Neulich stellte irgendwer auf Facebook die Frage, ob man ein Kind mehr lieben würde als das Andere. „Wie könne man so eine Frage stellen, natürlich nicht.“ Ich hab mal darüber nachgedacht, weil mir Folgendes aufgefallen ist:

Von Flori gibt es zur Zeit wesentlich mehr Fotos. Flori bekommt gefühlt eintausend mehr Küsschen am Tag. Von Flori schwärm ich jedem vor und finde sie im Moment einfach super goldig. Sie macht mich echt sprachlos, wie sie sich entwickelt und was für ein riesen Quatschkopf da ran wächst. Da habe ich über die Frage nachgedacht. Lieb ich Flori jetzt mehr als Marlene? Die sich selten fotografieren lassen will. Die sich nicht mehr ganz so gern abschlecken lässt. Die auch eine Menge Quatsch macht, aber auch wunderschöne Wutanfälle hinlegt und die sich das komplette Gesicht mit Filzstiften voll malt, inklusive Zunge und Nase, was irgendwie nicht mehr ganz so süß ist.

Erstmal gibt es unterschiedliche Stärke von Liebe. Ganz ehrlich, den Mann lieb ich nicht jeden Tag gleich und manchmal ist da nur gaaaaaaanz wenig Liebe. Manchmal, wenn er mir ein riesen Stück Schoki Kuchen mitbringt, ist da ganz viel. Aber grundsätzlich ist da Liebe. So ist das auch bei den Kindern. Ich lieb die nicht abgöttisch in dem Moment, wo sie mit nem Löffel vor dem Blumentopf sitzen, Erde verteilen und die essen. Und wenn Marlene grad stinkig ist, während Flori ihren Rehaugen-Modus anhat, dann schlägt mein Herz ein kleines bisschen mehr für Flori. Und natürlich ist sie auch noch ein Baby. Gibt keine Widerworte, ist zu 95% mega gut gelaunt und ist noch so Babyhaft tolpatschig, während Marlene schon ernste Momente hat. Und dann steht mein kleines großes Mädchen vor mir, stöhnt und sagt, wie anstrengend alles ist, nur weil sie Zähne putzen soll und ich komm aus dem Lachen nicht raus. Wie sie für sich versunken spielt und ich ganz erstaunt über ihre Fantasie bin. Wie sie mit dem Papa tobt und ihm Befehle gibt, aber vor Lachen kaum noch atmen kann. Wie sie mich anguckt und sagt: „Weißt du, ich hab dir heut noch gar kein Küsschen gegeben!“ und mich dann von oben bis unten abknutscht. 


Natürlich liebe ich meine Mädels. Bedingungslos. Und egal wie viel Scheißelkram sie machen, wenn sie abends im Bett liegen und beide noch bekuschelt werden wollen, dann ist da einfach Liebe. Aber ja, manchmal hab ich die eine etwas mehr lieb, beziehungsweise ist sie mehr im Fokus. Aber nicht, weil die Andere doof ist oder ich weniger Liebe empfinde, sondern einfach, weil es aus der Situation raus grad so ist. Ich würde also antworten: Ich liebe meine beiden Mädels ohne jeden Zweifel, von ganzem Herzen und bedingungslos. Aber in manchen Sekunden, da klaut die Eine mir mein Herz mehr als die Andere. Und das ist total okay. Ich kann nun mal nicht alle Menschen immer gleich stark lieb haben. Und umgekehrt ist das sicher auch nicht anders, denn spätestens wenn ich das Toben beende, steht der Papa auf der Lieb-Hab-Leiter tausend Sprossen weiter oben als ich. So ist das eben. Bis ich dann wieder die weltliebste Mama bin. So lange bin ich auch gern mal an zweiter Stelle. 

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Seit 2011 bin ich in die Welt der Mütter aufgenommen. Mittlerweile habe ich 3 Töchter. Hier schreibt keine "typische" Mutter, die Haushalt und Familie mit links schmeißt, Modelmaße hat und nebenbei locker eine Karriere wuppt. Ich finde es okay, auch mal zu sagen "Ich bin müde! Der Mann nervt! Wir streiten öfter! Nein, ich backe, bastel und singe nicht 24 Stunden am Tag! Ja, ich mag Fast Food und ein Schnäpschen zwischendurch!" Aber auch die schönen Dinge kommen nicht zu kurz. Süße Sachen die ich im Netz finde, hilfreiche Tipps, anderes Lesenswerte und ganz viel ♥

5 Comments

  1. Sehr schön geschrieben und es tröstet mich, dass es dir ähnlich geht wie mir mit meinen Mädels. Danke! Diana

  2. Das hast Du so schön geschrieben – einfach nur wunderbar! Und es trifft die Sache voll ins Schwarze, zumindest auch bei mir 🙂
    Eine wunderschöne Karwoche wünscht
    Susanne

  3. Ein sehr schöner Beitrag… ich denke das ist auch nur menschlich und jeder der etwas anderes behauptet lügt – denn das funktioniert einfach nicht. Man kann ja auch jemanden lieben aber gerade mal nicht mögen 🙂

    Ich war übrigens gefühlt so ein Kind, das weniger geliebt wurde. Das lag aber vor allem daran, daß meine Mutter nie eine Phase hatte, wo ich dann mal bevorzugt wurde. Ich denke, das ist der Punkt: wenn das Ungleichgewicht schwankt ist es ok aber wenn es dauerhaft auf einem liegt… muß ja nicht heißen daß der lieber gehabt wird aber das andere Kind fühlt es dann so.

    Liebe Grüße, Janina

  4. Wunderbar und toll beschrieben hast du das! Mir geht es mit meinen zwei Jungs (Leo 3 Jahre und Mats 7 Monate) zz genauso! Ich frage mich das ganz oft,weil mir unsere Familien schon gesagt haben,dass ich Mats sehr verwöhne und er mein Kronprinz sei 🙁 sowas tut dem Muttiherz ganz sehr weh,aber ich versuche unser Zusammenleben ganz oft von außen zu betrachten und so viel wie möglich auf Leo einzugehen,nicht immer einfach,aber das kennst du ja 😉

  5. Ich kann mir vorstellen das das sehr treffend ist was du da geschrieben hast! Habe zwar ,,nur´´ ein Kind/Baby aber diese Frage habe ich mir auch schon öfter gestellt wenn ein zweites irgendwann dazu kommt.
    Laura 😉

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