Heute möchte ich mal mein Trauma verarbeiten, das ich habe seitdem ich wusste, dass aus dem Zellklops eine Marlene wird. STILLEN. Keine große Sache könnte man jetzt denken. Hat die Natur schließlich gut überlegt und durchdacht das Ganze. Immer überall verfügbar, richtige Temperatur und nachts kein unnötiges Fläschchen machen und eine gefühlte Ewigkeit warten bis es kalt wird während das Kind einem, dem Hungertod gefährlich nah, die ganze Hütte zusammen schreit.

Ja, es könnte alles so schön sein. Wenn ich nicht im Prenzlauer Berg wohnen würde, wo Frisch-Muttis der Meinung sind, aller Welt ihre Brüste darbieten zu müssen beim Stillen. Eigentlich sollte ich an dieser Stelle erstmal ein Foto posten von Mipsi und Mopsi. Macht man ja schließlich so.

Scheinbar habe ich im Krankenhaus den Stand übersehen an dem einen die Karte „Verliere alle Hemmungen und präsentiere stolz in JEDEM Café mindestens 3 Minuten lang je eine Brust“ gegeben wird. Ständig sehe ich irgendwo eine stillende Frau. Man könnte das mit einem Tuch verdeckt machen etwas abseits, so wie ich, oder man stillt Ben-Ole, Paul und Greta in der ersten Reihe ohne Tuch und völlig offensichtlich. Kommt das Wort „stillen“ nicht von „Stille“? Hat doch was mit Ruhe zu tun, ist schließlich ein intimer Moment.

Den Brust-Vogel abgeschossen hat eine stylische Mutti im Café als sie aus der Toilette kam, das Kind genüsslich an einer Brust saugte, sie, natürlich ohne Tuch, durch das ganze Café lief, indem Gäste grad ihren Milchkaffee (wie passend eigentlich) genießen wollten, sich an ihren Tisch platzierte und anstatt sich von den Gästen wegzudrehen, sich demonstrativ „SCHAUT ALLE HER ICH STTTIIIILLLLLLLEEEEE“ präsentierte. Mir blieb kurz das Stück Kuchen im Hals stecken. Und als sei das nicht genug, wechselte sie die Seite in dem sie erst die neue Brust auspackte, das Baby neu platzierte um dann die eben noch Besetzte wieder einzupacken. Vielen Dank für den Anblick. Habe ich nicht gebraucht. Da war ich noch nicht mal schwanger. Hatte aber ab diesem Moment eine stetig wachsende Abneigung gegens Stillen. Danke Exibitionisten-Muttis dieser Welt. Warum nur seid ihr so grausam?!

Geheilt wurde ich im Krankenhaus, ca. vier Stunden bevor Marlene auf die Welt kam. Da nix passierte wehentechnisch bekam ich für die Nacht ein Zimmer zugewiesen mit einer Frau die ihr Baby bereits bekommen hatte. Sie gab dem Baby das Fläschchen mit den Worten (bitte in hohen Tönen mindestens fünf mal wiederholen): Ja feiniiiii hast du das gegessen, ja schhhöööööööön machst du happi happi. Darf die Mami nun auch mal Happa machen? Jaaaa? Jaaaa? ….. Aha, nein danke, neues Zimmer bitte und bloß kein Fläschchen. Nicht dass ich auch noch so rede.

So habe ich mein Kind gestillt, 4 Monate lang (bin grad in der Abstillphase. Schnaps ahoi!) Mein Baby wird es mir verzeihen, dass ich nicht 6 Monate voll gestillt habe, aber irgendwann reichts auch mal. Zudem Marlene ein Baby ist, die Trinken als äußerst mühsam empfindet und mir das mit Schreiattacken klar verständlich macht. Ob sie wohl ähnlich übers stillen denkt wie ich? Aber wir haben das gemeistert. Ohne eine Nacktszene in der Öffentlichkeit. Geht doch!

Als ich nun gerade dachte, dieses Gruselthema ist halbwegs schmerzfrei an mir vorbei gegangen (ja ich würde wieder stillen, ist gesünder, besser, preiswerter…) habe ich das Thema „abstillen“ gegoogelt. Da komme ich doch auf eine Seite in der sich Frauen darüber auslassen, dass beide dazu bereit sein müssen, sonst stört das die zarte Beziehung, dass stillen bis das Kind 2 (!!!!!!) Jahre alt ist eh das allerschönste, tollste, beste auf der Welt ist und dass der Abstillprozess ja sehr traurig war, da die Nähe zum Kind nun fehlt. Daraufhin hätte ich am liebsten einen Schnaps getrunken. Verfolgen mich diese Still-Frauen überall hin?! Ob die eine wohl die aus dem Café war? Und was denkt sich die Feiniiii-Happa-Happa-Frau? Dass ihr Kind gestört ist weil sie nicht stillt? Und liebt mich Marlene nun weniger? Habe schließlich einfach beschlossen, dass wir beide mehr als bereit sind für Brei und andere Köstlichkeiten.

Es ist schon so eine Sache mit dem Stillen. Mag Frau es nun oder nicht. Aber bitte, lasst doch eure Mopsis bei euch. Das möchte keiner sehen! Drum habe ich mich auch entschieden kein Foto zu veröffentlichen, auch wenn die beiden selbstverständlich absolut vorzeigetauglich sind. Ist ja klar. Bin schließlich eine stillende Mama aus dem Prenzlauer Berg. Stattdessen lieber das Kind beim ersten Breiversuch. Sieht doch eh viel schöner aus, oder?

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Seit 2011 bin ich in die Welt der Mütter aufgenommen. Mittlerweile habe ich 3 Töchter. Hier schreibt keine "typische" Mutter, die Haushalt und Familie mit links schmeißt, Modelmaße hat und nebenbei locker eine Karriere wuppt. Ich finde es okay, auch mal zu sagen "Ich bin müde! Der Mann nervt! Wir streiten öfter! Nein, ich backe, bastel und singe nicht 24 Stunden am Tag! Ja, ich mag Fast Food und ein Schnäpschen zwischendurch!" Aber auch die schönen Dinge kommen nicht zu kurz. Süße Sachen die ich im Netz finde, hilfreiche Tipps, anderes Lesenswerte und ganz viel ♥

7 Comments

  1. Haha wie treffend deine Ansagen hier schon waren:)
    Ich habe gerade mal ein bisschen Zeit und werde mich jetzt mal durch deinen Blog wühlen….

    Gruß Simone

  2. "Kommt das Wort "stillen" nicht von "Stille"? Hat doch was mit Ruhe zu tun…"
    Ich glaube nicht das das so gemeint war. Ich denke es ging eher um das Kind wieder still zu kriegen! Keine romantisches, gemütliches Moment war dabei gedacht!.

    • Na ich seh stillen auch nicht als romantisch oder gemütlich. Aber viele Mamas tun dies. Es ist so ein intimer Moment, wir sind uns so nah, nie ist die Liebe und Vertrautheit größer…. Und ob es nun von Das Kind still bekommen kommt oder von Stille, trotzdem finde ich, muss man sich nicht so zur Schau stellen und allen stolz seine Barbusigkeit präsentieren. Denn am Ende ist es Nahrungsaufnahme, schlicht und einfach. Und ein bisschen Ruhe tut da gut. Auch ich ess lieber im Restaurant oder zu hause als mitten in der Bahnhofshalle 🙂

  3. absolut klasse ! Du schreibst gut und witzig – ich sehe das so richtig plastisch vor mir!!Hab auch mal in Berlin gelebt und der Anblick dieser von dir beschriebenen P-berg-Mütter ist mir gut in Erinnerung-da gehört ja das plakative Stillen genauso dazu, wie die unvermeidliche Frühstücks Milckkaffee-Schale früher und später Latte M-Glas zum unendlichen Showtime -Gefrühstücke!:-))Ach ja Berlin..

  4. Das nehm ich mal als Kompliment. U welche poltical correctness?? Ist alles die Wahrheit 🙂

    u die Theorie mit den quasi silikon titten find ich gar nicht schlecht. Machts zwar nicht besser aber immerhin ein Grund.

  5. jette, jette, jette. du schreibst wie du sprichst! ohne rücksicht auf satzzeichen und vor allem ohne beachtung jeglicher political correctness-konventionen. weiter so! björn

  6. sehr schön. Die präsentieren ihre Brüste so voller Stolz, weil sie dann endlich mal prall gefüllt sind. Quasi Brusttuning mit Milch statt Silikon…. 🙂

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