Ich habe ein paar schöne Erinnerungen an das Hotel Esplanade in Bad Saarow. Meine Mama, ich und Baby Marlene waren ein paar Mal da. Genossen sehr leckeres Frühstück, plantschten im Pool, saßen an der Hotelbar und ließen uns beim Wellness verwöhnen. Ein bisschen Luxus, ganz viel Erholung, Zeit mit meiner Mama und schöne Stunden. Das war einmal. Denn das Management denkt voraus.

Ab dem 1. November sind alle Gäste willkommen, die älter als 16 Jahre sind. „Ruhe spielt eine große Rolle bei den
Bedürfnissen unserer Gäste. Auch Eltern oder Großeltern brauchen ab und zu Zeit
für sich. So kann zum Beispiel einem turbulenten Familienurlaub oder einem
stressigen Alltag ein ruhiges und entspanntes Wochenende zu zweit bei uns im
Hause folgen, in denen die Eltern oder Großeltern ihre Akkus wieder aufladen
können“, so Tom Cudok, Direktor des Hauses. 

„Es gibt zahlreiche Anlässe für einen Urlaub ohne Kinder.
Urlaub unter Freunden, Flitterwochen für Brautpaare, Regeneration für
gestresste Workaholics, wiedergewonnene Zeit für Paare mit erwachsenen Kindern,
Freundinnen-SPA oder Männer-Aktivtage – sie alle sind auf der Suche nach einer
Auszeit vom Alltag und ein wenig Zeit für sich.“
heißt es weiter in der Pressemitteilung

Ich könnte mich jetzt wundern, warum Kinder als so störend gesehen werden, dass man sie lieber draußen lässt. Das Hotel bemerkt übrigens in einem Brief an ehemalige Gäste, dass man natürlich nichts gegen Kinder hätte. Ich vermute, in einem Superior Hotel wird es ohnehin nicht soo viele Gäste mit kleinen Kindern geben. Auch könnte ich aufzählen, wie andere 4Sterne + Hotels Kinder willkommen heißen, so dass sich Alle wohl fühlen und sich keiner belästigt fühlt. Wahrscheinlich wurden bei der repräsentativen Umfrage vor allem ältere Herrschaften und „Workaholics“ befragt. Diese Gruppe fühlt sich, nach eigener leidlicher Erfahrung, in jedem Hotel belästigt von Kindern.

Ich könnte jetzt verständnisvoll anmerken, dass man viel Geld ausgiebt um in diesem Hotel Urlaub zu machen und dass es einige Eltern gibt, die ihre Kinder quasi unbeaufsichtigt das Frühstücksbuffet auseinander nehmen lassen. Die beim teuren Dinner mit dem Göttergatten lärmen, weinen und sich daneben benehmen, während die Eltern einfach nur stoisch da sitzen und Wein trinken. Ich könnte anmerken, dass Kommunikation in diesem Fall hilft. Dass ein Kellner durchaus auf die unangenehme Situation hinweisen könnte. Die es ja immer mal wieder gibt. Das will ich nicht abstreiten.

Ich könnte wirtschaftlich denken und argumentieren, dass das Hotel den bestmöglichen Umsatz machen will und die zahlenden Gäste nicht verschrecken will. Ich könnte mich am Scharmützelsee umschauen und finde andere Hotels, die gern Familien als Gäste willkommen heißen, ohne ein ausgewiesenes Familienhotel zu sein. Sondern einfach ein Hotel, welches jeden Gast beherbergt. 

Ich könnte enttäuscht sein, darüber, dass es typisch deutsch ist. Dass es mich nicht wundert, warum wir das geburtenschwächste Land sind. Ich könnte mich fragen, warum wir unsere Bevölkerung in Gruppen aufteilen und getrennt voneinander unterbringen. Statt miteinander zu leben, uns zu erholen. Ich könnte mich fragen, warum Kinder nicht willkommen sind in einem schönen Hotel, wie man eine Kinder- und familienunfreundliche Entscheidung treffen kann, obwohl man ja nichts gegen Kinder hat. Eigentlich.

Aber was bringt es? Stattdessen beglückwünsche ich das Hotel Esplanade zu seiner Entscheidung. Denn seien wir mal ehrlich: Geld in Kitas, Schulen, Familienhotels, Reiterhöfe, Familienferien zu stecken ist Geldverschwendung. Deutschland wird immer älter. Unsere Bevölkerung schrumpft. Die Jungen bleiben aus, die Alten werden älter, haben Geld. Also ist es doch nur schlau sich um die Bevölkerungsschicht zu kümmern mit großer Kaufkraft und die sowieso zahlenmäßig überlegen ist. Wen interessieren da die paar Familien? Die finden auch ein anderes Hotel. Wirtschaftlich gedacht ist das. Und zukunftsorientiert. Und in ein paar Jahren fällt es kaum noch auf, dass keine Kinder unter 16 Jahren in das Hotel dürfen, sind doch eh kaum noch junge Leute da. 

Und bis dahin denke ich an die schöne Zeit mit meiner Mama zurück, ärger mich nicht, sondern suche nach wunderschönen, besseren Alternativen. Nach Hotels, die nicht zwischen „nervig“ und „nicht-nervig“ unterscheiden. Und nur mal angemerkt, der laut am Telefon quatschende Workaholic, die betrunkenen und laut gackernden Freundinnen und grölende Männergruppen könnnen auch sehr, sehr nervig sein. Wo stecken wir die hin? Aber ich hab ja nichts gegen die Menschen. Eigentlich. 

Einen wunderbaren Artikel zu dem Thema schrieb auch Patricia von das Nuf: „Ich habe nichts gegen Kinder, nur bitte nicht hier“  

Auch Nathalie von Eine ganz normale Mama schrieb kürzlich über die zunehmende Abwesenheit von Kindern im Alltag.