„Ach, zum dritten Mal schwanger? Joa, hmmm, na herzlichen Glückwunsch.“

„Ist der Super Dad nicht zu alt um noch mal Vater zu werden?“

„Wie wollt ihr das schaffen, mit nur einem Vollzeitgehalt? Was, wenn das wegbricht?“

„Ihr seid doch schon mit zwei Kindern überfordert und streitet euch, wer welche Aufgabe übernehmen soll, wie wollt ihr das mit einem dritten Kind schaffen?“

„Kinder haben Ansprüche und kosten mehr, je älter sie werden! Könnt ihr euch das überhaupt leisten?“

„Ihr habt doch zwei gesunde Kinder, müsst ihr das Glück jetzt so herausfordern?“

So oder so ähnlich sind Reaktionen mit denen nicht nur wir, sondern viele die mehr als ein Kind haben, konfrontiert werden. Hast du ein Kind, kommt schnell die Frage nach dem Zweiten, man will schließlich keinen Egoisten heran ziehen. Hat man zwei und ist wieder schwanger, ist die Freude eher verhalten, Sorgen werden dafür laut ausgesprochen, muss man dann eben aushalten. Bei Schwangerschaft Nummer 4 fragen sich dann vermutlich viele insgeheim, ob die keine Ahnung von Verhütung haben und dass man so eine Großfamilie bestimmt nicht zum nächsten Fest einläd, ist ja die Bude voll.

Mal abgesehen davon, dass Familienplanung niemanden etwas angeht, sind manche Fragen oder Unterstellungen einfach übergriffig, wenn nicht sogar verletztend. Ein paar Antworten habe ich dennoch parat:

Vielleicht ist eine dritte Schwangerschaft nicht mehr so aufregend wie die erste, wenn man die Nachricht verkündet. Vielleicht wünscht man sich selbst Nachwuchs, kann es nicht recht „gönnen“ oder versteht nicht, warum noch ein drittes Kind „her muss“. Vielleicht ist dieses Desinteresse aber auch ein bisschen verletztend, denn auch diese Schwangerschaft ist nicht minder aufregend und auch dieses Baby wird einzigartig sein.

Vielleicht fragen die Schulkameraden Kind 3 später, ob der Opa zum Abiball mitgekommen ist. Vielleicht war für Babys keine Zeit in den 30ern beim Super Dad. Vielleicht werde ich in ein paar Jahren nicht mehr sein und der Super Dad wird 90 und ist mit drei Kindern allein.

Vielleicht verliert der Super Dad noch mal seinen Job. Vielleicht ging es uns finanziell aber noch nie besser als jetzt. Vielleicht haben wir gar nicht die riesen Ansprüche, drei Mal im Jahr in den Luxusurlaub zu fahren. Vielleicht würde ich mir schon gern das ein oder andere einfach so kaufen können, aber davon hängt mein persönliches Glück nicht ab. Vielleicht haben wir schon alles und noch viel mehr und sollten einfach dankbar sein.

Vielleicht streiten wir uns manchmal wer an dem Tag mehr gemacht hat für die Familie. Vielleicht sind wir nicht immer dankbar, was der Partner leistet und sind abends einfach müde. Vielleicht war das auch schon mit einem Kind so. Aber ganz gewiss sind wir nicht überfordert, sondern lieben uns und unsere Kinder. Ganz gewiss sind wir nicht perfekt und mal gereizt. Vielleicht sind wir aber einfach auch nur angespannt, wenn wir uns von Familie, Freunden oder sogar Fremden beobachtet fühlen und achten nochmal mehr darauf, dass die Kinder sich benehmen.

Vielleicht schaffen wir es unsere Kinder so zu erziehen, dass Marken nur eine kleine Rolle später spielen. Vielleicht haben wir Glück mit der Auswahl ihrer Freunde. Vielleicht wird es für solche Wünsche eine Lösung geben, ohne dass wir alle am Hungertuch nagen oder unsere Kinder sich für uns schämen. Vielleicht geht es uns noch besser in ein paar Jahren. Vielleicht auch nicht.

Vielleicht sollte man nicht so negativ denken und einfach davon ausgehen, dass auch ein drittes Kind gesund ist. Vielleicht war ja schon bei Nummer 2 nicht alles ok und vielleicht hat das nicht jeder so mitbekommen. Vielleicht war das eine nervenaufreibende Zeit und vielleicht wird bei Nummer 3 endlich alles gut. Ohne Krankenhaus, ohne Sturz von der Wickelkommode, sondern mit einem schönen Wochenbett, mit einer entspannten Kennenlernzeit. Vielleicht wäre es dann das erste Mal, dass es ein „perfektes“ erstes Babyjahr wird.

Vielleicht treffen all diese Sorgen zu und wenn unser Umfeld uns nicht lieben würde, würden sie sich keine Sorgen machen. Dann wären wir ihnen egal. Ich kann nicht in die Zukunft schauen und ich weiß nicht, ob wir in 10 Jahren noch zusammen sind und gesund und munter unseren Kindern beim Wachsen zusehen dürfen. Ich kann niemandem diese Sorgen nehmen, die im Übrigen auch uns beschäftigen. Ich kann mir auch nicht mehr Begeisterung und Interesse her zaubern, wenn es eben für andere nicht mehr spannend und aufregend ist. Dann kann ich nur meine Erwartungen etwas zurück schrauben und für mich und mit mir zufrieden sein.

Vielleicht ist ein drittes Kind verrückt, finanziell ein Wagnis, eine Belastungsprobe, untypisch für mich und in Deutschland. Vielleicht geht aber auch alles gut, wir halten ein gesundes Baby im Arm, gehen unseren beruflichen und familiären Weg. Vielleicht war noch Platz in unserem Herz und in unserem Haus und vielleicht sollte man einfach darauf vertrauen, dass es gut wird, dass es ok ist und sich ein bisschen mit uns freuen.

Solche „Sorgen“ sprechen sich schnell aus und sind nicht einfach wegzuwischen. Und auch das vermeidliche Desinteresse mag gar nicht so gemeint sein. Vielleicht wäre es aber für viele Familien, die mit dem 3. oder 4. Kind schwanger sind, na selbst beim 2. muss man sich ja schon auf Sprüche gefasst machen, schön, wenn man mit ein bisschen mehr Vertrauen an die „Sache“ ran gehen könnte, mit ein bisschen mehr Unterstützung, mit ein bisschen weniger Sorgen. Und da spreche ich nicht für mein Umfeld im Speziellen, ich hörte schon oft, dass das Interesse nachlässt je mehr Kinder eine Familie bekommt, dass die ausgesprochenen Sorgen und Vorwürfe aber immer lauter werden. Egal wie unschön die Welt sich manchmal zeigt, sich darauf einzulassen, dass es schlimm wird und Entscheidungen nicht zu treffen, weil sie eventuell ökonomisch sinnvoller sind, weil sie vielleicht die Familie beruhigen, bringt mir auch nichts wenn ich mit 90 im Schaukelstuhl sitze und an die vielen Vielleichts und an die verpassten Momente denke. Vielleicht tut uns allen ein bisschen mehr Vertrauen ganz gut.