Ich bin ja für Offenheit und Ehrlichkeit in Bezug auf das Leben mit Kindern. Denn so wie uns Medien, Blogs, Magazine manchmal hochglänzend weiß machen wollen, ist es nicht immer. Ich schrieb hier ja auch schon öfters mal über das ein oder andere Problemchen. Gehört dazu. Aber irgendwie stelle ich fest, kippt in letzter Zeit in meiner Onlineblase das Gleichgewicht Richtung dunkle Regenwolke.

Ich lese von Versagen, sogar Blogparaden gibt es zu dem Thema. Was man vor dem Kinder Haben UNBEDINGT wissen sollte. Nicht humoristisch dargestellt, sondern schwarzmalend. Wie wenig Vereinbarkeit funktioniert, oder aber das überspitzte Gegenteil: Superschlanke, fitte Vierfachmama mit Megaunternehmen erzählt, wie einfach alles ist. Vor allem das Wort „Versagen“ stört mich in diesem Zusammenhang, gar von Scheitern ist die Rede. 

Scheitern bedeutet, ein angestrebtes Ziel nicht zu erreichen, dass etwas misslingt. Wie kann man denn in der Elternschaft scheitern oder versagen? Sind eure Kinder euch weggegnommen worden? Habt ihr das Ziel, eure Kinder groß zu bekommen, nicht erreicht? Habt ihr das Handtuch geworfen und seid ausgezogen? Wessen Ziele habt ihr denn nicht erreicht und waren sie vielleicht, dank Umfeld, von Anfang an unerreichbar? Was bringen denn solche Artikel in Zeitschriften und auf Blogs? „Hey ich hab euch vorgewarnt? Selbst Schuld wenn du jetzt ein Kind bekommst und in Armut verfällst.“ Oder „Seht ich bin gescheitert, ich versage, aber ich bin mutig und spreche es offen aus, denn eigentlich gehts euch allen auch so.“ ?

Wie gesagt, ich mag diese Heile Welt auch nicht. Ich habe auch meine Sorgen offen gelegt, vor allem vor der Geburt des zweiten Kindes. Dennoch konnte man einige Wochen später lesen, wie wunderbar alles klappt, wie unnötig die Sorgen doch waren. Aber scheitern oder versagen? Nein, ich habe viele Ängste, aber diese nicht. Ich bin eine Mutter. Eine Gute. Ich mache nicht alles so, wie man es vielleicht erwartet, wie es schlaue Pädagogen raten, was Tabellen aufzeigen, wie weit die Kids entwickelt sein müssten und welche Förderung jetzt schlau wäre. Ich lasse sie zum größten Teil machen. Ich lasse sie sein. Kinder sein. Und ich habe das Vertrauen in mich, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Auch wenn ich manchmal gereizt und müde bin. Auch wenn ich sie mal anschreie und viel zu ungeduldig bin. Da bin ich nicht gescheitert. Da bin ich ein Mensch, der manchmal an seine Grenzen geht und daraus lernt. Aufsteht und die Krone richtet.

Hört auf an euch zu zweifeln, Worte wie „scheitern“ oder „versagen“ zu benutzen. Let it be! Eure Kinder sind in einem warmen zu Hause, werden geliebt und sind glücklich. Sie verzeihen das Gebrüll, die nicht verständliche Reaktion. Ich finde es gut, wenn man auch darüber liest, dass man nicht gestillt hat, weil es einfach nicht passte und man unglücklich war, dass man mal schreit, aber reflektieren kann und Besserung gelobt. Weil es menschlich ist. Aber stolz Texte zu schreiben, wie bescheuert es ist, Kinder zu bekommen, oder zu sammeln, in welchen Bereichen mit Kindern man gescheitert ist, führt meiner Meinung nach zu nichts. Ich fühle mich nicht bestätigt. Ich finde es traurig, dass solche starken Worte benutzt werden bei der natürlichsten Sache der Welt. Der Elternschaft. Also stärkt euch gegenseitig. Macht euch Mut. Ja, vielleicht ist man verrückt Kinder zu bekommen, vielleicht hätte ich Karriere gemacht und ein Stück Freiheit behalten. So what? Ich habe ein Leben kennengelernt, was mir kein Unternehmen der Welt oder die megahippste Party bieten könnte. Ich mache Fehler und ich lerne daraus. Daran lass ich euch teilhaben. Manchmal ist alles scheiße, meistens ist alles bunt und schön. 

Aufgeben? Niemals! Versagen? Auf gar keinen Fall! Scheitern?? Bei was denn? Ich bin liebende Mutter. Ziel erreicht. Mehr muss ich nicht schaffen.