In letzter Zeit gibt es immer wieder Momente, in denen es mir nicht gut geht. Aufstehen fällt schwer, Kinder anziehen, beim Frühstück dabei sitzen, in die Kita gehen und zu Hause arbeiten, sauber machen, einkaufen….. Dann könnte ich einfach nur weinen. Alles fällt schwer und ich bin antriebslos und gereizt.

Das alles hat einen Grund. Der Ursprung liegt im letzten Jahr nach der Sache mit dem Zahn ziehen und was alles schief lief. Zwei Krankenhausaufenthalte, eine OP und eine sehr seltene und gefährliche Reaktion aufs Antibiotikum gepaart mit unsensiblen Ärzten, dem Aussehen eines Monsters und der Hilflosigkeit sich nicht ums Neugeborene zu kümmern, hinterlassen Spuren. Da hat sich was verändert bei mir. Ich schrieb ja schon mal drüber. 

Nun ist es so, dass ich seit der Kur und einigen Sitzungen beim Verhaltenstherapeuten immerhin weiß was los ist und wie ich dem zumindest etwas entgegen steuern kann. Insgesamt geht es mir besser. Tage, an denen sich in meinem Kopf alles dreht, wo wichtige Termine anstehen, Sorgen mich plagen, etc. machen alles schlimmer. Heute hatte ich nun einen Termin beim Allergologen im Krankenhaus, wegen der Antibiotika Reaktion. Da saß ich letztes Jahr auch schon mal. Und sofort kommen alle negativen Erinnerungen wieder hoch. Ich beherrschte mich nicht sofort los zu heulen, bis ich dem Arzt erneut alles erzählen musste und er nur erstaunt die Berichte las und immer wieder meinte, wie viel ich doch erlebt hätte und dass das alles recht selten sei. Er war im Gegensatz zu seinem Kollegen, der damals meinte, ich könne mal googlen was ich hab und wenn ich dieses Antibiotikum nochmal nehme, bin ich wohl tot, sehr ruhig, erklärte alles und meinte, dass ich diese Angst ablegen solle, so schnell stirbt es sich nicht. Nach über einem Jahr, in dem mich das Thema „Tod“ manchmal so sehr im Griff hat, dass einfach nichts mehr geht, endlich mal ein Arzt, der alles relativiert. Der auch sagt, dass ich viel Glück hatte und auf dem Gebiet wenig Wissen herrscht und er mir auch nie wieder solche Medikamente geben würde, aber der mir mal diese tiefsitzende Angst nahm.

Das nur zur Erklärung und zu dem worauf ich eigentlich hinaus will. Bei all den Themen zur Vereinbarkeit von Job und Familie, wie wohl die perfekte Mutter auszusehen hat und was immer erwartet wird, wie man funktionieren soll, hab ich eins gelernt und versuche mich daran zu halten: Wenn nichts mehr geht, dann ist das so. Ja da liegt Wäsche, da wartet die Bewerbung, der Beitrag, das Essen, die sozialen Verpflichtungen, die eine Mail die bitte SOFORT beantwortet werden muss. Nein, das ist alles nicht so wichtig. Man rutscht so schnell rein in diesen Strudel aus „Müssen“ und Erwartungen anderer, dass man sich selbst vergisst. Bei mir äußert sich das in meinen Gedanken, die mich erdrücken, mein schweres Herz und dieses matte Gefühl. So kann ich aber nicht Frau, nicht Mutter, nicht Ich sein. Also pass ich auf mich auf. Lasse den PC eben mal aus und lieg einfach da, geh spazieren oder blätter durch die Zeitschrift. Ja, das ist Luxus und nicht immer geht das, aber man muss einfach Inseln haben, wo man zur Ruhe kommt. Selbst 5 Minuten am Tag sind ein guter Anfang, um mal durch zu atmen. Grade als Mutter wird einem viel abverlangt, umso wichtiger ist es, auf sich zu achten und wenn man merkt, da geht nichts mehr, dann sollte man versuchen etwas zu ändern, oder Auszeiten finden. Mir zumindest half heute die erneute Konfrontation mit der Situation aus dem letzten Jahr und dieser eine Arzt. Manchmal ist es ein völlig fremder Mensch, der alles wieder ein wenig grade rückt und ein Stück Seelenheil wieder herstellt, denn nicht alles kann man mit Freunden oder dem Partner besprechen. Und auf sich und sein Bauchgefühl hören und die Signale erkennen ist auch sehr wichtig! Der Körper gibt einem schon zu verstehen, wenn die Grenze langsam erreicht ist, man muss nur hin hören und sich auch die Freiheit nehmen, dann etwas nur für sich zu tun und abzuschalten.

Ihr Lieben, passt auf euch auf, das will ich damit sagen. Die Zeit ist viel zu schade um immer nur für Andere zu funktionieren. Erst komme ich, dann der Rest. Und das ist nicht egoistisch, das ist wichtig.