Donnerstag Nacht kann ich nicht schlafen. Im Liegen spannt der Bauch und das Baby ist unglaublich unruhig. Ich laufe hin und her, dann ist es auszuhalten. Alles drückt nach unten. Ich habe keine Schmerzen, bin nur sehr genervt und frage mich, ob es  nun los geht. Dann müsste ich nämlich meine Mama aus dem Bett klingeln, die fast eine Stunde zu uns braucht. Wenn das dann ein Fehlalarm wäre… Ich versuche wieder mich hinzulegen und zu schlafen, was nicht gelingt. Okay Baby, gib mir ein Zeichen. Es ist nachts kurz vor drei, ich bin müde und sehr genervt. Entweder hier gehts JETZT los oder es ist sofort Ruhe! Sie entschied sich für Ruhe. Also lege ich mich hin und schlafe ein.

Freitag 11 Uhr. Wir haben einen Kontrolltermin im Krankenhaus. ET+3. Zum Glück höre ich dieses Mal im Kreißsaal keine Frauen, es ist sehr ruhig. Das entspannt mich etwas. Allerdings sind alle Zimmer belegt, man schickt uns in die Kreißsaal Ambulanz zum CTG und Arztgespräch. Umso besser. Nach einem Ultraschall wissen wir, dass alles in Ordnung ist, CTG ist auch unauffällig. Keinerlei Wehen. Etwas müde das Kind. Na kein Wunder nach der Nacht. Der Arzt scherzt noch, dass er am Wochenende nichts vor hat und hier ist, wir aber auch noch genug Zeit haben bevor man über weitere Maßnahmen nachdenkt. Gutgelaunt verabschieden wir uns nach Hause.

Ich telefoniere mit meiner Mama. Am Wochenende wäre es echt blöd wenn es los geht, weil sie so lange zu uns braucht. Meine Mama antwortet etwas genervt, dass ich dann eben mal kurz allein im Kreißsaal bleiben müsse, bis sie da ist und der Mann so lange die Kinder betreut. So schnell würde so eine Geburt ja nun auch nicht gehen und was bliebe uns auch anderes übrig. Noch sei sie ja eine Weile auf Arbeit und könnte die Kinder abholen. Hmm auch nicht sonderlich befriedigend. Es ist 14 Uhr, das Baby kommt heut eh nicht mehr, ich bin etwas miesmuschelig drauf.

Ich lege mich aufs Sofa. Es knackt komisch im Bauch, nichts passiert, ich schlafe ein. 15:15 Uhr, ich stehe auf und stelle fest, toll nun auch noch inkontinent. Die Laune wird nicht besser. Ich gehe Richtung Toilette und grübel, ob das vielleicht ein Blasensprung sein könnte. So fing keine der Geburten an und ich habe daher keine Ahnung. Aber vielleicht doch nicht inkontinent? Jede Geburt ist ja anders. Ich rufe Mama an, nicht dass sie noch nach Hause fährt. Von Arbeit ist sie schnell in der Kita und ich bitte sie die Kinder abzuholen. Der Mann ist im Shopping Center, ich rufe an und oh wunder, er geht direkt ans Telefon. Passiert sonst nie. 10 Minuten später ist er da und mit ihm die erste Wehe. Nicht sonderlich schmerzhaft, aber schon eklig. Wir schnappen uns Tasche und Babyschale. Eine Wehe auf dem Weg zum Auto, eine davor. Okay einsteigen und los. 3 Minuten später sind wir am Krankenhaus, sogar einen Parkplatz in der Nähe haben wir gefunden. Es gibt zwar Storchenparkplätze, aber da muss der Mann das Auto gleich wieder weg fahren, also lieber 10 Meter laufen.

Ich reiße mich zusammen und versuche so normal wie möglich zu laufen. Muss ja keiner sehen, dass da wieder eine Wehe kommt. Vorm Fahrstuhl stehen bleiben kann ich nicht, wir laufen die eine Etage zum Kreißsaal. „Hallo, mein Name ist Henriette, ich glaub die Fruchtblase ist geplatzt, ich habe Wehen und will JETZT Schmerzmittel!“ Die Blicke sind eher so: „Oje wasn das für Eine?! Jetzt schon Schmerzmittel, is klar.“

15:47 Uhr betreten wir den Kreißsaal. Die Hebamme bittet mich, mich mal kurz aufs Bett zu legen für die Untersuchung. Das geht nicht. Liegen geht auf gar keinen Fall, nicht mal kurz. Sie versucht, das CTG an meinen Bauch zu schnallen und läuft neben mir her. Ich fange an zu weinen, dass ich diese Schmerzen auf gar keinen Fall 10 Stunden aushalten kann und ich doch bitte Schmerzmittel haben will. Der Mann nimmt mich in den Arm und meint, dass es so lang bestimmt nicht dauern wird. Als hätte er´ne Ahnung. Eine zweite Hebamme kommt hinzu und bittet mich erneut, mich kurz irgendwie aufs Bett zu setzen für eine Untersuchung. Ich werde sehr patzig, dass ich das auf gar keinen Fall will und man mich doch auch im Stehen untersuchen könne. Außerdem sei mir der Muttermund egal, ich will doch nur Schmerzmittel! Sie geht einfach wieder. Äh ja, dann halt nicht. (Später erklärt mir der Mann, dass sie nicht beleidigt abzog, sondern die Ärztin dazu holte, weil sie wohl schon dachte, dass es nicht mehr lang dauert.)

In einer kurzen Pause laufe ich zum Bett und gebe der Hebamme 10 Sekunden mich zu untersuchen, jetzt sei es grad aushaltbar zu stehen. Ich stehe vor dem Bett, beuge mich vorn über und ich hab keine Ahnung wie sie es noch schaffen mir die Hose auszuziehen. Die zweite Hebamme und eine Ärztin stehen hinter mir, der Mann sitzt sprachlos und mit offenem Mund am Rand. Die blöde Untersuchung ist mir jetzt auch herzlich egal, das Baby kommt. Jetzt. Im Stehen.

Neugeborenes_Willkommen_www.mesupermom.de

Punkt 16 Uhr gibt mir die Hebamme mein Baby in die Hände. Ich stehe über dem Bett und zitter. Der Mann hat Tränen in den Augen und ist total sprachlos. „13 Minuten Jette. 13!! Ist das irre!“ Ich lege mich aufs Bett und wir sind alle überwältigt von dieser Blitzgeburt. Hallo Elise. Sie guckt mich an und meckert rum. Rosig ist sie und diese vielen Haare! Die Nabelschnur pulsiert aus und ich schneide sie anschließend durch. Lange liegt sie nackt auf mir, bevor der Mann protestiert und sie endlich auch mal halten will. Ich werde versorgt, während der Mann und die Hebamme die U1 machen. Danach kuschelt er mit ihr eine Runde und ich muss mich erstmal sortieren.

Stolzer_Papa_www.mesupermom.de

Die Hebamme lobt mich dafür, dass ich so deutlich gesagt hab was ich will und ganz sicher niemand genervt war von mir (Ich fragte ca. 100 Mal nach), sondern Alle natürlich nur das Beste für mich und das Baby wollen, aber ich das eben genau gespürt habe was richtig sei und sie mich deswegen auch haben machen lassen. Wofür ich ihr auch sehr dankbar bin. Auf dem Bett liegen, egal wie, war einfach keine Option. Und wer hätte ahnen können, dass es dieses Kind so wahnsinnig eilig hatte.

Wir waren jedenfalls das Flurgespräch anschließend, wie der Mann mitbekommt und die Ärztin bestätigt, dass bei über 3000 Geburten im Jahr selten eine dabei ist, die SO schnell geht. Das hat man allen Beteiligten angemerkt, denn der normale Plan: CTG schreiben, untersuchen, über Schmerzmittel nachdenken, klappte einfach mal gar nicht und es fiel ihnen schon einen kurzen Moment schwer, sich darauf einzustellen. Manchmal frage ich mich, warum die Ärzte und Hebammen den Frauen nicht ein klein wenig mehr vertrauen. Auch der Mann betonte mehrmals deutlich, dass es immer sehr schnell gegangen sei bei mir und man mir doch einfach mal glauben solle. Ich verstehe, dass sie wissen wollen, ob es dem Baby gut geht, aber ich fühlte mich anfangs etwas „belächelt“, auch wenn der Mann meinte, dass sie sich sehr schnell auf mich einstellten und wirklich toll waren. Ich bekam ja auch eh nur die Hälfte mit und fühlte mich trotzdem jederzeit sicher und gut aufgehoben im Krankenhaus. Auch die Nachsorge und U1 waren toll und wir wurden noch mehr bestärkt, nach Hause gehen zu können, weil wirklich alles top sei.

Der Mann holt Cola und TukTuk, Elise findet stillen mäßig interessant, also liegen wir einfach nur da und schauen uns an. Später gehe ich mit Hilfe der Hebamme duschen, ich bekomme noch Abendbrot, bevor wir gegen 20 Uhr gehen dürfen. Ich warte vor dem Krankenhaus, fühle mich wie eine Superheldin und denke die ganze Zeit nur, was das für eine Wahnsinns Geburt war. Zu Hause sitzt meine Mama, die dachte der Mann veräppele sie, als er kurz nach 16 Uhr anrief und meinte, das Baby sei da. So viel zu, dauert länger als eine Stunde, hihi. Die Mädels stürzen sich aufs Baby, herzen und küssen sie und gehen sehr spät schlafen.

Ich lege mich erschöpft ins Bett, Elise zwischen uns und wir versuchen alle zu schlafen. Was für ein Tag. Ab jetzt sind wir zu Fünft.