Knapp 4,5 Wochen sind seit der Geburt vergangen und ich befinde mich immer noch im Wochenbett. Das ist wörtlich genommen nicht mehr umsetzbar, aber ich bin nach wie vor im Schonmodus. Ich glaube, dauerhaft im Bett liegen hätte ich nicht geschafft, aber muss ich ja auch nicht.

Die erste Zeit war vor allem von Rückbildungswehen und Begleiterscheinungen des Stillens geprägt. Ich lag viel auf dem Sofa und der Mann umsorgte mich prima. Ebenso meine tolle Hebamme, die uns regelmäßig besucht und sich meine Sorgen oder Probleme anhört. Ich finde es ganz wichtig, dass Frau in der Zeit auch mal lernt abzugeben. Um den Haushalt kümmert sich die Familie oder eben einfach mal gar keiner. Essen bringt der Lieferservice (schaut mal was ich dank eines Überraschungspaketes entdeckt hab: Gesund und Mutter) oder Mann, Freundin, Eltern kochen. Vielen Frauen fällt gerade das Loslassen und Aufgaben abgeben schwer, dabei geht es in dieser ersten Zeit nur um sie, ihre Regeneration und ums Kennenlernen des neuen Familienmitgliedes.

Ich habe schon immer den Mann viel mit eingespannt. Wir waren in der glücklichen Situation, dass er die erste Zeit zu Hause sein konnte. Warum nicht ausnutzen? Und ich meine nicht nur Geschwisterkinder Bespaßung, Putzen und Kochen. Auch der Mann kann das Baby in der Trage spazieren, kann es im Fliegergriff beruhigen oder sogar füttern. Ich finde diese ersten Wochen sollte man dem Mann nicht vorenthalten. Bindung aufbauen ist nicht nur für die Frau wichtig, ebenso für den Papa. Ich schlief ca 2 Wochen nach der Geburt eine Nacht im Gästezimmer. Weil ich weiß, das Baby ist gut umsorgt beim Mann und weil ich einfach mal 7 Stunden am Stück schlafen wollte. Sicher kann eine Flasche nicht das Stillen ersetzen, aber da wir fast ein Flaschenkind hatten (Abgestillt nach 2 Monaten), kann ich sagen, Liebe, Nähe und Vertrauen kann man auch aufbauen wenn der Mann oder die Frau eine Flasche geben. Wie ich ja bereits schrieb, schliefen alle Babys neben dem Mann, einfach weil ich von jedem noch so leisen Geräusch wach werde. Manchmal wache ich auf und der Mann hat sich das unruhige Baby geschnappt, schläft kuschelnd auf der Brust weiter und wir bekommen alle Schlaf und Erholung.

Ich will aus meinen drei Wochenbettzeiten daher gern an werdende Wöchnerinnen weiter geben, dass ihr nicht egoistisch handelt oder ein schlechtes Gewissen haben müsst, wenn ihr einfach liegen bleibt. Wenn ihr im Bett frühstückt und dabei euer Baby vollkrümelt. Wenn ihr nach zwei Wochen das dringende Bedürfnis habt zum Friseur zu wollen um euch wieder wohl zu fühlen. Wenn ihr mal ein wenig schlafen wollt. Der Mann ist nicht nur da um drumherum zu funktionieren, er kann ebenso viel Geborgenheit und Liebe geben und das sollte man ihm weder verwehren, noch es vergessen. Und wenn er auf Grund beruflicher Verpflichtungen nicht für euch da sein kann, so hoffe ich, habt ihr eine gute Freundin oder jemanden in der Familie, der euch unterstützt, euch umsorgt und sich auch ums Baby kümmern kann.

Die Wochenbettzeit ist aufregend, eine hormonelle Achterbahnfahrt, sie ist geprägt von Liebe, Müdigkeit, Unsicherheit, viel Schoki, gutem Essen und vielen Kuscheleinheiten. Genießt die Zeit so gut es geht, erholt euch, schaut verliebt dem Mann zu wie er das Baby bei Laune hält und bleibt einfach mal auf dem Sofa sitzen. Die Zeit ist einmalig, kommt nie wieder und ist sowohl für euch Eltern, als auch für euer Baby eine Prägende und Wichtige.

Mehr zum Thema Wochenbett lest ihr auch im neuen Buch von Anja Gaca & Loretta Stern. Die Beiden haben mir ihr neues Werk pünktlich zur Geburt geschenkt und ich finde es auch beim 3. Kind noch sehr hilfreich. Es gibt Rubriken nur für den Mann, Tipps zum Stillen, Rezepte, etc. Und was ich wunderbar finde, überhaupt nicht wertend. Sowohl fürs Stillen als auch für Flaschen findet ihr Hinweise, ob ihr tragt oder den Kinderwagen benutzt, vorurteilsfrei gehen Beide an alle Theman ran. Und das Wort Schoki kommt auch recht häufig vor. Mag ich sehr.

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Seit 2011 bin ich in die Welt der Mütter aufgenommen. Mittlerweile habe ich 3 Töchter. Hier schreibt keine "typische" Mutter, die Haushalt und Familie mit links schmeißt, Modelmaße hat und nebenbei locker eine Karriere wuppt. Ich finde es okay, auch mal zu sagen "Ich bin müde! Der Mann nervt! Wir streiten öfter! Nein, ich backe, bastel und singe nicht 24 Stunden am Tag! Ja, ich mag Fast Food und ein Schnäpschen zwischendurch!" Aber auch die schönen Dinge kommen nicht zu kurz. Süße Sachen die ich im Netz finde, hilfreiche Tipps, anderes Lesenswerte und ganz viel ♥

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