohne Grenzen in die Gesellschaft – die es nunmal gibt, mit allen Regeln des Zusammenlebens?
    Ja ich habe meine Tochter heute morgen schon angemotzt – aber sie mich auch 😉 und ich bin mir sicher, wir lieben uns trotzdem und klären manches eben etwas lauter.
    Ja, ich bin oft sauer auf meinen Mann, der mir eben nicht so viel abnimmt, wie ich es immer hoffe, aber ich mag ihn trotzdem 😉
    Ich heule auch mal vor Wut oder Schlafmangel und meine Kinder kennen das und bekommen davon bestimmt keinen Schaden fürs Leben.
    Die 4-jährige durfte gestern tatsächlich mal 20 Minuten Fernsehen schauen (ohne mich, weil der Babybruder stillen und einschafen wollte und das bitte in Mamas Bett).
    Und von den Wäschebergen und Staubwolken rede ich gar nicht…
    Aber ich will mir kein schlechtes Gewissen mehr machen müssen. Ich mache alles, was mir möglich ist, nach besten Wissen und Gewissen und gehe dabei selbst oft ein wenig unter. Aber ich glaube, dass ich eine gute Mama bin – irgendwo las ich mal einen Artikel mit dem Gedanken, dass es reicht, „gut genug“ zu sein, nicht perfekt, aber eben gut und dafür echt.

    Also auf das Echte! Auf die Mamas und natürlich die Kinder!

    Danke für den tollen artikel
    die 2x Mama

    • Der Artikels mit dem gut genug ist bestimmt von Anna, Berlinmittemom.
      Danke für deinen Kommentar. Ich glaube bei 90% der Leute stapelt sich Wäsche, wird es mal lauter u gibt es nicht nur gesundes. Nur auf Instagram, Blogs etc, wird nur ein kleiner Ausschnitt gezeigt der eben was anderes suggeriert.

  8. „Jeder machts auf seine Weise, der eine laut, der andere leise. Und das ist auch gut so!!“
    -großartig! 🙂 schön geschrieben!

  9. Danke Jette für diesen wunderbaren Text! Ich hab mich im letzten Jahr mit der „unerzogen“-Thematik beschäftigt und mich in den entsprechenden Foren herumgetrieben. Anfangs war ich fasziniert. Der Dogmatismus, die Abwertung (anderer und die Selbstkritik) störten mich zunehmend und die Frage: wie kann ein Kind, das nie Schuhe wegräumen musste irgendwann in einer Gruppe klarkommen: Kindergarten, Schule, Freundeskreis, Arbeitswelt. Mittlerweile denke ich sogar, dass es eine Gefahr birgt, wenn Mütter nie ihre eigenen Grenzen und Gefühle aufzeigen, immer weniger authentisch sind und immer mehr perfekt sein wollen. Kann so ein Kind Frustrationstoleranz entwickeln, kann es die Gefühle anderer erkennen und akzeptieren, kann es Empathie entwickeln? Ich bn mir nicht sicher. Außerdem: welch hohen Druck hätte ein Kind, das perfekte – sich immer im Griff habende – Eltern hätte. Es müsste mindestens genauso perfekt sein müssen.
    DANKE dir!
    Grüße Steffi

  10. Hallo liebe Jette,
    danke für diesen schönen Text. Es entspannt ungemein, wenn man liest, das es anderen Müttern auch so geht, wie einem selbst ;-). Gerade mit einem „besonderen“ Großen Kind und demnächst noch einem Zwerg dazu gibt es für uns nur „den eigenen Weg“. Wir passen in keine Schublade.
    Viele liebe Grüße
    Lena

  11. Danke, daß ich da nicht so alleine dastehe. Habe mir gerade wieder am Wochenende viel durchgelesen und 3 Tage lang innere Diskussionen geführt, Vorwürfe gemacht, alles infrage gestellt.
    Und mir Montag dann selber den Vogel gezeigt. Da verließen alle gut gelaunt und fröhlich das Haus, unbeschwert und gut vorbereitet für den Tag. Mir an meinem freien Tag eine Wohnung hinterlassend, die unglaublich deutliche Spuren eines gelebten Familien-Wochenendes zeigten. Ich hab mich erstmal auf meine Couch gekuschelt, gegrinst und das für gut befunden.
    Und sollte mal wieder ein blöder Troll in meinem Kopf sitzen, hole ich deinen Blog hervor 😉

  12. Tausend Dank für diesen Text, der mir SO sehr aus der Seele spricht! Bauch und Herz dürfen es sein… es muss keinen Begriff, keine nieder geschriebenen goldenen Regeln, Dogmen, Kathegorien geben. Das macht doch irgendwie unfrei, weniger empathisch und intuitiv.
    Und ist es nicht das, was Kinder am aller besten erreicht… alles das, was aus dem Herz und dem Gefühl heraus entsteht…?
    Mein Bauchgefühl war gerade so klein, meine Unsicherheit so groß.
    Dein Text zeigt mir, dass ich doch nicht so allein bin mit meiner Vorstellung von der „guten Mischung“ aus allem, was meiner kleinsten Einheit von Lieblingsmenschen und mir einfach gut tut. Danke nochmal! ❤️

  13. johanna_brln Reply

    Viele machen es super und einige weniger. Das eigentliche Problem ist doch, dass diejenigen, die es eh schon ziemlich gut, gut genug machen, diese Texte lesen, nicht die Eltern, die solche Texte eigentlich lesen sollten und die es dann auch trotzdem nicht so recht verstehen würden. das berühmte Bauchgefühl kann auch falsch sein; die meisten hier (ich voran) sind nicht Kleinkindpädagogen oder -psychologen. Elternsein macht einen nicht automatisch zu guten Eltern. Nachdenken ist erlaubt!
    Grundsätzlich hast aber natürlich recht: Reflektieren, was gut läuft und was besser laufen könnte, mitnehmen, was für die eigene Familie passt. Nicht verunsichern lassen. Lächeln und das Baby knutschen.

  14. So wahr – genau deswegen lese ich deinen Blog so gerne. Einfach mal entspannt sein und sich selber auf die Schulter klopfen, denn Kinder sind dann glücklich, wenn die Eltern glücklich sind. Daher auf das eigene Bauchgefühl hören und nicht nur darauf hören, was für andere gut klappt 🙂
    http://www.wasichnocherzaehlenwollte.de

  15. Danke danke danke. Es ist so krass viel geworden, was man alles zu „beachten“ hat, damit man am Ende vielleicht keinen Narzissten in die Welt entlässt, dass man als Eltern schon dermaßen unter Druck steht bzw. ihn sich selber (leider) macht. Da regiert dann nur noch der Kopf und das Zusammenleben wird irgendwie „künstlich“. Ich habe nach nun 3 Jahren das Gefühl, mein Kind will mich „echt und roh“ also authentisch. Alles andere führt in die Sackgasse bei uns.
    Ein wunderbarer Text mit ganz viel Authetizität ! ?

  16. Stephanie Schulz Reply

    Danke für diesen Text! Er hat mir wieder auf meinen Weg gebracht!

  17. Wow, danke für diesen wunderschönen Text! Wirklich. Du sprichst mir aus tiefster Seele! Das alles erkenne ich erst wirklich seit das zweite Kind da ist. ♡

  18. Hallo Jette, ein toller, wahrer Text und ein Hoch auf das Bauchgefühl! Als meine Jungs noch Babys waren lief es mit dem Bauchgefühl bei mir ganz gut, aber je Größer die Kinder wurden und das ganze Gequatsche von außen kam, desto kleiner wurde es. Ich arbeite wieder ganz stark daran, mehr auf meinen Bauch zu hören. 🙂 Liebe Grüße, Viola

  19. Ich kann nur ganz laut DANKE sagen! Du schreibst mit aus dem Herzen und ich glaube, diesen Text krame ich mir ab sofort immer in Erinnerung, wenn die Nerven blank liegen und die zwei Fräuleins hier ihre und meine Grenzen ausloten <3

  20. Danke Jette für diesen Text! Sollte ich mir ausdrucken und hinhängen und lesen, wann immer das Bauchgefühl mal wieder ganz klein wird! Große Textliebe!

  21. Yeah ! Dieser Text rockt. Einige Deiner Bloggerkollegen/-kolleginnen dürfen sich diesen tollen Artikel gerne mal zu Herzen nehmen. Ist nicht immer alles Bullerbü …

  22. Liebe Jette – Super Mom 😉
    Über „wib“ bin ich auf Deinen Blog gestoßen. Und jetzt muss ich gestehen, bist du seit dem unter meiner Favoritenliste gespeichert!
    Ich mag deinen Blog! Dein „geschwurbel“ und dein „immer mal wieder den Fokus geraderücken“. Hatte ich doch immer das Gefühl ich koche zu normal, ich muss alle bösen Kekse wegschmeißen und dafür korrektes Spielzeug basteln für meine Ella. Und dann….hole ich Luft, atme ein und aus und denke mir…locker bleiben, von allem etwas, ist die richtige Mischung. Dann kam dein Text heute um die Ecke und ich fühlte mich bestätigt!
    Danke! Mach bitte weiter so und dir und deiner (auf die Entfernung betrachtet ;-)) wundervollen Familie alles Gute!
    Anne

  23. Jette♡♡♡, dieser Text ist wunderbar! Dankeschön! Ich liebe dein Blog! Ehrlich,authentisch und herzlich!

  24. Ich danke dir für deine Worte ❤️ Genau so fühle und denke ich auch. Ich lese deinen Blog schon sehr lange, wegen genau solcher schönen Artikel von dir.

  25. Ich lese dich so gerne! Dieser Text ist wunderbar, du hast vollkommen recht. Gerade heute dachte ich noch, dass ich so oft vom erhobenen Zeigefinger lese…

  26. Sehr schöner Text! Als „Erst-Schwangere“ steht mir noch bevor, unseren Weg zu finden. Einige Ansätze in unterschiedlichen Blogs haben mich aber auch schon zum Nachdenken gebracht, ob meine Vorstellungen richtig sind, wer Kindern in der völligen Freiheit erklärt, dass es nicht so sinnig ist, bei rot über die Ampel zu laufen…. Gewisse Strukturen und Regeln halte ich für nötig, denn sie werden jedem auch im späteren Leben begegnen. Und das heißt nicht, dass man auch nur mit Steinchen und Stöckchen glücklich sein kann, dass man sich ungesund ernähren soll oder Geborgenheit verweigert. Ich glaube (zum jetzigen, unerfahrenen Zeitpunkt ?), dass es ein Mix aus verschiedenen Ansätzen ist. Und zwar der ganz eigene Mix – von einer Idee etwas mehr, von der anderen etwas weniger. Wie Du schreibst – der eigene Weg ist der richtige. Du hast mir aus dem Herzen geschrieben.

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