Wenn die Kita drei Tage geschlossen ist, stellt mich das vor Herausforderungen bzw leichte Panikanfälle. Mir wurde da erst deutlich, wie wenig man ganz allein mit den Kindern ist. Außer am Wochenende natürlich. Aber da hab ich den Mann und wir auch immer bestimmte Orte oder Termine zu denen wir gehen. 

Ich möchte keine Grundsatzdiskussion darüber starten, ob man seine kleinen Kinder nur in die Kita abschiebt und dass sie zu Hause bleiben sollten, eben weil man nie Zeit verbringt. Das nur vorne weg. Ich finde Kitas gut. Jeder der sein Kind die ersten drei Jahre zu Hause betreut, soll dies gern tun, für mich ist das nichts. Ich will nur daran appellieren, dass egal für welchen Weg man sich entscheidet, alle Eltern nur das Beste fürs Kind wollen und für sich das Richtige tun. Ich wäre nicht glücklich, wenn ich drei Jahre nur meine Kinder um mich hätte und wüsste ehrlich gesagt nicht, was ich die ganze Zeit machen soll.

Jedenfalls ist das schon ne Nummer mit Zweien allein. Ich weiß ungefähr, was die Beiden in der Kita alles tolles malen, basteln, bestaunen, welche Projekte grad laufen, etc. Ich bin sehr glücklich, dass sie sich in der Kita richtig austoben dürfen. Zu Hause gibts Papier und Stifte und wenn ich gute Nerven habe noch Knete. Ich bastel nicht gern. Auch nicht mit Anleitung. Eine Laterne selbst machen wäre sicher nicht der Akt geworden, ich hätte das hin bekommen, ich wollte aber nicht. Für mich Konflikt Potential. Flori zerstört lieber oder macht Blödsinn, Marlene verliert schnell das Interesse, kann etwas nicht (sagt sie) oder wird bockig. Dann kippt noch die Farbe um, alle heulen. Örks. Ähnlich verhält es sich mit Plätzchen backen. Da wird drum gestritten wer mehr Teig ausrollen darf, wer wo sitzt, wer welche Ausstecher benutzt und wer schon wie viel genascht hat. Das Mehl landet auf der Kleidung, dem Stuhl und bestimmt auf dem Boden. 


Mal unter uns: Die Werbung und die süßen Fotos, die lügen meine Lieben. Mit kleinen Kindern ist das nicht witzig. Kleine Kinder fangen an zu weinen, machen Blödsinn, Dreck und reißen sich die Haare raus. Selten verläuft etwas in absoluter Harmonie die gesamte Back- oder Bastelzeit. Das ist keinesfalls schlimm, so sind sie in dem Alter. Aber ich weiß das und drum vermeide ich es. Ich enthalte ihnen nichts vor. In der Kita wird schließlich gebastelt. Plätzchen backen wir auch, zumindest einmal und danach reicht es mir auch erstmal wieder. Meine Strategie: Stress und Drama vermeiden. Klar kann man alles weg räumen, putzen, sauber machen. Klar beruhigen sie sich und knuspern friedlich Plätzchen. Klar machen selbst gebastelte Laternen stolz. Man kann es aber auch sein lassen und sie eine eigene Laterne aussuchen lassen. Die im Übrigen nichtmal eine Stunde überlebte. 

Sehen doch recht zufrieden aus.

So lebe ich mit meinen Kindern also halbwegs ohne Bastel-/Back-/Mal Action. Sie haben sich die drei Tage nicht gelangweilt. Im Gegenteil. Wir waren im Sea Life und haben jede Menge Fische bestaunt und Seeigel gestreichelt. Wir waren spazieren. Wir haben Bananenbrot gebacken, Lampions gekauft und den Martinsumzug mitgemacht. Wir waren im Spielcafé und haben die beste Freundin getroffen. Zu Hause wurde viel gekuschelt, vorgelesen, gemalt, oder Lego bespielt. Und ja, auch der Fernseher lief ab und zu. In die Badewanne durften sie auch zweimal, einfach weil es unkompliziert und stressfrei ist, die Kinder riesigen Spaß haben und nebenbei noch sauber werden. Praktisch. Ganz viel haben sie aber auch zu Zweit gemacht. Flori war die Mama, Marlene das Baby. Sie schleppten Kuscheltiere durch die Gegend oder machten Musik. Ich hatte nicht den Eindruck, dass ich mich groß einbringen muss und ihnen immer zu eine neue Bastelaktivität anbieten sollte.

Trotzdem hatte ich ein schlechtes Gewissen. Kurz. Dass ich wenig mit ihnen gemeinsam mache. Dass ich für sie da bin, aber sie spielen lasse. Es sei denn, ich sollte dabei sein oder mir was anschauen. Dass es mir ein wenig vor der Zeit mit ihnen allein gegraust hat, weil man der Bumann ist, der der alles allein durchsetzen muss und der, der aufpasst. Nicht nur das, die Zwei haben ja auch mal Hunger. Ja mir fällt das nicht leicht zu überlegen, was wir uns Schönes zu essen machen außer Nudeln.

Geht immer: Kakao und Eierkuchen

Dass wir aber den Lampion gekauft haben, da hab ich gar kein schlechtes Gewissen. Nicht eine Sekunde. Jedem seine Freuden. Meine Nerven wurden geschont, den Kindern war es egal, die waren glücklich. Die meiste Zeit zumindest. Vielleicht bin ich in die Richtung konfliktscheu oder mache es mir zu einfach. Sind ja schließlich keine weltbewegenden Aufgaben, die Kinder zu bespaßen. Aber weder will ich so aussehen wie die glücklichen Familien in der Werbung oder in den Bastelanleitungen, noch muss ich mir beweisen, eine gute Mutter zu sein. Das definiert sich sowieso nicht darüber, ob ich meine Kinder zu Hause angemessen förder. Ich vermeide einfach Situationen, wo ich weiß, die könnten stressig werden und am Ende sitzt einer in der Ecke und heult. 

Heut sind die Mädels wieder in der Kita. Ich hab mich drauf gefreut. Die meisten anderen Kinder waren auch wieder da. Ich hatte kurz überlegt, ob man sie nicht die zwei Tage auch noch zu Hause lässt und das bestimmt viele machen. Denkste. Nun wird wieder gebastelt, gefördert, kreativ was gebaut, gemalt und mit den Freunden gespielt. Die drei Tage waren schön und anstrengend. Aber wir haben sie gemeistert und alle leben noch. Ich denke, auch wenn meine Kinder nun keine 1a Vorschriftsmutti zu Hause haben, die mit ihnen kreative Stunden verbringt, so haben sie die Zeit genossen und wir kamen alle drei gut zurecht. Mittagschlaf hilft auch ganz viel und zwischendurch ein: Ich hab dich lieb! Damit hatte sich dann auch mein schlechtes Gewissen und die Frage nach der korrekten heimischen Förderung erledigt. Ich kann Bastelfotos oder Beiträge darüber, wie Andere ihre Kinder beschäftigen, entspannt lesen und es toll finden. Trotzdem weiß ich, für mich funktioniert das nicht. Das bin ich nicht. Und das ist auch gut so.