Gestern Abend lief im ZDF bei 37 Grad eine Reportage zum Thema „Superfrauen zwischen Kindern und Karriere“. Unter anderem wurde die Gründerin von netmoms vorgestellt, Mutter von 4 Kindern und Geschäftsführerin. Ich weiß nicht so recht, was ich mir versprochen hab, aber ich war doch recht enttäuscht. Alle vorgestellten Frauen arbeiten in sehr hohen Positionen im Unternehmen, meist auch deren Männer. Einige geben viel Geld aus für Kindermädchen, bei einer Familie blieb lange der Mann zu Hause. Alles erschien trotz der hohen Arbeitsbelastung locker machbar. 

Ja, Karriere bedeutet Laufbahn, die kann ja auch einfach geradeaus gehen. Theoretisch. Aber wozu gibt es die Karriereleiter? Die Meisten verbinden mit dem Wort „Karriere“ nicht den beruflichen Weg, sondern den Aufstieg Richtung Chefetage. Karriere macht nur, wer oben angekommen ist. Wer angestellt ist, hat doch keine Karriere gemacht. Karriere machen bedeutet meist, man arbeitet bis zu 60 Stunden, ist viel unterwegs, beruflich eingespannt und wenig zu Hause. Dann ist es korrekt, dass Judith Lembke von der FAZ feststellt, dass Karriere und Kinder nicht vereinbar sind, ja sogar eine Lüge sind. Also im Fall der vorgestellten Familien ging das, aber nur mit externer Hilfe und Kompromissen wie ein krankes Kind von der Nanny betreuen zu lassen, weil beide Elternteile Termine haben und weil alle in Positionen waren, in denen sie sich auch erlauben können, mal eher zu gehen. Die Freiheit hat nicht jeder Angestellte. 

Irgendwie find ich die Diskussion anstrengend. Die vorgestellten Familien entsprechen nicht der breiten Masse, sondern sind eher Ausnahmen. Eben weil Karriere immer bedeutet, beruflich ganz weit oben mitzumischen. Frauen die also Teilzeit arbeiten, im Angestellten Verhältnis, machen keine Karriere. Wenn man dieser Diskussion folgt, ist man dem Thema Kind und Karriere ja schon überdrüssig bevor man Kinder hat. Dabei muss doch nicht jede Frau in der Chefetage sitzen. Nicht Jede findet ihre Erfüllung darin, ein Unternehmen oder eine Abteilung zu leiten, während zu Hause das kranke Kind sitzt oder die Zeit drängt, weil die Tochter vom Ballett abgeholt werden will. 

Warum kann Karriere nicht auch implizieren, dass man für sich in seinem Beruf angekommen ist. Dass man sich entfalten kann und man vielleicht sogar das Glück hat, einen Job gefunden zu haben, der einem Spaß macht, der vielleicht sogar Berufung ist. Ein Beruf für den man studiert oder eine Lehre gemacht hat und der den Lebensunterhalt finanziert. Wo man aber nach Hause gehen kann, ohne dass 22 Uhr noch das Arbeitshandy klingelt, dann ist das für einen vielleicht die Karriere. Dann ist das das Höchste was man anstreben wollte. Dann ist man erfolgreich und hat nach Schule, Lehre/ Studium einen Beruf gefunden, einen Platz in der Arbeitswelt, also Karriere gemacht, vom kleinen Schüler zum Senior PR Berater. Und wenn man nach einem anstrengenden und produktiven Arbeitstag das Kind abholt und die Zeit bis zum Schlafengehen genießt, dann hat man Karriere und Kind doch vereinbart. 

Vielleicht sollte man es Beruf(ung) und Kind nennen. Dann gäbe es weniger dramatische Artikel darüber, dass alles eine große Lüge ist. Dann hätte man zwar trotzdem noch Stress, wenn das Kind krank ist und Beide grad einen wichtigen Termin haben, aber dann würde auf dem ganzen Thema nicht so eine schwere Last liegen. „Ojeoje wie soll ich das nur vereinbaren?! Wozu hab ich studiert, wenn meine „Karriere“ nach der Geburt des Kindes am Boden liegt und ich eh mein restliches Leben minderwertige Teilzeitjobs annehmen muss?!“ Aber vielleicht hat man ja von Anfang an gar keine mega steile Karriere angestrebt, sondern war schon vorher zufrieden mit seinen Aufgaben? Warum wird einem jetzt als Mutter suggeriert, man kriegt das eh nicht hin, außer die paar Superfrauen da oben an der einsamen Spitze? Und warum machen sich Männer über sowas eigentlich nie Gedanken?

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Seit 2011 bin ich in die Welt der Mütter aufgenommen. Mittlerweile habe ich 3 Töchter. Hier schreibt keine "typische" Mutter, die Haushalt und Familie mit links schmeißt, Modelmaße hat und nebenbei locker eine Karriere wuppt. Ich finde es okay, auch mal zu sagen "Ich bin müde! Der Mann nervt! Wir streiten öfter! Nein, ich backe, bastel und singe nicht 24 Stunden am Tag! Ja, ich mag Fast Food und ein Schnäpschen zwischendurch!" Aber auch die schönen Dinge kommen nicht zu kurz. Süße Sachen die ich im Netz finde, hilfreiche Tipps, anderes Lesenswerte und ganz viel ♥

3 Comments

  1. Ich habe den Beitrag im TV nicht gesehen, aber nach deiner Schilderung ist das auch gut so, sonst hätte ich mich wohl nur geärgert. Dein Beitrag gefällt mir echt gut, daher teil ich ihn auch mal ein bissle, hoffe des ist ok.
    Lieben Gruß
    Petra

  2. Ich war erst enttäuscht, dass ich den Beitrag nicht sehen konnte, aber ich habe
    ja nichts verpasst! Danke für deinen so wahren Post!
    LG,
    kiki

  3. Ganz genau! Super Kommentar! Ich wollte die Reportage eigentlich auch schauen, hab es aber zeitlich nicht geschafft…war wohl offenbar ok so, ich hätte mich bloß wieder aufgeregt 😉 *LG aus Tübingen

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