S für Superkräfte. Oder Super Mom

Ich sage es mal wie es ist: Man hat einfach keine Vorstellung von einem Leben mit Kindern. Klar kann man lesen, viel lesen, zu viel. Sich informieren und Geschichten lauschen, von Anderen, die schon wissen wie der Hase läuft. Es gibt aber Dinge, auf die bereitet einen keiner vor.

Manchmal ist das Leben als Mutter und Vater vergleichbar mit einem Videospiel. Irgendwie denk ich immer an Super Mario. Man hopst wie irre durch die Gegend, grad am Anfang. Alles wirkt etwas unbeholfen und so richtig weiß man auch nicht, warum man über den Stein zwanzig mal springt, nur um die eine blöde Münze zu ergattern. Aufs wahre Leben übertragen: Man versucht es, allen Recht zu machen: Dem Baby, dem Mann, den Freunden. Alle haben Erwartungen, man selbst an sich auch und stolpert etwas unbeholfen durch die ersten Wochen. Irgendwann hat man den Dreh raus und alles läuft. Man absolviert souverän ein paar Level namens Babyschub, Breieinführung, U-Untersuchungen, Babyschwimmen, Pekip etc. Es läuft. In der Berliner Spieleausführung ist ein ziemlich harter Gegner die Suche nach einem Kitaplatz, aber mit Hartnäckigkeit und einigen Anläufen fällt auch der Gegner. 

Aber jedes Spiel hat mal ein (vorläufiges) Ende. Da wartet er der Endgegner. Sitzt grimmig in seinem Schloss und freut sich nur auf uns. Man denkt sich, ach was ich schon alles geschafft habe, da gibt´s ein paar auf die Mütze und gut ist. Da kann der fiese Endgegner nur lachen. Was hält er nur für uns bereit? Helfen die vielen Goldmünzen und Extraleben die man gesammelt hat, die Erfahrung, das Geschick, die starken Nerven? Nun ist in jedem Spiel jeder Endgegner anders. Das kranke Kind. Manche stört es nicht, Medizin zu nehmen, Andere kann man im Schlaf austricksen. Aber wer rechnet mit Antibiotikum, was man alle 8 Stunden geben muss, also auch 24 Uhr, mitten in der Tiefschlafphase. Wer denkt schon dran, dass Nasenspray scheinbar das brutalste Foltermittel aller Zeiten zu sein scheint? Der Gegner windet sich, schreit, bekommt Schaum vor den Mund, brüllt, bettelt, quält sich vor Schmerzen, wegen ein paar Tropfen Nasentropfen. Da ist man kurz vorm Aufgeben. Das kostet extra Leben, aka Nerven. Da ist der Super Mario ganz schwach und weiß nicht weiter, außer: die blöden Nasentropfen helfen doch verdammte Axt! Super mega Endgegner ist dann die Bindehautentzündung. Erklär mal dem Kind, dass die Tropfen im offenen Auge doch nur gut tun, dass Blinzeln und sich weg drehen nur zu mehr Drama führen. Da helfen nur fiese Tricks. Den Endgegner im Schlaf überraschen und vorsichtig Augen- und Nasentropfen verabreichen und hoffen, das erledigt ihn. Klappt hier meist ganz gut.

Schlimmer kann es im Eltern Spiel kaum werden, als Flüssigkeiten in das Kind zu bekommen. Wenn man dieses Level geschafft hat, regnet es Konfetti, Glitzer und pupsende Einhörner. Wutanfälle, peinliche Fragen in der Öffentlichkeit, Pubertät und Algebra Hausaufgaben sind dann nur noch ein Witz. Super Mario hat gewonnen, tausend extra Leben gesammelt und ist bereit für die Fortsetzung. Aber die muss ja erst mal einer schreiben. 

Game over!

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Seit 2011 bin ich in die Welt der Mütter aufgenommen. Mittlerweile habe ich 3 Töchter. Hier schreibt keine "typische" Mutter, die Haushalt und Familie mit links schmeißt, Modelmaße hat und nebenbei locker eine Karriere wuppt. Ich finde es okay, auch mal zu sagen "Ich bin müde! Der Mann nervt! Wir streiten öfter! Nein, ich backe, bastel und singe nicht 24 Stunden am Tag! Ja, ich mag Fast Food und ein Schnäpschen zwischendurch!" Aber auch die schönen Dinge kommen nicht zu kurz. Süße Sachen die ich im Netz finde, hilfreiche Tipps, anderes Lesenswerte und ganz viel ♥

6 Comments

  1. Hahaha! Wie passend! Ich musste besonders über die Nasentropfen lachen, die sind übrigens bei einigen auch mit über 8 Jahren noch die härteste Folter, die einem das GANZE BLÖDE KINDERLEBEN versauen. Könnte ja auch so schön sein. Aber dann kommt Mutti wieder mit den Nasentropfen!

  2. *lach* *lach*
    Danke!
    Genauso ist es!
    Mein Mann und ich konnten lange kein Kind bekommen, und als ich aufgab, klappte es zu unserer riesigen Freude dann doch noch. Aber ich war dann 42 als Rosa Lee auf die Welt kam.
    Mein Frauenarzt sagt immer zu mir, dass ein Kind ein Jungbrunnen sei! *lach* *lach*
    Die Wahrheit ist, dass ich mich manchmal so alt fühle wie nie zuvor! *hihi*
    Viele liebe Grüße
    Maria!

  3. Ich beiß in die Bettdecke vor Lachen. Was für ein geiler Artikel. Und so wahr. Wir hatten erst vor ein paar Tagen ne Bindehautentzündung. Das Kind hätte sogar Arnold und Sylvester umgehauen so hat es sich gewährt. Ein wahrer Kraftakt, der mich im Jahre hat altern lassen.

  4. Was soll ich sagen. Letzte Woche beide Erkältung, diese Woche beide Bindehautentzündung. Das ist fast schlimmer, weil sie eigentlich fit sind, es aber regnet und ich ja noch für Ostern auch Sachen vorbereiten wollte und noch Termine hatte. Echt jetzt, ich bin zwar nicht krank, aber echt müde…

  5. Hihi! Unser Endgegner heißt Friseur. Schon der Anblick des Stuhls reicht, um einen knapp Dreijährigen in ein sich windendes, um sich schlagendes Etwas zu verwandeln, das so laut und ausdauernd schreit, dass man jeden Moment mit einem Rettungseinsatz der GSG 9 rechnet …

    Gute Besserung für die Mäuse!

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