Sobald man ein Kind hat, kommt man auch mit anderen Müttern in Kontakt. Sei es in Spielgruppen, in der Kita, im Spielcafé. Nun passiert aber was ganz Interessantes: Mütter untereinander sind komisch. Nicht alle, aber Einige. Es wird begutachtet, beobachtet, analysiert, ausgewertet, geurteilt. 

Warum ist das so? Treffen sich Fußballfans in der Kneipe, ist denen schnuppe, ob der eine nun ein Weizen trinkt oder was Alkoholfreies, man trifft sich um Fußball zu schauen. Punkt. Frauen können das nicht. Hocken mindestens zwei zusammen, geht sie los die Lästerei. An sich nichts Schlimmes, mach ich auch, im Club, oder auf der Straße. Ich mag nur nicht, wenn offensichtlich gelästert wird, der andere es eigentlich ja nicht hören soll, aber irgendwie möchte man doch, dass derjenige es mitbekommt. Im Club früher hab ich solche Hühner angesprochen und gesagt: „Bevor ihr Euch weiter den Kopf zerbrecht, warum ich so gut aussehe, ich kanns Euch auch sagen, oder was beschäftigt Euch?!“

Mit Müttern erreicht das aber ein ganz neues Level. Das geht über Lästern hinaus. Da wird geurteilt und viel schlimmer VERurteilt. Ich weiß gar nicht, woher einige Frauen denken, nur sie sind die perfekte Mutter, machen alles richtig, nur ihre Art der Kindesernährung ist richtig, nur der Zeitraum den sie gestillt haben ist der Perfekte, nur wie sie mit dem Kind spielen ist richtig. Das Eine ist, so von sich zu denken. Okay, Das Andere ist, es zu sagen, so dass man es hört, oder noch schlimmer, mit dummen Kommentaren andere Mütter zu verunsichern: Wie du stillst nicht mehr?! Aber Pulvermilch verursacht Krebs! Na also ICH mach das ja so, Aha, na musst Du ja wissen, wenn du deinem Kind Fertigbrei gibst. Das würde MEIN Kind ja niiieeee bekommen. Ach, du besuchst den Kurs nicht und das Buch hast Du auch nicht gelesen? Jetzt MUSST du aber…. Was, Du kennst Arnikakügelchen nicht und gibst Zäpfchen?! Ich trage mein Kind nur, Kinderwagen fördert das Bonding nicht, aber du wirst schon wissen was du tust. Ach, du hast gestern Wein getrunken, aha…Also mein Kind ist ja so perfekt und toll, das muss ich nur ins Bett legen, das schläft IMMER sofort ein, sowieso schläft es ja durch und überhaupt Wutanfälle kennen wir gar nicht. Na sicherlich macht ihr da was anders als wir……

Wie ich darauf komme? Weil ich am Wochenende in einem Spielcafé meinem 6 Wochen alten Kind die Flasche gegeben hab. Da gings ab am Nachbartisch….. Weil im Rückbildungskurs eine mal zu ihrer Freundin meinte: Guck mal, wie doll die tätowiert ist, und SOWAS hat Kinder. (Die hab ich gefragt, ob wir uns kurz vor der Tür prügeln wollen, schließlich unterstellt sie mir ja, assig zu sein, kann ich mich so benehmen. Sie stotterte rum und hätte das doch gar nicht so gemeint. Ja nee ist klar….)

Euch würde ich am Liebsten sagen: Guck woanders hin und halt deine Klappe! Erinner dich lieber mal an die erste Zeit, wo du noch nicht die allwissende Klugscheisser Mutter warst, die ihr Kind zuckerfrei ernährt und die Umwelt mit nervigem Halbwissen tyrannisiert hat und der Überzeugung warst  nur dein Weg ist der einzig Wahre, wo du unsicher warst, wo genau solche Mütter dich noch mehr verunsichert haben und du an dir gezweifelt hast, ob du eine gute Mutter bist, wo du dir Unterstützung gewünscht hättest anstatt subtile „Ratschläge“. 

Meine Güte, du musst mir nicht beweisen, dass du besser bist. Es ist mir egal. Erzieh doch dein Kind wie du es für richtig hältst und ich mache es so, wie mein Kind und ich glücklich werden. Und anstatt einmal mehr laut „Ach guck ma DIE, wie macht Die das denn“ zu sagen, biete doch mal Hilfe an oder überleg mal, warum jemand nicht stillt oder einen Kinderwagen benutzt, anstatt gleich zu urteilen. Ist schwer, ich weiß, ich bin auch nicht frei davon, aber ich geb mein Bestes und wenn mich was stört oder ich denke, das sollte man anders machen, dann versuch ich es auf die nette Art rüber zu bringen. 

Also entweder Klappe halten oder Mund aufmachen und endlich mal dran denken, wir sind doch alle Mütter von entzückenden Kindern, denen es gut geht bei uns, für die wir die beste Mama der Welt sind. Da brauchts doch keine Bestätigung indem man andere Mütter schlecht macht und verunsichert! Verschwendete Energie! Die ganzen Ratgeber, Webseiten, tausenden von Büchern, die Ärzte und manche Hebammen, die können einen doch schon genug verunsichern und das Bauchgefühl schmälern, da muss man doch als Mutter nicht auch noch drauf hauen. Ein bisschen mehr Gelassenheit wär gut, denn das Muttersein ist kein Wettkampf, bei dem diejenige gewinnt, deren Kind am längsten gestillt wurde, den leckersten selbstgemachten Brei bekam und am schnellsten 14h am Stück durchschlief und nur von Bionahrung- und Kleidung lebt. 

Und nur nochmal, weil der Sommer ja vor der Tür steht: Tattoos färben nur die Haut bunter, nicht mehr und nicht weniger. Und vielleicht steckt in mir ein größerer Spießer, als in der Bankangestellten. Na wobei…… ich glaube nicht, hihi

Author

Seit 2011 bin ich in die Welt der Mütter aufgenommen. Mittlerweile habe ich 3 Töchter. Hier schreibt keine "typische" Mutter, die Haushalt und Familie mit links schmeißt, Modelmaße hat und nebenbei locker eine Karriere wuppt. Ich finde es okay, auch mal zu sagen "Ich bin müde! Der Mann nervt! Wir streiten öfter! Nein, ich backe, bastel und singe nicht 24 Stunden am Tag! Ja, ich mag Fast Food und ein Schnäpschen zwischendurch!" Aber auch die schönen Dinge kommen nicht zu kurz. Süße Sachen die ich im Netz finde, hilfreiche Tipps, anderes Lesenswerte und ganz viel ♥

17 Comments

  1. Wieso entdecke ich das erst jetzt? danke dafür, ich hab mich schlappgelacht!!! Liebste Grüße 🙂

  2. Liebe Dank für die Worte. Du sprichst mir aus der Seele. Ich bin zur Zeit mit 3 Monaten am abstillen und werde fast verdammt dafür. In jeder Apotheke oder sonst wo (wo man das Milchpulver kauft) wird man mit fragenden Blicken und Kommentaren zugeschüttet. Ob man dann sicher sei? Ich könne meine Milch mit häufigem anlegen auch optimieren und steigern..blabla. DANKE, ich habe völlig genug Milch, aber ich habe ein gesundheitliches Problem und fange bald mit der Arbeit an, da ich selbständig bin und meine Arbeit auch liebe. Und irgendwer muss ja auch für das Kind sorgen, damit es das leckere Milchpulver trinken kann. Ich schlechte Mutter. Ach ja. Von daher, danke für deinen Bericht, er hat mir ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert und mich gestärkt. Tschakka gegen alle "perfekten" Mütter!

    Claudia

  3. Herrje, wie Recht Du hast!

    Man trägt stolz seine Murmel vor sich her und schon geht es los. Die liebgemeinten Ratschläge.
    Was man alles essen muss und was nicht; wie man cremen soll oder doch lieber ölen; die Spieluhr, an die sich das Kind schon gewöhnen soll, mein Lieblingsthema Dammmassage usw.

    Und dann ist der Moment gekommen, man hat seine Zwerglinde auf dem Arm und es ist der schönste Moment, den man sich vorstellen kann. Doch dann kommt das Wochenbett und eine Welle der Angst spült einen weg: werde ich eine gute Mutter sein, wie soll ich das alles schaffen und hätte ich mich während der Geburt doch lieber wie eine Blume geöffnet, wäre alles besser gelaufen.

    Und ab den ersten Besuchern heißt es ganz unbedingt Ohrstöpsel rein oder zumindest auf Durchzug schalten. Da kommen sie anmaschiert, die Riesenarmee zusammen mit einer Blaskapelle:
    DIE GUTGEMEINTEN Ratschläge.
    Nicht falsch verstehen, ich bin dankbar für die Ratschläge und Tips von anderen Müttern, WENN ich danach frage.

    Und wenn es denn mal Ratschläge und Tips wären. Eigentlich kann ich eine ganzes Buch füllen mit Sachen, die ich falsch mache. Unterschwellig vermittelt mit dem Zusatz "Na musst Du ja wissen!" Wie man ein ständig schreiendes Kind beruhigt?! Hm…das weiß keiner, ABER das man es nicht ständig trägt, das man es wahrscheinlich schon verwöhnt hat, das man es zu vielen Reizen ausgesetzt hat, dass es ganz sicher gerade einen Schub hat… das muss man als Mutter doch wissen!

    Und so wird man stehengelassen mit dem Gefühl, als Mutter versagt zu haben.

    Ernsthaft, es hat mich verunsichert und mir noch mehr Angst gemacht, als ich als Neumutter eh schon hatte.
    Das Thema Beikost machte mir Bauchschmerzen: Du stillst zu lange, Du stillst zu kurz, das Kind braucht Nährstoffe, das Kind muss selbstständig werden, Gläschen sind besser (wegen der Überwachung), selbst kochen ist besser (wegen dem Geschmack), Beikost ab dem vierten Monat (steht ja schließlich auf den Gläsern), Vollstillen bis sechs Monate wegen der Allergietoleranz, Möhrensaft ab sechs Wochen und Banane auch…

    Blabliblub!

    Oftmals fühle ich mich richtig traurig und frage mich, ob die Ratschläger denken, dass ich für meien Zwerglinde nicht auch das Beste will. Ich mache es so, wie es für mich und mein Kind am Besten ist. Ich habe mir, als ich schwanger war, fest vorgenommen, hauptsächlich auf mein Bauchgefühl zu hören. Doch nun erwische ich mich immer wieder dabei, wie ich in Büchern nachlese, ob dieser und jener HINWEIS wirklich zwingend sind.

    Und unter dem Strich kann man doch gar nicht so viel falsch machen, wenn die Portion Liebe und Freude am Kind stimmen. Sicherlich denke ich auch so manchesmal…Mannoman! Aber es ist dann Sache der Mutter. Es sei denn, sie schadet dem Kind tatsächlich. Die Toleranz hört bei mir nämlich ganz sicher beispielsweise bei dem Klaps, der nicht schadet und dem Rauchen in der Schwangerschaft auf. Da kann ich dann nicht an mich halten und muss mindestens etwas dazu sagen.
    Aber ansonsten bin ich der festen Überzeugung, dass jede Mutter, vom Grunde her IMMER das beste für ihr Kind will!

    Und dann scheint das Muttersein an sich auch identitätsstiftend. Hier scheint sich erst zu zeigen, wie cool oder uncool man ist. Man ist spießig, wenn man lange stillt und öko. Wenn man schnell abstillt, aus welchen Gründen auch immer, dann ist man ne Rabewnmutter. Bioessen für das Kind? Übertrieben und spießig. Das Kind mit einem Jahr in die KiTa? Babykurse besuchen? Impfen? Spielecafe? Stricken ist uncool, Nähen ist hipp…

    Ich hör jetzt auf, sonst nutze ich noch die Tasten von meinem Laptop ab.

    …und…ich hätte tätowiert auch mit zwei tt geschrieben 😀

    Erdmute

  4. Ach schön, endlich mal "Tacheles"! Vielen Dank, you made my day ;-))
    Weitere Klassiker:
    "ICH bin eine Tragemama…Aber nein, doch keine Ma**uca *pft*, WIR tragen nur im Tuch XY aus handgeklöppelter, bei Vollmond geernteter BIO-Baumwolle!"
    "WAS??? Ihr habt keinen Reboarder??? Also UNS ist für die Sicherheit nun wirklich NICHTS zu teuer!"
    "Also, UNSERE Kleine ist mit fast acht Monaten schon windelfrei!"(Unterton:eine gute Mutter spürt eben im Vorfeld, wann ihr Kind muß)
    Man könnte diese Liste bestimmt noch eeewig erweitern. Mehr als schade, daß diese "Mütter-Hetzjagd" dazu führt, daß sich einige Mamas so verunsichern lassen, daß sie lieber über's Internet Muttermilch von unbekannten, wildfremden Frauen kaufen würden, als ihre Kinder der "künstlichen, krebserregenden Plastik-Milch" auszusetzen. TRAURIG…
    P.S. DANKE für diesen tollen Blog!!!! 🙂

  5. Tätowiert. Tä-t-owiert!! Mit EINEM t!

    Meine Güte. Kann doch nicht so schwer sein.

    "Und vielleicht steckt in mir ein größerer Spießer, als in der Bankangestellten. Na wobei…… ich glaube nicht, hihi"

    Wahrscheinlich doch, so oft, wie Du darauf herumreitest und damit kokettierst, tätowiert (boah, wie cool, aber ich bin trotzdem GANZ normal) zu sein.

    Das mag vielleicht im Hipsterbezirk Prenzlauer Berg zwischen all den hippen Hipstern schon wieder was von Retrohip haben und ein minimales Hervorhebungsmerkmal sein.

    In Marzahn würdest Du in der Masse der tätowierten erdbeerblonden Cindys und Mandys schlicht untergehen.

    cheers
    Nicole

    • Liebe Nicole,
      danke für Deinen charmanten Hinweis, werde das sofort ändern.

      Und schönes Klischee ausgerechnet Marzahn zu wählen, naja. Da hab ich übrigens 20 Jahre gewohnt. Und gleich noch das Klischee mit dem "hippen" P-Berg hinterher, wow.

      Im Übrigen, nicht ich reite darauf rum, für mich sind Tattoos total normal, besitze ich seit über 10 Jahren, noch vor der Arschgeweih Welle u dem Trend, hauptsache irgendwo ein Stern tätowiert um in zu sein. Nur leider sind viele Leute vorurteilsbelastet was Menschen mit vielen Tattoos betrifft. Und so lange ich deshalb eine schlechte Mutter bin, in deren Augen, reite ich liebend gern noch 5000 mal drauf rum, weil mich solche Klischees ankotzen. Genauso wie die Bezirksklischees. Anderes Thema…
      Und noch was: Tattoos SIND cool! In meinen Augen, ich deswegen noch lange nicht.
      Viele Grüße!

    • Und schönes Klischee ausgerechnet Marzahn zu wählen, naja. Da hab ich übrigens 20 Jahre gewohnt.

      Oh. Ich hatte ja keine Ahnung. Das tut mir wirklich sehr leid.

      munter bleiben,
      N.

  6. Mein Mann hat damals meine erste Baby-Mama-Gruppe auch das wöchentliche Mütterbattle genannt und er hatte sooooo recht. Nur wollte ich es mir damals nicht eingestehen. Aber es ging genau um die Themen 🙂

  7. Du hast soo recht! Mach's wie du's für richtig findest. Und lass dich nicht ärgern!
    Solche blöden Kommentare sind z.T. richtige Übergriffe.
    Aber sie zeigen ganz deutlich, dass diese Mütter eben doch ein echtes Problem zu haben scheinen. Vielleicht sind sie selbst unsicher, oder lang nicht so selbstsicher, wie sie vorgeben, oder sie langweilen sich in ihrer Rolle, sind unterfordert/überfordert oder sonstwie frustriert. Wer anderen nix gönnen kann, ist eigentlich bedauernswert. Ausserdem finde ich diese Fixierungen (auf's Kind, Kinderernährung, Kindertüttelü und tüttela) irgendwie pathologisch.
    Falls du einen Psychiater im Bekanntenkreis hast, kannst du der nächsten Mutter, die dir blöd kommt ja den empfehlen. Derartige Zwangsstörungen sind behandelbar. Das ist doch eine gute Nachricht.

  8. So wahr!
    Aus diesem Grund meide ich bisher Spielguppen und sonstige Kurse (meine Tochter hat aber dennoch Kontakt zu andren Kids – hat zwei etwas aeltere Cousinen und aufm Spielplatz trifft man ja auch mal wen). Bzw verunsichert es mich nichtmal, aber es nervt einfach – und zwar tierisch!
    Klar, ich glaub jede Mami denkt sich mal "Boah ne warum machtn die das so?" (Geht mir zB so wenn ich Kids im Babybjoern getragen sehen oder wenn wer nen Gehfrei kauft – die Streitthemen unter Muettern schlechthin, neben dem Stillen). Aber der zweite Gedanke ist dann "Na sollse halt – ich machs anders und gut ist!" – wie du schon geschrieben hast: Jede Mama kuemmert doch irgendwie nach bestem Wissen und Gewissen um ihr Kind!
    Bei mir denken sich wohl auch einige "Mensch wie kannse ihrer Tochter nur n rosa Hello Kitty Bobbycar kaufen" oder "Warum kriegt das Kind n Trinkpäckchen?!" (Meine Tochter ist 18 Monate alt)… na sollnse das halt denken, mich juckts net ^^
    Ich mags echt nur nicht wenn mir wer mit "Also mein Kind kann ja schon das und das" oder "Also ich wuerd das ja anders machen…" kommt – es ist so aetzend nervig! Wenn ich nen Ratschlag oder Erfahrungen zu ThemaXY haben will frag ich von mir aus nach 😉

  9. Danke für diesen tollen Beitrag!
    Du hast sowas von recht und viele sollten mal etwas mehr nachdenken, bevor sie den Mund aufmachen! Aber solche Mütter lesen deinen Beitrag vermutlcih gar nicht erst… *hust

    LG Nina

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