Heute möchte ich mal über ein vielleicht heikles Thema schreiben. Andererseits denke ich, dass jeder der ein Kind hat, schonmal in so einer Situation war und an seine persönlichen Grenzen gekommen ist.

Auf dem Markt und im Netz findet man tausende von Ratgebern und kleinen Helfern, die das Leben mit Kind „erleichtern“ sollen. Wie jedes Kind schlafen kann, welche Spiele wann sinnvoll sind, wie man sein Kind zu erziehen hat. Ich ignoriere das Meiste konsequent. 3 verschiedene Bücher, drei verschiedene Meinungen. Am Ende macht man doch alles falsch, also vertrau ich lieber auf mein Bauchgefühl und den gesunden Menschenverstand. Zudem versuche ich mich an Werten oder Regeln zu orientieren, die mir wichtig sind und die ich Marlene gern vermitteln möchte. Konsequenz ist mir dabei besonders wichtig. Wir haben nämlich kein kleines Schäfchen zu Hause, die gleich hört wenn man was sagt, sondern eine, die einen mit einem frechen Gesicht anschaut und weiter macht. Die ein Gummibärchen verspeist und gleich das nächste verlangt, egal wie oft man nein sagt. Die jetzt schon versucht uns gegenseitig auszuspielen. Die ganz genau weiß was sie will oder eben nicht. Mit 20 Monaten hat sie schon einen ganz schönen Dickkopf, kann sehr fordernd sein und überschreitet gern ihre Grenzen. Und da sind wir bei der Situation die ich meine.

Gestern Abend z.B. nimmt Marlene meine Teetasse und trinkt daraus um sie danach blitzschnell über den ganzen Tisch auszukippen. Absichtlich. Das macht sie nur zu gern. Mit allen Getränken. Eigentlich will ich ihr keine Babytrinkflasche mehr geben, aber das sind die Einzigen, wo die Überschwemmung überschaubar bleibt. Wasser wegstellen bringt auch nichts, sie soll ja trinken. Dass ich das Glas festhalte? Undenkbar! Madame kann schließlich allein trinken! Der Tee verteilte sich unter der Glasplatte, durchnässte ein paar Bücher und Zeitschriften und tropfte genüsslich auf den Boden. Da wir dieses Spektakel schon sooooooo oft hatten und ich ihr schon sooooooooooo oft erklärt hab, dass man das nicht macht und bli bla blubb, wurde ich echt stinkig und fühlte mich ein bisschen verschaukelt. Ich raunzte sie etwas laut an, setzte sie aufs Sofa und meckerte wie ein Rohrspatz vor mich hin. Ein wirklich schlechtes Gewissen war ihr nicht anzumerken. Mir in dem Moment aber auch nicht.

Ein paar Minuten später geht sie zu ihrer Messlatte. Sie zottelte den ganzen Tag schon dran rum, wir erklärten ruhig, dass ihr bald alles entgegen kommt und es doch schade wäre, wenn wir nicht ranschreiben könnten wie groß sie schon ist. Wieder grabschte sie das Ende, zog und zerrte. Der Super Dad kam hinzu, wollte sie wegnehmen und in ihrer Wut, dass sie da weg sollte, riss sie die Messlatte kaputt. Der Super Dad war stinkig und raunzte sie laut an. Ich hab ihm angesehen, dass er ganz schön mit sich kämpfen musste und echt sauer war.

Heikles Thema vielleicht deshalb, weil wir einerseits wissen, dass es normal ist, wenn sie ihre Grenzen austestet, dass das dazu gehört, sie manche Dinge auch gar nicht einschätzen kann. Andererseits sind es Situationen die sich wiederholen, in denen wir hundert mal versucht haben zu erklären, warum man den Tee nicht auskippt. Wir brüllen selten ein lautes Nein! durch den Raum. Das Wort wird sonst schnell inflationär gebraucht und Marlene reagiert überhaupt nicht drauf. Wenn sie etwas nicht darf, oder mit Dingen schmeißt oder haut, sag ich kurz was Sache ist und gehe oder setz sie woanders hin. Nach einem kurzen Wutanfall ist alles vergessen und ich biete ihr ein neues Spiel an. Meistens klappt das irgendwie. Aber manchmal, da könnte ich sie nehmen und an die Wand schmeißen. Da bin ich richtig wütend auf sie. Da versteh ich nicht, warum sie mich wiederholt ärgern möchte. Denn so empfinde ich das. Da bin ich vielleicht auch schon müde und hab keine Lust auf wiederholtes „Tee kippt man nicht aus, mit Spielzeug schmeißt man nicht nach Mama“ – Singsang. 

Schlagen, Schreien, ewiges Gebrülle und Sauer sein sind für uns keine Optionen. Ich kenn das nicht aus meiner Familie, der Super Dad auch nicht und langfristig ist es erzieherisch eh keine Option. Klar möchte ich, dass mein Kind hört, aber nicht weil sie Angst vor mir hat. Hinterher haben wir uns geärgert, dass wir beide so laut wurden. Wir haben darüber gesprochen und gesagt, dass sie uns sicher noch öfter in solch heikle Situationen bringen wird. Dass sicher in Büchern so kluge Ratschläge stehen wie „Tief durchatmen. Sie ist doch ein Kind und muss ihre Grenzen austesten, den Dickschädel durchsetzen“ Alles gut und schön, nur manchmal nicht hilfreich. Ich bin auch kein Freund davon, dem Kind minutenlang ein Ohr abzukauen und Vorträge zu halten. Da hört doch keiner zu. Kurze Sätze und Erklärungen, fertig.

Vielleicht denken jetzt Einige, „Oh Gott das arme Kind! Mir ist sowas noch nie passiert. Ich hab mich immer unter Kontrolle. Es ist doch ein Kind, das kann nichts dafür, da sind die Eltern Schuld!“ Okay… Drum schrieb ich „heikel“ am Anfang. Weil man vielleicht nicht darüber spricht wie schwer es manchmal ist, ruhig zu bleiben und nicht die Fassung zu verlieren. Mir fällt es manchmal schwer. Ich käme nie auf die Idee, sie vor Wut zu schütteln oder zu schlagen, aber sie reizt mich manchmal so sehr, da werd ich laut und verbal aggressiv. Da könnte ich sie … Ich geh dann schnell und atme tief durch. Meist sitzt sie wie ein Häufchen Elend da und ich entschuldige mich, geb ihr viele feuchte Knutscha, erklär ihr kurz nochmal die Lage und wir spielen was. Schön ist es freilich nicht, aber menschlich. Ich bin eben nicht immer beherrscht, bin auch nur ein Mensch der an seine Grenzen kommt und der das allwissende und immer richtig handelnde Mutti-Gen nicht gepachtet hat. Drum wollte ich mich mal „outen“ und das Thema ansprechen. Denn irgendwie glaube ich, das ging jedem schonmal so. Und ich denke, so lange man sich seiner „Tat“ bewusst ist, kann man in 90% der Fälle besser reagieren oder für die Zukunft lernen. Nur weiß ich schon jetzt, mit dem kleinen Wirbelwind werden wir noch ordentlich Spaß haben und ich muss noch viel durchatmen. Ooommmmmmmmm.

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Seit 2011 bin ich in die Welt der Mütter aufgenommen. Mittlerweile habe ich 3 Töchter. Hier schreibt keine "typische" Mutter, die Haushalt und Familie mit links schmeißt, Modelmaße hat und nebenbei locker eine Karriere wuppt. Ich finde es okay, auch mal zu sagen "Ich bin müde! Der Mann nervt! Wir streiten öfter! Nein, ich backe, bastel und singe nicht 24 Stunden am Tag! Ja, ich mag Fast Food und ein Schnäpschen zwischendurch!" Aber auch die schönen Dinge kommen nicht zu kurz. Süße Sachen die ich im Netz finde, hilfreiche Tipps, anderes Lesenswerte und ganz viel ♥

11 Comments

  1. Ich glaube, dass zwei Dinge wichtig sind. 1. Ruhig bleiben (ich weiss, leichter gesagt als getan, aber mit ruhiger Stimme zu sprechen ist sehr wichtig) und 2. eine Konsequenz zeigen. "Wenn Du das nochmal machst gehst Du aus dem Zimmer" und dann beim nächsten Mal sofort aus dem Zimmer, ohne Disskussion, kurz schreien lassen und dann zurückholen und in Ruhe nochmal erklären.
    Diese Methode ist anfangs anstrengend, aber langfristig zeigt sie bei uns ganz gute Wirkung.

  2. Ein simples, klares "Nein" kommt auf jeden Fall besser an, als endlose Erklärungen. Mit anderthalb funktioniert ein Kind nicht rational.
    Simple, klare Ansagen, "ja" und "nein". "Warum" sind erst nötig, wenn das Kind danach fragt. Dann kann es die Erklärung auch erfassen. Im Moment will es nur wissen, wie weit es gehen kann.
    "Nein, ich will das nicht" kann man auch sagen ohne zu brüllen 😉
    (aber wir hatten trotzdem "STOOOP" als Stopwort und nicht "nein", zb für Gefahrensituationen)

  3. Hallo!

    Vielen lieben Dank für Eure aufmunternden und bestätigenden Kommentare!! Ich habe sie gleich dem Super Dad vorgelesen, der meinte, schön zu wissen, dass es vielen so geht. Und würde ich noch rauchen, dass mit den 5 Zigaretten auf dem Balkon kann ich echt gut verstehen 🙂

    Ich wünsche Euch allen einen schönen Tag, starke Nerven und immer ein bisschen extra Luft zum Durchatmen!

  4. jaja die Kleenen :-D… nur zur Information es wird nicht besser nur anders … und weil es mir genauso geht wie allen anderen ja auch – hier ein Tip von mir … spar dir das schlechte Gewissen. Mach dir bewußt das du eben nicht nur SuperMom bist sondern auch einfach Mensch der Gefühle hat. Das muss der Zwerg nämlich lernen. Das sein Verhalten Auswirkungen auf andere hat. Wenn du ihr erklärst du bist sauer und sie überhaupt keine Anzeichen dafür vermittelt bekommt – weil du ja die Geduld in Person bist dann versteht sie nicht was es heißt sauer zu sein. Und mit der Tasse – gib ihr doch eine Trinklerntasse – die kann sie nicht einfach mal ausschütten. Als Konsequenz für ihr Verhalten.

    Wünsch dir starke Nerven LG Katja

  5. Auch auf die Gefahr hin, dass alles sinnvolle schon gesagt wurde, möchte ich beipflichten:

    Eltern sind auch nur Menschen und Kinder müssen und können auch verstehen, dass diese manchmal halt wirklich sauer sind.

  6. Kinder haben macht reich; Andere müssen 8.000er erklimmen, um an ihre Grenzen zu kommen, mir reichen 2 Kinder und 3,5 Jahre ohne durchgehende Nachtruhe (ein paar wenige Nächte ausgenommen – Danke Oma und Tante…). Einige besuchen Yoga-Kurse um die innere Ruhe zu finden, ich übe täglich mit meiner 3,5-Jahre alten Sparringpartnerin Gelassenheit während ihrer Wutanfälle. Und ich suche noch immer nach der perfekten Reaktion auf Zornausbrüche, obwohl ich schon längst weiß, dass es keine Lösung gibt. Außer die Zeit vielleicht…. ich meine: hoffentlich! Meine Tochter ist schließlich schon so weit, dass sie erklärt, in dem T-Shirt, das sie bereits anhatte, sich aber wieder wild vom Leib riss, sitzt das Wutmonster… tja… soviel zum Thema "Bücher die helfen" ;-). (Das kleine Wutmonster, Britta Schwarz, Annette Betz Verlag)

  7. So ist es nunmal, wie du schon sagst auch Mütter sind Menschen. Ich war mal mit meinem in einer Situation, die ausgeartet wäre, hätte ich nicht gelernt meine Wut zu kanalisieren. Ich bin raus auf den Balkon und hab mir 5 Zigaretten hintereinander geraucht um runter zu kommen so fuchsteufelswild war ich. Es gibt Menschen die das nicht gelernt haben und mit Gewalt reagieren und bestimmt Mütter die Nerven wie Drahtseile haben und es gibt mich. Und so ist jeder anders und jeder macht es richtig solange man auf seine Intuition hört und nicht Büchern restlos recht gibt oder vertraut.

  8. Ach, ich versteh Dich so gut! Wir sind alle nur Menschen und leider nicht mmit Nerven aus Drahtseilen + Watteschicht gesegnet. Wenn nach dem fünfzigsten Ermahnen immer noch nicht gehört wird, bzw. man den Eindruck hat, das extra geärgert wird, da fängt es wohl in jedem an zu Brodeln.
    Du machst das super! Hör auf Dein herz und alles ist gut. Kinder müssen Grenzen austesten dürfen, aber auch Grenzen erfahren!

    In diesem Sinne – OMMMMMMM und ein Toffifee obendrauf!

    Liebste Grüße,
    Jasmin

  9. Ich persönlich finde es auch nicht so tragisch mal laut zu werden, zumindest dann, wenn man wirklich an diesem Punkt ist, wo es eben nicht mehr anders geht. Zumal man dann ohnehin nur noch reagiert und nicht mehr groß nachdenkt, geht mir zumindest so. 😀

    Und ich glaube kaum, dass es wirklich Eltern gibt, die nie "austicken" und ihre eigentlich ruhige, sachliche Art kurz für eine Affekthandlung über Bord werfen. Ist doch ganz normal und menschlich. Das muss ein Kind auch lernen, dass Mama und Papa Fehler machen und dann aber auch dazu stehen indem sie sich fürs Anschreien entschuldigen. Nobodys perfect, das kann man gar nicht früh genug lernen. 🙂

    Liebe Grüße
    Isa

  10. Ich denke auch, das ging fast allen Eltern schonmal so. Prinzipiell finde ich es eigentlich auch gar nicht schlimm, wenn das Kind mal merkt, dass es die Eltern gerade richtig sauer gemacht hat. Solche Reaktionen werden ihm später ja auch von anderen entgegenschlagen. Die Frage ist eben nur, in welcher Weise man seine Wut als Elternteil zeigen sollte. Natürlich nicht durch Schläge oder ähnliches. Aber mal ein lautes Wort zu sprechen, finde ich persönlich in Ordnung, auch auf die Gefahr hin, dass das Kind sich erschreckt. Ich habe mich schließlich selbst auch furchbar erschreckt, als mein Kind zum Beispiel den Teller freudig zu Boden geschmissen und dabei in tausend Scherben zerschlagen hat. Sobald sich dann alle wieder beruhigt haben, sollte man dann sicher nochmal kurz ruhig über die Sache reden und dann ist es auch wieder gut.

  11. Oh Mann, da mußte ich aber mal ganz groß und breit Grinsen!
    Geben wir es doch zu, manchmal denken wir, wir sind die einzigen die Ausflippen und Dinge tun, die wir nachher bereuen!!! Ich dachte auch so, bis zu deinem Post! Gerade jetzt, wo ich auch ein wenig mit den Nerven runter bin, ist es "schön" zu lesen, das es im Grunde allen so geht!!! Und ich denke mir wieder, es gibt nichts perfektes und wir müssen einfach mit der Situation leben und fertig werden, uns versuchen weiter zu beherrschen und das beste draus machen!!! Vielen, vielen Dank dafür!!!
    http://das-leben-einer-nicht-elfe.blogspot.de/

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