Viel liest man, warum Kinder Karriere schädigend sind, die Beziehung wegen ihnen in die Brüche geht oder wie sehr man sie fördern muss, damit aus ihnen was wird. Das klingt so furchtbar unspaßig. Wer will da noch ein Kind? Aber seit ich Kinder habe, habe ich mich verändert. Nicht nur äußerlich. Nein, ich habe dazu gelernt. Und zwar Folgendes:

Bleib locker Baby
Zum dritten Mal kippt das Glas um, das Essen
landet auf dem Boden während das andere Kind trotz Verbot auf dem Sofa
hopst. Ja Kinder bringen einen gaaaaaanz oft an die Belastungsgrenze.
Man möchte explodieren, sie anschreien und fragen, warum verdammt
nochmal sie nicht endlich aufhören zu hopsen, das Glas endlich richtig
halten, das Essen endlich im Mund landet. Kinder lehren dich, mal
gaaaaaaaaanz tief Luft zu holen. Sich nicht aufzuregen. Ommm. Man wird
dank der Kinder zum Diplomaten erzogen. Ruhig und sachlich die Lage kurz
und knapp erklären, vielleicht einen Kompromiss finden, das wars. Oder man eröffnet ein Yoga Center. Dank
der Kinder sucht man so oft seine innere Mitte, dieses Wissen sollte
weiter gegeben werden.

Manchmal hilft nur Gelassenheit und eine ordentliche Portion Humor

Neue Berufe entdecken
Schlichter,
Richter, Koch, DIY-Queen, Yoga-Guru, Entertainer, Expertin im Reinigen
verdreckter Kleidung, Clown, Wunderheiler, Diplomat, Lebensretter,
Bäcker, Lehrer, Vorleser, Märchen Erzähler, Super Held….
Vor den Kindern wusste ich gar nicht, welche verborgenen Talente in mir schlummern.

Teilen
Das Bett, das Sofa, die Schokolade, die Käsestulle, den Apfel, die Toilette, die Badewanne, das Make-Up, die Stifte, den Notizblock, die Haarbürste….
Schokolade teile ich nicht gern. Im Bett zusammengefaltet an der äußersten Ecke liegen, weil das Kind sich ausbreitet wie ein Seestern, auch nicht wunderschön. Aber man lernt zu teilen. Was bleibt dir auch anderes übrig? Willst du Drama riskieren, wegen einem Stück Schoki? Warum deine Käsestulle besser schmeckt, als die von deinem Kind mit dem gleichen Brot und der selben Sorte Käse, du wirst es nicht erfahren, du teilst es einfach.

Knallharte Argumentation
Mit logischen Argumenten den Gegner ausknocken: 
„Wenn es draußen dunkel ist, ist es dunkel.“
„Ich möchte jetzt ein Eis!“ „Wie heißt das?!“ „Ich will jetz ein Eis“
„Mama ich kann nicht schlafen gehen“ „Warum nicht?“ „Dann spielst du mit meiner Barbie!“
„Wirf doch nicht immer alle Schneebälle nur auf mich!“ „Doch Papa, du ärgerst nämlich immer die Mama!“
„Komm
jetzt, zieh dich an, wir müssen los, mach dies, mach das. Bitte!“ „Heul
Kreisch, NEEEEEEEEEEIIIIIIN, Tobsuchtsanfall, Auf Boden rumroll,
Theatralisch zusammenbrechen, größte Schmerzen erleiden, umschalten auf
süßes unschuldiges Kind mit großen Augen, bei nicht Funktionieren wieder
losschreien“
Ganz ehrlich, besser vorbereitet kann man gar nicht in ein unbequemes Gespräch gehen.

Nein ich will das jetzt nicht!!

Erwecke den Tiger in dir
Bedarf
keiner großen Erklärung, ist das Kind in Gefahr, erwacht der Beschützer
Instinkt. Wir kämpfen und setzen uns ein. Nie zuvor habe ich für etwas
so leidenschaftlich gekämpft und verteidigt.

Den Horizont erweitern
Familienbett,
Tragen, Bindungsorientierter Ansatz, Pekip, Montessouri, Elterngeld,
Kitastelle, Kindergeld, Sorgerecht, Filly Pferdchen, Sophia die
Prinzessin, Schleich Tiere…..
Sagt dir nichts? Dann hast du keine Kinder. Die erweitern nämlich deinen Horizont ungemein.


Lieder wieder entdecken
Jaja, Kinderlieder können einen in den Wahnsinn treiben, das Bibi Blocksberg Lied ertrag ich nur schwer, auch einige Kinder CDs sind schwere Körperverletzung. Dennoch höre ich wieder Lieder, die ich als Kind gehört hab. Der Traumzauberbaum zum Beispiel. Als ich den zum ersten Mal wieder gehört habe überkam mich ein unbeschreibliches Gefühl. Tränen, Gänsehaut, Glück. Verrückt. Ich hatte den Traumzauberbaum ganz vergessen.


Auf die kleinen Dinge achten
Das passt super zu meinem Vorsatz ein wenig mehr auf das tägliche Glück zu achten. Kinder entdecken die Welt jeden Tag neu und sehen Dinge, die wir nicht mehr wahr nehmen. Tausend Mal gesehen. Sie entdecken alles mit einer Begeisterung, die ansteckt. Ich versuche viel aufmerksamer spazieren zu gehen, umher zu schauen, auf Kleinigkeiten zu achten, weil ich mich immer noch darüber freuen kann. 

Neue Fremdsprache lernen
Zuerst die „An der Windel Schnüffel“ Sprache und erkennen, was so vor sich geht. Gefolgt von der „Feiniiiii Haaapppppaaaaa Dudu“ Sprache in Kombination mit ungeahnten Frequenzen deiner Stimme. Dann kommt die Kleinkindsprache, in der du gleichzeitig zum Übersetzer wirst. „Intn!“ „Was hat sie gesagt?“ „Na, TRINKEN! Versteht man doch!“ Es folgt eine Zeit als Lektor, in der du mehr beschäftigt bist putzige Sprachfehler zu korrigieren und so selbst nochmal die deutsche Sprache lernst. Die letzte Fremdsprache ist dann neben der Jugendsprache die Onlinesprache, das crazy Abgekürze in whats app und den Social Media Kanälen. OMG! WTF!!! aMazIng wAS dU AlleS LernSt!

Das Leben organisieren
Ich bin generell eher chaotisch, plane nicht, habe keinen wöchentlichen Blog Kalender und bin oft spontan.  Meine Mädels mögen aber eine gewissen Regelmäßigkeit, Routinen, die ihnen Halt geben und sie durch den Tag führen. Jeden Tag drauf los leben, To-Dos im Kopf haben und die Hälfte vergessen, auf dem Heimweg schnell irgendwas einkaufen, das war früher. Unser Leben ist nicht durchgetaktet, aber ich bin etwas strukturierter, teile meine Zeit ein, denke voraus. Ich bin viel organisierter, weiß wo die Dinge ihren Platz haben, wer was braucht, wann was fällig ist. 


Kind sein
Mal ehrlich, wer setzt sich denn ohne Kinder einfach vor eine Kiste Lego und bastelt wild drauf los? Wer guckt schon einfach so die Sendung mit der Maus? Seit wir Kinder haben, schauen wir vor allem an Weihnachten wieder mehr Märchen. Gern die Alten. Das hab ich ewig nicht mehr gemacht. Kinder bringen einem die eigene Kindheit zurück, man kann davon profitieren, Dinge anders machen oder doch genauso wie schon die eigene Mutter.

Familie erschaffen
Schlimmer oder komplizierter kann ein Unternehmen gründen auch nicht mehr sein. Welches Krankenhaus, Behördengänge, Papierkram, Wissen aneignen, den Markt abchecken, Fehler machen, lernen, wachsen, Erfolge feiern, Rückschläge einstecken, das Familienunternehmen leiten. Nicht nur multitasking at its best sondern Entrepreneurship vom Feinsten.

Liebe, Glück und Dankbarkeit
Der schmalzigste Punkt zum Schluss, aber er ist der Tollste. Du kannst deinen Hund lieben, dein Meerschwein, deinen Mann, nichts ist vergleichbar mit der Liebe zu deinem Kind. Man kann das nicht beschreiben, man muss es erleben. Wenn dir dein neugeborenes Baby in den Arm gelegt wird, dann ist da nur Liebe. Und Glück. Und Dankbarkeit. Und das vergeht nicht mehr. Egal was sie anstellen, egal wie sehr sie nerven, sie dich doof finden und dich an dern Rand des Wahnsinns treiben, die Liebe bleibt. Immer. Und das Glück eine Familie zu sein. Dankbar sein, dass alle gesund sind, dass man sich hat, dass es einem gut geht.
Nein bevor man Kinder hat, hat man davon keinen blassen Schimmer. 

Ist es nicht unglaublich wie sehr Kinder einen bereichern? Ich versteh gar nicht, warum in Stellenausschreibungen nicht unter „Was wir suchen“ Mutter bzw Vater steht. Wer ist denn so flexibel, so kreativ, so multitasking, so verrückt, so entschlossen, so voller Leidenschaft, Elan und Energie wie wir Eltern? Und warum schreiben dann die Zeitschriften ständig von Karriere und Beziehungskiller? Von Förderwahn? Von gestressten Eltern, die sich und ihre Kinder überfordern? Hier liebe deutsche Wirtschaft hast du ein Bewerbungsanschreiben für alle tollen Eltern, die gern mal nicht eingeladen werden, weil sie Kinder haben, weil sie eh nur Teilzeit arbeiten können, weil sie total doof im Kopf geworden sind seitdem die Kinder da sind. Eben nicht!

Dank meiner Kinder bin ich eine Superheldin die Wunden wegpustet, die tollsten Muffins backt, kreativ ist, organisierter, entspannter, reicher an Erfahrung, schlauer, effizienter, teamfähiger, sozial kompetenter, ein Entrepreneur, Streitschlichter und vor allem eine an den Herausforderung gewachsene Frau, die weiß, dass sie auch schwierige Situationen meistern wird. 

Und was habt ihr gelernt, seitdem ihr Kinder habt? Erkennt ihr euch wieder in meinen neuen Talenten?

Author

Seit 2011 bin ich in die Welt der Mütter aufgenommen. Mittlerweile habe ich 3 Töchter. Hier schreibt keine "typische" Mutter, die Haushalt und Familie mit links schmeißt, Modelmaße hat und nebenbei locker eine Karriere wuppt. Ich finde es okay, auch mal zu sagen "Ich bin müde! Der Mann nervt! Wir streiten öfter! Nein, ich backe, bastel und singe nicht 24 Stunden am Tag! Ja, ich mag Fast Food und ein Schnäpschen zwischendurch!" Aber auch die schönen Dinge kommen nicht zu kurz. Süße Sachen die ich im Netz finde, hilfreiche Tipps, anderes Lesenswerte und ganz viel ♥

12 Comments

  1. Ich habe gelernt zu spielen. Als ich Kind war hatten meine Eltern wenig Zeit für mich, beiden haben Vollzeit gearbeitet meine Schwester ist 10 Jahre älter und hatte nicht so richtig Bock auf ein chaotisches, lautes und ungeduldiges Mädchen. Meine beiden Kinder schicken mich jeden Tag in eine neue Geduldschallenge und ich werde jeden Tag besser. Vor den Kindern war ausschließlich mein Mann der Fels in der Brandung, heute sind es auch meine Kinder die mir immer wieder zu verstehen geben: „Mama entspann dich mal alles nur halb so schlimm“ Ich bin keine Super Muddi ich mache viele viele Fehler aber am Ende wenn die Tochter sagt ich hab dich lieb und der Sohn ich auch dich lieb ist alles gut.

  2. Melanie Baute Reply

    Guten Morgen,
    Du triffst den Nagel auf den Kopf!!! Könnte ich so unterschreiben 🙂

    Was ich auch gelernt habe ist mit gaaaanz wenig Schlaf auszukommen! Dafür ist der Kaffeekonsum deutlich gestiegen ;-). Und sie haben mir mehr Gelassenheit und weniger Perfektionismus beigebracht!

    Habt ein schönes Wochenende ❤

  3. Yvonne Mohaupt Reply

    Ich liebe, liebe, liebe diesen Artikel.
    Danke schön!!!!
    Werde den Link gleich allen Mamas und Papas schicken die ich kenne.
    Bin ganz herzbewegt, und fühle mich gerade wie Wonderwoman.

  4. Den ZEN Großmeister geben! Die Mama und das weibliche Pubertier kriegen sich ständig in die Wolle? Schon wieder ein Virus auf dem PC? Das andere Pubertier schmeißt sich auf sein Bett und der teure Bio-Massivholzrahmen reißt auf der ganzen Länge? End- und fruchtlose Diskussionen über Schulleistungen, chaotische Zimmer, Müll im ganzen Haus; Handynutzung und 1.000 andere Dinge?

    Ooooohm, ich bin ein Fels!

    Ich bin der Papa und regel das schon.

  5. Ja alles wahr und toll geschrieben. Wiederentdecken findet hier auch statt und Kinder Sachen machen z.B zwei riesige Schneemänner bauen, oder nicht auf die Striche oder anders farbige Steine in der Fußgängerzone treten…mit zwei süßen Mädels an der Seite wird einem so etwas leichter geht sowas besser…

  6. Bin zwar keine Mutter, lese Deinen Blog dennoch total gerne und ein hoch auf diesen Beitrag. Wunderschön!! =)

    Liebe Grüße,
    Annika

  7. Großartig!!!!!
    Ein sehr sehr schöner Beitrag. Mit großem amusement gelesen und mich….und soviele befreundete Mamis und Papis wiederentdeckt. Hast du toll geschrieben! <3

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